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NEUROLOGIE·PSYCHIATRIE

Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung

Eine Persönlichkeitsstörung ist nach der ICD-11 der WHO eine deutliche Störung der Persönlichkeitsfunktion. Im Mittelpunkt stehen Schwierigkeiten im Erleben der eigenen Person, etwa mit Identität, Selbstwert und Selbststeuerung, und/oder in Beziehungen zu anderen.1 Zwischen Art und Ausmaß gibt es keine scharfe Grenze; Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie von unauffällig bis schwer beschreiben.2

Dieser Beitrag erklärt, wie Persönlichkeitsstörungen heute eingeteilt werden, welche Formen es gibt, wie häufig sie sind, wie sie verlaufen, wovon sie abzugrenzen sind und welche Behandlungen wissenschaftlich untersucht sind. Er ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose.

  • 56 Quellen, u. a. aus The Lancet, JAMA Psychiatry, American Journal of Psychiatry, World Psychiatry
  • Belegte Aussagen mit Fußnote, Einordnung getrennt
  • Stand 05.10.2026
Akute Krise

Akute Krise oder Gedanken an Selbsttötung? Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112. TelefonSeelsorge kostenfrei: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstunden: 116 117. Mehr im Abschnitt „Krise und Notfall“ (Stand 5. Oktober 2026).3,4


Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick

  1. Die ICD-11 beschreibt keine zehn Einzeldiagnosen mehr, sondern einen Schweregrad und fünf Merkmalsbereiche.5 Das amerikanische DSM-5-TR unterscheidet weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6 Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR
  2. Auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen verändern sich: In einer Langzeitstudie mit stationär aufgenommenen Menschen erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission).7 Verlauf
  3. Psychotherapie verringert nach einem Cochrane-Review die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung.8 Psychotherapie
  4. Für kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9 Medikamente
  5. Eine Persönlichkeitsstörung lässt sich nicht mit einem Online-Test feststellen. Die Diagnose stellen Fachleute in einem ausführlichen Gespräch. Diagnostik

Was ist eine Persönlichkeitsstörung? Krankheitsbild ohne Stigma

Für Betroffene und Angehörige

Jeder Mensch hat eine eigene Art zu denken, zu fühlen und mit anderen umzugehen. Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man nach der amerikanischen Psychiatrievereinigung erst, wenn solche Muster lange anhalten, deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens.6 Persönlichkeitszüge sind kein Makel. Die Merkmalsbereiche der ICD-11 gehen fließend in normale Eigenschaften über; sie sind Dimensionen und keine eigenen Diagnosen.1 Ausgeprägte Züge, die nur zeitweise oder schwach auftreten, gelten in der ICD-11 als Persönlichkeitsauffälligkeit und ausdrücklich nicht als psychische Störung.1

Fachlicher Hintergrund

Ein Grund für die Neuordnung in der ICD-11 war, dass Persönlichkeitsstörungen nach der ICD-10 im Vergleich zu ihrer Häufigkeit deutlich zu selten diagnostiziert wurden; von den zehn Einzeldiagnosen wurden nur zwei häufiger dokumentiert.5

Kategorien und Dimensionen schließen sich in der Praxis nicht aus: In einer Studie mit 305 ambulanten Patientinnen und Patienten und 302 im Screening auffälligen Personen aus der Bevölkerung, die nicht in Behandlung waren, erkannte das alternative dimensionale DSM-5-Modell insgesamt ähnlich viele und weitgehend dieselben Menschen mit Persönlichkeitsstörung wie das kategoriale Modell.10 Für einzelne Persönlichkeitsstörungen stimmten die beiden Modelle allerdings nur unterschiedlich gut überein.10

Das alternative Modell beschreibt die Persönlichkeitsfunktion in vier Bereichen: Identität und Selbststeuerung sowie Empathie und Nähe. Eine deutsche S3-Leitlinie zu schweren Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionen stellt genau diese Funktionen in den Mittelpunkt.11

Ein Lichtband geht fließend von Hell über Blaugrün zu Dunkelblau über, darauf verteilte Glasperlen, als Sinnbild dafür, dass Persönlichkeitszüge ein Kontinuum ohne scharfe Grenze bilden.
KI-generierte Illustration (Sinnbild: Kontinuum ohne scharfe Grenze)
Viele kleine gesichtslose Figuren von oben auf einer ruhigen Fläche, als Sinnbild für die Bevölkerung (nicht maßstäblich).
KI-generierte Illustration, Sinnbild, nicht maßstäblich: viele Menschen, keiner hervorgehoben. Kein Mengen- oder Datenbild.

Erklärvideo · 40 s

Kategorien oder Kontinuum?

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Persönlichkeitszüge sind kein Makel. Zwischen unauffällig und schwer gibt es keine scharfe Grenze; Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie beschreiben. Das amerikanische DSM-5-TR unterscheidet dagegen weiterhin zehn Persönlichkeitsstörungen in den Clustern A, B und C. Die genetischen Risikofaktoren folgen dieser Einteilung nicht. Ein alternatives Modell betrachtet Identität, Selbststeuerung, Empathie und Nähe. In einer Studie erkannte es weitgehend dieselben Menschen wie das kategoriale Modell. Bei einzelnen Störungen stimmten beide unterschiedlich gut überein.1,2,6,10,11,12,13,14,15

Wie hängen Merkmale, Abgrenzungen, Behandlungen und Studien zusammen?

Ein Netz aus belegten Verbindungen. Klicken Sie auf einen Knoten, um zum Abschnitt, zum Studiendesign oder zur Quelle zu springen. Die Linienstärke zeigt keine Rangfolge.

Eine Linie bedeutet: Für diese Verbindung gibt es einen Beleg. Sie zeigt weder die Stärke einer Wirkung noch eine Rangfolge; alle Linien sind gleich stark gezeichnet. „Abzugrenzen von“ heißt Differenzialdiagnose, nicht Ursache. „Untersucht ohne gesicherte Wirkung“ ist keine Behandlungsempfehlung. Formen beschreiben Muster, keine Menschen.

Klassifikation

Formen und Merkmale

Form (Muster, keine Person)

Merkmal

Abgrenzung und Begleiterkrankungen

Abgrenzung oder Begleiterkrankung

Neurologische oder körperliche Ursache

Behandlung

Studien

So lesen

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59 Knoten, 60 Verbindungen.

Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4

  • Klassifikation
  • Form oder Merkmal
  • Abgrenzung
  • körperliche Ursache
  • Behandlung
  • Studie
  • ohne gesicherte Wirkung

KernsatzViele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen.

Alle 60 Verbindungen als Tabelle
VonBeziehungNachBeleg
ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereicheordnet einBorderline-Muster (ICD-11)16
ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereicheordnet einPersönlichkeitsauffälligkeit (keine Störung)1
DSM-5-TR: 10 Kategorien, Cluster A/B/Cordnet einAlternatives DSM-5-Modell15
Borderline-Muster (ICD-11)ordnet einBorderline / emotional instabil16
DSM-5-TR: 10 Kategorien, Cluster A/B/Cordnet einBorderline / emotional instabil13
ICD-11: Schweregrad + Merkmalsbereicheordnet einSchizotype Störung (Schizophrenie-Spektrum)17
Borderline / emotional instabilzeigt sich inAffektive Instabilität16
Borderline / emotional instabilzeigt sich inImpulsivität16
Borderline / emotional instabilzeigt sich inInstabiles Selbstbild16
Borderline / emotional instabilzeigt sich inSelbstverletzung, Suizidalität16
Borderline / emotional instabilzeigt sich inChronische Leere, Verlassenheitsangst16
Ängstlich-vermeidendzeigt sich inRückzug, Angst vor Kritik21
Anankastisch (zwanghaft)zeigt sich inPerfektionismus, Kontrolle21
Affektive Instabilitätabzugrenzen vonBipolare Störung18
Borderline / emotional instabilkann gemeinsam auftreten mitBipolare Störung22
Impulsivitätabzugrenzen vonErwachsenen-ADHS19
Borderline / emotional instabilabzugrenzen vonKomplexe PTBS1
Rückzug, Angst vor Kritikabzugrenzen vonAutismus-Spektrum1
Ängstlich-vermeidendteilt genetische Einflüsse mitSoziale Angststörung26
Borderline / emotional instabilkann gemeinsam auftreten mitDepression und Angst (Komorbidität)19
Borderline / emotional instabilabzugrenzen vonSubstanzerkrankung1
Misstrauen, Kränkbarkeitabzugrenzen vonSekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung1
Sekundäre/organische Persönlichkeitsveränderungabzugrenzen vonDemenz1
Sekundäre/organische PersönlichkeitsveränderungumfasstFrontalhirnsyndrom32
Multiple Sklerosemögliche Ursache fürSekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung1
Schlaganfallmögliche Ursache fürSekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung1
Epileptische Anfällemögliche Ursache fürSekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung1
Schilddrüsenerkrankungenmögliche Ursache fürSekundäre/organische Persönlichkeitsveränderung1
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungDialektisch-Behaviorale Therapie19
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungMentalisierungsbasierte Therapie19
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungSchematherapie23
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungÜbertragungsfokussierte Psychotherapie24
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungStrukturiertes psychiatrisches Management25
Borderline / emotional instabiluntersuchte BehandlungPsychoedukation19
Selbstverletzung, Suizidalitätuntersuchte BehandlungKrisenplan20
Komplexe PTBSuntersuchte BehandlungDBT-PTBS31
Ängstlich-vermeidenduntersuchte BehandlungPsychodynamische Kurzzeittherapie / kognitive Therapie (Cluster C)27
Borderline / emotional instabiluntersucht ohne gesicherte WirkungMedikamente (keine Zulassung, Off-Label)9,19
Antisozial / dissozialuntersucht ohne gesicherte WirkungMedikamente (keine Zulassung, Off-Label)30
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inLinehan 199134
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inLinehan 200635
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inMcMain 200925
Strukturiertes psychiatrisches Managementuntersucht inMcMain 200925
Mentalisierungsbasierte Therapieuntersucht inBateman & Fonagy 1999/200838
Mentalisierungsbasierte Therapieuntersucht inBateman & Fonagy 200939
Schematherapieuntersucht inGiesen-Bloo 200623
Übertragungsfokussierte Psychotherapieuntersucht inGiesen-Bloo 200623
Übertragungsfokussierte Psychotherapieuntersucht inClarkin 200724
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inClarkin 200724
Schematherapieuntersucht inArntz 202240
Schematherapieuntersucht inBOOTS 202636
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inBOOTS 202636
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inMcCauley 201837
DBT-PTBSuntersucht inBohus 202031
Medikamente (keine Zulassung, Off-Label)untersucht inLABILE 201842
Medikamente (keine Zulassung, Off-Label)untersucht inCochrane 2020/20229
Dialektisch-Behaviorale Therapieuntersucht inCochrane 2020/20228
Borderline / emotional instabiluntersucht inMcLean / CLPS7
Psychodynamische Kurzzeittherapie / kognitive Therapie (Cluster C)untersucht inSvartberg 200427
Schematherapieuntersucht inBamelis 201441

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPT (federführend) et al. · AWMF S3-Leitlinie LL-SBPF (134-001) 202411; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5) 201315; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; Wilfer T et al. · Der Nervenarzt 202428; Bohus M et al. · The Lancet 202133; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200843; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 199134; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 199938; Giesen-Bloo J et al. · Archives of General Psychiatry 200623; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Svartberg M et al. · American Journal of Psychiatry 200427; Bamelis LL et al. · American Journal of Psychiatry 201441; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 200635; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200939; Arntz A et al. · JAMA Psychiatry 202240; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; Clarkin JF et al. · American Journal of Psychiatry 200724; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Khalifa NR et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202030


Einteilung der Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 und DSM-5-TR

ICD-11 der WHO: dimensional

ICD-11: erst der Schweregrad

Die ICD-11 stuft zuerst den Schweregrad ein. Leicht: Es gibt Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben aber erhalten. Mittelgradig: deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen sind eingeschränkt. Schwer: nahezu alle Beziehungen sind ernsthaft beeinträchtigt.1

ICD-11: fünf Merkmalsbereiche

Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus.5 Negative Affektivität meint die Neigung, viele belastende Gefühle zu erleben; Distanziertheit die Neigung, Abstand zu anderen zu halten; Enthemmung die Neigung, auf unmittelbare Reize hin zu handeln, ohne längerfristige Folgen zu bedenken.17

Die fünf Bereiche im Wortlaut

Dissozialität meint die Missachtung der Rechte und Gefühle anderer, Anankasmus einen engen Fokus auf starre Maßstäbe von Perfektion und von Richtig und Falsch.1

ICD-11: Borderline-Muster

Zusätzlich kann ein Borderline-Muster vermerkt werden, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen vorliegen; sie entsprechen weitgehend den DSM-5-Kriterien. Das Borderline-Muster ist ein Zusatzmerkmal, keine eigene Diagnose.16

DSM-5-TR und ICD-10: Kategorien

DSM-5-TR und ICD-10: Kategorien und Cluster

Das DSM-5-TR der amerikanischen Psychiatrievereinigung beschreibt weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6 Im DSM bilden paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung das Cluster A; die Anfälligkeit dafür war in einer norwegischen Zwillingsstudie hoch erblich.12 Zum „dramatischen“ Cluster B gehören antisoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung.13 Zu Cluster C zählen unter anderem die vermeidend-selbstunsichere und die dependente Persönlichkeitsstörung. Die genetischen Risikofaktoren folgen allerdings nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C.14

In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17

Das alternative DSM-5-Modell

Ein alternatives, dimensional-kategoriales Modell steht im DSM-5 nicht im Hauptteil, sondern als Forschungsmodell in Abschnitt III.15

Studiendetails

Für die Borderline-Persönlichkeitsstörung verlangt das alternative Modell mindestens eine mittelgradige Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktion und mindestens vier von sieben problematischen Zügen: emotionale Labilität, Ängstlichkeit, Trennungsunsicherheit, Depressivität, Impulsivität, Risikobereitschaft und Feindseligkeit. Mindestens einer davon muss Impulsivität, Risikobereitschaft oder Feindseligkeit sein.16

Fünf gläserne Blätter unterschiedlicher Länge um ein goldenes Zentrum über drei feinen Ringen, als schematisches Sinnbild für fünf Merkmalsbereiche und drei Schweregrade der ICD-11.
KI-generierte schematische Illustration: Sinnbild für Merkmalsbereiche und Schweregrade. Blattlängen sind keine Messwerte.
Eine Reihe gläserner Kästchen öffnet sich, ihr Licht fließt zu einem durchgehenden, farblich verlaufenden Band zusammen, als Sinnbild für den Übergang von Kategorien zu Dimensionen.
KI-generierte schematische Illustration: von Kategorien zu Dimensionen. Die Zahl der Kästchen entspricht keiner Typenzahl.

ICD-11 und DSM-5-TR: zwei Arten, Persönlichkeitsstörungen einzuteilen

Links interaktiv die ICD-11: Schweregrad mit dem Regler wählen, Merkmalsbereiche als Dimensionen antippen, das Borderline-Muster als Zusatz. Rechts die zehn Kategorien des DSM-5-TR in den Clustern A, B und C.

Zwei getrennte Klassifikationen: links die ICD-11 der WHO, rechts das amerikanische DSM-5-TR mit den Kategorien, die auch die ICD-10 kennt. Die Grafik stellt sie nebeneinander, rechnet sie aber nicht ineinander um. Sie beschreibt Muster, keine Menschen.

ICD-11 der WHO · dimensional

Erst der Schweregrad, dann die Merkmalsbereiche

Die ICD-11 beschreibt keine zehn Einzeldiagnosen mehr, sondern einen Schweregrad und fünf Merkmalsbereiche.5

  1. Schritt 1 · Gibt es eine Störung der Persönlichkeitsfunktion, und wie schwer ist sie?

    Eine Persönlichkeitsstörung ist nach der ICD-11 der WHO eine deutliche Störung der Persönlichkeitsfunktion.1 Persönlichkeitsprobleme lassen sich am besten auf einer Linie von unauffällig bis schwer beschreiben.2

    Persönlichkeitsauffälligkeit keine Störung

    Ausgeprägte Züge, die nur zeitweise oder schwach auftreten, gelten in der ICD-11 als Persönlichkeitsauffälligkeit und ausdrücklich nicht als psychische Störung.1

    leicht Persönlichkeitsstörung

    Leicht: Es gibt Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben aber erhalten.1

    mittelgradig Persönlichkeitsstörung

    Mittelgradig: deutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen sind eingeschränkt.1

    schwer Persönlichkeitsstörung

    Schwer: nahezu alle Beziehungen sind ernsthaft beeinträchtigt.1

    Leicht: Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten.

    Die Linie zeigt keine Messwerte; sie ordnet nur die Beschreibungen der WHO an.

  2. Schritt 2 · Welche Merkmalsbereiche prägen das Bild?

    Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus.5

    So lesen

    Jeder Balken ist eine Dimension von der normalen Ausprägung bis zur starken Ausprägung, ohne Messwerte. Einen Bereich antippen, um die Beschreibung der WHO zu lesen.

    Persönlichkeitszüge sind kein Makel.1

  3. Schritt 3 · Optional: Borderline-Muster

    Zusätzlich kann ein Borderline-Muster vermerkt werden, wenn mindestens fünf von neun Merkmalen vorliegen; sie entsprechen weitgehend den DSM-5-Kriterien.16

    1. 1instabiles Selbstbild
    2. 2instabile Beziehungen
    3. 3instabile Gefühle
    4. 4Impulsivität
    5. 5heftige Wut
    6. 6Gefühle der Leere
    7. 7starke Verlassenheitsängste
    8. 8suizidales oder selbstverletzendes Verhalten
    9. 9unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome

    Merkmale gekürzt nach einer Übersichtsarbeit16. Das Borderline-Muster ist ein Zusatzmerkmal, keine eigene Diagnose.16

DSM-5-TR und ICD-10 · kategorial

Zehn Kategorien in drei Clustern

Das DSM-5-TR der amerikanischen Psychiatrievereinigung beschreibt weiterhin zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen.6

ACluster A

Im DSM bilden paranoide, schizoide und schizotypische Persönlichkeitsstörung das Cluster A12

BCluster B

Zum „dramatischen“ Cluster B gehören antisoziale, histrionische, narzisstische und Borderline-Persönlichkeitsstörung.13

CCluster C

Zu Cluster C zählen unter anderem die vermeidend-selbstunsichere und die dependente Persönlichkeitsstörung.14

So lesen

Sie beschreiben Muster, die Leiden oder Einschränkungen verursachen, und keine Menschen. Eine Kategorie antippen, um die belegte Beschreibung zu lesen.

  • Die genetischen Risikofaktoren folgen allerdings nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C.14
  • In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
  • Ein alternatives, dimensional-kategoriales Modell steht im DSM-5 nicht im Hauptteil, sondern als Forschungsmodell in Abschnitt III.15

Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4

  • Schweregrad (ICD-11)
  • Merkmalsbereich als Dimension
  • Kategorie (DSM-5-TR, ICD-10)
  • Schwelle

KernsatzKategorien und Dimensionen schließen sich in der Praxis nicht aus.

