Bipolare Störung: zwischen Manie, Hypomanie und Depression
Eine bipolare Störung ist eine wiederkehrende, chronische Erkrankung, bei der Stimmung und Energie in Phasen schwanken. Sie betrifft weltweit mehr als 1 Prozent der Bevölkerung, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status.1 Phasen mit gehobener oder gereizter Stimmung und viel Energie, die Manie oder die schwächere Hypomanie, wechseln mit depressiven Phasen ab. Dazwischen liegen oft Zeiten, in denen es den Betroffenen gut geht.2,3
Früher sprach man von einer manisch-depressiven Erkrankung; beide Begriffe bezeichnen dasselbe Krankheitsbild.4
Dieser Beitrag erklärt die Symptome einer bipolaren Störung, ihre Formen, Ursachen und Verläufe, die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, die Auswirkungen auf den Alltag und die Behandlung. Er richtet sich an Betroffene, Angehörige und Fachleute und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose.
- 85 Quellen, u. a. aus The Lancet, New England Journal of Medicine, JAMA, The Lancet Psychiatry
- Belegte Aussagen mit Fußnote, Einordnung getrennt
- Stand 05.10.2026
Akute Krise oder Gedanken an Selbsttötung? Bei unmittelbarer Gefahr: Notruf 112. TelefonSeelsorge kostenfrei, Tag und Nacht: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Sprechstunden: 116 117. Mehr im Abschnitt „Krise und Notfall“ (Stand 5. Oktober 2026).5,6
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation unterscheidet die Bipolar-I- und die Bipolar-II-Störung. Für eine manische Episode ist gesteigerte Aktivität oder Energie ein Pflichtmerkmal, gehobene Stimmung allein reicht nicht.7 Typ 1, Typ 2, Zyklothymie
- Meist überwiegen die depressiven Beschwerden: In einer US-Langzeitstudie mit 146 Menschen mit Bipolar-I-Störung (im Mittel 12,8 Jahre) bestanden in 47,3 Prozent der Wochen Beschwerden, depressive deutlich häufiger als manische.3 Verlauf
- Bis eine bipolare Störung richtig erkannt wird, vergehen laut deutscher S3-Leitlinie in der Regel 5 bis 10 Jahre. Häufig beginnt die Erkrankung mit einer Depression.1,8 Diagnose
- Zur Vorbeugung neuer Krankheitsphasen gilt Lithium nach einer Netzwerk-Meta-Analyse weiterhin als erste Wahl, trotz seiner Nebenwirkungen.9 Lithium und Vorbeugung
- Setzen Sie Lithium und andere Medikamente nicht eigenständig ab. Nach der britischen NICE-Leitlinie wird Lithium, wenn es beendet wird, schrittweise über mindestens 4 Wochen, möglichst bis zu 3 Monate, reduziert.10 Sicherheit und Schwangerschaft
- Strukturierte Psychotherapie und Psychoedukation zusätzlich zu Medikamenten waren in einer Netzwerk-Meta-Analyse mit weniger Rückfällen verbunden.11 Psychoedukation und Psychotherapie
Was ist eine bipolare Störung? Krankheitsbild und Symptome

Eine bipolare Störung gehört zu den affektiven Erkrankungen, also zu den Störungen der Stimmung. Nach der ICD-11 sind bipolare Störungen episodische Stimmungsstörungen, die durch manische, gemischte oder hypomanische Episoden oder Symptome bestimmt sind.2
Das Wort „bipolar“ beschreibt die zwei Pole der Stimmung: eine krankhaft gehobene oder gereizte Stimmung mit viel Antrieb auf der einen Seite, eine depressive Stimmung mit wenig Antrieb auf der anderen. Entscheidend ist nicht ein einzelner schlechter oder sehr guter Tag, sondern ein abgrenzbarer Zeitraum, in dem sich Stimmung, Energie, Schlaf, Denken und Verhalten deutlich verändern.
Die beiden großen Diagnosesysteme, die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation und das DSM-5 der American Psychiatric Association, stimmen bei Bipolar I und Bipolar II inhaltlich im Wesentlichen überein.12
Studiendetails: Was ist eine bipolare Störung?
In einem systematischen Vergleich wurden 31 von 103 Diagnosen (30,1 Prozent) als in beiden Systemen praktisch identisch eingestuft, darunter Bipolar I und Bipolar II. Die Einstufung ist eine Expertenbewertung der Autorinnen und Autoren.12
Mit dem DSM-5 wurde gesteigerte zielgerichtete Aktivität oder Energie zum Pflichtsymptom der manischen und hypomanischen Episode. Die frühere gemischte Episode wurde dort gestrichen und durch einen Zusatz ersetzt.13
Die 2022 erschienene Textrevision DSM-5-TR hat bei der manischen Episode die Schweregradeinteilung korrigiert und die Restkategorie „nicht näher bezeichnete affektive Störung“ eingeführt.14
In der ICD-11 kann eine Manie nur noch im Rahmen einer bipolaren Störung kodiert werden, nicht mehr als eigenständige Diagnose. Die Zyklothymie zählt jetzt zu den bipolaren Störungen.15
Studiendetails: Was ist eine bipolare Störung?, 2
Fachsicht: Die ICD-11 teilt die frühere „bipolare affektive Störung“ der ICD-10 in Typ I und Typ II auf. Die deutsche S3-Leitlinie stützt sich noch auf die ICD-10 und nennt dort als Mindestdauer eine Woche für die manische, vier Tage für die hypomanische und zwei Wochen für die depressive und die gemischte Episode.7,8
Für Betroffene ist die Einordnung mehr als ein Etikett. Ob eine Depression Teil einer bipolaren Störung ist, beeinflusst, welche Behandlung infrage kommt und worauf im Verlauf zu achten ist. Deshalb fragen Ärztinnen und Ärzte bei jeder Depression auch nach früheren Phasen mit ungewöhnlich viel Energie.
Wie hängen Formen, Symptome, Begleiterkrankungen und Behandlungen zusammen?
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Formen und Episoden
Symptome, Verlauf, Alltag
Begleiterkrankungen und Abgrenzung
Behandlung und Sicherheit
Studien und Quellen
Studie
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Abschnitt des Beitrags
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Form oder Episode
Bipolar-I-Störung
Für eine Bipolar-I-Störung nach ICD-11 muss mindestens eine manische oder gemischte Episode aufgetreten sein.2
Verbindungen
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 3
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 3
- zeigt sich als 3
- belegt 16
- häufig gemeinsam mit 2,17
- häufig gemeinsam mit 2
- häufig gemeinsam mit 18
- häufig gemeinsam mit 16,18
- behandelt mit 8,10
- behandelt mit 8
- belegt durch 2
Zum Abschnitt „Bipolare Störung Typ 1, Typ 2 und Zyklothymie“
Form oder Episode
Bipolar-II-Störung
Für eine Bipolar-II-Störung braucht es mindestens eine hypomane und mindestens eine depressive Episode, aber nie eine manische oder gemischte Episode.2
Verbindungen
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 19
- häufig gemeinsam mit 2
- belegt durch 2
Zum Abschnitt „Bipolare Störung Typ 1, Typ 2 und Zyklothymie“
Form oder Episode
Zyklothymie
Eine Zyklothymie ist eine über mindestens 2 Jahre anhaltende Stimmungsinstabilität mit zahlreichen hypomanen und depressiven Phasen.2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Bipolare Störung Typ 1, Typ 2 und Zyklothymie“
Form oder Episode
Manische Episode (≥ 1 Woche)
Eine manische Episode dauert mindestens eine Woche: Die Stimmung ist euphorisch, gereizt oder expansiv, Aktivität oder Energie sind gesteigert, oft mit vermindertem Schlafbedürfnis.2
Verbindungen
- ist Teil von 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- häufig gemeinsam mit 8
- häufig gemeinsam mit 8
- behandelt mit 20,21
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Form oder Episode
Hypomane Episode (mehrere Tage)
Eine hypomane Episode hält mindestens mehrere Tage an, mit anhaltend gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigerter Aktivität oder Energie.2
Verbindungen
- ist Teil von 2
- ist Teil von 2
- zeigt sich als 2
- zeigt sich als 2
- häufig gemeinsam mit 8
- häufig gemeinsam mit 8
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Form oder Episode
Depressive Episode
Für eine Bipolar-II-Störung braucht es mindestens eine hypomane und mindestens eine depressive Episode, aber nie eine manische oder gemischte Episode.2
Die Erkrankung beginnt meist zwischen 15 und 25 Jahren, und am häufigsten zeigt sie sich zuerst als Depression.18
Verbindungen
- ist Teil von 3
- ist Teil von 2
- zeigt sich als 18
- behandelt mit 22
- behandelt mit 23
- behandelt mit 24
- behandelt mit 25
- behandelt mit 8
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Form oder Episode
Gemischte Episode (≥ 2 Wochen)
Bei einer gemischten Episode bestehen deutliche manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr schnell, über mindestens 2 Wochen.2
Verbindungen
- ist Teil von 2
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Form oder Episode
Rapid Cycling (≥ 4 Episoden/12 Monate)
Von „Rapid Cycling“ spricht man, wenn in den vergangenen 12 Monaten mindestens vier Stimmungsepisoden auftraten.2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Gehobene, gereizte oder expansive Stimmung
Eine manische Episode dauert mindestens eine Woche: Die Stimmung ist euphorisch, gereizt oder expansiv, Aktivität oder Energie sind gesteigert, oft mit vermindertem Schlafbedürfnis.2
Eine hypomane Episode hält mindestens mehrere Tage an, mit anhaltend gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigerter Aktivität oder Energie.2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Gesteigerte Aktivität/Energie
Eine manische Episode dauert mindestens eine Woche: Die Stimmung ist euphorisch, gereizt oder expansiv, Aktivität oder Energie sind gesteigert, oft mit vermindertem Schlafbedürfnis.2
Eine hypomane Episode hält mindestens mehrere Tage an, mit anhaltend gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigerter Aktivität oder Energie.2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Vermindertes Schlafbedürfnis
Eine manische Episode dauert mindestens eine Woche: Die Stimmung ist euphorisch, gereizt oder expansiv, Aktivität oder Energie sind gesteigert, oft mit vermindertem Schlafbedürfnis.2
Verbindungen
- ist Teil von 2
Zum Abschnitt „Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Unterschwellige Restbeschwerden
Leichte und unterschwellige Beschwerden waren fast dreimal so häufig wie voll ausgeprägte depressive oder manische Episoden (29,9 % gegenüber 11,2 % der Wochen).3