ICD-11 als Tabelle
BausteinKurzbeschreibung
Leichte PersönlichkeitsstörungProbleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten1
Mittelgradige Persönlichkeitsstörungdeutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen eingeschränkt1
Schwere Persönlichkeitsstörungnahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt1
Negative Affektivitätviele belastende Gefühle17
DistanziertheitAbstand zu anderen17
DissozialitätMissachtung der Rechte und Gefühle anderer1
EnthemmungHandeln auf unmittelbare Reize hin17
Anankasmusstarre Maßstäbe von Perfektion1
Borderline-Muster (zusätzlich)mindestens fünf von neun Merkmalen16

Die Merkmalsbereiche sind Dimensionen, keine Einzeldiagnosen; benannt werden die auffälligsten. Persönlichkeitsauffälligkeit ist keine psychische Störung.1,16,17

DSM-5-TR und ICD-10 als Tabelle
PersönlichkeitsstörungCluster (DSM)Kernmerkmale (gekürzt)
ParanoidAMisstrauen, Kränkbarkeit12,21
SchizoidARückzug, wenig Gefühlsausdruck12,21
SchizotypischAin der ICD-11 Schizophrenie-Spektrum12,17
Antisozial (ICD-10: dissozial)BMissachtung sozialer Verpflichtungen13,21
Borderline (ICD-10: emotional instabil)Binstabiles Selbstbild, Leere13,21
HistrionischBDramatisierung, Wunsch nach Anerkennung13,21
NarzisstischBgrandiose oder verletzliche Züge13,28
Vermeidend-selbstunsicherCUnsicherheit, Angst vor Kritik14,21
Dependent (abhängig)CAnlehnung an andere, Trennungsangst14,21
Zwanghaft (anankastisch)CPerfektionismus, Kontrollen14,21

Beschreibungen geben die Klassifikationen gekürzt wieder und beschreiben Muster, keine Menschen. Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung wird im DSM dem Cluster C zugeordnet (Hinweis in der Zwillingsstudie zu Cluster C).12,13,14,17,21,28

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Tyrer P et al. · The Lancet 20152; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5) 201315; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Wilfer T et al. · Der Nervenarzt 202428; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929

ICD-11: Schweregrad und Merkmalsbereiche
BausteinKurzbeschreibung
Leichte PersönlichkeitsstörungProbleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten1
Mittelgradige Persönlichkeitsstörungdeutliche Probleme in den meisten Beziehungen, die meisten Rollen eingeschränkt1
Schwere Persönlichkeitsstörungnahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt1
Negative Affektivitätviele belastende Gefühle17
DistanziertheitAbstand zu anderen17
DissozialitätMissachtung der Rechte und Gefühle anderer1
EnthemmungHandeln auf unmittelbare Reize hin17
Anankasmusstarre Maßstäbe von Perfektion1
Borderline-Muster (zusätzlich)mindestens fünf von neun Merkmalen16

Die Merkmalsbereiche sind Dimensionen, keine Einzeldiagnosen; benannt werden die auffälligsten. Persönlichkeitsauffälligkeit ist keine psychische Störung.1,16,17

Erklärvideo · 42 s

ICD-11: Schweregrad und Merkmalsbereiche

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation beschreibt Persönlichkeitsstörungen nicht mehr als zehn Einzeldiagnosen. Zuerst stuft sie den Schweregrad ein. Leicht bedeutet Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, von denen einige erhalten bleiben. Mittelgradig heißt deutliche Probleme in den meisten. Bei einer schweren Form sind nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt. Danach werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus. Ein Borderline-Muster kann zusätzlich vermerkt werden; es ist keine eigene Diagnose.1,5,16,17


Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es? Arten im Überblick

Emotional instabil (Borderline)

Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung der ICD-10 kennt einen impulsiven Typ und einen Borderline-Typ. Beim Borderline-Typ kommen Störungen des Selbstbildes, chronische Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und selbstschädigendes Verhalten hinzu.21

Zwanghaft und ängstlich-vermeidend

Die anankastische, also zwanghafte Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Zweifeln, Perfektionismus, übertriebener Gewissenhaftigkeit, ständigen Kontrollen und Starrheit; die ängstlich-vermeidende in Anspannung, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühlen und Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Zuneigung.21 Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung teilten in einer norwegischen Zwillingsstudie mit 1.427 weiblichen Zwillingspaaren dieselben genetischen Einflüsse; welche der beiden sich entwickelte, hing von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26

Narzisstisch

Fachlich werden ein grandioser und ein verletzlicher Narzissmus unterschieden. Das DSM-5 beschreibt die narzisstische Persönlichkeitsstörung nur über grandiose Merkmale; der grandiose Narzissmus ist im klinischen Alltag eher selten. In der ICD-11 lässt sich verletzlicher Narzissmus über das dimensionale Konzept abbilden.28 Auch bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kommen verletzliche Anteile vor, obwohl das DSM-5 sie nicht beschreibt; eine eigene Diagnose für verletzlichen Narzissmus gibt es auch in der ICD-11 nicht.28

Weitere Formen nach ICD-10-GM

Die paranoide Persönlichkeitsstörung zeigt sich nach der ICD-10 in Kränkbarkeit bei Zurückweisung, im Nachtragen von Kränkungen und in Misstrauen; die schizoide im Rückzug von Kontakten und in einem begrenzten Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu erleben.21 Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist durch Missachtung sozialer Verpflichtungen, geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives Verhalten gekennzeichnet; die histrionische durch oberflächliche, wechselhafte Gefühle, Dramatisierung und den Wunsch nach Anerkennung.21 Menschen mit abhängiger (dependenter) Persönlichkeitsstörung verlassen sich bei Lebensentscheidungen stark auf andere und erleben große Trennungsangst. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung führt die ICD-10-GM nicht als eigene Kategorie, sondern unter den sonstigen spezifischen Persönlichkeitsstörungen.21

Die Formen, ihre Einordnung in die Cluster und die Entsprechungen in der ICD-11 zeigt die folgende Tabelle.

Persönlichkeitsstörungen nach DSM-5-TR und ICD-10-GM
PersönlichkeitsstörungCluster (DSM)Kernmerkmale (gekürzt)
ParanoidAMisstrauen, Kränkbarkeit12,21
SchizoidARückzug, wenig Gefühlsausdruck12,21
SchizotypischAin der ICD-11 Schizophrenie-Spektrum12,17
Antisozial (ICD-10: dissozial)BMissachtung sozialer Verpflichtungen13,21
Borderline (ICD-10: emotional instabil)Binstabiles Selbstbild, Leere13,21
HistrionischBDramatisierung, Wunsch nach Anerkennung13,21
NarzisstischBgrandiose oder verletzliche Züge13,28
Vermeidend-selbstunsicherCUnsicherheit, Angst vor Kritik14,21
Dependent (abhängig)CAnlehnung an andere, Trennungsangst14,21
Zwanghaft (anankastisch)CPerfektionismus, Kontrollen14,21

Beschreibungen geben die Klassifikationen gekürzt wieder und beschreiben Muster, keine Menschen. Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung wird im DSM dem Cluster C zugeordnet (Hinweis in der Zwillingsstudie zu Cluster C).12,13,14,17,21,28


Borderline-Persönlichkeitsstörung im Überblick

Kennzeichnend für die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Instabilität von Selbstbild, Beziehungen und Gefühlen. Hinzu kommen Impulsivität, heftige Wut, Gefühle der Leere, starke Verlassenheitsängste, suizidales oder selbstverletzendes Verhalten und unter Belastung vorübergehendes Misstrauen oder dissoziative Symptome.16

Ein Lichtband steigt rasch zu einem hohen Kamm und sinkt langsam zurück, begleitet von einem stützenden blaugrünen Bogen, als Sinnbild für intensive Gefühle und ihre Regulation.
KI-generierte Illustration (Sinnbild, keine Messkurve)

Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt typischerweise in der Jugend nach dem 12. Lebensjahr und geht oft mit Depression, Angst, Verhaltensproblemen, Hyperaktivität oder Substanzkonsum einher.33

In der ICD-10 entspricht ihr der Borderline-Typ der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung; beim impulsiven Typ stehen emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle im Vordergrund.21

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung galt früher als nicht behandelbar; heute führen frühere Diagnosen und bessere Behandlung zu besseren Ergebnissen.33

Häufigkeit, Verlauf und Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind deutlich besser untersucht als die der anderen Formen. Viele Zahlen in diesem Beitrag beziehen sich deshalb auf sie.


Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen? Anlage, Umwelt und Lebensgeschichte

Eine goldene Doppelhelix und ein blaugrünes Band winden sich umeinander und wachsen wie ein junger Baum nach oben, als Sinnbild für das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt.
KI-generierte Illustration (Sinnbild für Anlage und Umwelt)

Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung (Fassung 2022; ihre Gültigkeit ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen, eine Überarbeitung ist angemeldet) ist die Entstehung, wie bei den anderen Persönlichkeitsstörungen, nicht genau geklärt. Viele Befunde beruhen auf Zusammenhängen oder Rückblicken und erlauben keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung.19,45

Anlage

Erbliche Faktoren spielen eine Rolle: In Zwillingsstichproben aus drei Ländern mit 5.496 Zwillingen erklärten genetische Einflüsse 42 Prozent der Unterschiede in Borderline-Merkmalen, die übrigen 58 Prozent individuelle Umwelteinflüsse.46 Die Werte beruhen auf Fragebögen zu Merkmalen, nicht auf klinischen Diagnosen; sie beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko.46

In einer norwegischen Zwillingsstudie mit 1.386 Zwillingspaaren lag die geschätzte Erblichkeit für Merkmale der antisozialen Persönlichkeitsstörung bei 38 Prozent, der histrionischen bei 31, der narzisstischen bei 24 und der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 35 Prozent.13 Eine Untersuchung an 2.794 jungen Erwachsenen fand, dass die genetischen Risikofaktoren nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C folgen.14 Auch für die Persönlichkeitsstörungen aus Cluster A war die Anfälligkeit in einer Zwillingsstudie mit 3.334 Zwillingspaaren hoch erblich; Fragebögen und Interviews erfassten sie allerdings nur mäßig zuverlässig.12

Umwelt und Trauma

Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie mit 639 Jugendlichen im frühen Erwachsenenalter ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung.47

Die Daten stammen aus Erhebungen zwischen 1975 und 1993 im Bundesstaat New York. Der Befund zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für eine Ursache.47

Kultur und Lebensumstände

Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1

Anlage und Umwelt: was Zwillings- und Langzeitstudien zeigen

Jede Karte ist eine eigene Studie mit eigener Bezugsgröße. Erblichkeit beschreibt Unterschiede in einer Bevölkerung, nicht das Risiko eines Menschen.

Zwillingsstudien

Zwillinge aus drei Ländern

Bezugsgröße: Unterschiede in Borderline-Merkmalen (Fragebogen) zwischen 5.496 Zwillingen46

Die Werte beruhen auf Fragebögen zu Merkmalen, nicht auf klinischen Diagnosen; sie beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko.46

Norwegische Zwillingsstudie, Cluster B

Bezugsgröße: geschätzte Erblichkeit von Merkmalen, 1.386 Zwillingspaare (Interview)13

Achse 0 bis 100 %

Reihenfolge wie in der Quelle, keine Rangfolge.

Cluster A und die Cluster-Grenzen

Auch für die Persönlichkeitsstörungen aus Cluster A war die Anfälligkeit in einer Zwillingsstudie mit 3.334 Zwillingspaaren hoch erblich; Fragebögen und Interviews erfassten sie allerdings nur mäßig zuverlässig.12

Eine Untersuchung an 2.794 jungen Erwachsenen fand, dass die genetischen Risikofaktoren nicht der Einteilung in die Cluster A, B und C folgen.14

Erblichkeit beschreibt Unterschiede in einer Bevölkerung, nicht das Risiko einer Person.

Belastende Erfahrungen

Langzeitstudie, Bundesstaat New York

Bezugsgröße: 639 Jugendliche, Persönlichkeitsstörung im frühen Erwachsenenalter47

mehr als viermal so hohes Risiko

Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie mit 639 Jugendlichen im frühen Erwachsenenalter ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung.47

Die Daten stammen aus Erhebungen zwischen 1975 und 1993 im Bundesstaat New York. Der Befund zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für eine Ursache.47

Was daraus nicht folgt

Risikofaktoren sind keine Schicksale. Viele Menschen mit belastender Vorgeschichte entwickeln keine Persönlichkeitsstörung, und eine Persönlichkeitsstörung ist kein Beleg für erlebte Gewalt.

Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung (Fassung 2022; ihre Gültigkeit ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen, eine Überarbeitung ist angemeldet) ist die Entstehung, wie bei den anderen Persönlichkeitsstörungen, nicht genau geklärt. Viele Befunde beruhen auf Zusammenhängen oder Rückblicken und erlauben keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung.19,45

Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1

  • genetische Einflüsse
  • individuelle Umwelt
  • geschätzte Erblichkeit

KernsatzErblichkeit und Risikofaktoren beschreiben Unterschiede in einer Bevölkerung und kein persönliches Risiko. Risikofaktoren sind keine Schicksale.

Werte als Tabelle
StudiePopulationBefund
Distel 2008, drei Länder5.496 Zwillinge, FragebogenBorderline-Merkmale: 42 % genetisch, 58 % individuelle Umwelt46
Torgersen 2008, Norwegen1.386 Zwillingspaare, Interviewantisozial 38 %, histrionisch 31 %, narzisstisch 24 %, Borderline 35 %13
Kendler 2007, Norwegen3.334 ZwillingspaareCluster A: Anfälligkeit hoch erblich12
Johnson 1999, New York639 Jugendlichenach Misshandlung oder Vernachlässigung mehr als viermal so hohes Risiko47

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Kendler KS et al. · Psychological Medicine 200712; Torgersen S et al. · Psychological Medicine 200813; Kendler KS et al. · Archives of General Psychiatry 200814; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; AWMF-Leitlinienregister · AWMF-Leitlinienregister 202645; Distel MA et al. · Psychological Medicine 200846; Johnson JG et al. · Archives of General Psychiatry 199947


Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen? Epidemiologie

Für Betroffene und Angehörige

Persönlichkeitsstörungen sind häufig und kommen in allen Bereichen der Medizin vor. In einer US-Bevölkerungsstudie nach DSM-IV-Kriterien mit Daten aus den Jahren 2001 bis 2003 erfüllten geschätzt 9,1 Prozent der Erwachsenen die Kriterien irgendeiner Persönlichkeitsstörung.2,48 Viele Betroffene bekommen keine Hilfe: Nur 39 Prozent hatten im vergangenen Jahr eine Behandlung für psychische oder Suchtprobleme erhalten, bei Cluster B 49,1 Prozent, bei Cluster A 25 und bei Cluster C 29 Prozent.48

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29

Wie häufig sind Persönlichkeitsstörungen?

Schätzungen aus Bevölkerungsstudien mit unterschiedlichen Zeiträumen, Interviews, Ländern und Definitionen. Die Werte stehen nebeneinander und nicht als Rangfolge.

Häufigkeit nach Quelle

Die Zahlen unterscheiden sich, weil die Studien verschiedene Zeiträume, Interviews, Länder und Definitionen verwenden. Sie lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen; die Werte stehen deshalb in den Grafiken nebeneinander und nicht als Rangfolge.

Weltweit, Meta-Regression (Shadid 2025)

Bezugsgröße: Bevölkerung, irgendeine Persönlichkeitsstörung; 60 Studien aus 28 Ländern, Stichproben 1980 bis 2024; Werte modelliert für ein mittleres Alter von 43 Jahren49

Achse 0 bis 15 %

Die einbezogenen Studien unterschieden sich sehr stark (Heterogenität I² = 98,8 Prozent), und es fanden sich Hinweise auf Publikationsbias; die Schätzwerte sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.49 UI = 95-Prozent-Unsicherheitsintervall eines Modells.

USA, Bevölkerungsstudie NCS-R

Bezugsgröße: 5.692 Erwachsene, DSM-IV-Kriterien, Daten 2001 bis 200348

Achse 0 bis 15 %

Funktionseinschränkungen gingen dort weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück.48

Internationale Meta-Analysen (zitiert in der S3-Leitlinie)

Bezugsgröße: gepoolt über mindestens fünfjährige Zeiträume19

Persönlichkeitsstörungen insgesamt8 bis 12 %

Achse 0 bis 15 %

Deutschland: nur Borderline

Bezugsgröße: Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz der Borderline-Persönlichkeitsstörung; einzige deutsche Bevölkerungsstudie mit standardisierten Interviews, 2.488 Personen19

Achse 0 bis 15 %

Dieser Wert gilt nur für die Borderline-Persönlichkeitsstörung, nicht für Persönlichkeitsstörungen insgesamt.

Hilfe und Missverständnisse

Hilfe im vergangenen Jahr (NCS-R, USA)

Bezugsgröße: Menschen mit Persönlichkeitsstörung, Behandlung psychischer oder Suchtprobleme in 12 Monaten48

Achse 0 bis 100 %

Viele Betroffene bekommen keine Hilfe: Nur 39 Prozent hatten im vergangenen Jahr eine Behandlung für psychische oder Suchtprobleme erhalten, bei Cluster B 49,1 Prozent, bei Cluster A 25 und bei Cluster C 29 Prozent.48

Ein verbreitetes Missverständnis

Bezugsgröße: Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung in Bevölkerungsstudien29

Achse 0 bis 100 %

Eine antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht gleichbedeutend mit Straffälligkeit: In Bevölkerungsstudien hatten nur 47 Prozent der Betroffenen nennenswerte Festnahmen in der Vorgeschichte.29

Begleiterkrankungen

Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung

  • Depressionen
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Angststörungen
  • ADHS
  • Abhängigkeitserkrankungen
  • bipolare Störungen
  • Essstörungen

Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen. Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19

Zur Tabelle der Abgrenzungen

über 80%

Lebenszeithäufigkeit depressiver und Angststörungen bei Borderline-Persönlichkeitsstörung19

Funktionseinschränkungen gingen in der US-Studie NCS-R weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück. Begleitende Erkrankungen prägen damit die Belastung im Alltag wesentlich mit.48

Sterblichkeit und Suizid

Sterblichkeit (Meta-Regression)

Bezugsgröße: standardisiertes Sterblichkeitsverhältnis gegenüber der Allgemeinbevölkerung (1 = gleich)49

stationär behandelt12484,73,7 bis 5,8
ambulant behandelt12481,81,4 bis 2,2
höhere Sterblichkeit →

Persönlichkeitsstörungen gingen in der Meta-Regression mit erhöhter Sterblichkeit einher: Das standardisierte Sterblichkeitsverhältnis lag bei 4,7 für stationär und bei 1,8 für ambulant behandelte Menschen.49 Angegeben ist das 95-Prozent-Unsicherheitsintervall (UI); logarithmische Achse.

Suizid bei Borderline-Persönlichkeitsstörung

Bezugsgröße: Meta-Analyse, Nachbeobachtung über 5 bis 14 Jahre16

Suizidraten2 bis 5 %

Achse 0 bis 10 %

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist das Suizidrisiko erhöht: Eine Meta-Analyse fand über Nachbeobachtungszeiten von 5 bis 14 Jahren Suizidraten von 2 bis 5 Prozent. Diese Gruppenwerte erlauben keine Vorhersage für einzelne Menschen. Hilfe in akuten Krisen finden Sie im Abschnitt „Krise und Notfall“.16

Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4

  • Bevölkerung weltweit bzw. Einzelwert
  • USA (NCS-R)
  • Deutschland, nur Borderline
  • Spanne
  • Bezugslinie

KernsatzDie Häufigkeitswerte lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Die 0,8 Prozent aus der deutschen Studie gelten nur für die Borderline-Persönlichkeitsstörung19.

Alle Werte als Tabelle
QuelleBezugsgrößeWert
Shadid 2025, 28 LänderBevölkerung, irgendeine Persönlichkeitsstörung4,1 % (UI 2,8 bis 6,0) bzw. 5,2 % (UI 3,7 bis 7,3)49
NCS-R, USA 2001 bis 20035.692 Erwachseneirgendeine 9,1 %; Cluster A 5,7 %, B 1,5 %, C 6,0 %2,48
Meta-Analysen (S3-Leitlinie)gepoolt, mindestens fünfjährige Zeiträumeinsgesamt 8 bis 12 %; Borderline 2 %19
Deutsche Interviewstudie2.488 Personennur Borderline: 0,8 % (Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz)19
NCS-R, Hilfe in 12 MonatenMenschen mit Persönlichkeitsstörung39 %; Cluster B 49,1 %, A 25 %, C 29 %48
Shadid 2025, Sterblichkeitstationär bzw. ambulant behandeltSMR 4,7 (UI 3,7 bis 5,8) bzw. 1,8 (UI 1,4 bis 2,2)49
Meta-Analyse SuizidBorderline, 5 bis 14 Jahre2 bis 5 %16

Quellen: Tyrer P et al. · The Lancet 20152; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Lenzenweger MF et al. · Biological Psychiatry 200748; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200929; Shadid J et al. · The Lancet Psychiatry 202549

Fachlicher Hintergrund

Eine Meta-Regression von 60 Bevölkerungsstudien aus 28 Ländern schätzte die Häufigkeit irgendeiner Persönlichkeitsstörung auf 4,1 Prozent in Ländern mit niedrigem und mittlerem und 5,2 Prozent in Ländern mit hohem Einkommen. Sie war bei Männern höher und nahm mit dem Alter ab.49 Die einbezogenen Studien unterschieden sich sehr stark (Heterogenität I² = 98,8 Prozent), und es fanden sich Hinweise auf Publikationsbias; die Schätzwerte sind deshalb mit Vorsicht zu lesen.49

In der US-Studie NCS-R mit 5.692 Erwachsenen lagen die Schätzungen bei 5,7 Prozent für Cluster A, 1,5 Prozent für Cluster B und 6,0 Prozent für Cluster C. Funktionseinschränkungen gingen dort weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück.48

Meta-Analysen internationaler Studien, auf die sich die deutsche S3-Leitlinie stützt, berichten über mindestens fünfjährige Zeiträume gepoolt 8 bis 12 Prozent für Persönlichkeitsstörungen insgesamt und 2 Prozent für die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die einzige deutsche Bevölkerungsstudie mit standardisierten Interviews (2.488 Personen) fand für die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Fünf-bis-Zehn-Jahres-Prävalenz von 0,8 Prozent.19

Die Zahlen unterscheiden sich, weil die Studien verschiedene Zeiträume, Interviews, Länder und Definitionen verwenden. Sie lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen; die Werte stehen deshalb in den Grafiken nebeneinander und nicht als Rangfolge.

Begleiterkrankungen

Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen. Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19

Sterblichkeit und Suizid

Persönlichkeitsstörungen gingen in der Meta-Regression mit erhöhter Sterblichkeit einher: Das standardisierte Sterblichkeitsverhältnis lag bei 4,7 für stationär und bei 1,8 für ambulant behandelte Menschen.49


Wie verlaufen Persönlichkeitsstörungen? Remission, Rückfall, Funktionsniveau

Für Betroffene und Angehörige

Langzeitstudien zur Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen deutliche Veränderungen: In der McLean-Studie erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission). Die Teilnehmenden waren stationär aufgenommen worden, ihre Behandlung wurde nicht kontrolliert.7 Nur 50 Prozent erreichten eine Genesung im weiteren Sinn, also zusätzlich ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau; 34 Prozent verloren diese Genesung wieder. Nach einer mindestens zweijährigen Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall, also ein erneutes Auftreten der Symptome, nach einer mindestens vierjährigen 15 Prozent.7

Auch Diagnosen anderer Persönlichkeitsstörungen schwanken: Über ein Jahr blieben die meisten Menschen mit schizotypischer, Borderline-, vermeidender oder zwanghafter Persönlichkeitsstörung nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle. Die individuellen Unterschiede in den Merkmalen blieben dabei stabil, und die Zahl erfüllter Kriterien nahm ab.50

Ein Lichtband verläuft links in engen Schlingen und wird nach rechts breiter und ruhiger, als Sinnbild für Veränderung und Stabilisierung im Lebenslauf (schematisch).
KI-generierte Illustration (Sinnbild, keine Prognose im Einzelfall)

Fachlicher Hintergrund

Nach 16 Jahren lagen die Remissionsraten in der McLean-Studie je nach geforderter Dauer (2 bis 8 Jahre) zwischen 78 und 99 Prozent, die Genesungsraten zwischen 40 und 60 Prozent. Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor, häufiger als bei 72 Vergleichspersonen mit anderen Persönlichkeitsstörungen (4 bis 7 Prozent).51 Bei diesen Vergleichspersonen lagen die Genesungsraten bei 75 bis 85 Prozent.51

Ausführlich lesen

Was den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.

In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate). So definiert remittierten 85 Prozent der 175 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung innerhalb von zehn Jahren, 12 Prozent erlitten einen Rückfall. Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44 Die Studie schloss behandlungssuchende Menschen zwischen 18 und 45 Jahren aus 19 Einrichtungen ein und verglich sie mit 312 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen und 95 Menschen mit Depression.44

Stabilität der Diagnose

Die Ein-Jahres-Daten zur Stabilität stammen aus derselben Studienreihe mit 668 Teilnehmenden aus mehreren klinischen Einrichtungen.50

Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in 18 Studien spätere Einschränkungen in Beziehungen, Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus; ein erheblicher Teil zeigte noch bis zu 20 Jahre später Symptome. Die meisten Studien hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko.52

Warnzeichen für eine andere Ursache

Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1

Erklärvideo · 42 s

Verlauf: Remission und Rückfall

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen verändern sich. In der McLean-Studie hieß Remission: Die Kriterien sind mindestens zwei Jahre lang nicht mehr erfüllt. Über zehn Jahre gelang das 93 Prozent, ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau aber nur 50 Prozent. Rückfall heißt, die Symptome kehren zurück. Das betraf nach mindestens zweijähriger Remission 30 Prozent, nach vierjähriger 15 Prozent. Die CLPS-Studie wertete höchstens zwei Kriterien als Remission; dort remittierten 85 Prozent. Das sind Gruppenwerte, keine Vorhersage.7,44

Wie verläuft eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Langzeitstudien über zehn und sechzehn Jahre. Remission und Rückfall sind je Studie definiert; die Werte sind Gruppenwerte und keine Vorhersage für Einzelne.

Zwei Studien, zwei Definitionen von Remission. Jede Ansicht zeigt eine Studie mit ihrer eigenen Bezugsgröße; die Werte bilden keine Rangfolge und keine Vorhersage für einzelne Menschen.

McLean, 10 Jahre

Definition Remission (McLean)

In der McLean-Studie erfüllten über zehn Jahre 93 Prozent die Diagnosekriterien mindestens zwei Jahre lang nicht mehr (Remission).7

Jahre ab Studienbeginn

Beobachtung0246810

Messpunkt antippen.

Bezogen auf alle Teilnehmenden

Achse 0 bis 100 %

Bezogen auf die Remittierten: Rückfall

Achse 0 bis 100 %

In der McLean-Studie erreichten 86 Prozent eine mindestens vierjährige Remission; nach zweijähriger Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall.7

Bezogen auf die Genesenen

Achse 0 bis 100 %

Nur 50 Prozent erreichten eine Genesung im weiteren Sinn, also zusätzlich ein gutes soziales und berufliches Funktionsniveau; 34 Prozent verloren diese Genesung wieder. Nach einer mindestens zweijährigen Remission hatten 30 Prozent einen Rückfall, nach einer mindestens vierjährigen 15 Prozent.7

Die Teilnehmenden waren stationär aufgenommen worden, ihre Behandlung wurde nicht kontrolliert.7

McLean, 16 Jahre

Definition (McLean, 16 Jahre)

Nach 16 Jahren lagen die Remissionsraten in der McLean-Studie je nach geforderter Dauer (2 bis 8 Jahre) zwischen 78 und 99 Prozent, die Genesungsraten zwischen 40 und 60 Prozent.51

Borderline-Persönlichkeitsstörung (290)51

Remission, je nach geforderter Dauer78 bis 99 %
Genesung40 bis 60 %
Rückfall10 bis 36 %

Achse 0 bis 100 %

Vergleichsgruppe: andere Persönlichkeitsstörungen (72)51

Genesung75 bis 85 %
Rückfall4 bis 7 %

Achse 0 bis 100 %

Bei diesen Vergleichspersonen lagen die Genesungsraten bei 75 bis 85 Prozent.51

Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor, häufiger als bei 72 Vergleichspersonen mit anderen Persönlichkeitsstörungen (4 bis 7 Prozent).51

CLPS, 10 Jahre

Definition Remission (CLPS)

In der CLPS-Studie galt als Remission, höchstens zwei Borderline-Kriterien zu erfüllen (für den Vergleich mit anderen Persönlichkeitsstörungen über mindestens 12 Monate).44

Jahre ab Studienbeginn

Beobachtung0246810

Messpunkt antippen.

Borderline-Persönlichkeitsstörung (175)44

Achse 0 bis 100 %

Im Vergleich innerhalb der Studie

In der CLPS-Studie remittierte die Borderline-Persönlichkeitsstörung langsamer als eine Depression, Rückfälle waren aber seltener; das Funktionsniveau blieb stärker beeinträchtigt als in den Vergleichsgruppen.44

Das soziale Funktionsniveau blieb oft deutlich eingeschränkt.44

Definitionen nebeneinander

McLean-StudieCLPS-Studie
Teilnehmende290 stationär aufgenommene Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung7175 behandlungssuchende Menschen zwischen 18 und 45 Jahren aus 19 Einrichtungen44
Remission heißtStudienkriterien mindestens 2 Jahre nicht mehr erfüllt7höchstens 2 Borderline-Kriterien (Vergleich über mindestens 12 Monate)44
Remission93 % in 10 Jahren; 78 bis 99 % in 16 Jahren je nach Dauer7,5185 % in 10 Jahren44
Rückfall30 % nach mindestens 2, 15 % nach mindestens 4 Jahren Remission; 10 bis 36 % in 16 Jahren7,5112 %44
FunktionGenesung 50 % (10 Jahre), 40 bis 60 % (16 Jahre)7,51soziales Funktionsniveau oft deutlich eingeschränkt44

Was den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.

Stabilität und Jugend

Jahre ab Studienbeginn

Beobachtung01

Messpunkt antippen.

Diagnosen schwanken

Auch Diagnosen anderer Persönlichkeitsstörungen schwanken: Über ein Jahr blieben die meisten Menschen mit schizotypischer, Borderline-, vermeidender oder zwanghafter Persönlichkeitsstörung nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle. Die individuellen Unterschiede in den Merkmalen blieben dabei stabil, und die Zahl erfüllter Kriterien nahm ab.50

Beginn in der Jugend

Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in 18 Studien spätere Einschränkungen in Beziehungen, Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus; ein erheblicher Teil zeigte noch bis zu 20 Jahre später Symptome. Die meisten Studien hatten allerdings ein hohes Verzerrungsrisiko.52

Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1 Zur Tabelle der Abgrenzungen

  • Remission
  • Genesung
  • Rückfall oder Verlust
  • Spanne

KernsatzWas den Verlauf im Einzelfall bestimmt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen; sie beschreiben Gruppen über viele Jahre.

Verlaufsdaten als Tabelle
StudiePopulationWerte
McLean, 10 Jahre290, stationär rekrutiertRemission ≥ 2 J. 93 %, ≥ 4 J. 86 %; Genesung 50 %; Verlust der Genesung 34 %; Rückfall nach ≥ 2 J. 30 %, nach ≥ 4 J. 15 %7
McLean, 16 Jahre290 BPS, 72 andere PSRemission 78 bis 99 %, Genesung 40 bis 60 %, Rückfall 10 bis 36 %; Vergleichsgruppe Genesung 75 bis 85 %, Rückfall 4 bis 7 %51
CLPS, 10 Jahre175 BPSRemission 85 %, Rückfall 12 %44
CLPS, 1 Jahr668 Teilnehmendemeist nicht durchgehend über der Diagnoseschwelle50

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Shea MT et al. · American Journal of Psychiatry 200250; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 201251; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Winsper C et al. · Psychological Medicine 201552


Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen

Für Betroffene und Angehörige

Viele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen. Eine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.

Stimmungsschwankungen sind ein gutes Beispiel: Bei einer bipolaren Störung kommen sie in abgegrenzten Phasen, bei einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung häufig und als Reaktion auf Ereignisse, oft in Beziehungen.18

Eine Glaskugel in der Mitte ist durch goldene Linien mit Gehirn, Welle, Molekül, Sanduhr und Keimling verbunden, als Sinnbild der sorgfältigen Abgrenzung von anderen Ursachen.
KI-generierte Illustration (Sinnbild, keine vollständige Liste)

Fachlicher Hintergrund

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19 ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung von einer Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägter Enthemmung schwierig sein.1

Ausführlich lesen

Bipolare Störung

Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18 Beides kann gleichzeitig vorliegen: Unter 517 ambulanten Patientinnen und Patienten hatten 59 sowohl eine Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch eine bipolare Störung. Sie hatten mehr Begleiterkrankungen, Suizidversuche und Klinikaufenthalte als Menschen mit nur einer der beiden Störungen.22 Die Studie stammt aus einem ambulanten psychiatrischen Projekt in Rhode Island mit halbstrukturierten Interviews; die Befunde sind Gruppenvergleiche.22

Komplexe PTBS, Autismus, Angst und Psychose

Bei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1 Bei Autismus-Spektrum-Störungen entstehen ähnlich wirkende Beziehungsprobleme aus eingeschränkter sozialer Kommunikation und Gegenseitigkeit.1 Soziale Angststörung und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung sind eng verwandt; in einer Zwillingsstudie teilten sie dieselben genetischen Einflüsse, unterschieden sich aber in den Umweltfaktoren.26 Ungewöhnliches Denken und Wahrnehmen gehört zur schizotypen Störung, die in der ICD-11 dem Schizophrenie-Spektrum zugeordnet ist.17

Neurologische und körperliche Ursachen

Eine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1 Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1 Die ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32

Substanzen

Erklären sich die Persönlichkeitsprobleme vollständig durch eine Substanzerkrankung, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1

Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes? Wichtige Abgrenzungen
ErkrankungWas eher für sie spricht
Bipolare Störungabgegrenzte, wenig reaktive Phasen18
Erwachsenen-ADHSImpulsivität auch ohne emotionalen Stress, Beginn in der Entwicklung1,19
Komplexe PTBSVermeidung, Bedrohungsgefühl, stabil negatives Selbstbild1
Autismus-Spektrum-Störungeingeschränkte soziale Kommunikation und Gegenseitigkeit1
Soziale Angststörungumschriebene Angst; gemeinsame genetische Einflüsse mit vermeidender Form26
Schizophrenie-Spektrumschizotype Störung zählt in der ICD-11 dorthin17
SubstanzerkrankungProbleme vollständig durch den Konsum erklärt1
Sekundäre (organische) PersönlichkeitsveränderungBeginn mit körperlicher Erkrankung, etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, Anfälle, Schilddrüse1

Die Erkrankungen können auch zusätzlich zu einer Persönlichkeitsstörung bestehen; die Tabelle ersetzt keine Untersuchung.1,17,18,19,26

Erklärvideo · 40 s

Differenzialdiagnose: was gehört abgeklärt?

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Stimmungsschwankungen, Impulsivität oder Rückzug haben verschiedene Ursachen. Ändert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken. Die WHO nennt etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, epileptische Anfälle und Schilddrüsenerkrankungen. Erklärt eine Substanzerkrankung alles, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Bei einer bipolaren Störung kommen Stimmungsschwankungen in abgegrenzten Phasen, bei ADHS tritt Impulsivität auch ohne emotionalen Stress auf. Beides kann aber gleichzeitig bestehen.1,18,19,22

Persönlichkeitsstörung oder etwas anderes?

Was abgeklärt gehört: körperliche und neurologische Ursachen, Substanzen und andere psychische Erkrankungen. Mehrere Erkrankungen können nebeneinander bestehen.

Viele Erkrankungen können einer Persönlichkeitsstörung ähneln: Stimmungsschwankungen, Impulsivität, Rückzug oder Misstrauen haben verschiedene Ursachen. Eine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.

Was sonst dahinterstecken kann

Abgrenzung vonRichtungLeitbildWorauf es ankommtGemeinsam oder verwechselt?
Bipolare StörungaffektivStimmungsschwankungenBipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18Beides kann gleichzeitig vorliegen: Unter 517 ambulanten Patientinnen und Patienten hatten 59 sowohl eine Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch eine bipolare Störung.22
DepressionaffektivStimmungsschwankungenIn der CLPS-Studie remittierte die Borderline-Persönlichkeitsstörung langsamer als eine Depression, Rückfälle waren aber seltener44Depressive und Angststörungen kommen im Lebensverlauf bei über 80 Prozent vor.19
Komplexe Posttraumatische BelastungsstörungTraumaRückzugBei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1In den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben; die Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt.
Erwachsenen-ADHSEntwicklungImpulsivitätBei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden; bei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung schwierig sein; beides kann nebeneinander bestehen.1
Autismus-Spektrum-StörungEntwicklungRückzugBei Autismus-Spektrum-Störungen entstehen ähnlich wirkende Beziehungsprobleme aus eingeschränkter sozialer Kommunikation und Gegenseitigkeit.1In den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben.
Soziale AngststörungAngstRückzugSoziale Angststörung und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung sind eng verwandt; in einer Zwillingsstudie teilten sie dieselben genetischen Einflüsse, unterschieden sich aber in den Umweltfaktoren.26Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe.26
Schizophrenie-Spektrum (schizotype Störung)Psychose-SpektrumMisstrauen, ungewöhnliches DenkenUngewöhnliches Denken und Wahrnehmen gehört zur schizotypen Störung, die in der ICD-11 dem Schizophrenie-Spektrum zugeordnet ist.17In der ICD-11 zählt die schizotype Störung, wie schon in der ICD-10, zum Schizophrenie-Spektrum und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen.17
SubstanzerkrankungSubstanzenmehrereErklären sich die Persönlichkeitsprobleme vollständig durch eine Substanzerkrankung, wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1Häufige Begleiterkrankungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung, Angststörungen, ADHS, Abhängigkeitserkrankungen, bipolare Störungen und Essstörungen.19
Sekundäre Persönlichkeitsveränderung (körperliche Ursache)körperlich, neurologischneue WesensänderungEine sekundäre Persönlichkeitsveränderung ist eine anhaltende Veränderung der früheren Persönlichkeit, etwa mit Apathie, Misstrauen oder Enthemmung, die direkt auf eine körperliche Erkrankung zurückgeht. Mögliche Ursachen sind laut WHO unter anderem Enzephalitis, Chorea Huntington, Multiple Sklerose, epileptische Anfälle, Schlaganfall, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1Sie beginnt mit oder nach der körperlichen Erkrankung; dann wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.1
Demenzkörperlich, neurologischneue WesensänderungBei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten in mindestens zwei Bereichen nach.1Bei Beginn mit oder nach einer körperlichen Erkrankung wird keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert1.
Organische Persönlichkeitsstörung, Frontalhirnsyndrom (ICD-10-GM)körperlich, neurologischneue WesensänderungDie ICD-10-GM führt die organische Persönlichkeitsstörung, zu der auch das Frontalhirnsyndrom zählt, gesondert: Sie ist durch eine auffällige Veränderung des gewohnten Verhaltensmusters gekennzeichnet.32Gesonderte Kategorie in der ICD-10-GM32.
Späte Persönlichkeitsänderung ohne äußeren Anlasskörperlich, neurologischneue WesensänderungÄndert sich die Persönlichkeit erst im mittleren oder höheren Alter ohne äußeren Anlass, ist an eine körperliche Ursache oder an Substanzkonsum zu denken.1Warnzeichen: körperliche Ursache und Substanzen mitbedenken1.
Reaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder MigrationLebensumständemehrereReaktionen auf Diskriminierung, Ausgrenzung oder Belastungen durch Migration können nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden.1Kann nach der ICD-11 mit einer Persönlichkeitsstörung verwechselt werden1.