Verbindungen
Zum Abschnitt „Wie verläuft eine bipolare Störung? Episoden, Rückfälle und stabile Zeiten“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Erbliche Faktoren (Heritabilität ≈ 70 %)
Die Erblichkeit bipolarer Störungen ist hoch und wird auf etwa 70 % geschätzt.16
Verbindungen
- belegt durch 16
Zum Abschnitt „Ursachen der bipolaren Störung und wie vererbbar sie ist“
Leitlinie, Klassifikation oder Kennzahl
Lebenszeitprävalenz 0,6 % / 0,4 % / 2,4 %
In Bevölkerungsbefragungen in 11 Ländern lag die Lebenszeithäufigkeit bei 0,6 % für Bipolar I, 0,4 % für Bipolar II, 1,4 % für unterschwellige Formen und 2,4 % für das gesamte bipolare Spektrum.17
Verbindungen
- belegt durch 17
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Beginn meist 15 bis 25 Jahre, oft mit Depression
Die Erkrankung beginnt meist zwischen 15 und 25 Jahren, und am häufigsten zeigt sie sich zuerst als Depression.18
Verbindungen
Zum Abschnitt „Wie verläuft eine bipolare Störung? Episoden, Rückfälle und stabile Zeiten“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Diagnoseverzögerung ≈ 9 Jahre
Diagnose und passende Behandlung verzögern sich nach einer ersten depressiven Episode im Mittel um etwa 9 Jahre.18
Verbindungen
- ist Teil von 18
Zum Abschnitt „Wie verläuft eine bipolare Störung? Episoden, Rückfälle und stabile Zeiten“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Verlauf überwiegend depressiv
Depressive Beschwerden überwogen deutlich (31,9 % der Wochen) gegenüber manischen/hypomanen (8,9 %) und gemischten/wechselnden (5,9 %).3
Bei Bipolar-II-Störung bestanden in 53,9 % der Wochen Beschwerden, überwiegend depressive (50,3 %), hypomane nur in 1,3 % der Wochen.19
Verbindungen
Zum Abschnitt „Wie verläuft eine bipolare Störung? Episoden, Rückfälle und stabile Zeiten“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Angststörungen / Panikattacken
Drei Viertel der Betroffenen hatten mindestens eine weitere psychische Störung; am häufigsten waren Angststörungen, besonders Panikattacken.17
Menschen mit Bipolar-I- oder -II-Störung haben häufig weitere psychische Störungen, am häufigsten Angststörungen und Störungen durch Substanzkonsum.2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizidrisiko“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Störungen durch Substanzkonsum
Menschen mit Bipolar-I- oder -II-Störung haben häufig weitere psychische Störungen, am häufigsten Angststörungen und Störungen durch Substanzkonsum.2
Verbindungen
- häufig gemeinsam mit 2
Zum Abschnitt „Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizidrisiko“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Metabolisches Syndrom, Diabetes, Rauchen
Metabolisches Syndrom (37 %), Übergewicht (21 %), Rauchen (45 %) und Typ-2-Diabetes (14 %) sind bei Menschen mit bipolarer Störung häufiger.18
Verbindungen
- häufig gemeinsam mit 18
Zum Abschnitt „Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizidrisiko“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Erhöhtes Suizidrisiko
Die jährliche Suizidrate liegt bei Menschen mit bipolarer Störung bei etwa 0,9 %, in der Allgemeinbevölkerung bei 0,014 %.18
Bipolare Störungen beeinträchtigen das soziale Funktionieren deutlich und sind mit einem Verlust von etwa 10 bis 20 möglichen Lebensjahren verbunden, vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Suizid.16
Hilfe in einer KriseBei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
Verbindungen
Zum Abschnitt „Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizidrisiko“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
ADHS (Abgrenzung)
Bei jungen Erwachsenen mit Problemen der Gefühlsregulation, etwa bei ADHS, Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen oder Substanzproblemen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine sorgfältige Abklärung in Richtung bipolare Störung.8
Verbindungen
Zum Abschnitt „Bipolar oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Persönlichkeitsstörung / Emotionsregulation (Abgrenzung)
Bei jungen Erwachsenen mit Problemen der Gefühlsregulation, etwa bei ADHS, Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen oder Substanzproblemen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine sorgfältige Abklärung in Richtung bipolare Störung.8
Verbindungen
- häufig gemeinsam mit 8
Zum Abschnitt „Bipolar oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Substanzinduzierte Manie (Kokain, Amphetamine, Ecstasy)
Abhängigkeit und Missbrauch von Substanzen wie Kokain, Ecstasy oder Amphetaminen sollen bei der Abgrenzung von Hypomanie und Manie beachtet werden.8
Verbindungen
- häufig gemeinsam mit 8
Zum Abschnitt „Bipolar oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Begleiterkrankung oder Abgrenzung
Neurologische/organische Ursachen (Epilepsie, MS, Schilddrüse)
Auch neurologische und körperliche Erkrankungen wie Epilepsien, Hirnentzündungen, Erkrankungen mit Entmarkung (etwa multiple Sklerose) sowie Schilddrüsen- und Nebennierenerkrankungen können manische Bilder hervorrufen oder nachahmen.8
Verbindungen
Zum Abschnitt „Bipolar oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Frühwarnzeichen erkennen
Nach der S3-Leitlinie gehören zu wirksamer Psychotherapie bei bipolaren Störungen unter anderem der Umgang mit Stimmungsschwankungen und Frühwarnzeichen sowie der Einbezug der Angehörigen.8
NICE empfiehlt, gemeinsam mit der betroffenen Person und möglichst den Angehörigen einen Plan zu erstellen, der Auslöser und Frühwarnzeichen eines Rückfalls festhält.10
Verbindungen
Zum Abschnitt „Frühwarnzeichen erkennen und Angehörige einbeziehen“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Einbezug der Angehörigen
Nach der S3-Leitlinie gehören zu wirksamer Psychotherapie bei bipolaren Störungen unter anderem der Umgang mit Stimmungsschwankungen und Frühwarnzeichen sowie der Einbezug der Angehörigen.8
Die Behandlung körperlicher und psychischer Begleiterkrankungen, ergänzende psychosoziale Angebote und der Einbezug von Angehörigen verbessern laut dieser Übersicht die Behandlungsergebnisse.16
Verbindungen
Zum Abschnitt „Frühwarnzeichen erkennen und Angehörige einbeziehen“
Behandlung
Lithium (Phasenprophylaxe)
Lithium soll laut S3-Leitlinie zur Vorbeugung neuer Episoden (Phasenprophylaxe) eingesetzt werden.8
Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt Lithium als erste Wahl für die medikamentöse Langzeitbehandlung.10
Verbindungen
- Behandlung bei 8,10
- untersucht in 26
- untersucht in 27
- untersucht in 28
- Behandlung bei 8
- untersucht in 9
- untersucht in 29
- belegt durch 10
- belegt durch 30,31
- belegt durch 30
- belegt durch 8
- belegt durch 10
Zum Abschnitt „Lithium bei bipolarer Störung und Vorbeugung neuer Phasen“
Behandlung
Valproat
Gegenüber Valproat allein war das Risiko für ein Ereignis unter der Kombination und unter Lithium allein niedriger. Ob die Kombination besser ist als Lithium allein, ließ sich weder sicher belegen noch ausschließen.26
Beim Hauptendpunkt unterschied sich Valproat nicht signifikant von Placebo; Vorteile zeigten sich nur bei Nebenzielgrößen.32
Verbindungen
Zum Abschnitt „Lithium bei bipolarer Störung und Vorbeugung neuer Phasen“
Behandlung
Lithium + Valproat
Gegenüber Valproat allein war das Risiko für ein Ereignis unter der Kombination und unter Lithium allein niedriger. Ob die Kombination besser ist als Lithium allein, ließ sich weder sicher belegen noch ausschließen.26
Verbindungen
- untersucht in 26
Zum Abschnitt „Lithium bei bipolarer Störung und Vorbeugung neuer Phasen“
Behandlung
Lamotrigin
Lamotrigin verlängerte gegenüber Placebo die Zeit bis zu einer depressiven Episode.29
Nach 52 Wochen war der Unterschied zugunsten von Lamotrigin größer und statistisch signifikant (−2,69 Punkte).33
Verbindungen
Zum Abschnitt „Lithium bei bipolarer Störung und Vorbeugung neuer Phasen“
Behandlung
Quetiapin
Ein Ansprechen (mindestens 50 % Besserung auf der MADRS) erreichten 58,2 % bzw. 57,6 % in den beiden Quetiapin-Dosisgruppen und 36,1 % unter Placebo.22
Verbindungen
Zum Abschnitt „Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression“
Behandlung
Lurasidon
Nach 6 Wochen sank der MADRS-Wert in beiden Lurasidon-Gruppen im Mittel um 15,4 Punkte, unter Placebo um 10,7 Punkte; die Effektstärke betrug jeweils 0,51.23
Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
Verbindungen
Zum Abschnitt „Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression“
Behandlung
Cariprazin
Beide Dosisgruppen senkten den MADRS-Wert stärker als Placebo; der mittlere Unterschied betrug −2,5 bzw. −3,0 Punkte.24
Die mittlere Dosisgruppe besserte die depressiven Beschwerden bis Woche 6 deutlicher als Placebo (MADRS-Unterschied −4,0 Punkte; auch nach Korrektur signifikant).36
Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
Verbindungen
Zum Abschnitt „Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression“
Behandlung
Antimanische Akutbehandlung
Lithium war in dieser Analyse wirksamer als Placebo (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,37); Gabapentin, Lamotrigin und Topiramat waren es nicht.20
Für die 12 wirksamen, klinisch genutzten Mittel lagen die Effekte gegenüber Placebo zwischen 0,32 und 0,66 (standardisierte Mittelwertdifferenz), ohne generelle Überlegenheit eines Mittels.21
Verbindungen
Zum Abschnitt „Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression“
Behandlung
Zusätzliches Antidepressivum
Eine stabile Erholung erreichten 23,5 % mit zusätzlichem Antidepressivum und 27,3 % mit Placebo; der Unterschied war nicht signifikant.25
Verbindungen
Zum Abschnitt „Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression“
Behandlung
Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie
Zur Rückfallvorbeugung empfiehlt die S3-Leitlinie eine ausführliche und interaktive Gruppenpsychoedukation.8