13 von 13 Zeilen

Vier Bilder im Vergleich

MerkmalBorderline-PersönlichkeitsstörungBipolare StörungErwachsenen-ADHSKomplexe PTBS
Zeitmuster der Gefühlebei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst.18Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen18keine belegte AngabeBei einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung stehen Vermeidung von Traumaerinnerungen, anhaltendes Bedrohungsgefühl, ein stabil negatives Selbstbild und eher Rückzug als Verlassenheitsangst im Vordergrund.1
ImpulsivitätBei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives und aggressives Verhalten in der Regel mit emotionalem Stress verbunden19keine belegte Angabebei ADHS tritt Impulsivität auch unabhängig davon auf.19keine belegte Angabe
EinordnungDie Borderline-Persönlichkeitsstörung lässt sich mit halbstrukturierten Interviews zuverlässig diagnostizieren und von anderen psychischen Störungen abgrenzen.16Lebensverlaufskurven, Stimmungskalender oder Fragebögen können bei der Abgrenzung helfen, bei Unsicherheit eine Diagnostik über den Verlauf.18ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen.1keine belegte Angabe
Gemeinsames Auftreten—Beides kann gleichzeitig vorliegen22beides kann nebeneinander bestehen.1in den Quellen dieses Beitrags nicht angegeben

Kurzüberblick

ErkrankungWas eher für sie spricht
Bipolare Störung18abgegrenzte, wenig reaktive Phasen
Erwachsenen-ADHS1,19Impulsivität auch ohne emotionalen Stress, Beginn in der Entwicklung
Komplexe PTBS1Vermeidung, Bedrohungsgefühl, stabil negatives Selbstbild
Autismus-Spektrum-Störung1eingeschränkte soziale Kommunikation und Gegenseitigkeit
Soziale Angststörung26umschriebene Angst; gemeinsame genetische Einflüsse mit vermeidender Form
Schizophrenie-Spektrum17schizotype Störung zählt in der ICD-11 dorthin
Substanzerkrankung1Probleme vollständig durch den Konsum erklärt
Sekundäre (organische) Persönlichkeitsveränderung1Beginn mit körperlicher Erkrankung, etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, Anfälle, Schilddrüse

Die Erkrankungen können auch zusätzlich zu einer Persönlichkeitsstörung bestehen; die Tabelle ersetzt keine Untersuchung.1,17,18,19,26

Fragebögen und Online-Tests geben Hinweise, stellen aber keine Diagnose.

  • affektiv
  • Trauma
  • Entwicklung
  • Angst
  • Psychose-Spektrum
  • Substanzen
  • körperlich, neurologisch

KernsatzEine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632


Wie macht sich eine Persönlichkeitsstörung im Alltag bemerkbar?

Für Betroffene und Angehörige

Zwei gesichtslose Figuren stehen sich gegenüber, ein feiner goldener Faden verbindet locker ihre Hände, als Sinnbild für Nähe und Distanz in Beziehungen.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Im Alltag zeigt sich eine Persönlichkeitsstörung vor allem in Beziehungen, bei der Arbeit und im Umgang mit Gefühlen. Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung fanden Studien geringeren Bildungs- und Berufserfolg, weniger langfristige Beziehungen, mehr Partnerschaftskonflikte, wenig soziale Unterstützung und geringe Lebenszufriedenheit.33

Auch in der CLPS-Studie blieb das soziale Funktionsniveau trotz hoher Remissionsraten oft deutlich eingeschränkt.44

Wie das in einem Verlauf aussehen kann, zeigen die Fallvignetten weiter unten. Sie sind erfunden, beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall und enthalten nur belegte medizinische Aussagen.

Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung sollen nach der britischen Leitlinie wegen ihrer Diagnose oder wegen Selbstverletzungen von keinem Gesundheits- oder Sozialangebot ausgeschlossen werden.20

Fachlicher Hintergrund

Eine gesichtslose Figur sitzt ruhig an einem aufgeräumten Schreibtisch, darüber eine Reihe gläserner Kacheln, als Sinnbild für Struktur im Arbeitsalltag.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome: Auch acht Jahre nach Beginn einer Studie zur Mentalisierungsbasierten Therapie blieb es eingeschränkt, trotz anhaltender Vorteile bei Suizidalität und Diagnosestatus.43 Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt meist in der Jugend; die Diagnose fällt damit oft in Schule, Ausbildung oder Studium.33 Beginnt die Störung in der Jugend, kann sie Ausbildung und Beruf langfristig prägen: Borderline-Symptome vor dem 19. Lebensjahr sagten in Studien spätere Einschränkungen in Ausbildung, Arbeit und Finanzen voraus.52

Funktionseinschränkungen gingen in der US-Studie NCS-R weitgehend auf begleitende andere psychische Erkrankungen zurück. Begleitende Erkrankungen prägen damit die Belastung im Alltag wesentlich mit.48

Schematischer KI-Film (Sinnbild): Nähe und Distanz in Beziehungen. Keine Messdaten.

Erklärvideo · 42 s

Alltag, Beziehungen, Angehörige

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Im Alltag zeigt sich eine Persönlichkeitsstörung vor allem in Beziehungen, bei der Arbeit und im Umgang mit Gefühlen. Studien zur Borderline-Persönlichkeitsstörung fanden weniger langfristige Beziehungen und mehr Partnerschaftskonflikte. Das soziale Funktionsniveau bessert sich langsamer als die Symptome. Angehörige sollten, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen werden. Ein solcher Plan nennt Auslöser, Selbsthilfestrategien und Wege zu Hilfsdiensten. In akuter Gefahr wählen Sie 112. Die TelefonSeelsorge erreichen Sie unter 116 123.3,4,19,20,33,43


Persönlichkeitsstörungen und Angehörige

Zwei gesichtslose Figuren sitzen nebeneinander auf einer Bank, die eine hört der anderen aufmerksam zu, als Sinnbild für Angehörige, die einbezogen werden.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Angehörige sollten nach der deutschen Leitlinie, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen und zu einem hilfreichen Umgang beraten werden, etwa zu einer einfühlsamen, nicht wertenden Haltung. Sie sollten selbst professionelle Hilfe erhalten, etwa Familienprogramme, Selbsthilfe oder den Borderline-Trialog.19

Fachleuten empfiehlt die britische Leitlinie in Krisen eine ruhige, nicht bedrohliche Haltung und einen gemeinsam erstellten Krisenplan.20


Wie wird eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert?

Zwei gesichtslose Figuren sitzen sich im Gespräch gegenüber, darüber schwebt ein gläsernes Profil, als Sinnbild für eine sorgfältige, dimensionale Diagnostik im Gespräch.
KI-generierte Illustration (Sinnbild für ein sorgfältiges diagnostisches Gespräch, kein Schema der Klassifikation)
  1. Wann eine Abklärung sinnvoll ist

    Eine fachgerechte Abklärung auf Borderline-Persönlichkeitsstörung soll nach der deutschen Leitlinie erwogen werden bei wiederholtem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten, erheblicher emotionaler Instabilität, mehreren gleichzeitigen psychischen Störungen, unbefriedigendem Behandlungserfolg oder stark beeinträchtigtem Funktionsniveau.19

  2. Gespräch und Interview

    Die Borderline-Persönlichkeitsstörung lässt sich mit halbstrukturierten Interviews zuverlässig diagnostizieren und von anderen psychischen Störungen abgrenzen.16 Wird sie nicht erkannt, folgen häufig medikamentöse Behandlungen, die selten erfolgreich sind.53

  3. Das Gespräch vorbereiten

  4. Dimensionale Beurteilung

    Ergänzend kann die Persönlichkeitsfunktion dimensional beurteilt werden; das alternative DSM-5-Modell betrachtet dafür Identität, Selbststeuerung, Empathie und Nähe.11


Behandlung von Persönlichkeitsstörungen mit Psychotherapie

Was die Leitlinien empfehlen

Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Nach der deutschen S3-Leitlinie sollen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung eine strukturierte, störungsspezifische Psychotherapie erhalten; steht die Verringerung schwerer Selbstverletzungen im Vordergrund, soll Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) angeboten werden.19,33 Die Gültigkeit dieser Leitlinie ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen; eine Überarbeitung ist angemeldet und für den 31.12.2028 geplant. Ihre Empfehlungen dienen bis dahin als Orientierung.45

Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt für Frauen, bei denen wiederholte Selbstverletzungen im Vordergrund stehen, ein umfassendes DBT-Programm zu erwägen; kurze Interventionen unter drei Monaten sollen außerhalb strukturierter Angebote nicht eingesetzt werden.20

Für schwere Beeinträchtigungen der Persönlichkeitsfunktionen empfiehlt eine weitere S3-Leitlinie, zuerst eine tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen, und eine kontinuierliche hausärztliche Langzeitbegleitung.11

Psychoedukation und Rahmen

Psychoedukation, also strukturierte Information über die Erkrankung, soll nach der deutschen Leitlinie Bestandteil der Therapie sein. Die Therapie sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten und möglichst eine Sitzung pro Woche nicht unterschreiten.19

Vier gleich breite gläserne Wege mit unterschiedlichen Mustern laufen auf ein gemeinsames Licht zu, als Sinnbild für mehrere gleichrangige psychotherapeutische Verfahren.
KI-generierte Illustration: gleichrangige Wege, keine Rangfolge der Verfahren; die Muster sind keinem Verfahren zugeordnet.

Untersuchte Verfahren in alphabetischer Reihenfolge. Keine Rangfolge: Eine Netzwerk-Meta-Analyse fand kein Verfahren, das anderen eindeutig überlegen ist.54

Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Verfahren. In der ersten randomisierten Studie hatten Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und wiederholter Selbstverletzung unter einem Jahr DBT seltener und weniger schwere selbstschädigende Handlungen und weniger Klinikaufenthaltstage als unter üblicher Behandlung.34 Bei Depression, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken fand diese frühe Studie dagegen keine Unterschiede zwischen den Gruppen.34

Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

Die Mentalisierungsbasierte Therapie stammt aus der psychoanalytischen Tradition: In der ersten Studie mit 38 Patientinnen und Patienten war eine psychoanalytisch orientierte Tagesklinikbehandlung über bis zu 18 Monate der psychiatrischen Standardversorgung überlegen. Die Gruppe war klein, die Autoren forderten eine Wiederholung mit mehr Teilnehmenden.38

Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP)

Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) wurden in einer niederländischen Studie mit 88 Patientinnen und Patienten über drei Jahre mit zwei Sitzungen pro Woche verglichen. Beide wirkten; unter Schematherapie erholten sich mehr Teilnehmende (relatives Risiko 2,18).23

Strukturiertes psychiatrisches Management

Strukturiertes allgemeinpsychiatrisches Management wurde in einer kanadischen Studie mit 180 Patientinnen und Patienten, die mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren hatten, über ein Jahr mit DBT verglichen. Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25

Psychotherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung: untersuchte Verfahren
VerfahrenBeispielstudie (Design)Ergebnis in dieser Studie
Dialektisch-Behaviorale Therapie101 Frauen, 1 Jahr Therapie plus 1 Jahr NachbeobachtungSuizidversuchsrisiko etwa halbiert35
Mentalisierungsbasierte Therapie134 Patientinnen und Patienten, 18 Monatebeide Gruppen deutlich gebessert, MBT stärker39
Schematherapie495 Teilnehmende, 2 Jahrekombinierte Form der Standardbehandlung überlegen40
Übertragungsfokussierte Psychotherapie90 Patientinnen und Patienten, 1 Jahr, drei ArmeBesserung in allen Gruppen24
Strukturiertes psychiatrisches Management180 Patientinnen und Patienten, 1 Jahrkein signifikanter Unterschied zu DBT25

Unterschiedliche Populationen, Vergleichsgruppen und Endpunkte; keine Rangliste der Verfahren.24,25,35,39,40

Was die Studienlage insgesamt zeigt

Ein Cochrane-Review mit 75 randomisierten Studien und 4.507 Teilnehmenden fand, dass Psychotherapie die Schwere der Borderline-Symptomatik im Vergleich zur Standardbehandlung verringert (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,52; mäßige Evidenzqualität). Nur dieser Endpunkt erreichte die Schwelle klinischer Relevanz.8 Für Selbstverletzung (−0,32), suizidbezogene Endpunkte (−0,34) und das psychosoziale Funktionsniveau (−0,45) zeigten sich ebenfalls Vorteile, aber bei niedriger Evidenzqualität; die Standardbehandlungen in den Studien waren sehr unterschiedlich.8

Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist; die DBT ist am besten untersucht. Viele Vergleiche stützen sich allerdings auf sehr wenige Studien.54

In einer Übersicht über acht psychische Störungen lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent, gemessen als Halbierung der Beschwerden. Das relative Risiko gegenüber den Kontrollbedingungen war nicht signifikant; als Vergleich diente in diesen Studien immer eine übliche Behandlung, unter der 15 Prozent ansprachen.55 Die Werte stammen aus einer gemeinsamen Auswertung von 441 Studien mit 33.881 Patientinnen und Patienten über acht Störungen hinweg.55

Andere Persönlichkeitsstörungen

Auch bei anderen Persönlichkeitsstörungen gibt es Studien: Bei 50 Menschen mit Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen wirkten 40 Sitzungen psychodynamische Kurzzeittherapie und kognitive Therapie ohne signifikanten Unterschied; zwei Jahre später waren 54 beziehungsweise 42 Prozent symptomatisch genesen.27 In einer Studie mit 323 Menschen mit Cluster-C-, paranoider, histrionischer oder narzisstischer Persönlichkeitsstörung in 12 niederländischen Einrichtungen erholten sich nach Schematherapie mehr Teilnehmende als nach üblicher Behandlung oder klärungsorientierter Psychotherapie; die Unterschiede zeigten sich in Interviews, nicht in Selbstauskünften.41 Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist besonders wenig untersucht: Auswertbare Daten lagen nur aus 10 Studien mit 605 Teilnehmenden vor, und die Evidenzqualität war niedrig bis sehr niedrig.56 Für psychologische Behandlungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung gibt es laut einem Cochrane-Review mit 19 Studien nur sehr begrenzte Evidenz; kein Verfahren zeigte überzeugende Belege für eine Veränderung antisozialen Verhaltens.56

Erklärvideo · 38 s

Psychotherapien im Überblick

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Psychotherapie ist die wichtigste Behandlung. Untersucht wurden unter anderem die Dialektisch-Behaviorale Therapie, die Mentalisierungsbasierte Therapie, die Schematherapie und die übertragungsfokussierte Psychotherapie. Ein Cochrane-Review mit 75 Studien fand, dass Psychotherapie die Symptomschwere gegenüber der Standardbehandlung verringert. Ein Verfahren, das den anderen eindeutig überlegen ist, fand eine Netzwerk-Meta-Analyse nicht; eine Rangliste lässt sich daraus nicht ableiten. Fragen Sie nach dem Verfahren, nach der Dauer und danach, was Sie selbst beitragen können.8,19,23,24,25,33,34,38,54

Wirkung, Nebenwirkung, Dosis: was belegt ist

Eine Geschichte in neun Schritten mit belegten Werten. Wo es keine Daten gibt, zeigt die Grafik bewusst keine Kurve. Das ist keine Dosierungsempfehlung.

Nur belegte Werte; kein Modell, keine Extrapolation. Panels nicht gegeneinander lesen (verschiedene Skalen, Populationen, Vergleiche). Keine Dosierungsempfehlung.

Schritt 1 von 9

Wie Wirkung gemessen wird

Auf der ZAN-BPD-Skala von 0 bis 36 gilt eine Änderung um 3 Punkte als kleinster klinisch relevanter Unterschied.8

ZAN-BPD-Skala von 0 bis 36 Punkten8

Die Klammer zeigt nur die Breite von 3 Punkten, keine Lage auf der Skala. Als kleinster klinisch relevanter Unterschied gilt auf dieser Skala eine Änderung um 3,0 Punkte.8

Schritt 2 von 9

Psychotherapie gegenüber Standardbehandlung

Im Cochrane-Review verringerte Psychotherapie die Symptomschwere um etwa 3,6 Punkte (SMD −0,52); andere Endpunkte bei niedriger Evidenzqualität.8

Mittelwertdifferenz auf der ZAN-BPD-Skala (Punkte), 95-%-KI8

Psychotherapie gegenüber Standardbehandlung−6−5−4−3−2−1013 Punkte−3,6−4,4 bis −2,08
← weniger Beschwerden unter Psychotherapie

Standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD), 95-%-KI8

Psychotherapie gegenüber Standardbehandlung−1−0,500,5−0,52−0,70 bis −0,33
← Vorteil Psychotherapie

Für Selbstverletzung (−0,32), suizidbezogene Endpunkte (−0,34) und das psychosoziale Funktionsniveau (−0,45) zeigten sich ebenfalls Vorteile, aber bei niedriger Evidenzqualität; die Standardbehandlungen in den Studien waren sehr unterschiedlich.8

Schritt 3 von 9

Verfahren im direkten Vergleich

Kein Verfahren erwies sich als eindeutig überlegen; BOOTS fand zwischen DBT und Schematherapie d = 0,15.25,36,54

BOOTS: DBT gegenüber Schematherapie, Cohen d, 95-%-KI36

DBT gegenüber Schematherapie−0,500,51+0,15−0,17 bis 0,47

die Studie war nicht darauf angelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.36

DBT gegenüber strukturiertem allgemeinpsychiatrischem Management25

kein signifikanter Unterschied

Es fand sich kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen besserten sich deutlich.25

Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist; die DBT ist am besten untersucht. Viele Vergleiche stützen sich allerdings auf sehr wenige Studien.54 Zu den Studiendesigns

Schritt 4 von 9

Wie viele profitieren

Über acht Störungen hinweg lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent; unter der üblichen Behandlung als Vergleich sprachen 15 Prozent an, der Unterschied war nicht signifikant (RR 1,47).55

Ansprechen (Halbierung der Beschwerden)55

Achse 0 bis 50 %

Relatives Risiko für Ansprechen, 95-%-KI, logarithmische Achse

Psychotherapie gegenüber üblicher Behandlung0,51241,470,90 bis 2,39
häufiger Ansprechen unter Psychotherapie →

In einer Übersicht über acht psychische Störungen lag die Ansprechrate auf Psychotherapie bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bei 24 Prozent, gemessen als Halbierung der Beschwerden. Das relative Risiko gegenüber den Kontrollbedingungen war nicht signifikant; als Vergleich diente in diesen Studien immer eine übliche Behandlung, unter der 15 Prozent ansprachen.55

Schritt 5 von 9

Belastungen und Abbrüche der Psychotherapie

Unerwünschte Wirkungen waren im Cochrane-Review wegen zu weniger Daten unklar; Abbrüche sind häufig (BOOTS nach zwei Jahren 52 und 46 Prozent).8,36,37

Therapieabbruch nach einem Jahr36

Achse 0 bis 100 %

Andere Studie, andere Population: Jugendliche, Behandlung abgeschlossen37

Achse 0 bis 100 %

Unerwünschte Wirkungen der Psychotherapien ließen sich im Cochrane-Review wegen zu weniger Daten nicht beurteilen.8

Schritt 6 von 9

„Dosis“ der Psychotherapie

Eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse für Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen wurde nicht gefunden. Belegt sind nur Rahmenvorgaben: möglichst nicht weniger als eine Sitzung pro Woche (Leitlinie, Expertenkonsens), keine Kurzinterventionen unter drei Monaten außerhalb strukturierter Angebote (NICE).19,20

Belege dünn: ehrlich gekennzeichnet

Evidenzlücke

  • mindestens 1 Sitzung pro WocheDie Therapie sollte sich nach den individuellen Bedürfnissen richten und möglichst eine Sitzung pro Woche nicht unterschreiten.19
  • nicht unter 3 Monatenkurze Interventionen unter drei Monaten sollen außerhalb strukturierter Angebote nicht eingesetzt werden.20

Das sind Rahmenvorgaben aus Leitlinien, keine gemessene Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Schritt 7 von 9

Medikamente gegenüber Placebo

Für Antipsychotika, Antidepressiva und Stimmungsstabilisierer schließen die Konfidenzintervalle für die Symptomschwere jeweils den Wert null ein; Lamotrigin war in LABILE wirkungslos.9,42

Cochrane 2022: SMD gegenüber Placebo, Symptomschwere, 95-%-KI9

Antipsychotika−1,5−1−0,500,511,5−0,18−0,45 bis 0,08
Antidepressiva−1,5−1−0,500,511,5+0,27−0,65 bis 1,18
Stimmungsstabilisierer−1,5−1−0,500,511,5+0,07−0,43 bis 0,57
← Vorteil MedikamentVorteil Placebo →

Antidepressiva +0,27 und Stimmungsstabilisierer +0,07 nach dem Ergebnisteil des Volltexts; alle drei Intervalle schließen null ein.

LABILE: Lamotrigin gegenüber Placebo nach 52 Wochen, ZAN-BPD-Punkte, 95-%-KI42

Lamotrigin gegenüber Placebo−4−2024+0,1−1,8 bis 2,0

Zwei getrennte Grafiken: verschiedene Studien und Maße, nicht gegeneinander lesen.