NICE empfiehlt eine strukturierte, für bipolare Störungen entwickelte und manualisierte psychologische Behandlung (einzeln, in der Gruppe oder mit der Familie) zur Rückfallvorbeugung.10
Verbindungen
Behandlung
Elektrokonvulsionstherapie (EKT)
Die S3-Leitlinie empfiehlt die Elektrokonvulsionstherapie zur Behandlung therapieresistenter depressiver Episoden im Rahmen einer bipolaren Störung.8
Verbindungen
Zum Abschnitt „Elektrokonvulsionstherapie bei schwerer bipolarer Depression“
Behandlung
Lithium: Spiegel-, Nieren-, Schilddrüsen-, Calcium-Kontrollen
NICE empfiehlt, den Lithiumspiegel im Blut im ersten Jahr alle 3 Monate und danach alle 6 Monate zu messen (bei bestimmten Gruppen weiter alle 3 Monate).10
Zur mindestens jährlichen körperlichen Untersuchung gehören unter Langzeit-Lithium auch Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie Calcium.10
Verbindungen
- belegt 10
Zum Abschnitt „Sicherheit, Nebenwirkungen und Schwangerschaft“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Nierenfunktion unter Lithium
Lithium verringerte im Mittel die Fähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren (um etwa 15 % des normalen Maximums); die Filtrationsleistung (GFR) war im Mittel nicht signifikant verändert.30
In einer schwedischen Kohorte ging die Nierenfunktion (eGFR) mit jedem Behandlungsjahr unter Lithium zusätzlich um etwa 0,54 ml/min/1,73 m² pro Jahr zurück.31
Verbindungen
Zum Abschnitt „Sicherheit, Nebenwirkungen und Schwangerschaft“
Symptom, Verlauf oder Sicherheitsthema
Schilddrüse/Nebenschilddrüse unter Lithium
Eine klinische Schilddrüsenunterfunktion war unter Lithium häufiger als unter Placebo (Odds Ratio 5,78).30
Unter Lithium stiegen Calcium und Parathormon im Mittel an; wegen der häufigen Nebenschilddrüsenüberfunktion empfehlen die Autoren Calciumkontrollen vor und während der Behandlung.30
Verbindungen
Zum Abschnitt „Sicherheit, Nebenwirkungen und Schwangerschaft“
Behandlung
Valproat: Schwangerschaftsrisiko
Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter, die Valproat einnehmen, sollen es wegen des Risikos von Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beim Kind schrittweise unter ärztlicher Aufsicht absetzen.10
Warnhinweis, keine Anleitung: Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur rät, Valproat nicht ohne ärztliche Rücksprache abzusetzen (Abruf 5. Oktober 2026).10,39
Verbindungen
- belegt 10
Zum Abschnitt „Sicherheit, Nebenwirkungen und Schwangerschaft“
Studie
BALANCE (Lancet 2010)
In der BALANCE-Studie wurden 330 Menschen ab 16 Jahren mit Bipolar-I-Störung aus 41 Zentren in vier Ländern zufällig auf drei gleich große Arme verteilt: Lithium allein, Valproat allein oder beide zusammen.26
Verbindungen
Studie
Lithium-Meta-Analyse (Am J Psychiatry 2004)
Eine Meta-Analyse fasste fünf randomisierte Studien mit zusammen 770 Teilnehmenden zusammen, die Lithium in der Langzeitbehandlung mit Placebo verglichen.27
Verbindungen
- untersucht 27
Studie
Lithium und Suizid (BMJ 2013)
Eine Meta-Analyse wertete 48 randomisierte Studien mit 6674 Teilnehmenden aus, in denen Lithium in der Langzeitbehandlung affektiver Störungen mit Placebo oder anderen Medikamenten verglichen wurde.28
Hilfe in einer KriseBei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
Verbindungen
- untersucht 28
Studie
BOLDER I (Am J Psychiatry 2005)
542 ambulant behandelte Menschen mit Bipolar-I- oder Bipolar-II-Störung in einer depressiven Episode wurden für 8 Wochen zufällig einer von zwei Quetiapin-Dosisgruppen oder Placebo zugeteilt.22
Verbindungen
- untersucht 22
Studie
Lurasidon-Monotherapie (Am J Psychiatry 2014)
In einer doppelblinden Studie wurden Menschen mit Bipolar-I-Depression für 6 Wochen zufällig einer niedrigeren Lurasidon-Dosisgruppe (166), einer höheren Dosisgruppe (169) oder Placebo (170) zugeteilt.23
Verbindungen
- untersucht 23
Studie
Cariprazin Phase 3 (Am J Psychiatry 2019)
Erwachsene mit Bipolar-I-Störung in einer depressiven Episode wurden doppelblind Placebo (158) oder einer von zwei festen Cariprazin-Dosisgruppen (157 bzw. 165) zugeteilt.24
Verbindungen
- untersucht 24
Studie
Cariprazin Phase 2 (Am J Psychiatry 2016)
Eine 8-wöchige, multinationale, doppelblinde Studie verteilte Erwachsene mit Bipolar-I-Depression im Verhältnis 1:1:1:1 auf Placebo und drei feste Cariprazin-Dosisgruppen.36
Verbindungen
- untersucht 36
Studie
Lamotrigin/Lithium-Erhaltung (Arch Gen Psychiatry 2003)
Von 349 aufgenommenen Personen erfüllten 175 die Stabilisierungskriterien und wurden auf Lamotrigin (59), Lithium (46) oder Placebo (70) verteilt.29
Verbindungen
Studie
Gruppenpsychoedukation (Arch Gen Psychiatry 2003)
Zusätzlich zur üblichen psychiatrischen Behandlung erhielten die Teilnehmenden zufällig entweder 21 Sitzungen Gruppenpsychoedukation oder 21 unstrukturierte Gruppentreffen.37
Verbindungen
- untersucht 37
Studie
EKT-Studie (Am J Psychiatry 2015)
In sieben norwegischen Akutkliniken wurden 73 Menschen mit therapieresistenter bipolarer Depression zufällig einer Elektrokonvulsionstherapie (EKT) oder einer leitliniengestützten medikamentösen Stufenbehandlung zugeteilt.38
Verbindungen
- untersucht 38
Studie
STEP-BD Antidepressiva (NEJM 2007)
Menschen mit bipolarer Depression erhielten bis zu 26 Wochen lang einen Stimmungsstabilisierer plus entweder ein zusätzliches Antidepressivum oder ein gleich aussehendes Placebo.25
Verbindungen
- untersucht 25
Studie
CEQUEL (Lancet Psychiatry 2016)
Die CEQUEL-Studie aus 27 britischen Zentren verteilte 202 Menschen mit bipolarer Depression in einem 2×2-faktoriellen Design: 101 erhielten zusätzlich zu Quetiapin Lamotrigin, 101 Placebo; zusätzlich wurde Folsäure gegen Placebo geprüft.33
Verbindungen
Studie
Netzwerk-Metaanalyse Manie (Lancet 2011)
Eine Netzwerk-Metaanalyse wertete 68 randomisierte Studien mit 16.073 Erwachsenen mit akuter Manie aus; gemessen wurde die Veränderung auf Manie-Skalen nach 3 Wochen.20
Verbindungen
- untersucht 20
Studie
Netzwerk-Metaanalyse Erhaltung (Lancet Psychiatry 2014)
Eine Netzwerk-Metaanalyse zur Rückfallvorbeugung umfasste 33 randomisierte Studien aus den Jahren 1970 bis 2012 mit 17 Behandlungen und 6846 Teilnehmenden.9
Verbindungen
- untersucht 9
Studie
Netzwerk-Metaanalyse Manie (Psychol Med 2015)
Eine zweite Netzwerk-Metaanalyse umfasste 14.256 Menschen mit Manie, die einer von 18 aktiven Behandlungen oder Placebo zugeteilt waren.21
Verbindungen
- untersucht 21
Studie
Valproat-Erhaltung (Arch Gen Psychiatry 2000)
Menschen, die sich innerhalb von 3 Monaten nach einer Manie erholt hatten (372), wurden im Verhältnis 2:1:1 auf Valproat (Divalproex), Lithium oder Placebo verteilt.32
Verbindungen
- untersucht 32
Studie
Lithium-Nebenwirkungen (Lancet 2012)
Lithium verringerte im Mittel die Fähigkeit der Niere, den Urin zu konzentrieren (um etwa 15 % des normalen Maximums); die Filtrationsleistung (GFR) war im Mittel nicht signifikant verändert.30
Verbindungen
Studie
Lithium und Niere (Lancet Psychiatry 2022)
In einer schwedischen Kohorte ging die Nierenfunktion (eGFR) mit jedem Behandlungsjahr unter Lithium zusätzlich um etwa 0,54 ml/min/1,73 m² pro Jahr zurück.31
Verbindungen
- untersucht 31
Studie
Langzeitverlauf (Arch Gen Psychiatry 2002/2003)
In einer Langzeitbeobachtung über im Mittel 12,8 Jahre hatten Menschen mit Bipolar-I-Störung in 47,3 % der Wochen Beschwerden.3
Verbindungen
Studie
WHO World Mental Health Surveys (Arch Gen Psychiatry 2011)
In Bevölkerungsbefragungen in 11 Ländern lag die Lebenszeithäufigkeit bei 0,6 % für Bipolar I, 0,4 % für Bipolar II, 1,4 % für unterschwellige Formen und 2,4 % für das gesamte bipolare Spektrum.17
Verbindungen
- belegt 17
Leitlinie, Klassifikation oder Kennzahl
WHO ICD-11 CDDR (2024)
Für eine Bipolar-I-Störung nach ICD-11 muss mindestens eine manische oder gemischte Episode aufgetreten sein.2
Zur Quellenangabe2
Verbindungen
Zum Abschnitt „Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?“
Leitlinie, Klassifikation oder Kennzahl
S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN, Fassung 2019, angepasst 2020)
Lithium soll laut S3-Leitlinie zur Vorbeugung neuer Episoden (Phasenprophylaxe) eingesetzt werden.8
Zur Quellenangabe8
Verbindungen
Leitlinie, Klassifikation oder Kennzahl
NICE CG185 (2014, aktualisiert 2025)
Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt Lithium als erste Wahl für die medikamentöse Langzeitbehandlung.10
Zur Quellenangabe10
Verbindungen
Abschnitt des Beitrags
Fallvignetten
Auch neurologische und körperliche Erkrankungen wie Epilepsien, Hirnentzündungen, Erkrankungen mit Entmarkung (etwa multiple Sklerose) sowie Schilddrüsen- und Nebennierenerkrankungen können manische Bilder hervorrufen oder nachahmen.8
Bei jungen Erwachsenen mit Problemen der Gefühlsregulation, etwa bei ADHS, Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen oder Substanzproblemen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine sorgfältige Abklärung in Richtung bipolare Störung.8
Verbindungen
- belegt 8
Zum Abschnitt „Fallvignetten zum differenzialdiagnostischen Denken“
Abschnitt des Beitrags
Diagnostik
Für eine Bipolar-I-Störung nach ICD-11 muss mindestens eine manische oder gemischte Episode aufgetreten sein.2
Bei jungen Erwachsenen mit Problemen der Gefühlsregulation, etwa bei ADHS, Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen oder Substanzproblemen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine sorgfältige Abklärung in Richtung bipolare Störung.8
Verbindungen
- belegt 8
Zum Abschnitt „Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?“
Hilfe in einer KriseBei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
- Form oder Episode
- Symptom, Verlauf
- Begleiterkrankung oder Abgrenzung
- Behandlung
- Studie
- Leitlinie oder Quelle
- Warnhinweis
KernsatzOb eine Depression Teil einer bipolaren Störung ist, beeinflusst, welche Behandlung infrage kommt und worauf im Verlauf zu achten ist.