Schritt 8 von 9

Nebenwirkungen und Polypharmazie

Unerwünschte Ereignisse wurden schlecht berichtet; behandelte Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung erhielten in den von der Leitlinie zitierten Studien im Mittel 2,4 bis 2,8 Psychopharmaka gleichzeitig. Kein Medikament ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen (Off-Label).9,19

Gleichzeitig verordnete Psychopharmaka, Mittelwerte aus Studien, die die Leitlinie zitiert19

Anzahl Präparate im Mittel2,4 bis 2,8

Achse 0 bis 4 Präparate

Unerwünschte Ereignisse wurden in den Medikamentenstudien schlecht und meist nicht standardisiert berichtet.9

In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19

Schritt 9 von 9

Dosis-Wirkung bei Medikamenten

Für Persönlichkeitsstörungen liegen keine belegten Dosis-Wirkungs-Daten vor; deshalb zeigt die Grafik hier bewusst keine Kurve.9

Belege dünn: ehrlich gekennzeichnet

Bewusst keine Kurve

Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9

Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schritt 1 von 9
  • Psychotherapie
  • übliche Behandlung
  • nicht signifikant
  • Abbruch
  • kein Unterschied
  • kleinster relevanter Unterschied

KernsatzSie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.

Alle Werte der Geschichte als Tabelle
SchrittWert
1 SkalaZAN-BPD 0 bis 36; kleinster relevanter Unterschied 3,0 Punkte8
2 Psychotherapie gegenüber StandardMD −3,6 (95-%-KI −4,4 bis −2,08); SMD −0,52 (−0,70 bis −0,33)8
3 Verfahren im VergleichBOOTS d 0,15 (−0,17 bis 0,47); DBT und GPM ohne signifikanten Unterschied25,36
4 Ansprechen24 % (15 bis 36) gegenüber 15 %; RR 1,47 (0,90 bis 2,39)55
5 AbbrücheBOOTS 34/29 % (1 Jahr), 52/46 % (2 Jahre); Jugendliche Abschluss 75,6/55,2 %36,37
6 „Dosis“ Psychotherapiekeine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse; Rahmen: ≥ 1 Sitzung pro Woche, nicht unter 3 Monaten19,20
7 Medikamente gegenüber PlaceboSMD −0,18 (−0,45 bis 0,08), +0,27 (−0,65 bis 1,18), +0,07 (−0,43 bis 0,57); LABILE 0,1 (−1,8 bis 2,0)9,42
8 Polypharmazie2,4 bis 2,8 Präparate im Mittel; unerwünschte Ereignisse schlecht berichtet9,19
9 Dosis-Wirkung Medikamentekeine belegten Daten, keine Kurve9

Quellen: Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354; Cuijpers P et al. · World Psychiatry 202455; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842


Schlüsselstudien zur Psychotherapie im Einzelnen

Die folgenden Studien sind einzeln dargestellt: wer teilnahm, was verglichen wurde, wie lange und mit welchem Ergebnis. Sie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.

Dialektisch-Behaviorale Therapie

In einer Folgestudie mit 101 Frauen war unter DBT das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch wie unter Behandlung durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen. Die Behandlung dauerte ein Jahr, die Nachbeobachtung ein weiteres. Therapieabbrüche waren unter DBT seltener.35 Bei 173 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren mit hohem Suizidrisiko, nicht zwingend mit Borderline-Diagnose, senkte DBT im Vergleich zu supportiver Einzel- und Gruppentherapie Suizidversuche und Selbstverletzungen nach sechs Monaten (Quotenverhältnis für Suizidversuche 0,30); nach zwölf Monaten war der Vorteil nicht mehr signifikant.37 Teilnehmende waren überwiegend Mädchen aus 4 US-Zentren; ein Erratum betrifft nur die Interessenerklärungen.37 Bei 193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien, behandelt an drei deutschen Hochschulambulanzen, wirkten DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie; DBT-PTBS war leicht überlegen (d = 0,33). Unter den Autorinnen und Autoren sind Vertreter beider Verfahren.31

Mentalisierungsbasierte Therapie

Acht Jahre nach Studienbeginn zeigten sich in der MBT-Gruppe weiterhin Vorteile, etwa bei Suizidalität (23 gegenüber 74 Prozent) und beim Diagnosestatus (13 gegenüber 87 Prozent); nachuntersucht wurden 41 Personen.43 In einer ambulanten Studie mit 134 Patientinnen und Patienten besserten sich unter 18 Monaten MBT und unter strukturiertem klinischem Management beide Gruppen deutlich; unter MBT gingen Suizidversuche und Klinikaufenthalte stärker zurück.39 Die Studie stammt von der Entwicklergruppe des Verfahrens; unabhängige Wiederholungen wurden ausdrücklich gefordert.39

Schematherapie

In einer internationalen Studie mit 495 Teilnehmenden in 15 Zentren aus 5 Ländern, darunter Deutschland, war Schematherapie in kombinierter Einzel- und Gruppenform über zwei Jahre der optimierten Standardbehandlung überlegen, die überwiegend in Gruppen durchgeführte Form dagegen nicht signifikant. Der Effekt der kombinierten Form lag bei Cohen d 1,14 (Konfidenzintervall 0,57 bis 1,71).40 Die BOOTS-Studie mit 204 Teilnehmenden in 9 niederländischen Zentren fand zwischen DBT und Schematherapie über drei Jahre keinen signifikanten Unterschied; beide gingen mit deutlichen Verbesserungen einher. Nach zwei Jahren hatten 52 Prozent die DBT und 46 Prozent die Schematherapie abgebrochen. Der Unterschied lag bei Cohen d 0,15 (Konfidenzintervall −0,17 bis 0,47); die Studie war nicht darauf angelegt, Gleichwertigkeit nachzuweisen.36

Übertragungsfokussierte Psychotherapie

Eine Studie mit 90 Patientinnen und Patienten verglich ein Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT und supportive Therapie. In allen drei Gruppen besserten sich Depression, Angst und Funktionsniveau; TFP und DBT gingen mit weniger Suizidalität einher.24

Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum. Keine Rangfolge.

  • Archives of General Psychiatry2006

    DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)

    101 Teilnehmende

    Suizidversuche, Notfallbehandlungen, Klinikaufenthalte

  • American Journal of Psychiatry2009

    DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)

    180 Teilnehmende

    Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung

  • American Journal of Psychiatry2009

    MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman 2009)

    134 Teilnehmende

    Krisenereignisse (Suizidversuche, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)

  • Archives of General Psychiatry2006

    Schematherapie gegenüber übertragungsfokussierter Psychotherapie (Giesen-Bloo 2006)

    88 Teilnehmende

    Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI-IV), Lebensqualität

  • American Journal of Psychiatry2007

    TFP, DBT und supportive Therapie im Vergleich (Clarkin 2007)

    90 Teilnehmende

    Suizidalität, Aggression, Impulsivität, Angst, Depression, soziale Anpassung

  • JAMA Psychiatry2022

    Schematherapie in Gruppe und Einzel gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)

    495 Teilnehmende

    Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI) über die Zeit

  • JAMA Psychiatry2026

    204 Teilnehmende

    Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI) bis 36 Monate

Studie 1 von 7

DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)

Wer und was
Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und aktuellem suizidalem oder selbstverletzendem Verhalten; DBT gegenüber Therapie durch erfahrene Psychotherapeutinnen und -therapeuten anderer Richtungen
Teilnehmende
101
Endpunkt
Suizidversuche, Notfallbehandlungen, Klinikaufenthalte
Ergebnis
Unter DBT war ein Suizidversuch etwa halb so wahrscheinlich (Hazard Ratio 2,66 zugunsten DBT); weniger Therapieabbrüche.35
Grenzen
Nur Frauen; Erratum vorhanden.

Studie 2 von 7

DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)

Wer und was
Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und mindestens zwei Selbstverletzungsepisoden in 5 Jahren; 1 Jahr DBT gegenüber strukturiertem psychiatrischem Management
Teilnehmende
180
Endpunkt
Häufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzung
Ergebnis
Kein signifikanter Unterschied; beide Gruppen deutlich gebessert.25
Grenzen
Erratum vorhanden; ein Land.

Studie 3 von 7

MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman 2009)

Wer und was
Ambulante Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung; 18 Monate MBT gegenüber strukturiertem klinischem Management
Teilnehmende
134
Endpunkt
Krisenereignisse (Suizidversuche, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)
Ergebnis
Beide Gruppen deutlich gebessert; unter MBT stärkerer Rückgang.39
Grenzen
Entwicklergruppe; unabhängige Replikation gefordert.

Studie 4 von 7

Schematherapie gegenüber übertragungsfokussierter Psychotherapie (Giesen-Bloo 2006)

Wer und was
Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung in 4 Ambulanzen; 3 Jahre Schematherapie oder TFP mit zwei Sitzungen pro Woche
Teilnehmende
88
Endpunkt
Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI-IV), Lebensqualität
Ergebnis
Beide wirksam; unter Schematherapie häufiger Erholung (relatives Risiko 2,18).23
Grenzen
Erratum vorhanden (Inhalt nicht zugänglich).

Studie 5 von 7

TFP, DBT und supportive Therapie im Vergleich (Clarkin 2007)

Wer und was
Patientinnen und Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung; je 1 Jahr übertragungsfokussierte Psychotherapie, DBT oder supportive Therapie
Teilnehmende
90
Endpunkt
Suizidalität, Aggression, Impulsivität, Angst, Depression, soziale Anpassung
Ergebnis
Besserung in allen drei Gruppen; TFP und DBT mit weniger Suizidalität verbunden.24
Grenzen
Kleine Gruppen; Entwicklergruppe der TFP beteiligt.

Studie 6 von 7

Schematherapie in Gruppe und Einzel gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)

Wer und was
Ambulante Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, 15 Zentren in 5 Ländern; 2 Jahre Schematherapie (überwiegend Gruppe oder kombiniert) gegenüber optimaler Standardbehandlung
Teilnehmende
495
Endpunkt
Schwere der Borderline-Symptomatik (BPDSI) über die Zeit
Ergebnis
Kombinierte Form der Standardbehandlung überlegen (Cohen d 1,14; 95-Prozent-Intervall 0,57 bis 1,71); überwiegend Gruppe nicht signifikant.40
Grenzen
Clusterweise Randomisierung; Entwicklergruppe beteiligt.

Studie 7 von 7

DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)

Wer und was
Ambulante Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung, 9 niederländische Zentren; 2 Jahre DBT oder Schematherapie, Nachbeobachtung bis 36 Monate
Teilnehmende
204
Endpunkt
Änderung der Borderline-Schwere (BPDSI) bis 36 Monate
Ergebnis
Kein signifikanter Unterschied (Cohen d 0,15; 95-Prozent-Intervall -0,17 bis 0,47); deutliche Besserung in beiden Gruppen.36
Grenzen
Überlegenheitsstudie, kein Nachweis der Gleichwertigkeit; hohe Abbruchraten.

Schlüsselstudien: wie sie aufgebaut waren

Klicken Sie auf einen Abschnitt der Zeitachse: Randomisierung, Behandlung, Nachbeobachtung, Endpunkte. Jede Studie steht für sich; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten.

Sie untersuchen unterschiedliche Gruppen, Verfahren und Endpunkte; eine Rangliste der Verfahren lässt sich daraus nicht ableiten. Alle Kacheln sind gleich groß und chronologisch geordnet; jede Studie hat ihre eigene Zeitachse und Skala. Medikamentenarme ohne Dosisangabe.

15 von 15 Studien

  • 1991Linehan 199134Archives of General Psychiatry

    DBTRandomisierte Studie

    Verringert ein Jahr DBT selbstschädigendes Verhalten gegenüber der üblichen Behandlung?

    n randomisiert
    im Abstract nicht genannt
    Dauer
    12 Monate
    Population
    Frauen, Selbstverletzung
  • 1999Bateman und Fonagy 1999/200838,43American Journal of Psychiatry

    MBTRandomisierte Studie

    Wirkt eine mentalisierungsbasierte teilstationäre Behandlung auch Jahre später noch?

    n randomisiert
    38 (1999); 41 nachuntersucht (2008)
    Dauer
    bis 18 Monate MBT, 18 Monate Gruppe; Nachuntersuchung nach 8 Jahren
    Population
    Erwachsene, teilstationär
  • 2006Linehan 200635Archives of General Psychiatry

    DBTRandomisierte Studie

    Senkt DBT Suizidversuche stärker als eine Therapie durch erfahrene Fachleute anderer Richtungen?

    n randomisiert
    101 Frauen
    Dauer
    12 Monate Therapie, 12 Monate Nachbeobachtung
    Population
    Frauen, Suizidalität
  • 2006Giesen-Bloo 200623Archives of General Psychiatry

    SchematherapieTFPRandomisierte Studie

    Unterscheiden sich Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie über drei Jahre?

    n randomisiert
    88 (ausgewertet 44 und 42)
    Dauer
    3 Jahre, 2 Sitzungen pro Woche
    Population
    Erwachsene, 4 Ambulanzen
  • 2007Clarkin 200724American Journal of Psychiatry

    TFPDBTRandomisierte Studie

    Wie verändern sich Beschwerden unter drei verschiedenen Psychotherapien über ein Jahr?

    n randomisiert
    90
    Dauer
    12 Monate
    Population
    Erwachsene, drei Arme
  • 2009McMain 200925American Journal of Psychiatry

    DBTRandomisierte Studie

    Ist DBT einem strukturierten allgemeinpsychiatrischen Management überlegen?

    n randomisiert
    180
    Dauer
    12 Monate
    Population
    Erwachsene, Selbstverletzung
  • 2009Bateman und Fonagy 200939American Journal of Psychiatry

    MBTRandomisierte Studie

    Gehen Krisen unter ambulanter MBT stärker zurück als unter strukturiertem klinischem Management?

    n randomisiert
    134
    Dauer
    18 Monate
    Population
    Erwachsene, ambulant
  • 2010McLean und CLPS7,44,51American Journal of Psychiatry · Archives of General Psychiatry

    Verlaufsstudie

    Wie verändert sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung über zehn und mehr Jahre?

    n gesamt
    290 (McLean), 175 (CLPS)
    Dauer
    10 bis 16 Jahre
    Population
    Langzeitbeobachtung
  • 2018McCauley 201837JAMA Psychiatry

    DBTRandomisierte Studie

    Senkt DBT bei Jugendlichen mit hohem Suizidrisiko Suizidversuche und Selbstverletzungen?

    n randomisiert
    173
    Dauer
    6 Monate Behandlung, 12 Monate Beobachtung
    Population
    Jugendliche, Suizidrisiko
  • 2018LABILE, Crawford 201842American Journal of Psychiatry

    MedikamentRandomisierte Studie

    Bessert Lamotrigin die Borderline-Symptomatik im Vergleich zu Placebo?

    n randomisiert
    276
    Dauer
    52 Wochen
    Population
    Erwachsene, ohne bipolare Störung
  • 2018ICD-11 und DSM-Modelle5,10World Psychiatry · Psychological Medicine

    Klassifikation

    Wie gut passen dimensionale und kategoriale Einteilungen zusammen, und was ist zur ICD-11 publiziert?

    n gesamt
    305 Patientinnen und Patienten, 302 Personen aus der Bevölkerung
    Dauer
    Querschnitt
    Population
    Klassifikation
  • 2020Bohus 202031JAMA Psychiatry

    DBTRandomisierte Studie

    Wirkt eine an DBT angelehnte Traumatherapie besser als kognitive Verarbeitungstherapie?

    n randomisiert
    193 (98 und 95)
    Dauer
    1 Jahr Therapie, 15 Monate Beobachtung
    Population
    Frauen, PTBS mit Borderline-Merkmalen
  • 2020Cochrane 2020 und 20228,9Cochrane Database of Systematic Reviews

    DBTMBTMedikamentSystematische Übersicht

    Was zeigen alle randomisierten Studien zusammen, für Psychotherapie und für Medikamente?

    n gesamt
    75 Studien, 4.507 Teilnehmende; 46 Studien, 2.769 Teilnehmende
    Dauer
    Studien unterschiedlicher Dauer
    Population
    Übersichten, viele Studien
  • 2022Arntz 202240JAMA Psychiatry

    SchematherapieRandomisierte Studie

    Hilft Schematherapie in Gruppenform oder kombiniert mit Einzeltherapie mehr als eine optimierte Standardbehandlung?

    n randomisiert
    495
    Dauer
    2 Jahre
    Population
    Erwachsene, 5 Länder
  • 2026BOOTS, Wibbelink 202636JAMA Psychiatry

    DBTSchematherapieRandomisierte Studie

    Unterscheiden sich DBT und Schematherapie über drei Jahre?

    n randomisiert
    204 (95 und 109)
    Dauer
    2 Jahre Therapie, Beobachtung bis 36 Monate
    Population
    Erwachsene, 9 Zentren
  • Psychotherapie
  • Vergleichsbehandlung
  • Standard oder Vergleichsgruppe
  • Medikament
  • Placebo
  • nicht signifikant

KernsatzEine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien und 3.273 Teilnehmenden fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist54.