Alle 80 Verbindungen als Tabelle
| Von | Beziehung | Nach | Beleg |
|---|---|---|---|
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Manische Episode (≥ 1 Woche) | 2 |
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Gemischte Episode (≥ 2 Wochen) | 2 |
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Depressive Episode | 3 |
| Bipolar-II-Störung | zeigt sich als | Hypomane Episode (mehrere Tage) | 2 |
| Bipolar-II-Störung | zeigt sich als | Depressive Episode | 2 |
| Zyklothymie | zeigt sich als | Hypomane Episode (mehrere Tage) | 2 |
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Rapid Cycling (≥ 4 Episoden/12 Monate) | 2 |
| Bipolar-II-Störung | zeigt sich als | Rapid Cycling (≥ 4 Episoden/12 Monate) | 2 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | zeigt sich als | Gehobene, gereizte oder expansive Stimmung | 2 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | zeigt sich als | Gesteigerte Aktivität/Energie | 2 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | zeigt sich als | Vermindertes Schlafbedürfnis | 2 |
| Hypomane Episode (mehrere Tage) | zeigt sich als | Gehobene, gereizte oder expansive Stimmung | 2 |
| Hypomane Episode (mehrere Tage) | zeigt sich als | Gesteigerte Aktivität/Energie | 2 |
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Unterschwellige Restbeschwerden | 3 |
| Bipolar-I-Störung | zeigt sich als | Verlauf überwiegend depressiv | 3 |
| Bipolar-II-Störung | zeigt sich als | Verlauf überwiegend depressiv | 19 |
| Depressive Episode | zeigt sich als | Beginn meist 15 bis 25 Jahre, oft mit Depression | 18 |
| Beginn meist 15 bis 25 Jahre, oft mit Depression | zeigt sich als | Diagnoseverzögerung ≈ 9 Jahre | 18 |
| Erbliche Faktoren (Heritabilität ≈ 70 %) | belegt durch | Bipolar-I-Störung | 16 |
| Lebenszeitprävalenz 0,6 % / 0,4 % / 2,4 % | belegt durch | WHO World Mental Health Surveys (Arch Gen Psychiatry 2011) | 17 |
| Bipolar-I-Störung | häufig gemeinsam mit | Angststörungen / Panikattacken | 2,17 |
| Bipolar-II-Störung | häufig gemeinsam mit | Angststörungen / Panikattacken | 2 |
| Bipolar-I-Störung | häufig gemeinsam mit | Störungen durch Substanzkonsum | 2 |
| Bipolar-I-Störung | häufig gemeinsam mit | Metabolisches Syndrom, Diabetes, Rauchen | 18 |
| Bipolar-I-Störung | häufig gemeinsam mit | Erhöhtes Suizidrisiko | 16,18 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | häufig gemeinsam mit | Substanzinduzierte Manie (Kokain, Amphetamine, Ecstasy) | 8 |
| Hypomane Episode (mehrere Tage) | häufig gemeinsam mit | ADHS (Abgrenzung) | 8 |
| Hypomane Episode (mehrere Tage) | häufig gemeinsam mit | Persönlichkeitsstörung / Emotionsregulation (Abgrenzung) | 8 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | häufig gemeinsam mit | Neurologische/organische Ursachen (Epilepsie, MS, Schilddrüse) | 8 |
| Neurologische/organische Ursachen (Epilepsie, MS, Schilddrüse) | belegt durch | Fallvignetten | 8 |
| ADHS (Abgrenzung) | belegt durch | Diagnostik | 8 |
| Bipolar-I-Störung | behandelt mit | Lithium (Phasenprophylaxe) | 8,10 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | untersucht in | BALANCE (Lancet 2010) | 26 |
| Valproat | untersucht in | BALANCE (Lancet 2010) | 26 |
| Lithium + Valproat | untersucht in | BALANCE (Lancet 2010) | 26 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | untersucht in | Lithium-Meta-Analyse (Am J Psychiatry 2004) | 27 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | untersucht in | Lithium und Suizid (BMJ 2013) | 28 |
| Erhöhtes Suizidrisiko | behandelt mit | Lithium (Phasenprophylaxe) | 8 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | untersucht in | Netzwerk-Metaanalyse Erhaltung (Lancet Psychiatry 2014) | 9 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | untersucht in | Lamotrigin/Lithium-Erhaltung (Arch Gen Psychiatry 2003) | 29 |
| Lamotrigin | untersucht in | Lamotrigin/Lithium-Erhaltung (Arch Gen Psychiatry 2003) | 29 |
| Lamotrigin | untersucht in | CEQUEL (Lancet Psychiatry 2016) | 33 |
| Quetiapin | untersucht in | CEQUEL (Lancet Psychiatry 2016) | 33 |
| Valproat | untersucht in | Valproat-Erhaltung (Arch Gen Psychiatry 2000) | 32 |
| Depressive Episode | behandelt mit | Quetiapin | 22 |
| Quetiapin | untersucht in | BOLDER I (Am J Psychiatry 2005) | 22 |
| Depressive Episode | behandelt mit | Lurasidon | 23 |
| Lurasidon | untersucht in | Lurasidon-Monotherapie (Am J Psychiatry 2014) | 23 |
| Depressive Episode | behandelt mit | Cariprazin | 24 |
| Cariprazin | untersucht in | Cariprazin Phase 3 (Am J Psychiatry 2019) | 24 |
| Cariprazin | untersucht in | Cariprazin Phase 2 (Am J Psychiatry 2016) | 36 |
| Depressive Episode | behandelt mit | Zusätzliches Antidepressivum | 25 |
| Zusätzliches Antidepressivum | untersucht in | STEP-BD Antidepressiva (NEJM 2007) | 25 |
| Manische Episode (≥ 1 Woche) | behandelt mit | Antimanische Akutbehandlung | 20,21 |
| Antimanische Akutbehandlung | untersucht in | Netzwerk-Metaanalyse Manie (Lancet 2011) | 20 |
| Antimanische Akutbehandlung | untersucht in | Netzwerk-Metaanalyse Manie (Psychol Med 2015) | 21 |
| Depressive Episode | behandelt mit | Elektrokonvulsionstherapie (EKT) | 8 |
| Elektrokonvulsionstherapie (EKT) | untersucht in | EKT-Studie (Am J Psychiatry 2015) | 38 |
| Bipolar-I-Störung | behandelt mit | Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie | 8 |
| Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie | untersucht in | Gruppenpsychoedukation (Arch Gen Psychiatry 2003) | 37 |
| Frühwarnzeichen erkennen | behandelt mit | Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie | 8 |
| Einbezug der Angehörigen | behandelt mit | Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie | 8,16 |
| Frühwarnzeichen erkennen | häufig gemeinsam mit | Einbezug der Angehörigen | 10 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | belegt durch | Lithium: Spiegel-, Nieren-, Schilddrüsen-, Calcium-Kontrollen | 10 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | belegt durch | Nierenfunktion unter Lithium | 30,31 |
| Nierenfunktion unter Lithium | untersucht in | Lithium-Nebenwirkungen (Lancet 2012) | 30 |
| Nierenfunktion unter Lithium | untersucht in | Lithium und Niere (Lancet Psychiatry 2022) | 31 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | belegt durch | Schilddrüse/Nebenschilddrüse unter Lithium | 30 |
| Schilddrüse/Nebenschilddrüse unter Lithium | untersucht in | Lithium-Nebenwirkungen (Lancet 2012) | 30 |
| Valproat | belegt durch | Valproat: Schwangerschaftsrisiko | 10 |
| Bipolar-I-Störung | belegt durch | WHO ICD-11 CDDR (2024) | 2 |
| Bipolar-II-Störung | belegt durch | WHO ICD-11 CDDR (2024) | 2 |
| Zyklothymie | belegt durch | WHO ICD-11 CDDR (2024) | 2 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | belegt durch | S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN, Fassung 2019, angepasst 2020) | 8 |
| Elektrokonvulsionstherapie (EKT) | belegt durch | S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN, Fassung 2019, angepasst 2020) | 8 |
| Gruppenpsychoedukation / Psychotherapie | belegt durch | S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN, Fassung 2019, angepasst 2020) | 8 |
| Lithium (Phasenprophylaxe) | belegt durch | NICE CG185 (2014, aktualisiert 2025) | 10 |
| Frühwarnzeichen erkennen | belegt durch | NICE CG185 (2014, aktualisiert 2025) | 10 |
| Verlauf überwiegend depressiv | belegt durch | Langzeitverlauf (Arch Gen Psychiatry 2002/2003) | 3,19 |
| Unterschwellige Restbeschwerden | belegt durch | Langzeitverlauf (Arch Gen Psychiatry 2002/2003) | 3 |
Quellen: Bowden CL et al. · Archives of general psychiatry 200032; Cipriani A et al. · Lancet (London, England) 201120; Durgam S et al. · The American journal of psychiatry 201636; Fransson F et al. · The lancet. Psychiatry 202231; Nierenberg AA et al. · JAMA 202318; World Health Organization · WHO 20242; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 20023; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20265; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20266; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; Miura T et al. · The Lancet Psychiatry 20149; National Institute for Health and Care Excellence (NICE) · NICE 201410; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 200319; McIntyre RS et al. · The Lancet 202016; Merikangas KR, et al. · Archives of General Psychiatry 201117; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202634; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202635; Geddes JR et al. · American Journal of Psychiatry 200427; BALANCE investigators and collaborators et al. · The Lancet 201026; Cipriani A et al. · BMJ 201328; Bowden CL et al. · Archives of General Psychiatry 200329; Yildiz A et al. · Psychological Medicine 201521; Calabrese JR et al. · American Journal of Psychiatry 200522; Loebel A et al. · American Journal of Psychiatry 201423; Earley W et al. · American Journal of Psychiatry 201924; Geddes JR et al. · The Lancet Psychiatry 201633; Sachs GS et al. · New England Journal of Medicine 200725; Colom F et al. · Archives of General Psychiatry 200337; Schoeyen HK et al. · American Journal of Psychiatry 201538; McKnight RF et al. · The Lancet 201230; European Medicines Agency (EMA) et al. · EMA 201839
Bipolare Störung Typ 1, Typ 2 und Zyklothymie
Für eine Bipolar-I-Störung reicht nach ICD-11 bereits eine einzige manische oder gemischte Episode. Typisch ist aber ein wiederkehrender Verlauf mit depressiven und manischen oder gemischten Episoden.2
Eine Bipolar-II-Störung liegt vor, wenn mindestens eine hypomanische und mindestens eine depressive Episode aufgetreten sind, aber nie eine Manie oder gemischte Episode.2
Bei der Bipolar-II-Störung überwiegen depressive Beschwerden bei Weitem: In einer US-Langzeitstudie mit 86 Menschen mit Bipolar-II-Störung bestanden in 50,3 Prozent der Wochen depressive und nur in 1,3 Prozent hypomane Beschwerden. Deshalb wird die Bipolar-II-Störung oft als gewöhnliche Depression verkannt.19,40
Studiendetails: Typ 1, Typ 2, Zyklothymie
Nach der WHO-Beschreibung entwickeln bis zu 15 Prozent der Menschen mit Bipolar-II-Störung später eine manische Episode; die Diagnose ändert sich dann in Bipolar I. Einen Zeitraum nennt die Quelle nicht.2
Bei der Zyklothymie besteht über mindestens zwei Jahre eine Instabilität der Stimmung mit zahlreichen hypomanen und depressiven Phasen, ohne dass je eine Manie oder gemischte Episode auftrat.2
Studiendetails: Typ 1, Typ 2, Zyklothymie, 2
Nach der S3-Leitlinie erreichen die depressiven Beschwerden bei der Zyklothymie nicht die Kriterien einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode; in dieser Konstellation wird nach der Leitlinie keine Bipolar-II-Störung diagnostiziert (Expertenkonsens).8
Bei Bipolar I prägen manische oder gemischte Episoden die Diagnose, bei Bipolar II und Zyklothymie fallen eher depressive Zeiten und die Unbeständigkeit der Stimmung auf. Welche Form vorliegt, lässt sich nur aus dem gesamten Verlauf beurteilen, oft mit Hilfe von Angehörigen.
| Form | Kernmerkmal | Zeitkriterium |
|---|---|---|
| Bipolar-I-Störung | mindestens eine manische oder gemischte Episode | Manie mindestens eine Woche2 |
| Bipolar-II-Störung | mindestens eine hypomanische und eine depressive Episode, nie eine Manie | Hypomanie mehrere Tage2 |
| Zyklothymie | zahlreiche hypomane und depressive Phasen; nie Manie oder gemischte Episode, keine depressive Episode in den ersten zwei Jahren | mindestens zwei Jahre2 |
| Rapid Cycling (Zusatz) | häufiger Episodenwechsel bei Bipolar I oder II | mindestens vier Episoden in zwölf Monaten2 |
Kriterien nach ICD-11 (WHO 2024); die Diagnose stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt aus dem gesamten Verlauf.2
Erklärvideo · 41 s
Bipolar I, Bipolar II und Zyklothymie
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Bipolare Störungen haben mehrere Formen. Für eine Bipolar-I-Störung reicht nach der ICD-11 bereits eine einzige manische oder gemischte Episode. Eine Manie dauert mindestens eine Woche, mit euphorischer, gereizter oder überschwänglicher Stimmung und deutlich mehr Energie. Bei der Bipolar-II-Störung gibt es hypomane Phasen von mehreren Tagen und depressive Episoden, aber nie eine Manie oder gemischte Episode. Die Zyklothymie beschreibt eine instabile Stimmung über mindestens zwei Jahre mit zahlreichen hypomanen und depressiven Phasen. Welche Form vorliegt, zeigt erst der gesamte Verlauf.2
Bipolar I, Bipolar II und Zyklothymie im schematischen Verlauf
Schematische Verläufe, kein Messdiagramm. Phase anklicken oder mit der Tastatur wählen: Im Feld stehen Definition und Zeitkriterium nach ICD-11 mit Quelle.
Schematische Darstellung. Höhe und Länge der Phasen sind gezeichnet und entsprechen keinen Messwerten; die Zeitachse hat keine Einheit. Die Zeitkriterien in den Feldern stammen aus der ICD-11.
Waagerecht: Zeit, schematisch und ohne Maßstab · senkrecht: oben Hochphase, unten Depression
Schematischer Verlauf Bipolar-I-Störung: Depression, Manie, leichte Beschwerden, Depression, Manie.
Schematischer Verlauf Bipolar-II-Störung: Depression, Hypomanie, Depression, leichte Beschwerden, Hypomanie.
Schematischer Verlauf Zyklothymie: leicht gehoben, leicht gedrückt, leicht gehoben, leicht gedrückt, leicht gehoben, leicht gedrückt, leicht gehoben, leicht gedrückt, leicht gehoben, leicht gedrückt, leicht gehoben, leicht gedrückt.
Schematischer Verlauf Rapid Cycling (Zusatz bei Bipolar I oder II): Depression, Hypomanie, Depression, Manie.
Schematischer Verlauf Gemischte Episode (bei Bipolar I): gemischte Episode, Depression.
So lesen
Eine Phase oder eine Form auswählen
Die Linien sind gezeichnet, nicht gemessen. Sie zeigen typische Muster, keine Werte und keinen Zeitmaßstab. Welche Form vorliegt, lässt sich nur aus dem gesamten Verlauf beurteilen, oft mit Hilfe von Angehörigen.
Form · Schema
Bipolar-I-Störung
Für eine Bipolar-I-Störung reicht nach ICD-11 bereits eine einzige manische oder gemischte Episode. Typisch ist aber ein wiederkehrender Verlauf mit depressiven und manischen oder gemischten Episoden.2
Für eine Bipolar-I-Störung nach ICD-11 muss mindestens eine manische oder gemischte Episode aufgetreten sein.2
Depressive Beschwerden überwogen deutlich (31,9 % der Wochen) gegenüber manischen/hypomanen (8,9 %) und gemischten/wechselnden (5,9 %).3
Form · Schema
Bipolar-II-Störung
Eine Bipolar-II-Störung liegt vor, wenn mindestens eine hypomanische und mindestens eine depressive Episode aufgetreten sind, aber nie eine Manie oder gemischte Episode.2
Bei der Bipolar-II-Störung überwiegen depressive Beschwerden bei Weitem: In einer US-Langzeitstudie mit 86 Menschen mit Bipolar-II-Störung bestanden in 50,3 Prozent der Wochen depressive und nur in 1,3 Prozent hypomane Beschwerden. Deshalb wird die Bipolar-II-Störung oft als gewöhnliche Depression verkannt.19,40
Form · Schema
Zyklothymie
Bei der Zyklothymie besteht über mindestens zwei Jahre eine Instabilität der Stimmung mit zahlreichen hypomanen und depressiven Phasen, ohne dass je eine Manie oder gemischte Episode auftrat.2
Nach der S3-Leitlinie erreichen die depressiven Beschwerden bei der Zyklothymie nicht die Kriterien einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode; in dieser Konstellation wird nach der Leitlinie keine Bipolar-II-Störung diagnostiziert (Expertenkonsens).8
Form · Schema
Rapid Cycling (Zusatz bei Bipolar I oder II)
Von Rapid Cycling spricht man, wenn bei Bipolar I oder II in den letzten zwölf Monaten mindestens vier Stimmungsepisoden aufgetreten sind.2
Rapid Cycling ist deshalb oft keine Dauereigenschaft. In derselben Studie hatte ein Drittel aller Teilnehmenden, die das Jahr abschlossen, keine neue Episode; Menschen mit früherem Rapid Cycling hatten häufiger weitere Episoden.41
Form · Schema
Gemischte Episode (bei Bipolar I)
Die ICD-11 kennt die gemischte Episode: Mindestens zwei Wochen bestehen manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr rasch. Das DSM-5 verwendet stattdessen den Zusatz „mit gemischten Merkmalen“, für den mindestens drei Symptome des Gegenpols vorliegen müssen.12
Bei einer gemischten Episode bestehen deutliche manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr schnell, über mindestens 2 Wochen.2
mindestens eine Woche
Manische Episode
Eine manische Episode dauert mindestens eine Woche: Die Stimmung ist euphorisch, gereizt oder expansiv, Aktivität oder Energie sind gesteigert, oft mit vermindertem Schlafbedürfnis.2
Dazu kommen häufig Rededrang, rasende Gedanken oder Ideenflucht, ein vermindertes Schlafbedürfnis, Ablenkbarkeit und impulsives, riskantes Verhalten.2
mindestens mehrere Tage
Hypomane Episode
Eine hypomane Episode hält mindestens mehrere Tage an, mit anhaltend gehobener oder gereizter Stimmung und gesteigerter Aktivität oder Energie.2
Eine Hypomanie ist eine abgeschwächte Form der Manie. Sie hält mindestens mehrere Tage an, führt aber nicht zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag und geht nicht mit Wahn oder Halluzinationen einher.2
Episode
Depressive Episode
Die depressiven Episoden ähneln einer unipolaren Depression. Das macht die Diagnose schwierig, zumal die Erkrankung meist mit einer depressiven Episode beginnt.1
Anteil der Wochen
Leichte, unterschwellige Beschwerden
Leichte und unterschwellige Beschwerden waren fast dreimal so häufig wie voll ausgeprägte depressive oder manische Episoden (29,9 % gegenüber 11,2 % der Wochen).3
Über Jahre gesehen bestimmen bei vielen Menschen eher leichtere, anhaltende depressive Beschwerden den Alltag als die Manien. Bei Bipolar I fanden sich in einer Langzeitstudie depressive Symptome in 31,9 Prozent der Wochen, manische oder hypomane in 8,9 Prozent.3
mindestens zwei Wochen
Gemischte Episode
Bei einer gemischten Episode bestehen deutliche manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr schnell, über mindestens 2 Wochen.2
Die ICD-11 kennt die gemischte Episode: Mindestens zwei Wochen bestehen manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr rasch. Das DSM-5 verwendet stattdessen den Zusatz „mit gemischten Merkmalen“, für den mindestens drei Symptome des Gegenpols vorliegen müssen.12
über mindestens zwei Jahre
Leicht gehobene Phase (Zyklothymie)
Bei der Zyklothymie besteht über mindestens zwei Jahre eine Instabilität der Stimmung mit zahlreichen hypomanen und depressiven Phasen, ohne dass je eine Manie oder gemischte Episode auftrat.2
über mindestens zwei Jahre
Leicht gedrückte Phase (Zyklothymie)
Nach der S3-Leitlinie erreichen die depressiven Beschwerden bei der Zyklothymie nicht die Kriterien einer mittelgradigen oder schweren depressiven Episode; in dieser Konstellation wird nach der Leitlinie keine Bipolar-II-Störung diagnostiziert (Expertenkonsens).8
- Manie
- Hypomanie
- Depression
- leichte Beschwerden
- gemischt
- gezeichneter Verlauf (Schema)
KernsatzBei Bipolar I prägen manische oder gemischte Episoden die Diagnose, bei Bipolar II und Zyklothymie fallen eher depressive Zeiten und die Unbeständigkeit der Stimmung auf.
Formen und Episoden als Tabelle
| Form | Kernmerkmal | Zeitkriterium |
|---|---|---|
| Bipolar-I-Störung2 | mindestens eine manische oder gemischte Episode | Manie mindestens eine Woche |
| Bipolar-II-Störung2 | mindestens eine hypomanische und eine depressive Episode, nie eine Manie | Hypomanie mehrere Tage |
| Zyklothymie2 | zahlreiche hypomane und depressive Phasen; nie Manie oder gemischte Episode, keine depressive Episode in den ersten zwei Jahren | mindestens zwei Jahre |
| Rapid Cycling (Zusatz)2 | häufiger Episodenwechsel bei Bipolar I oder II | mindestens vier Episoden in zwölf Monaten |
Kriterien nach ICD-11 (WHO 2024); die Diagnose stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt aus dem gesamten Verlauf.2
| Episode | Typische Merkmale | Hinweis |
|---|---|---|
| Manie2 | extreme Stimmungslage, gesteigerte Aktivität oder Energie, vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, riskantes Verhalten | deutliche Beeinträchtigung |
| Hypomanie2 | abgeschwächte Manie | keine deutliche Beeinträchtigung, kein Wahn |
| Depression1 | ähnlich einer unipolaren Depression | häufig erste Episode |
| Gemischte Episode12 | manische und depressive Symptome gleichzeitig oder rasch wechselnd | ICD-11; im DSM-5 Zusatz mit gemischten Merkmalen |
Vereinfachte Darstellung; die Klassifikationen enthalten weitere Kriterien.1,2,12
Quellen: Grande I et al. · The Lancet 20161; World Health Organization · WHO 20242; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 20023; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; First MB et al. · World Psychiatry 202112; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 200319; Berk M et al. · World Psychiatry 202540; Schneck CD, et al. · American Journal of Psychiatry 200841
Manie und Hypomanie, Depression und gemischte Episoden
Eine manische Episode dauert nach ICD-11 mindestens eine Woche, außer sie wird durch Behandlung verkürzt. Typisch sind eine extreme Stimmungslage, euphorisch, gereizt oder überschwänglich, und gesteigerte Aktivität oder Energie.2 Dazu kommen häufig Rededrang, rasende Gedanken oder Ideenflucht, ein vermindertes Schlafbedürfnis, Ablenkbarkeit und impulsives, riskantes Verhalten.2
Vermindertes Schlafbedürfnis ist etwas anderes als Schlaflosigkeit: Wer unter Schlaflosigkeit leidet, möchte schlafen und kann es nicht. In der Manie braucht man weniger Schlaf und fühlt sich trotzdem voller Energie.