Alle Studiendesigns als Tabelle
StudiePopulationEndpunktErgebnis (wie in den Belegen berichtet)Grenze
DBT gegenüber üblicher Behandlung (Linehan 1991)34Frauen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und chronischem parasuizidalem VerhaltenParasuizid (Häufigkeit, medizinische Schwere)Parasuizid: zugunsten DBT; Depression, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken: kein GruppenunterschiedKleine Stichprobe, nur Frauen, Effektgrößen im Abstract nicht berichtet.
MBT in teilstationärer Form (Bateman & Fonagy 1999, Nachbeobachtung 2008)38,4338 Patient:innen mit BPS; 41 Nachuntersuchte nach 8 JahrenSuizidversuche und Selbstverletzung; KlinikaufnahmenSuizidalität (8 J.): 23 % vs. 74 %; Diagnose erfüllt (8 J.): 13 % vs. 87 %; Funktionsniveau > 60: 45 % vs. 10 %; Arbeit/Ausbildung: 3,2 vs. 1,2 JahreSehr kleine Stichproben, Entwicklergruppe.
DBT gegenüber Therapie durch Expertinnen und Experten (Linehan 2006)35101 Frauen mit aktuellem suizidalem/selbstverletzendem VerhaltenSuizidversuche; NotfallbehandlungenSuizidversuch: Hazard Ratio 2,66 (Expert:innen gegenüber DBT); Therapieabbruch: Hazard Ratio 3,2Nur Frauen; Erratum vorhanden.
Schematherapie gegenüber TFP (Giesen-Bloo 2006)2388 Patient:innen mit BPS, 4 AmbulanzenBPDSI-IVErholung: RR 2,18; reliable Besserung: RR 2,33; Abbruch: höher unter TFPErratum ohne zugänglichen Inhalt; drei Leserbriefe mit Kritik an der TFP-Umsetzung (Arch Gen Psychiatry 2007;64:609 bis 611).
TFP, DBT und supportive Therapie (Clarkin 2007)2490 Patient:innen mit BPSSuizidalität; Aggression; Impulsivität; Angst; Depression; soziale AnpassungDepression, Angst, Funktion: Besserung in allen Armen; Suizidalität: Besserung unter TFP und DBTKleine Arme; TFP-Entwicklergruppe beteiligt.
DBT gegenüber General Psychiatric Management (McMain 2009)25180 Patient:innen mit BPS, ≥ 2 Selbstverletzungsepisoden in 5 JahrenHäufigkeit und Schwere suizidaler und nicht-suizidaler Selbstverletzungalle Endpunkte: kein signifikanter Unterschied; Besserung in beiden GruppenErratum vorhanden.
MBT gegenüber Structured Clinical Management (Bateman & Fonagy 2009)39134 ambulante Patient:innen mit BPSKrisenereignisse (Suizidversuch, schwere Selbstverletzung, Klinikaufnahme)alle: Besserung in beiden Armen, stärker unter MBTEntwicklergruppe; unabhängige Replikation gefordert.
Verlaufsstudien McLean (Zanarini 2010/2012) und CLPS (Gunderson 2011)7,44,51290 stationär rekrutierte Patient:innen mit BPS (+72 andere PS); 175 BPS, 312 Cluster C, 95 Depressionje Analyse eigener EndpunktRemission ≥ 2 J. (10 J.): 93 %; Remission ≥ 4 J.: 86 %; Recovery (10 J.): 50 %; Rückfall nach ≥ 2 J. / ≥ 4 J. Remission: 30 % / 15 %; Rückfall (16 J.): 10 bis 36 %; Remission (16 J.): 78 bis 99 %; Recovery (16 J.): 40 bis 60 %; CLPS Remission/Rückfall: 85 % / 12 %Behandlungssuchende US-Stichproben; Behandlung nicht kontrolliert.
DBT bei suizidgefährdeten Jugendlichen (McCauley 2018)37173 Jugendliche 12 bis 18 Jahre mit früherem Suizidversuch (keine Borderline-Diagnose als Einschlusskriterium), 4 US-ZentrenSuizidversuche; nicht-suizidale Selbstverletzung; Selbstschädigung gesamtSuizidversuch (6 Monate): OR 0,30 (95-%-KI 0,1 bis 0,91); nicht-suizidale Selbstverletzung: OR 0,32 (95-%-KI 0,13 bis 0,7); 6 bis 12 Monate: OR 0,65 (95-%-KI 0,12 bis 3,36); Abschluss: 75,6 % vs. 55,2 %Erratum betrifft nur Interessenerklärungen; überwiegend Mädchen; keine BPS-Stichprobe.
Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)42276 Erwachsene mit BPS ohne bipolare Störung/Psychose, Rekrutierung 2013 bis 2016ZAN-BPD nach 52 WochenZAN-BPD: 11,3 vs. 11,5; adjustierte Differenz 0,1 (95-%-KI −1,8 bis 2); Einnahme nach 52 Wochen: 36 % vs. 42 %Geringe Einnahmetreue.
ICD-11-Klassifikation: Feldstudien und Validität5,10Feldtests der ICD-11-PS-Leitlinien 2018 (Ergebnisse zu PS nicht gefunden); 305 Patient:innen + 302 Personen aus der Bevölkerung (AMPD)Übereinstimmung der ModelleAMPD vs. Abschnitt II, irgendeine PS: sehr gute Übereinstimmung; einzelne PS: variabelKeine publizierten ICD-11-Feldstudienergebnisse speziell zu PS in zugelassenen Journalen gefunden; ehrlich als Lücke dargestellt.
DBT-PTBS gegenüber kognitiver Verarbeitungstherapie (Bohus 2020)31193 Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und ≥ 3 DSM-5-BPS-Kriterien, 3 deutsche HochschulambulanzenCAPS-5 über 15 MonateCAPS-5 Gruppendifferenz: 4,82 Punkte; d 0,33 (95-%-KI 0,67 bis 8,96); Remission: 58,4 % vs. 40,7 %Nur Frauen; Autor:innen vertreten beide Verfahren (Bohus, Resick).
Cochrane-Reviews Psychotherapie (Storebø 2020) und Medikamente (Stoffers-Winterling 2022)8,975 RCTs, 4.507 Teilnehmende (Psychotherapie); 46 RCTs, 2.769 Teilnehmende (Medikamente)je Analyse eigener EndpunktPsychotherapie vs. TAU, Symptomschwere: SMD −0,52 (95-%-KI −0,7 bis −0,33); DBT vs. TAU: SMD −0,60 (95-%-KI −1,05 bis −0,14); MBT vs. TAU, Selbstverletzung: RR 0,62 (95-%-KI 0,49 bis 0,8); Antipsychotika vs. Placebo: SMD −0,18 (95-%-KI −0,45 bis 0,08); Antidepressiva vs. Placebo: SMD +0,27 (Vorzeichen nach dem Ergebnisteil des Volltexts) (95-%-KI −0,65 bis 1,18); Stimmungsstabilisierer vs. Placebo: SMD +0,07 (Vorzeichen nach dem Ergebnisteil des Volltexts) (95-%-KI −0,43 bis 0,57)Mäßige bis sehr niedrige Evidenzqualität; Panels nicht gegeneinander zu lesen. Negative Werte = Vorteil für die Behandlung; bei Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern weicht das Vorzeichen im Abstract vom Ergebnisteil ab (Volltext maßgeblich).
Schematherapie Gruppe/kombiniert gegenüber Standardbehandlung (Arntz 2022)40495 ambulante Erwachsene mit BPS, 15 Zentren, 5 Länder (inkl. Deutschland)BPDSI über die ZeitST gesamt vs. TAU: d 0,73 (95-%-KI 0,29 bis 1,18); kombiniert vs. TAU: d 1,14 (95-%-KI 0,57 bis 1,71); Gruppe vs. TAU: d 0,30 (95-%-KI −0,29 bis 0,89); Haltequote 2 Jahre: 0,74 vs. 0,62Entwicklergruppe beteiligt.
DBT gegenüber Schematherapie, BOOTS (Wibbelink 2026)36204 ambulante Erwachsene mit BPS, 9 niederländische ZentrenÄnderungsrate BPDSI-5 bis 36 MonateBPDSI-5 (36 Monate): Differenz −1,09; d 0,15 (95-%-KI −0,17 bis 0,47); Abbruch 1/2 Jahre: DBT 34/52 %, ST 29/46 %Kein Äquivalenznachweis.

Quellen: Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 199134; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 199938; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200843; Linehan MM et al. · Archives of General Psychiatry 200635; Giesen-Bloo J et al. · Archives of General Psychiatry 200623; Clarkin JF et al. · American Journal of Psychiatry 200724; McMain SF et al. · American Journal of Psychiatry 200925; Bateman A, Fonagy P · American Journal of Psychiatry 200939; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 20107; Zanarini MC et al. · American Journal of Psychiatry 201251; Gunderson JG et al. · Archives of General Psychiatry 201144; McCauley E et al. · JAMA Psychiatry 201837; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Reed GM · World Psychiatry 20185; Clark LA et al. · Psychological Medicine 202410; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031; Storebø OJ et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20208; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; Arntz A et al. · JAMA Psychiatry 202240; Wibbelink CJM et al. · JAMA Psychiatry 202636; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM et al. · World Psychiatry 201917; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354

Erklärvideo · 43 s

Studiendesign: Dialektisch-Behaviorale Therapie im Vergleich

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

Wie prüft eine Studie, ob eine Psychotherapie wirkt? In einer Folgestudie wurden 101 Frauen per Zufall verteilt: auf Dialektisch-Behaviorale Therapie oder auf erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten anderer Richtungen. Nach einem Jahr Behandlung folgte ein Jahr Nachbeobachtung; verblindete Untersuchende bewerteten die Endpunkte. Unter DBT war das Risiko eines Suizidversuchs etwa halb so hoch, Abbrüche waren seltener. Das ist eine einzelne Studie, keine Prognose. Bei Suizidgedanken erreichen Sie die TelefonSeelsorge unter 116 123.3,4,35


Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen und ihre begrenzte Evidenz

Keine Zulassung

In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19

Was die Studien zeigen

Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9 17 der Studien waren ganz oder teilweise von der pharmazeutischen Industrie finanziert. Der Review kommt zu dem Schluss, dass kein Medikament die Borderline-Psychopathologie gezielt wirksam behandelt.9

In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42

Wann Medikamente eine Rolle spielen

Die britische NICE-Leitlinie rät, Medikamente nicht gezielt gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einzelne ihrer Symptome einzusetzen; sedierende Mittel können in Krisen kurzzeitig erwogen werden, höchstens für eine Woche. Antipsychotika sollen nicht mittel- oder langfristig gegeben werden.20 Nach der deutschen Leitlinie sollen Medikamente nicht die primäre Therapie sein. Ergänzend zur Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz für umschriebene Symptome erwogen werden; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.19 Bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung reicht die Evidenz laut einem Cochrane-Review mit 11 Studien und 416 Teilnehmenden nicht aus, um Schlussfolgerungen zu Medikamenten zu ziehen.30

Für Antipsychotika lag der Unterschied zu Placebo bei der Symptomschwere als standardisierte Mittelwertdifferenz bei −0,18 (Konfidenzintervall −0,45 bis 0,08), also ohne gesicherten Effekt.9

Medikamente: was die Studien zeigen
QuelleBefund
Cochrane-Review, 46 Studienkein Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten9
LABILE-Studie, 276 TeilnehmendeLamotrigin nach 52 Wochen nicht besser als Placebo42
Deutsche S3-Leitlinie (2022, Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung)keine Zulassung in Deutschland, Off-Label19,45
NICE-Leitlinienicht gezielt gegen die Störung; in Krisen höchstens eine Woche20

Keine Dosierungsangaben; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.9,19,20,42,45

Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum. Keine Rangfolge.

  • American Journal of Psychiatry2018

    Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)

    276 Teilnehmende

    Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen

Studie 1 von 1

Lamotrigin gegenüber Placebo, LABILE (Crawford 2018)

Wer und was
Erwachsene mit Borderline-Persönlichkeitsstörung ohne bipolare Störung oder Psychose; Lamotrigin gegenüber Placebo, doppelblind
Teilnehmende
276
Endpunkt
Borderline-Symptomatik (ZAN-BPD) nach 52 Wochen
Ergebnis
Kein Unterschied (adjustierte Mittelwertdifferenz 0,1 Punkte; 95-Prozent-Intervall -1,8 bis 2,0).42
Grenzen
Nach 52 Wochen nahm nur ein Teil die Studienmedikation ein.

Medikamente: was die Studien zeigen

Placebo-kontrollierte Studien und Reviews. Kein Medikament ist für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen; dieser Beitrag nennt bewusst keine Dosierungen.

Keine Dosierungsangaben und keine Dosierungsempfehlung: Studienarme erscheinen ohne Milligramm. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab; Änderungen besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Zulassung

Deutschland (S3-Leitlinie, Fassung 2022)

0

zugelassene Medikamente zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung19

In Deutschland ist kein Medikament zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Werden Medikamente verordnet, geschieht das außerhalb der Zulassung (Off-Label).19

Die Gültigkeit dieser Leitlinie ist laut AWMF-Register am 31.05.2026 abgelaufen; eine Überarbeitung ist angemeldet und für den 31.12.2028 geplant. Ihre Empfehlungen dienen bis dahin als Orientierung.45

Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Abruf 5. Oktober 2026

Befund der Faktenprüfung vom 5. Oktober 2026 in der EMA-Arzneimittelliste. Nationale Zulassungen beim BfArM wurden nicht gesondert geprüft.

Placebo-Studien

Cochrane-Review 2022: 46 Studien, 2.769 Teilnehmende9

Antipsychotika−1,5−1011,5−0,18−0,45 bis 0,08
Antidepressiva−1,5−1011,5+0,27−0,65 bis 1,18
Stimmungsstabilisierer−1,5−1011,5+0,07−0,43 bis 0,57
← Vorteil MedikamentVorteil Placebo →

SMD Symptomschwere, 95-%-KI9. Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien und 2.769 Teilnehmenden fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten; die Evidenz war überwiegend sehr unsicher.9

17 der Studien waren ganz oder teilweise von der pharmazeutischen Industrie finanziert. Der Review kommt zu dem Schluss, dass kein Medikament die Borderline-Psychopathologie gezielt wirksam behandelt.9

LABILE-Studie: Lamotrigin42

Lamotrigin gegenüber Placebo, 52 Wochen−4−2024+0,1−1,8 bis 2,0

In der LABILE-Studie mit 276 Erwachsenen unterschied sich der Wirkstoff Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Ausgeschlossen waren Menschen mit bipolarer Störung oder Psychose; nach 52 Wochen nahmen nur 36 Prozent der Lamotrigin- und 42 Prozent der Placebogruppe die Studienmedikation noch ein.42

Unerwünschte Ereignisse wurden in den Medikamentenstudien schlecht und meist nicht standardisiert berichtet.9

Leitlinien

Britische Leitlinie (NICE)

Die britische NICE-Leitlinie rät, Medikamente nicht gezielt gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder einzelne ihrer Symptome einzusetzen; sedierende Mittel können in Krisen kurzzeitig erwogen werden, höchstens für eine Woche. Antipsychotika sollen nicht mittel- oder langfristig gegeben werden.20

Deutsche S3-Leitlinie

Nach der deutschen Leitlinie sollen Medikamente nicht die primäre Therapie sein. Ergänzend zur Psychotherapie kann ein zeitlich begrenzter Einsatz für umschriebene Symptome erwogen werden; Begleiterkrankungen werden nach ihren eigenen Leitlinien behandelt.19

gleichzeitig verordnete Psychopharmaka im Mittel192,4 bis 2,8

Achse 0 bis 4 Präparate

Antisoziale Persönlichkeitsstörung

Medikamente bei antisozialer Persönlichkeitsstörung

Bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung reicht die Evidenz laut einem Cochrane-Review mit 11 Studien und 416 Teilnehmenden nicht aus, um Schlussfolgerungen zu Medikamenten zu ziehen.30

Auch psychologische Behandlungen sind wenig untersucht

Für psychologische Behandlungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung gibt es laut einem Cochrane-Review mit 19 Studien nur sehr begrenzte Evidenz; kein Verfahren zeigte überzeugende Belege für eine Veränderung antisozialen Verhaltens.56

  • nicht signifikant
  • kein Unterschied
  • Spanne

KernsatzFür kein Medikament zeigte sich in Placebo-Vergleichen eine gezielte Wirkung auf die Borderline-Symptomatik.9

Evidenzkarte als Tabelle
FrageBefund
Zulassung Deutschlandkein Medikament für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen; Off-Label19
Zulassung EU (EMA, Abruf 05.10.2026)0 von 2.746 zentral zugelassenen Präparaten mit Indikation Persönlichkeitsstörung57
Cochrane 202246 Studien, 2.769 Teilnehmende: kein Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten9
LABILELamotrigin nach 52 Wochen nicht besser als Placebo (0,1; −1,8 bis 2,0)42
NICEnicht gezielt gegen die Störung; in Krisen höchstens eine Woche20
S3-Leitlinienicht primäre Therapie; zeitlich begrenzt für umschriebene Symptome19
Antisoziale PSEvidenz reicht nicht für Schlussfolgerungen30

Quellen: European Medicines Agency (EMA) · EMA 202657; Stoffers-Winterling JM et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 20229; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; AWMF-Leitlinienregister · AWMF-Leitlinienregister 202645; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Gibbon S et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202056; Crawford MJ et al. · American Journal of Psychiatry 201842; Khalifa NR et al. · Cochrane Database of Systematic Reviews 202030

Erklärvideo · 39 s

Medikamente: was Placebo-Studien zeigen

Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.

Gesprochener Text

In Deutschland ist kein Medikament für die Borderline-Persönlichkeitsstörung zugelassen. Ein Cochrane-Review mit 46 Studien fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten. Bei Antipsychotika, Antidepressiva und Stimmungsstabilisierern schließen die Konfidenzintervalle den Wert null ein. In der LABILE-Studie unterschied sich Lamotrigin nach 52 Wochen nicht von Placebo. Begleiterkrankungen werden nach eigenen Leitlinien behandelt. Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenständig ab; besprechen Sie Änderungen ärztlich.8,9,19,42


Krise und Notfall

Hilfe in der Krise

Hilfe sofort

Wenn Sie an Selbsttötung denken oder sich in einer akuten Krise befinden: Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie den Notruf 112. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann.4 Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar. Die Angaben wurden am 5. Oktober 2026 geprüft.3

Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst. Stand der Nummern: 05.10.20263,4

Krisenplan

Fünf beleuchtete Glasstufen mit goldenem Handlauf führen zu einem hellen Absatz, als Sinnbild für einen schrittweisen Krisenplan mit Halt.
KI-generierte Illustration (Sinnbild)

Diese Hinweise ersetzen keinen persönlichen Notfallplan. Besprechen Sie Ihr Vorgehen mit Ihrem Behandlungsteam.


Fallvignetten zum differenzialdiagnostischen Vorgehen bei Persönlichkeitsstörungen

Die folgenden Fallvignetten sind erfundene, veranschaulichende Verläufe und beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie Ärztinnen und Ärzte differenzialdiagnostisch vorgehen: vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung bis zur vorläufigen Einordnung. Jede medizinische Aussage ist durch die zitierten Studien, Leitlinien und Klassifikationen gedeckt; eine Prognose für Einzelne lässt sich daraus nicht ableiten.

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

  • Eine Glasleiste mit einer unruhigen Linie aus kurzen Ausschlägen und einer langen, langsamen goldenen Welle, darüber eine Lupe, als Sinnbild für die Abgrenzung kurzer Stimmungswechsel von längeren Episoden (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    1Rasch wechselnde Gefühle bei Borderline-Persönlichkeitsstörung, bipolarer Störung oder beidem?

  • Ein goldener Faden funkelt von seinem Anfang an durchgehend, darunter ein ruhiger blaugrüner Faden mit zwei Wellen, eine Lupe liegt auf dem Anfang, als Sinnbild für Merkmale, die seit der Kindheit bestehen (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    2Impulsivität seit der Schulzeit als Zeichen von Erwachsenen-ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder beidem?

  • Ein gläsernes Gehirn mit golden hervorgehobenem Stirnlappen und einer Lupe, darunter ein Zeitband, das sich erst spät verändert, als Sinnbild für die neurologische Abklärung einer späten Wesensänderung (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    3Wesensänderung im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsstörung oder neurologischer Ursache?

  • Eine gesichtslose Figur steht ruhig am Rand eines Lichtkreises, in dem andere Figuren beisammenstehen, eine goldene Linie führt zu ihnen, als Sinnbild für Rückzug und den Weg zurück in Kontakt (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    4Rückzug und Angst vor Kritik bei sozialer Angststörung oder ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung?

  • Ein junger Keimling wächst aus einem Glasgefäß mit dunklen unteren und helleren oberen Erdschichten, seine Wurzeln reichen durch alle Schichten, als Sinnbild für frühe Erfahrungen und spätere Entwicklung (Fallvignette).
    KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person

    5Belastende Kindheit und instabile Beziehungen bei komplexer PTBS oder Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Fallvignetten: Schritt für Schritt abklären

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall. Klicken Sie sich durch die Schritte und überlegen Sie, was Sie als Nächstes abklären würden.

Die folgenden Fallvignetten sind erfundene, veranschaulichende Verläufe und beschreiben keine reale Person und keinen Praxisfall. Sie zeigen Schritt für Schritt, wie Ärztinnen und Ärzte differenzialdiagnostisch vorgehen: vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung bis zur vorläufigen Einordnung. Jede medizinische Aussage ist durch die zitierten Studien, Leitlinien und Klassifikationen gedeckt; eine Prognose für Einzelne lässt sich daraus nicht ableiten. Die Vignetten sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose.

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Rasch wechselnde Gefühle bei Borderline-Persönlichkeitsstörung, bipolarer Störung oder beidem?

Eine junge erwachsene Person

  1. 1 BeschwerdebildSeit der Jugend

    Gefühle wechseln häufig, meist nach Konflikten in Beziehungen. Dazu kommen Gefühle von Leere, intensive, aber unbeständige Beziehungen und wiederholt selbstschädigendes Verhalten.18,21

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Frage trennt eine bipolare Störung am ehesten ab?

  2. 2 LeitfragenIm Erstgespräch

    Gab es abgegrenzte Phasen mit gehobener oder gereizter Stimmung, unabhängig von äußeren Anlässen? Oder sind die Wechsel häufig und reaktiv?18

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Hilfsmittel unterstützen die Einordnung?

  3. 3 AbklärungIn den folgenden Wochen

    Eine Lebensverlaufskurve und ein Stimmungskalender helfen, Episoden von reaktiven Gefühlswechseln zu unterscheiden.18

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Schließen sich beide Diagnosen aus?

  4. 4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Auswertung

    Bipolare Störungen zeigen abgegrenzte, meist nicht reaktive Phasen; hier überwiegen häufige, reaktive Wechsel.18

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Was gilt, wenn beides vorliegt?