Eine Hypomanie ist eine abgeschwächte Form der Manie. Sie hält mindestens mehrere Tage an, führt aber nicht zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag und geht nicht mit Wahn oder Halluzinationen einher.2
Hypomane Phasen werden oft nicht als Krankheit erkannt, auch von den Betroffenen selbst. Deshalb sind Beobachtungen von Angehörigen für die Diagnose wichtig; die S3-Leitlinie empfiehlt, sie aktiv einzubeziehen.2,8
Die depressiven Episoden ähneln einer unipolaren Depression. Das macht die Diagnose schwierig, zumal die Erkrankung meist mit einer depressiven Episode beginnt.1
Die ICD-11 kennt die gemischte Episode: Mindestens zwei Wochen bestehen manische und depressive Symptome gleichzeitig oder wechseln sehr rasch. Das DSM-5 verwendet stattdessen den Zusatz „mit gemischten Merkmalen“, für den mindestens drei Symptome des Gegenpols vorliegen müssen.12
Von Rapid Cycling spricht man, wenn bei Bipolar I oder II in den letzten zwölf Monaten mindestens vier Stimmungsepisoden aufgetreten sind.2
Studiendetails: Manie, Hypomanie, Depression
Unter den ersten 500 Teilnehmenden der US-Studie STEP-BD hatten 20 Prozent ein Rapid Cycling, Frauen häufiger als Männer. In einer späteren Auswertung derselben Studie erfüllten bei Einschluss 32 Prozent von 1.742 Teilnehmenden die Kriterien für das Vorjahr; im folgenden Behandlungsjahr waren es nur noch 5 Prozent der 1.191, die das Jahr abschlossen.41,42
Rapid Cycling ist deshalb oft keine Dauereigenschaft. In derselben Studie hatte ein Drittel aller Teilnehmenden, die das Jahr abschlossen, keine neue Episode; Menschen mit früherem Rapid Cycling hatten häufiger weitere Episoden.41

Hoch: Hypomanie und Manie. Sinnbild, nicht maßstäblich, die Höhe der Kämme ist keine Messgröße. 
Tief: depressive Episode. Sinnbild, keine reale Person. 
Gemischte Episode: Merkmale von Hoch und Tief zugleich. Sinnbild. 
Häufige Wechsel (Rapid Cycling). Sinnbild, nicht maßstäblich, die Zahl der Wellen ist kein Kriterium.
| Episode | Typische Merkmale | Hinweis |
|---|---|---|
| Manie | extreme Stimmungslage, gesteigerte Aktivität oder Energie, vermindertes Schlafbedürfnis, Rededrang, riskantes Verhalten | deutliche Beeinträchtigung2 |
| Hypomanie | abgeschwächte Manie | keine deutliche Beeinträchtigung, kein Wahn2 |
| Depression | ähnlich einer unipolaren Depression | häufig erste Episode1 |
| Gemischte Episode | manische und depressive Symptome gleichzeitig oder rasch wechselnd | ICD-11; im DSM-5 Zusatz mit gemischten Merkmalen12 |
Vereinfachte Darstellung; die Klassifikationen enthalten weitere Kriterien.1,2,12
Erklärvideo · 40 s
Manie, Hypomanie, Depression und gemischte Episode
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Eine bipolare Störung verläuft in Episoden. In der Manie ist die Stimmung euphorisch, gereizt oder überschwänglich, Aktivität und Energie sind gesteigert. Häufig kommen Rededrang, rasende Gedanken, ein vermindertes Schlafbedürfnis und riskantes Verhalten hinzu. Die Hypomanie ist eine abgeschwächte Form, ohne deutliche Beeinträchtigung im Alltag. Depressive Episoden ähneln einer unipolaren Depression, und meist beginnt die Erkrankung mit einer solchen Episode. Bei einer gemischten Episode bestehen manische und depressive Symptome mindestens zwei Wochen lang gleichzeitig oder wechseln sehr rasch.1,2,8,12
Ursachen der bipolaren Störung und wie vererbbar sie ist
Wie eine bipolare Störung entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Bipolare Störungen gehören zu den am stärksten erblichen psychischen Erkrankungen; am besten erklärt wird die Entstehung nach heutigem Verständnis durch ein Zusammenspiel von Genen und Umwelt.43
Übersichtsarbeiten schätzen die Erblichkeit auf etwa 70 Prozent. Dieselben genetischen Risikovarianten finden sich auch bei anderen psychischen und körperlichen Erkrankungen.16
Erblichkeit ist ein Maß für Unterschiede in einer Bevölkerung, kein persönliches Vererbungsrisiko. Ein hoher Wert bedeutet nicht, dass Kinder von Betroffenen zwangsläufig erkranken.
Studiendetails: Ursachen und Vererbung
Studiendetails: Ursachen und Vererbung, 2
Eine weitere schwedische Familienstudie zeigte für Verwandte ersten Grades von Menschen mit Bipolar I eine deutlich höhere Chance, selbst an Bipolar I zu erkranken (Odds Ratio 17,0). Die geschätzte Erblichkeit lag für Bipolar I bei 57 und für Bipolar II bei 46 Prozent. Die Odds Ratio ist ein relatives Maß; wie hoch das absolute Erkrankungsrisiko für Angehörige ist, nennt die Studie im Abstract nicht.46
Im Gehirn zeigen große MRT-Auswertungen im Mittel kleine Unterschiede: etwas kleinere Hippocampus- und Thalamusvolumina sowie eine etwas dünnere Hirnrinde in Stirn-, Schläfen- und Scheitellappen. Für die Diagnose einzelner Menschen sind diese Befunde nicht geeignet.47,48
Studiendetails: Ursachen und Vererbung, 3
Diskutiert werden unter anderem Störungen der Anpassungsfähigkeit von Nerven- und Gliazellen, der Signalübertragung durch Botenstoffe, von Entzündungsprozessen und der Mitochondrienfunktion. Bewiesen ist keiner dieser Mechanismen.16
Auch der Tag-Nacht-Rhythmus wird untersucht: In der UK Biobank war ein schwächer ausgeprägter Aktivitätsrhythmus mit einer etwas höheren Wahrscheinlichkeit einer bipolaren Störung verbunden. Ob das Ursache oder Folge ist, lässt sich daraus nicht ablesen.49
Belastende Kindheitserfahrungen gelten als robuster, aber nicht spezifischer Risikofaktor für mehrere schwere psychische Erkrankungen, darunter bipolare Störungen. Viele der zugrunde liegenden Meta-Analysen sind von geringer Qualität und beruhen auf wenigen Originalstudien.50
Studiendetails: Ursachen und Vererbung, 4
Bei Menschen mit bipolarer Störung, die in der Kindheit Misshandlung erlebt hatten, waren Rapid Cycling (Odds Ratio 1,89) und Suizidversuche (Odds Ratio 2,25) häufiger als ohne diese Erfahrung. Die Daten stammen aus Beobachtungsstudien.51
Für Betroffene heißt das: Niemand ist schuld an einer bipolaren Störung. Anlage und Umwelt wirken zusammen, und vieles ist noch nicht verstanden. Was sich beeinflussen lässt, sind vor allem die Bedingungen für den weiteren Verlauf, etwa ein regelmäßiger Rhythmus, eine passende Behandlung und das frühe Erkennen neuer Phasen.
Wie häufig ist die bipolare Störung?
In Bevölkerungsbefragungen in elf Ländern lag die Lebenszeithäufigkeit bei 0,6 Prozent für Bipolar I, 0,4 Prozent für Bipolar II und zusammen mit unterschwelligen Formen bei 2,4 Prozent.17
Studiendetails: Häufigkeit
In der US-Studie NCS-R mit 9.282 Erwachsenen lagen die Werte bei 1,0 Prozent für Bipolar I, 1,1 Prozent für Bipolar II und 2,4 Prozent für unterschwellige Formen. Die Zahlen beruhen auf Laieninterviews, nicht auf ärztlichen Diagnosen.52
Die deutsche S3-Leitlinie fasst internationale Bevölkerungsstudien so zusammen: Lebenszeithäufigkeit etwa 3 Prozent, mit leichteren Spektrumsformen etwa 5 Prozent. Eine eigene aktuelle Bevölkerungszahl nur für bipolare Störungen in Deutschland liegt nicht vor.8
Nach Schätzungen der Global-Burden-of-Disease-Studie lebten 2019 weltweit rund 39,5 Millionen Menschen mit einer bipolaren Störung, 1990 waren es rund 24,8 Millionen. Die altersstandardisierte Häufigkeit blieb mit etwa 490 je 100.000 Menschen nahezu gleich.53
Dass die Zahl der Betroffenen steigt, während die altersstandardisierte Häufigkeit gleich bleibt, erklärt sich vor allem durch das Wachstum der Weltbevölkerung. Es spricht nicht dafür, dass die Erkrankung an sich häufiger wird.
Die Erkrankung beginnt oft früh. Eine weltweite Meta-Analyse fand einen Häufigkeitsgipfel um 19,5 Jahre; etwa ein Drittel erkrankt vor dem 25. Lebensjahr, der Median lag bei 33 Jahren.54
Studiendetails: Häufigkeit, 2
Wird der Beginn über die ersten Symptome bestimmt, liegt der Median bei 21 Jahren, über die erste Diagnose dagegen bei 40 Jahren. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien und sind ein indirekter Hinweis darauf, wie viel Zeit bis zur Diagnose vergehen kann.54
Bipolar I kommt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor; bei Männern beginnen die Symptome tendenziell früher.2
Begleiterkrankungen sind die Regel: In den internationalen Befragungen hatten etwa drei Viertel der Menschen mit einer Störung aus dem bipolaren Spektrum mindestens eine weitere psychische Erkrankung, am häufigsten Angststörungen.17
Studiendetails: Häufigkeit, 3
Nach den Angststörungen folgten Verhaltensstörungen (44,8 Prozent) und Substanzkonsumstörungen (36,6 Prozent). Die Querschnittsdaten sagen nichts darüber, welche Erkrankung zuerst auftrat.17
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Wie häufig ist die bipolare Störung?