  5. 5 Vorläufige EinordnungVorläufig

    Das Bild passt eher zu einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Liegen beide Störungen vor, ist die Belastung nach einer Studie meist größer, was in der Planung berücksichtigt wird.21,22

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie geht es weiter?

  6. 6 Weiteres VorgehenIm Verlauf

    Besprochen wird eine strukturierte Psychotherapie; mehrere Verfahren sind untersucht, keines ist eindeutig überlegen. Für Krisen wird gemeinsam ein Krisenplan erstellt.20,54

Was die Vignette zeigt: Warum die Dauer und der Auslöser von Stimmungswechseln für die Abgrenzung zur bipolaren Störung entscheidend sind und warum beide Diagnosen nebeneinander bestehen können.

Was sie nicht zeigt: Keine Selbstdiagnose, keine Medikamentenwahl und keine Prognose für Einzelne.22,54

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Impulsivität seit der Schulzeit als Zeichen von Erwachsenen-ADHS, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder beidem?

Eine erwachsene Person

  1. 1 BeschwerdebildSeit Jahren

    Die Person handelt oft vorschnell, gerät in Konflikte und beschreibt starke Gefühlsausbrüche. Unruhe und Ablenkbarkeit bestanden schon in der Schulzeit.21

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Leitfrage hilft bei der Unterscheidung?

  2. 2 LeitfragenIm Gespräch

    Tritt die Impulsivität nur unter emotionalem Stress auf, oder auch in ruhigen Situationen? Gab es Hinweise schon in der Kindheit?19

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Was sagt der Beginn in der Kindheit?

  3. 3 AbklärungErgänzend

    ADHS ist eine neuronale Entwicklungsstörung; deshalb zählen Angaben zur Kindheit, auf Wunsch auch von Angehörigen.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Merkmale sprechen gegen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

  4. 4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung

    Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist impulsives Verhalten in der Regel an emotionalen Stress gebunden.19

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Können beide Diagnosen nebeneinander stehen?

  5. 5 Vorläufige EinordnungVorläufig

    Möglich ist eine Erwachsenen-ADHS; die Abgrenzung zu einer Persönlichkeitsstörung mit Enthemmung klärt der Verlauf.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie geht es weiter?

  6. 6 Weiteres VorgehenIm Verlauf

    Bestätigt sich zusätzlich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, stehen mehrere untersuchte Psychotherapien zur Verfügung; keine ist anderen eindeutig überlegen.54

Was die Vignette zeigt: Wie der Zusammenhang mit emotionalem Stress und der Beginn in der Kindheit bei der Unterscheidung helfen.

Was sie nicht zeigt: Keine Selbstdiagnose von ADHS oder Persönlichkeitsstörung und keine Medikamentenwahl.1,19

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Neurologischer Bezug

Wesensänderung im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsstörung oder neurologischer Ursache?

Eine Person im mittleren Lebensalter

  1. 1 BeschwerdebildSeit einigen Monaten

    Angehörige berichten, die Person wirke seit einigen Monaten gleichgültig, misstrauisch und zeitweise enthemmt; früher sei sie nicht so gewesen.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Was ist die wichtigste Leitfrage?

  2. 2 LeitfragenIm Gespräch

    Ist das Muster neu? Eine Persönlichkeitsänderung ohne äußeren Anlass im mittleren Alter lenkt den Blick auf körperliche Ursachen und Substanzen.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche körperlichen Ursachen kommen in Frage?

  3. 3 AbklärungNeurologische Untersuchung

    Abgeklärt werden etwa Multiple Sklerose, Schlaganfall, epileptische Anfälle, Enzephalitis, Schilddrüsenerkrankungen und Hirnverletzungen.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie wird eine Demenz abgegrenzt?

  4. 4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach den Befunden

    Entscheidend ist der zeitliche Zusammenhang mit der Erkrankung; bei einer Demenz lassen zusätzlich geistige Fähigkeiten nach.1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Einordnung ist möglich?

  5. 5 Vorläufige EinordnungVorläufig

    Möglich ist eine organische Persönlichkeitsstörung im Sinne der ICD-10, etwa ein Frontalhirnsyndrom.32

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie geht es weiter?

  6. 6 Weiteres VorgehenIm Verlauf

    Die körperliche Ursache steht im Mittelpunkt; die Einordnung wird im Verlauf überprüft.32

Was die Vignette zeigt: Warum eine neu auftretende Wesensänderung im mittleren Lebensalter neurologisch abgeklärt werden sollte.

Was sie nicht zeigt: Keine Ferndiagnose bei Angehörigen und keine Aussage über einzelne Erkrankungen oder deren Behandlung.1

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Rückzug und Angst vor Kritik bei sozialer Angststörung oder ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung?

Eine erwachsene Person

  1. 1 BeschwerdebildSeit der Jugend

    Die Person beschreibt Anspannung und Unsicherheit, die Furcht vor Kritik und Zurückweisung und meidet viele Kontakte, obwohl sie sich Nähe wünscht.21

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Frage ist zuerst zu klären?

  2. 2 LeitfragenIm Gespräch

    Betrifft das Muster nur bestimmte Situationen, oder mehrere Bereiche des Erlebens, etwa das Denken über sich, Beziehungen und Gefühle?6

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie hängen beide Störungen zusammen?

  3. 3 AbklärungErgänzend

    Vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung teilen in einer Zwillingsstudie dieselben genetischen Einflüsse; welche Störung sich entwickelt, hängt von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie würde die ICD-11 das beschreiben?

  4. 4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung

    Die ICD-11 würde die auffälligsten Merkmalsbereiche benennen; welche das sind, ergibt erst die Untersuchung.5

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Einordnung ist möglich?

  5. 5 Vorläufige EinordnungVorläufig

    Möglich ist eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, gegebenenfalls zusammen mit einer sozialen Angststörung.21,26

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Behandlung ist untersucht?

  6. 6 Weiteres VorgehenIm Verlauf

    Bei Cluster-C-Persönlichkeitsstörungen sind psychodynamische Kurzzeittherapie, kognitive Therapie und Schematherapie in Studien untersucht.27,41

Was die Vignette zeigt: Wie sich ein überdauerndes Muster in vielen Lebensbereichen von einer umschriebenen Angst unterscheidet.

Was sie nicht zeigt: Keine Selbstdiagnose und keine Aussage, welches Verfahren für eine bestimmte Person das richtige ist.26,27

Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

Belastende Kindheit und instabile Beziehungen bei komplexer PTBS oder Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Eine erwachsene Person

  1. 1 BeschwerdebildSeit vielen Jahren

    Die Person berichtet von Misshandlung in der Kindheit, starken Gefühlsschwankungen und schwierigen Beziehungen.47

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Worauf achten Fachleute bei der Abgrenzung?

  2. 2 LeitfragenIm Gespräch

    Stehen Vermeidung, Bedrohungsgefühl und ein stabil negatives Selbstbild im Vordergrund oder Verlassenheitsangst?1

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Erklärt die Vorgeschichte die Diagnose?

  3. 3 AbklärungErgänzend

    Belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko für eine Persönlichkeitsstörung, sind aber kein Beweis für eine bestimmte Diagnose.47

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Wie wird die Diagnose gesichert?

  4. 4 Abgrenzung SchlüsselschrittNach der Untersuchung

    Ein halbstrukturiertes Interview unterstützt die Abgrenzung der Borderline-Persönlichkeitsstörung von anderen psychischen Störungen.16

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Einordnung ist möglich?

  5. 5 Vorläufige EinordnungVorläufig

    Möglich ist eine PTBS mit Borderline-Merkmalen; für diese Kombination gibt es eine Behandlungsstudie, allerdings nur mit Frauen.31

    Was würden Sie als Nächstes abklären?

    Welche Behandlung ist untersucht?

  6. 6 Weiteres VorgehenIm Verlauf

    Für Frauen mit PTBS nach Missbrauch in der Kindheit und mindestens drei Borderline-Kriterien wurden DBT-PTBS und kognitive Verarbeitungstherapie in einer Studie verglichen; beide wirkten.31

Was die Vignette zeigt: Wie sich Selbstbild und Beziehungsmuster bei komplexer PTBS und Borderline-Persönlichkeitsstörung unterscheiden.

Was sie nicht zeigt: Keine Aussage, dass eine belastende Kindheit zwangsläufig zu einer Störung führt, und keine Traumatherapie-Anleitung.1,47

Hilfe in einer KriseAkute Krise oder Gedanken an Selbsttötung: Notruf 112, TelefonSeelsorge kostenfrei 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4

  • aufgedeckt
  • noch verdeckt
  • Abgrenzung

KernsatzEine sorgfältige Abklärung klärt, welche Erklärung am besten passt und ob mehrere Erkrankungen nebeneinander bestehen.

Quellen: World Health Organization · WHO 20241; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20263; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20264; Reed GM · World Psychiatry 20185; American Psychiatric Association · American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 20266; Leichsenring F et al. · World Psychiatry 202416; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202621; Reichborn-Kjennerud T et al. · American Journal of Psychiatry 200726; DGPPN et al. · AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 202219; Johnson JG et al. · Archives of General Psychiatry 199947; Nieberler M et al. · Der Nervenarzt 202618; Zimmerman M et al. · Psychological Medicine 202122; Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG · BfArM (ICD-10-GM) 202632; National Institute for Health and Care Excellence · NICE 200920; Setkowski K et al. · Psychological Medicine 202354; Svartberg M et al. · American Journal of Psychiatry 200427; Bamelis LL et al. · American Journal of Psychiatry 201441; Bohus M et al. · JAMA Psychiatry 202031


Versorgung bei NEVPAZ in Hamburg

Die Privatpraxis NEVPAZ GmbH am Dammtorwall 7a in 20354 Hamburg arbeitet interdisziplinär mit Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie zusammen. Nach Angabe der Praxisleitung (Dr. med. Amir Golsari, Stand 5. Oktober 2026) sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich; das ist eine Praxisangabe, kein Literaturbeleg. Ob ein Gespräch per Video im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg; die Musterberufsordnung (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) ist nur ein Muster. Oft ist ein persönlicher Termin nötig, und körperliche und neurologische Untersuchungen finden vor Ort statt. Einen Termin fragen Sie über das Kontaktformular auf nevpaz.de oder telefonisch unter 040 238 353 790 an. Die Praxis ist kein Notdienst; Hilfe in akuten Krisen finden Sie im Abschnitt „Krise und Notfall“.

Termin anfragen 040 238 353 790 Kontakt und Anfahrt Dammtorwall 7a, 20354 Hamburg

Häufige Fragen zu Persönlichkeitsstörungen

Was sind Persönlichkeitsstörungen, einfach erklärt?

Persönlichkeitsstörungen sind lang anhaltende Muster des Erlebens und Verhaltens, die deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens. Gemeint sind nicht einzelne Eigenheiten, sondern Muster, die Leiden oder Einschränkungen verursachen.6

Welche Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Das DSM-5-TR beschreibt zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen. Die ICD-11 hat die Einzeldiagnosen der ICD-10 aufgegeben und beschreibt stattdessen fünf breite Merkmalsbereiche: negative Affektivität, Distanziertheit, Dissozialität, Enthemmung und Anankasmus.5,6

Wie werden Persönlichkeitsstörungen nach ICD-11 diagnostiziert?

Nach der ICD-11 wird zuerst der Schweregrad bestimmt: leicht (Probleme in vielen Beziehungen oder Rollen, einige bleiben erhalten), mittelgradig (deutliche Probleme in den meisten Beziehungen) oder schwer (nahezu alle Beziehungen ernsthaft beeinträchtigt). Anschließend werden die auffälligsten Merkmalsbereiche benannt.1,5

Wie viele Persönlichkeitsstörungen gibt es?

Im DSM-5-TR sind es zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen. Die ICD-11 zählt keine Einzeltypen mehr, sondern beschreibt eine Persönlichkeitsstörung mit Schweregrad und den zutreffenden Merkmalsbereichen.6

Ist eine Persönlichkeitsstörung eine Krankheit?

Ja, wenn bestimmte Muster lange anhalten, deutlich von dem abweichen, was erwartet wird, und mindestens zwei Bereiche des Erlebens und Verhaltens betreffen: das Denken über sich und andere, das Gefühlserleben, die Beziehungen oder die Steuerung des eigenen Verhaltens. Das DSM-5-TR beschreibt zehn spezifische Persönlichkeitsstörungen. Einzelne ausgeprägte Eigenheiten sind dagegen keine Störung.6

Ist eine Persönlichkeitsstörung heilbar?

Ein Heilversprechen gibt es nicht, aber deutliche Veränderungen sind häufig. In einer Langzeitstudie mit stationär aufgenommenen Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung waren nach 16 Jahren je nach geforderter Dauer 78 bis 99 Prozent in Remission; eine Genesung mit gutem Funktionsniveau erreichten 40 bis 60 Prozent, Rückfälle kamen bei 10 bis 36 Prozent vor. Das sind Gruppenwerte.51

Ist eine Persönlichkeitsstörung vererbbar oder angeboren?

Erbanlagen spielen eine Rolle, erklären aber nur einen Teil: In Zwillingsstichproben aus drei Ländern erklärten genetische Einflüsse 42 Prozent der Unterschiede in Borderline-Merkmalen; die übrigen 58 Prozent gingen auf individuelle Umwelteinflüsse zurück.46

Wie entstehen Persönlichkeitsstörungen?

Vermutlich wirken Anlage und Erfahrungen zusammen. In einer norwegischen Zwillingsstudie lag die geschätzte Erblichkeit für Merkmale der Persönlichkeitsstörungen aus Cluster B zwischen 24 und 38 Prozent. Belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko; ein Zusammenhang ist aber kein Beweis für eine Ursache.13,47

Wann beginnen Persönlichkeitsstörungen?

Allgemein beginnen die Muster meist bis zum späten Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Ein zusammenhängendes Borderline-Syndrom beginnt typischerweise in der Jugend nach dem 12. Lebensjahr; häufig gehen Depression, Angst, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität oder Substanzkonsum voraus oder entwickeln sich gleichzeitig.6,33

Ab wann kann man eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren?

Nach der deutschen S3-Leitlinie (2022, Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung) soll die Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auch bei Jugendlichen ab 12 Jahren gestellt werden, wenn die Kriterien nach fachgerechter Diagnostik erfüllt sind.19,45

Wer kann eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren?

Die Diagnose stellen Fachleute für psychische Erkrankungen nach einer sorgfältigen klinischen Diagnostik; die deutsche Leitlinie empfiehlt, sie durch ein validiertes halbstrukturiertes Interview zu unterstützen. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig: Wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht erkannt, folgen häufig medikamentöse Behandlungen, die selten erfolgreich sind.19,53

Kann Borderline mit ADHS verwechselt werden?

Ja, die Abgrenzung ist nicht immer einfach, und beides kann zusammen vorkommen. Nach der deutschen S3-Leitlinie (2022, Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung) ist impulsives Verhalten bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung meist mit emotionalem Stress verbunden, bei ADHS auch unabhängig davon; kognitive Impulsivität und motorische Hyperaktivität fehlen bei Borderline.19,45

Ist ADHS eine Persönlichkeitsstörung?

Nein. ADHS gehört nach der ICD-11 zu den neuronalen Entwicklungsstörungen. Im Erwachsenenalter kann die Abgrenzung schwierig sein; beides kann nebeneinander bestehen.1

Ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Traumafolgestörung?

Nicht zwingend. Belastende Erfahrungen erhöhen das Risiko: Wer in der Kindheit nachweislich misshandelt oder vernachlässigt wurde, hatte in einer Langzeitstudie ein mehr als viermal so hohes Risiko für eine Persönlichkeitsstörung. Ein solcher Zusammenhang ist aber kein Beweis für eine Ursache.47

Ist eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung eine Angststörung?

Beide sind verwandt, aber nicht dasselbe. In einer norwegischen Zwillingsstudie bei Frauen teilten vermeidend-selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und soziale Angststörung dieselben genetischen Einflüsse; welche Störung sich entwickelte, hing von unterschiedlichen Umweltfaktoren ab.26

Sind bipolare Störung und Borderline das Gleiche?

Nein. Bipolare Störungen zeigen phasenhafte, meist nicht reaktive Stimmungsschwankungen; bei der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wechseln Gefühle häufig, reaktiv und oft durch Beziehungen ausgelöst. Beides kann gleichzeitig vorliegen; bei Unsicherheit wird eine Verlaufsdiagnostik empfohlen.18

Wie geht man als Angehörige oder Angehöriger mit einer Persönlichkeitsstörung um?

Nach der deutschen Leitlinie sollen Angehörige, wenn die betroffene Person zustimmt, in Krisenpläne einbezogen und zu einem hilfreichen Umgang beraten werden, etwa zu einer einfühlsamen, nicht wertenden Haltung. Angehörige sollten selbst Unterstützung erhalten, zum Beispiel über Familienprogramme, Selbsthilfe oder den Borderline-Trialog.19

Helfen Medikamente bei Persönlichkeitsstörungen?

Gegen die Kernsymptome nach heutigem Stand nicht. Ein Cochrane-Review mit 46 randomisierten Studien fand für kein Medikament einen Unterschied zu Placebo bei den Hauptendpunkten. Medikamente können bei Begleiterkrankungen eine Rolle spielen; setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenständig ab.9

Welche Psychotherapie hilft bei Borderline?

Untersucht sind mehrere strukturierte Verfahren, darunter Dialektisch-Behaviorale Therapie, Mentalisierungsbasierte Therapie, Schematherapie und übertragungsfokussierte Psychotherapie. Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 43 Studien fand keine einzelne Psychotherapie, die anderen eindeutig überlegen ist.54

Was tun bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise?

Holen Sie sofort Hilfe. Bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar, der Ärztliche Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstunden unter 116 117. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.3,4

Sind bei NEVPAZ Gespräche per Video möglich?

Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche bei NEVPAZ in geeigneten Fällen auch per Video möglich. Ob das im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg, die Musterberufsordnung (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) ist nur ein Muster. Oft ist ein persönlicher Termin nötig. Anfragen sind über das Kontaktformular möglich.


Quellen und Einordnung

Die Auswahl umfasst publizierte Originalstudien, Meta-Analysen, Cochrane-Reviews, Übersichtsarbeiten, die Klassifikationen der WHO (ICD-11, Klinische Beschreibungen und diagnostische Anforderungen) und des BfArM (ICD-10-GM), Informationen der amerikanischen Psychiatrievereinigung zum DSM-5-TR sowie deutsche und britische Leitlinien. Sie ist eine gezielte wissenschaftliche Recherche mit Stand 5. Oktober 2026, kein systematischer Review. Die Quellen sind nummeriert und mit DOI beziehungsweise PubMed-Nachweis verknüpft. Die Gültigkeit der deutschen S3-Leitlinie zur Borderline-Persönlichkeitsstörung ist laut AWMF-Register abgelaufen; ihre Überarbeitung ist angemeldet.

Den Wortlaut des DSM-5-TR konnten wir nicht aus dem Primärtext prüfen; DSM-Angaben stammen aus Informationen der amerikanischen Psychiatrievereinigung, der deutschen Leitlinie und begutachteten Übersichtsarbeiten. Studienergebnisse sind Gruppenwerte und keine Prognose für einzelne Menschen; Vergleiche zwischen Studien mit unterschiedlichen Populationen, Maßen und Zeiträumen sind bewusst nicht als Rangliste dargestellt. Die Angaben zur Versorgung in der Praxis sind Praxisangaben, keine Studienergebnisse.

Wischen Sie durch die Quellen oder filtern Sie nach Art der Quelle. Jede Quelle ist über DOI, PubMed oder die Originalseite nachprüfbar.