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Wie häufig ist eine bipolare Störung? In Bevölkerungsbefragungen in elf Ländern lag die Lebenszeithäufigkeit bei 0,6 Prozent für Bipolar I und 0,4 Prozent für Bipolar II. Zusammen mit unterschwelligen Formen waren es 2,4 Prozent. Die deutsche S3-Leitlinie von 2019 fasst internationale Studien mit etwa 3 Prozent zusammen; eine aktuelle Zahl nur für Deutschland liegt nicht vor. Die Erkrankung beginnt oft früh, mit einem Häufigkeitsgipfel um 19,5 Jahre. Etwa drei Viertel der Betroffenen haben mindestens eine weitere psychische Erkrankung.8,17,54
Wie häufig ist die bipolare Störung, und was kommt hinzu?
Vier Ansichten mit getrennten Achsen: Lebenszeithäufigkeit je Quelle, weltweite Schätzung, Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizid.
Lebenszeithäufigkeit
Verschiedene Methoden, Zeiträume und Kategorien (Spektrum gesamt und nur unterschwellige Formen sind nicht gleichartig); keine Rangliste. Die drei Karten haben eigene Methoden und werden nicht gegeneinander gelesen. Der S3-Wert ist keine Zahl für Deutschland.
World Mental Health Surveys (11 Länder)
61.392 Erwachsene · Lebenszeit
Achse 0 bis 3 %
2,4 % Spektrum gesamt (einschließlich Bipolar I und II)
In Bevölkerungsbefragungen in elf Ländern lag die Lebenszeithäufigkeit bei 0,6 Prozent für Bipolar I, 0,4 Prozent für Bipolar II und zusammen mit unterschwelligen Formen bei 2,4 Prozent.17
NCS-R (USA)
9.282 Erwachsene · Lebenszeit
Achse 0 bis 3 %
2,4 % nur unterschwellige Formen (nicht mit dem Spektrum links gleichzusetzen)
In der US-Studie NCS-R mit 9.282 Erwachsenen lagen die Werte bei 1,0 Prozent für Bipolar I, 1,1 Prozent für Bipolar II und 2,4 Prozent für unterschwellige Formen. Die Zahlen beruhen auf Laieninterviews, nicht auf ärztlichen Diagnosen.52
S3-Leitlinie (Fassung 2019)
Zusammenfassung internationaler Studien (keine Zahl für Deutschland)
3%
etwa, Lebenszeit, bipolare Störungen nach internationalen Bevölkerungsstudien8
etwa 5 % mit leichteren Spektrumsformen
Eine eigene aktuelle Bevölkerungszahl nur für bipolare Störungen in Deutschland liegt nicht vor.8
Weltweit
Betroffene weltweit (Global Burden of Disease, Schätzung)
39,5Mio.
Menschen mit bipolarer Störung 201953
24,8Mio.
Menschen mit bipolarer Störung 199053
Altersstandardisierte Häufigkeit
490je 100.000
etwa, nahezu gleich geblieben53
Dass die Zahl der Betroffenen steigt, während die altersstandardisierte Häufigkeit gleich bleibt, erklärt sich vor allem durch das Wachstum der Weltbevölkerung. Es spricht nicht dafür, dass die Erkrankung an sich häufiger wird.
Begleiterkrankungen
Psychische Begleiterkrankungen (internationale Befragungen)
¾
etwa drei Viertel hatten mindestens eine weitere psychische Erkrankung, am häufigsten Angststörungen17
Nach den Angststörungen folgten17
Die Querschnittsdaten sagen nichts darüber, welche Erkrankung zuerst auftrat.17
In einer großen US-Behandlungskohorte hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung im Lauf des Lebens auch eine ADHS; bei ihnen begann die affektive Erkrankung etwa 5 Jahre früher.55
Bipolar I kommt bei Männern und Frauen etwa gleich häufig vor; bei Männern beginnen die Symptome tendenziell früher.2
Körperliche Gesundheit (Übersichtsarbeit, JAMA 2023)
Häufigkeit bei Menschen mit bipolarer Störung18
Metabolisches Syndrom (37 %), Übergewicht (21 %), Rauchen (45 %) und Typ-2-Diabetes (14 %) sind bei Menschen mit bipolarer Störung häufiger.18 Die Werte stammen aus einer Übersicht; eine Vergleichsgruppe nennt der Beleg nicht.
Lebenserwartung und Suizid
Lebenserwartung (landesweite Kohorte, Schweden)
Jahre früher verstorben als die übrige Bevölkerung56
Relatives Risiko nach Todesursache (Meta-Analyse, Beobachtungsstudien; 1 = gleiches Risiko)57
Ein Konfidenzintervall nennt der Beleg hier nicht. Eine Übersichtsarbeit im Lancet beschreibt einen Verlust von etwa 10 bis 20 möglichen Lebensjahren, vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Suizid. Körperliche Gesundheit gehört deshalb zur Behandlung dazu.16
Suizid (dänische Registerstudie)
Suizidrisiko nach erstem Kontakt mit der Fachversorgung (Dänemark), bis zu 36 Jahre Beobachtung58
Diese Zahlen beschreiben Gruppen; sie erlauben keine Vorhersage für einzelne Menschen. Wer Gedanken an Selbsttötung hat, findet sofort Hilfe: Die Nummern stehen im Abschnitt „Krise und Notfall“.5,58
Hilfe in einer KriseBei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
- Bipolar I bzw. Gesamtgruppe
- Bipolar II bzw. Frauen
- Begleiterkrankung
- Vergleichsgruppe
KernsatzDass die Zahl der Betroffenen steigt, während die altersstandardisierte Häufigkeit gleich bleibt, erklärt sich vor allem durch das Wachstum der Weltbevölkerung.
Kennzahlen als Tabelle
| Kennzahl | Wert (Quelle) |
|---|---|
| Lebenszeit, 11 Länder (WMH) | Bipolar I 0,6 %, Bipolar II 0,4 %; Spektrum gesamt 2,4 %17 |
| Lebenszeit, USA (NCS-R) | Bipolar I 1,0 %, Bipolar II 1,1 %; nur unterschwellige Formen 2,4 %52 |
| S3-Leitlinie (Fassung 2019), internationale Studien | etwa 3 %, mit Spektrumsformen etwa 5 %; keine Zahl für Deutschland8 |
| Weltweit (GBD) | 39,5 Mio. (2019), 24,8 Mio. (1990); altersstandardisiert etwa 490 je 100.00053 |
| Weitere psychische Erkrankung | etwa drei Viertel17; Verhaltensstörungen 44,8 %, Substanzkonsumstörungen 36,6 %17 |
| ADHS (US-Behandlungskohorte) | 9,5 %55 |
| Körperlich (Übersicht) | Rauchen 45 %, metabolisches Syndrom 37 %, Übergewicht 21 %, Typ-2-Diabetes 14 %18 |
| Lebenserwartung (Schweden) | Frauen 9,0, Männer 8,5 Jahre kürzer56 |
| Relatives Sterberisiko | gesamt 2,02; natürlich 1,90; Herz-Kreislauf 1,76; Krebs 0,9957 |
| Suizid (Dänemark, bis 36 Jahre) | Männer 7,8 %, Frauen 4,8 %; ohne psychiatrische Erkrankung 0,7 bzw. 0,3 %58 |
Quellen: Nierenberg AA et al. · JAMA 202318; World Health Organization · WHO 20242; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20265; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20266; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; McIntyre RS et al. · The Lancet 202016; Merikangas KR, et al. · Archives of General Psychiatry 201117; Merikangas KR, et al. · Archives of General Psychiatry 200752; GBD 2019 Mental Disorders Collaborators · The Lancet Psychiatry 202253; Nierenberg AA, et al. · Biological Psychiatry 200555; Crump C, et al. · JAMA Psychiatry 201356; Biazus TB, et al. · Molecular Psychiatry 202357; Nordentoft M, et al. · Archives of General Psychiatry 201158
Wie verläuft eine bipolare Störung? Episoden, Rückfälle und stabile Zeiten

Eine bipolare Störung verläuft in Episoden, und der Verlauf ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Laut S3-Leitlinie ist die Rückfallrate hoch; rund 10 Prozent der Betroffenen erleben mehr als 10 Episoden.8
In der US-Studie STEP-BD erlebten 48,5 Prozent von 858 Menschen, die sich von einer Episode erholt hatten, innerhalb von bis zu zwei Jahren einen Rückfall, mehr als doppelt so oft in eine Depression wie in eine manische, hypomane oder gemischte Episode.59
Wer bei der Erholung noch Restbeschwerden hatte, erlitt in dieser Studie häufiger einen Rückfall. Die Autorinnen und Autoren sehen in der Behandlung solcher Restbeschwerden eine mögliche Chance, Rückfällen vorzubeugen.59
Über Jahre gesehen bestimmen bei vielen Menschen eher leichtere, anhaltende depressive Beschwerden den Alltag als die Manien. Bei Bipolar I fanden sich in einer Langzeitstudie depressive Symptome in 31,9 Prozent der Wochen, manische oder hypomane in 8,9 Prozent.3
Studiendetails: Verlauf
Die Studie begleitete Menschen mit Bipolar I im Mittel 12,8 Jahre. Bei Bipolar II waren Betroffene in 53,9 Prozent der Wochen symptomatisch, fast immer depressiv (50,3 Prozent), hypoman nur in 1,3 Prozent. Die Teilnehmenden wurden 1978 bis 1981 eingeschlossen; die Behandlung hat sich seither verändert.3,19
Symptomfrei heißt nicht immer wieder ganz im alten Leben: Nach einer ersten stationär behandelten Manie erholten sich in einer US-Studie innerhalb von zwei Jahren 98 Prozent von der Episode, aber nur 43 Prozent erreichten wieder ihr früheres berufliches und häusliches Niveau.60
Studiendetails: Verlauf, 2
In derselben Studie hatten 40 Prozent innerhalb von zwei Jahren eine neue Episode, je zur Hälfte manisch und depressiv. 72 Prozent waren symptomatisch genesen.60
Auch in stabilen Phasen zeigen Menschen mit bipolarer Störung im Gruppenmittel mäßig schwächere Leistungen in Denk- und Gedächtnistests als Gesunde. Die Unterschiede zwischen einzelnen Betroffenen sind groß.61
Studiendetails: Verlauf, 3
Die Meta-Analyse umfasste 4.404 Menschen in stabiler Phase und 4.037 Gesunde; der Unterschied lag bei Hedges g −0,58 für die allgemeine kognitive Leistung und −0,70 für das sprachliche Gedächtnis.61
Als Risikofaktoren für häufig wiederkehrende Episoden nennt die S3-Leitlinie unter anderem einen frühen Erkrankungsbeginn, gemischte Episoden, psychotische Symptome und Rapid Cycling, für einen chronischen Verlauf zusätzlich Substanzmissbrauch.8
Frauen mit bipolarer Störung haben nach einer Geburt ein erhöhtes Rückfallrisiko. In einer Meta-Analyse lag das Rückfallrisiko nach der Entbindung in Hochrisikogruppen bei 35 Prozent; schwere Episoden traten bei bipolarer Störung bei 17 Prozent auf.62
Diese Zahlen beschreiben Gruppen, keine einzelnen Lebenswege. Sie zeigen aber, warum eine bipolare Störung meist langfristig begleitet wird: Rückfälle sind häufig, und gut behandelte stabile Zeiten sind das wichtigste Ziel.