01WHO2024

Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR)

World Health Organization

Klassifikationgeprüft: Volltext

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

02The Lancet2015

Classification, assessment, prevalence, and effect of personality disorder

Tyrer P, Reed GM, Crawford MJ

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

03TelefonSeelsorge Deutschland2026

TelefonSeelsorge – Startseite

TelefonSeelsorge Deutschland

Hilfsangebot/Registergeprüft: Webseite

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

04Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de)2026

116117.de – Der Patientenservice

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)

Hilfsangebot/Registergeprüft: Webseite

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen verstehen: Klassifikation, Verlauf, Behandlung, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

05World Psychiatry2018

Progress in developing a classification of personality disorders for ICD-11

Reed GM

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Volltext

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

06American Psychiatric Association (DSM-5-TR)2026

What are Personality Disorders? (Patienteninformation mit Bezug auf DSM-5-TR)

American Psychiatric Association

Klassifikationgeprüft: Volltext

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

07American Journal of Psychiatry2010

Time to attainment of recovery from borderline personality disorder and stability of recovery: A 10-year prospective follow-up study

Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

08Cochrane Database of Systematic Reviews2020

Psychological therapies for people with borderline personality disorder

Storebø OJ, Stoffers-Winterling JM, Völlm BA, Kongerslev MT, Mattivi JT, Jørgensen MS, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

09Cochrane Database of Systematic Reviews2022

Pharmacological interventions for people with borderline personality disorder

Stoffers-Winterling JM, Storebø OJ, Pereira Ribeiro J, Kongerslev MT, Völlm BA, Mattivi JT, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Volltext

Zitiert in: Persönlichkeitsstörungen auf einen Blick, Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

10Psychological Medicine2024

Personality disorder coverage, prevalence, and convergence: do the DSM-5's two models of personality disorder identify the same patients?

Clark LA, Ro E, Nuzum H, Vanderbleek EN, Allen X

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Schlüsselstudien

11AWMF S3-Leitlinie LL-SBPF (134-001)2024

S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Patientinnen und Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen (LL-SBPF), Kurzfassung Version 1.0

DGPT (federführend), 33 Fachgesellschaften; AWMF-Register-Nr. 134-001

Leitliniegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Diagnostik

12Psychological Medicine2007

The heritability of cluster A personality disorders assessed by both personal interview and questionnaire

Kendler KS, Myers J, Torgersen S, Neale MC, Reichborn-Kjennerud T

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

13Psychological Medicine2008

Dimensional representations of DSM-IV cluster B personality disorders in a population-based sample of Norwegian twins: a multivariate study

Torgersen S, Czajkowski N, Jacobson K, Reichborn-Kjennerud T, Røysamb E, Neale MC, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

14Archives of General Psychiatry2008

The structure of genetic and environmental risk factors for DSM-IV personality disorders: a multivariate twin study

Kendler KS, Aggen SH, Czajkowski N, Røysamb E, Tambs K, Torgersen S, et al.

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

15American Psychiatric Association (DSM-5)2013

Personality Disorders (DSM-5 Fact Sheet)

American Psychiatric Association

Klassifikationgeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

16World Psychiatry2024

Borderline personality disorder: a comprehensive review of diagnosis and clinical presentation, etiology, treatment, and current controversies

Leichsenring F, Fonagy P, Heim N, Kernberg OF, Leweke F, Luyten P, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

17World Psychiatry2019

Innovations and changes in the ICD-11 classification of mental, behavioural and neurodevelopmental disorders

Reed GM, First MB, Kogan CS, Hyman SE, Gureje O, Gaebel W, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

18Der Nervenarzt2026

[Is it all bipolar? Differential diagnosis of mood swings in young adulthood]

Nieberler M, Appel M, Klüpfel C, Warrings W, Kittel-Schneider S

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen

19AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015)2022

S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion, Fassung vom 14.11.2022

DGPPN, DGKJP u. a. (federführend); AWMF-Register-Nr. 038-015

Leitliniegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Entstehung

20NICE2009

Borderline personality disorder: recognition and management (CG78)

National Institute for Health and Care Excellence

Leitliniegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Alltag

21BfArM (ICD-10-GM)2026

ICD-10-GM Version 2026, Block F60–F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG

Klassifikationgeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

22Psychological Medicine2021

Patients with borderline personality disorder and bipolar disorder: a descriptive and comparative study

Zimmerman M, Balling C, Chelminski I, Dalrymple K

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen

23Archives of General Psychiatry2006

Outpatient psychotherapy for borderline personality disorder: randomized trial of schema-focused therapy vs transference-focused psychotherapy

Giesen-Bloo J, van Dyck R, Spinhoven P, van Tilburg W, Dirksen C, van Asselt T, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

24American Journal of Psychiatry2007

Evaluating three treatments for borderline personality disorder: a multiwave study

Clarkin JF, Levy KN, Lenzenweger MF, Kernberg OF

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

25American Journal of Psychiatry2009

A randomized trial of dialectical behavior therapy versus general psychiatric management for borderline personality disorder

McMain SF, Links PS, Gnam WH, Guimond T, Cardish RJ, Korman L, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

26American Journal of Psychiatry2007

The relationship between avoidant personality disorder and social phobia: a population-based twin study

Reichborn-Kjennerud T, Czajkowski N, Torgersen S, Neale MC, Ørstavik RE, Tambs K, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Arten im Überblick

27American Journal of Psychiatry2004

Randomized, controlled trial of the effectiveness of short-term dynamic psychotherapy and cognitive therapy for cluster C personality disorders

Svartberg M, Stiles TC, Seltzer MH

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

28Der Nervenarzt2024

[Narcissism-Normal, pathological, grandiose, vulnerable?]

Wilfer T, Spitzer C, Lammers CH

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

29NICE2009

Antisocial personality disorder: prevention and management (CG77)

National Institute for Health and Care Excellence

Leitliniegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Einteilung nach ICD-11 und DSM-5-TR

30Cochrane Database of Systematic Reviews2020

Pharmacological interventions for antisocial personality disorder

Khalifa NR, Gibbon S, Völlm BA, Cheung NH, McCarthy L

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Medikamente

31JAMA Psychiatry2020

Dialectical Behavior Therapy for Posttraumatic Stress Disorder (DBT-PTSD) Compared With Cognitive Processing Therapy (CPT) in Complex Presentations of PTSD in Women Survivors of Childhood Abuse: A Randomized Clinical Trial

Bohus M, Kleindienst N, Hahn C, Müller-Engelmann M, Ludäscher P, Steil R, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Schlüsselstudien

32BfArM (ICD-10-GM)2026

ICD-10-GM Version 2026, Block F00–F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG

Klassifikationgeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Differenzialdiagnosen

33The Lancet2021

Borderline personality disorder

Bohus M, Stoffers-Winterling J, Sharp C, Krause-Utz A, Schmahl C, Lieb K

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Borderline-Persönlichkeitsstörung

34Archives of General Psychiatry1991

Cognitive-behavioral treatment of chronically parasuicidal borderline patients

Linehan MM, Armstrong HE, Suarez A, Allmon D, Heard HL

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

35Archives of General Psychiatry2006

Two-year randomized controlled trial and follow-up of dialectical behavior therapy vs therapy by experts for suicidal behaviors and borderline personality disorder

Linehan MM, Comtois KA, Murray AM, Brown MZ, Gallop RJ, Heard HL, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

36JAMA Psychiatry2026

Dialectical Behavior Therapy vs Schema Therapy for Patients With Borderline Personality Disorder: The BOOTS Multicenter Randomized Clinical Trial

Wibbelink CJM, Kamphuis JH, Sinnaeve R, Grasman RPPP, Alberts J, Alkema M, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

37JAMA Psychiatry2018

Efficacy of Dialectical Behavior Therapy for Adolescents at High Risk for Suicide: A Randomized Clinical Trial

McCauley E, Berk MS, Asarnow JR, Adrian M, Cohen J, Korslund K, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

38American Journal of Psychiatry1999

Effectiveness of partial hospitalization in the treatment of borderline personality disorder: a randomized controlled trial

Bateman A, Fonagy P

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

39American Journal of Psychiatry2009

Randomized controlled trial of outpatient mentalization-based treatment versus structured clinical management for borderline personality disorder

Bateman A, Fonagy P

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

40JAMA Psychiatry2022

Effectiveness of Predominantly Group Schema Therapy and Combined Individual and Group Schema Therapy for Borderline Personality Disorder: A Randomized Clinical Trial

Arntz A, Jacob GA, Lee CW, Brand-de Wilde OM, Fassbinder E, Harper RP, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

41American Journal of Psychiatry2014

Results of a multicenter randomized controlled trial of the clinical effectiveness of schema therapy for personality disorders

Bamelis LL, Evers SM, Spinhoven P, Arntz A

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

42American Journal of Psychiatry2018

The Clinical Effectiveness and Cost-Effectiveness of Lamotrigine in Borderline Personality Disorder: A Randomized Placebo-Controlled Trial

Crawford MJ, Sanatinia R, Barrett B, Cunningham G, Dale O, Ganguli P, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Psychotherapie

43American Journal of Psychiatry2008

8-year follow-up of patients treated for borderline personality disorder: mentalization-based treatment versus treatment as usual

Bateman A, Fonagy P

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Alltag

44Archives of General Psychiatry2011

Ten-year course of borderline personality disorder: psychopathology and function from the Collaborative Longitudinal Personality Disorders study

Gunderson JG, Stout RL, McGlashan TH, Shea MT, Morey LC, Grilo CM, et al.

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Was ist eine Persönlichkeitsstörung?, Verlauf

45AWMF-Leitlinienregister2026

Registereinträge 038-015 (Borderline-Persönlichkeitsstörung) und 134-001; Suche „Persönlichkeitsstörung“

AWMF-Leitlinienregister

Hilfsangebot/Registergeprüft: Webseite

Zitiert in: Entstehung, Psychotherapie

46Psychological Medicine2008

Heritability of borderline personality disorder features is similar across three countries

Distel MA, Trull TJ, Derom CA, Thiery EW, Grimmer MA, Martin NG, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Entstehung, Häufige Fragen

47Archives of General Psychiatry1999

Childhood maltreatment increases risk for personality disorders during early adulthood

Johnson JG, Cohen P, Brown J, Smailes EM, Bernstein DP

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Entstehung, Fallvignetten

48Biological Psychiatry2007

DSM-IV personality disorders in the National Comorbidity Survey Replication

Lenzenweger MF, Lane MC, Loranger AW, Kessler RC

Originalstudiegeprüft: Volltext

Zitiert in: Häufigkeit, Alltag

49The Lancet Psychiatry2025

The global epidemiology of personality disorder: a systematic review and meta-regression

Shadid J, Ferrari AJ, Bach B, Sellbom M, Sharp C, Hutsebaut J, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Häufigkeit

50American Journal of Psychiatry2002

Short-term diagnostic stability of schizotypal, borderline, avoidant, and obsessive-compulsive personality disorders

Shea MT, Stout R, Gunderson J, Morey LC, Grilo CM, McGlashan T, et al.

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Verlauf

51American Journal of Psychiatry2012

Attainment and stability of sustained symptomatic remission and recovery among patients with borderline personality disorder and axis II comparison subjects: a 16-year prospective follow-up study

Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G

Originalstudiegeprüft: Abstract

Zitiert in: Verlauf, Schlüsselstudien

52Psychological Medicine2015

Clinical and psychosocial outcomes of borderline personality disorder in childhood and adolescence: a systematic review

Winsper C, Marwaha S, Lereya ST, Thompson A, Eyden J, Singh SP

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Verlauf, Alltag

53Nature Reviews Disease Primers2018

Borderline personality disorder

Gunderson JG, Herpertz SC, Skodol AE, Torgersen S, Zanarini MC

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Diagnostik, Häufige Fragen

54Psychological Medicine2023

Which psychotherapy is most effective and acceptable in the treatment of adults with a (sub)clinical borderline personality disorder? A systematic review and network meta-analysis

Setkowski K, Palantza C, van Ballegooijen W, Gilissen R, Oud M, Cristea IA, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Psychotherapie, Schlüsselstudien

55World Psychiatry2024

Absolute and relative outcomes of psychotherapies for eight mental disorders: a systematic review and meta-analysis

Cuijpers P, Miguel C, Ciharova M, Harrer M, Basic D, Cristea IA, et al.

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Volltext

Zitiert in: Psychotherapie

56Cochrane Database of Systematic Reviews2020

Psychological interventions for antisocial personality disorder

Gibbon S, Khalifa NR, Cheung NH, Völlm BA, McCarthy L

Meta-Analyse/Übersichtgeprüft: Abstract

Zitiert in: Psychotherapie, Medikamente

57EMA2026

Medicines (human): Liste der zentral zugelassenen Humanarzneimittel (Datendownload), Abruf 05.10.2026; Auswertung laut Faktenprüfung

European Medicines Agency (EMA)

Behörde (Zulassungsstand)Ergänzende Quelle (Grafiken)abgerufen 05.10.2026

Zitiert in: Medikamente

Alle 57 Quellen als Liste
  1. World Health Organization Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders (CDDR). WHO WHO 2024, Abruf 05.10.2026. Quelle
  2. Tyrer P, Reed GM, Crawford MJ Classification, assessment, prevalence, and effect of personality disorder. The Lancet The Lancet 2015. DOI 10.1016/S0140-6736(14)61995-4 · PMID 25706217
  3. TelefonSeelsorge Deutschland TelefonSeelsorge – Startseite. TelefonSeelsorge Deutschland TelefonSeelsorge Deutschland 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) 116117.de – Der Patientenservice. Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
  5. Reed GM Progress in developing a classification of personality disorders for ICD-11. World Psychiatry World Psychiatry 2018. DOI 10.1002/wps.20533 · PMID 29856549
  6. American Psychiatric Association What are Personality Disorders? (Patienteninformation mit Bezug auf DSM-5-TR). American Psychiatric Association (DSM-5-TR) American Psychiatric Association (DSM-5-TR) 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
  7. Zanarini MC, Frankenburg FR, Reich DB, Fitzmaurice G Time to attainment of recovery from borderline personality disorder and stability of recovery: A 10-year prospective follow-up study. American Journal of Psychiatry American Journal of Psychiatry 2010. DOI 10.1176/appi.ajp.2009.09081130 · PMID 20395399
  8. Storebø OJ, Stoffers-Winterling JM, Völlm BA, Kongerslev MT, Mattivi JT, Jørgensen MS, et al. Psychological therapies for people with borderline personality disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews Cochrane Database of Systematic Reviews 2020. DOI 10.1002/14651858.CD012955.pub2 · PMID 32368793
  9. Stoffers-Winterling JM, Storebø OJ, Pereira Ribeiro J, Kongerslev MT, Völlm BA, Mattivi JT, et al. Pharmacological interventions for people with borderline personality disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews Cochrane Database of Systematic Reviews 2022. DOI 10.1002/14651858.CD012956.pub2 · PMID 36375174
  10. Clark LA, Ro E, Nuzum H, Vanderbleek EN, Allen X Personality disorder coverage, prevalence, and convergence: do the DSM-5's two models of personality disorder identify the same patients?. Psychological Medicine Psychological Medicine 2024. DOI 10.1017/S0033291724000357 · PMID 38501282
  11. DGPT (federführend), 33 Fachgesellschaften; AWMF-Register-Nr. 134-001 S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Patientinnen und Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsfunktionen (LL-SBPF), Kurzfassung Version 1.0. AWMF S3-Leitlinie LL-SBPF (134-001) AWMF S3-Leitlinie LL-SBPF (134-001) 2024, Abruf 05.10.2026. Quelle
  12. Kendler KS, Myers J, Torgersen S, Neale MC, Reichborn-Kjennerud T The heritability of cluster A personality disorders assessed by both personal interview and questionnaire. Psychological Medicine Psychological Medicine 2007. DOI 10.1017/S0033291706009755 · PMID 17224098
  13. Torgersen S, Czajkowski N, Jacobson K, Reichborn-Kjennerud T, Røysamb E, Neale MC, et al. Dimensional representations of DSM-IV cluster B personality disorders in a population-based sample of Norwegian twins: a multivariate study. Psychological Medicine Psychological Medicine 2008. DOI 10.1017/S0033291708002924 · PMID 18275631
  14. Kendler KS, Aggen SH, Czajkowski N, Røysamb E, Tambs K, Torgersen S, et al. The structure of genetic and environmental risk factors for DSM-IV personality disorders: a multivariate twin study. Archives of General Psychiatry Archives of General Psychiatry 2008. DOI 10.1001/archpsyc.65.12.1438 · PMID 19047531
  15. American Psychiatric Association Personality Disorders (DSM-5 Fact Sheet). American Psychiatric Association (DSM-5) American Psychiatric Association (DSM-5) 2013, Abruf 05.10.2026. Quelle
  16. Leichsenring F, Fonagy P, Heim N, Kernberg OF, Leweke F, Luyten P, et al. Borderline personality disorder: a comprehensive review of diagnosis and clinical presentation, etiology, treatment, and current controversies. World Psychiatry World Psychiatry 2024. DOI 10.1002/wps.21156 · PMID 38214629
  17. Reed GM, First MB, Kogan CS, Hyman SE, Gureje O, Gaebel W, et al. Innovations and changes in the ICD-11 classification of mental, behavioural and neurodevelopmental disorders. World Psychiatry World Psychiatry 2019. DOI 10.1002/wps.20611 · PMID 30600616
  18. Nieberler M, Appel M, Klüpfel C, Warrings W, Kittel-Schneider S [Is it all bipolar? Differential diagnosis of mood swings in young adulthood]. Der Nervenarzt Der Nervenarzt 2026. DOI 10.1007/s00115-026-01970-7 · PMID 41986675
  19. DGPPN, DGKJP u. a. (federführend); AWMF-Register-Nr. 038-015 S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung, Langversion, Fassung vom 14.11.2022. AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) AWMF S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (038-015) 2022, Abruf 05.10.2026. Quelle
  20. National Institute for Health and Care Excellence Borderline personality disorder: recognition and management (CG78). NICE NICE 2009, Abruf 05.10.2026. Quelle
  21. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Auftrag des BMG ICD-10-GM Version 2026, Block F60–F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. BfArM (ICD-10-GM) BfArM (ICD-10-GM) 2026, Abruf 05.10.2026. Quelle
  22. Zimmerman M, Balling C, Chelminski I, Dalrymple K Patients with borderline personality disorder and bipolar disorder: a descriptive and comparative study. Psychological Medicine Psychological Medicine 2021. DOI 10.1017/S0033291720000215 · PMID 32178744
  23. Giesen-Bloo J, van Dyck R, Spinhoven P, van Tilburg W, Dirksen C, van Asselt T, et al. Outpatient psychotherapy for borderline personality disorder: randomized trial of schema-focused therapy vs transference-focused psychotherapy. Archives of General Psychiatry Archives of General Psychiatry 2006. DOI 10.1001/archpsyc.63.6.649 · PMID 16754838
  24. Clarkin JF, Levy KN, Lenzenweger MF, Kernberg OF Evaluating three treatments for borderline personality disorder: a multiwave study. American Journal of Psychiatry American Journal of Psychiatry 2007. DOI 10.1176/ajp.2007.164.6.922 · PMID 17541052
  25. McMain SF, Links PS, Gnam WH, Guimond T, Cardish RJ, Korman L, et al. A randomized trial of dialectical behavior therapy versus general psychiatric management for borderline personality disorder. American Journal of Psychiatry American Journal of Psychiatry 2009. DOI 10.1176/appi.ajp.2009.09010039 · PMID 19755574
  26. Reichborn-Kjennerud T, Czajkowski N, Torgersen S, Neale MC, Ørstavik RE, Tambs K, et al. The relationship between avoidant personality disorder and social phobia: a population-based twin study. American Journal of Psychiatry American Journal of Psychiatry 2007. DOI 10.1176/appi.ajp.2007.06101764 · PMID 17974938
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Stand 05.10.2026 · Gezielte narrative Recherche (ein Bereich PER, 120 Claims) mit PMID-Prüfung und maschineller Zitatprüfung; kein systematischer Review · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Dr. med. Amir Golsari

Fachärztliche Prüfung

Dr. med. Amir Golsari

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie

Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Ausbildung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Mitautor klinischer Studien in der Schlaganfall-Bildgebung (u. a. WAKE-UP, NEJM 2018). Ärztlicher Leiter der Privatpraxis NEVPAZ in Hamburg.

Zuletzt fachärztlich geprüft am 13.10.2026 durch Dr. med. Amir Golsari

Autor und vorgesehener fachärztlicher Prüfer: Dr. med. Amir Golsari · Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Untersuchung.