| Studie | Population | Kennzahl |
|---|---|---|
| STEP-BD (USA) | 858 Menschen nach Erholung | 48,5 Prozent Rückfall in bis zu zwei Jahren59 |
| NIMH-Langzeitstudie | Bipolar I, im Mittel 12,8 Jahre | Beschwerden in 47,3 Prozent der Wochen3,19 |
| McLean-Harvard-Studie | nach erster stationär behandelter Manie | 98 Prozent Episode überwunden, 43 Prozent früheres Niveau60 |
| Meta-Analyse nach Geburt | Hochrisikogruppen | 35 Prozent Rückfall nach der Entbindung62 |
Unterschiedliche Populationen und Zeiträume; keine Rangliste und keine individuelle Prognose.3,19,59,60,62
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Verlauf über Jahre: Wochen mit Beschwerden
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Eine US-Langzeitstudie begleitete Menschen mit Bipolar-I-Störung im Mittel knapp dreizehn Jahre. In fast der Hälfte aller Wochen bestanden Beschwerden. Wochen mit depressiven Beschwerden waren mit 31,9 Prozent deutlich häufiger als Wochen mit manischen oder hypomanen, mit 8,9 Prozent. Leichte und unterschwellige Beschwerden kamen fast dreimal so oft vor wie voll ausgeprägte Episoden. Bei der Bipolar-II-Störung bestanden in 50,3 Prozent der Wochen depressive und nur in 1,3 Prozent hypomane Beschwerden. Das sind Gruppenwerte, keine Vorhersage für Sie.3,19,40
Wie verläuft eine bipolare Störung über Jahre?
Wochenraster, Rückfälle, Beginn und Rapid Cycling. Jede Ansicht stammt aus einer eigenen Studie mit eigener Bezugsgröße; Werte nicht gegeneinander verrechnen.
Wochen mit Beschwerden
Bezugsgröße sind Wochen der Beobachtung, nicht Menschen. 1 Feld ≈ 1 Prozent der Wochen (gerundet). Die Teilnehmenden wurden 1978 bis 1981 eingeschlossen; die Behandlung hat sich seither verändert.3,19
47,3%
der beobachteten Wochen mit Beschwerden, Bipolar I (146 Menschen, im Mittel 12,8 Jahre beobachtet)3
Bipolar I: depressive Beschwerden 31,9 %; manische oder hypomane Beschwerden 8,9 %; gemischte oder rasch wechselnde Beschwerden 5,9 % der Wochen.
Bipolar II: depressive Beschwerden 50,3 %; hypomane Beschwerden 1,3 %; weitere symptomatische Wochen, in der Quelle nicht aufgeschlüsselt der Wochen.
Kategorie antippen, um sie im Raster hervorzuheben.
Bipolar I: Wochen mit leichten oder unterschwelligen gegenüber voll ausgeprägten Beschwerden3
Über Jahre gesehen bestimmen bei vielen Menschen eher leichtere, anhaltende depressive Beschwerden den Alltag als die Manien. Bei Bipolar I fanden sich in einer Langzeitstudie depressive Symptome in 31,9 Prozent der Wochen, manische oder hypomane in 8,9 Prozent.3
Rückfall und Erholung
Rückfall nach Erholung (STEP-BD, USA)
48,5%
von 858 Menschen erlebten innerhalb von bis zu zwei Jahren einen Rückfall59
In der US-Studie STEP-BD erlebten 48,5 Prozent von 858 Menschen, die sich von einer Episode erholt hatten, innerhalb von bis zu zwei Jahren einen Rückfall, mehr als doppelt so oft in eine Depression wie in eine manische, hypomane oder gemischte Episode.59
Wer bei der Erholung noch Restbeschwerden hatte, erlitt in dieser Studie häufiger einen Rückfall. Die Autorinnen und Autoren sehen in der Behandlung solcher Restbeschwerden eine mögliche Chance, Rückfällen vorzubeugen.59
Erholung nach erster stationär behandelter Manie (2 Jahre)
166 Menschen nach erster Manie, McLean-Harvard-Studie60
Symptomfrei heißt nicht immer wieder ganz im alten Leben: Nach einer ersten stationär behandelten Manie erholten sich in einer US-Studie innerhalb von zwei Jahren 98 Prozent von der Episode, aber nur 43 Prozent erreichten wieder ihr früheres berufliches und häusliches Niveau.60
Eine Klinik in den USA; keine individuelle Prognose.
Beginn und Diagnose
Erkrankungsbeginn nach Definition, weltweite Meta-Analyse (Lebensjahre)54
Unterschiedliche Studien je Definition; indirekter Hinweis auf die Diagnoseverzögerung. etwa ein Drittel erkrankt vor dem 25. Lebensjahr54.
Eine zweite Quelle (Übersichtsarbeit)18
Zeit bis zur richtigen Diagnose, zwei Quellen
Bis eine bipolare Störung richtig erkannt wird, vergehen laut deutscher S3-Leitlinie in der Regel 5 bis 10 Jahre. Häufig beginnt die Erkrankung mit einer Depression.1,8 Die Achse reicht von 0 bis 12 Jahre.
Rapid Cycling
STEP-BD: Anteil mit Rapid Cycling, zwei Zeitpunkte mit unterschiedlicher Bezugsgruppe41,42
Rapid Cycling ist deshalb oft keine Dauereigenschaft. In derselben Studie hatte ein Drittel aller Teilnehmenden, die das Jahr abschlossen, keine neue Episode; Menschen mit früherem Rapid Cycling hatten häufiger weitere Episoden.41
Von Rapid Cycling spricht man, wenn bei Bipolar I oder II in den letzten zwölf Monaten mindestens vier Stimmungsepisoden aufgetreten sind.2
- depressiv
- manisch oder hypoman
- gemischt
- leicht oder unterschwellig
- übrige Wochen
- Spanne
KernsatzDiese Zahlen beschreiben Gruppen, keine einzelnen Lebenswege.
Verlaufsdaten als Tabelle
| Studie | Population | Kennzahl |
|---|---|---|
| NIMH-Studie, Bipolar I | 146 Menschen, im Mittel 12,8 Jahre | Beschwerden in 47,3 % der Wochen: depressiv 31,9 %, manisch oder hypoman 8,9 %, gemischt 5,9 %3 |
| NIMH-Studie, Bipolar I | wie oben | leicht oder unterschwellig 29,9 % gegenüber voll ausgeprägt 11,2 % der Wochen3 |
| NIMH-Studie, Bipolar II | 86 Menschen, im Mittel 13,4 Jahre | Beschwerden in 53,9 % der Wochen: depressiv 50,3 %, hypoman 1,3 %19 |
| STEP-BD | 858 Menschen nach Erholung | 48,5 % Rückfall in bis zu zwei Jahren59 |
| McLean-Harvard-Studie | 166 Menschen nach erster Manie, 2 Jahre | Episode überwunden 98 %, symptomatisch genesen 72 %, früheres Niveau 43 %, neue Episode 40 %60 |
| Meta-Analyse Beginn | weltweit | Gipfel 19,5 Jahre; Median erste Symptome 21, Beginn 33, erste Diagnose 40 Jahre54 |
| Diagnoseverzögerung | S3-Leitlinie bzw. Übersicht | 5 bis 10 Jahre1,8; etwa 9 Jahre18 |
| STEP-BD Rapid Cycling | 1.742 bzw. 1.191 Menschen | 32 % für das Vorjahr, 5 % im Behandlungsjahr41,42 |
Quellen: Nierenberg AA et al. · JAMA 202318; Grande I et al. · The Lancet 20161; World Health Organization · WHO 20242; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 20023; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 200319; Berk M et al. · World Psychiatry 202540; Schneck CD, et al. · American Journal of Psychiatry 200442; Schneck CD, et al. · American Journal of Psychiatry 200841; Solmi M, et al. · Molecular Psychiatry 202254; Perlis RH, et al. · American Journal of Psychiatry 200659; Tohen M, et al. · American Journal of Psychiatry 200360
Begleiterkrankungen, Lebenserwartung und Suizidrisiko
Die S3-Leitlinie hält fest, dass bei bipolaren Störungen häufig weitere psychische Erkrankungen auftreten, vor allem Angst- und Zwangsstörungen, Substanzmissbrauch und -abhängigkeit sowie ADHS.8
In einer großen US-Behandlungskohorte hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung im Lauf des Lebens auch eine ADHS; bei ihnen begann die affektive Erkrankung etwa 5 Jahre früher.55
Menschen mit bipolarer Störung sterben im Mittel früher. Eine landesweite schwedische Kohorte zeigt das deutlich: Dort starben Frauen mit bipolarer Störung 9,0 Jahre und Männer 8,5 Jahre früher als die übrige Bevölkerung.56
Eine Meta-Analyse von 57 Studien fand eine etwa doppelt so hohe Gesamtsterblichkeit. Auch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren häufiger, durch Krebs dagegen nicht.57
Studiendetails: Begleiterkrankungen und Suizidrisiko
Relatives Risiko für die Gesamtsterblichkeit 2,02, für natürliche Todesursachen 1,90, für Herz-Kreislauf-Tod 1,76; Krebs 0,99. Grundlage waren 678.353 Menschen mit bipolarer Störung in Beobachtungsstudien.57
Eine Übersichtsarbeit im Lancet beschreibt einen Verlust von etwa 10 bis 20 möglichen Lebensjahren, vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Suizid. Körperliche Gesundheit gehört deshalb zur Behandlung dazu.16
Das Suizidrisiko ist bei bipolarer Störung deutlich erhöht. In einer dänischen Registerstudie starben bis zu 36 Jahre nach dem ersten Kontakt mit der psychiatrischen Fachversorgung 7,8 Prozent der Männer und 4,8 Prozent der Frauen mit bipolarer Störung durch Suizid, gegenüber 0,7 und 0,3 Prozent in der Bevölkerung ohne psychiatrische Erkrankung.58
Studiendetails: Begleiterkrankungen und Suizidrisiko, 2
In der schwedischen Kohorte war das Suizidrisiko bei Frauen mit bipolarer Störung etwa 10-fach (Hazard Ratio 10,37) und bei Männern etwa 8-fach (8,09) erhöht. In den internationalen Befragungen berichteten 25,6 Prozent der Befragten mit Bipolar I und 20,8 Prozent mit Bipolar II (jeweils in den letzten zwölf Monaten erkrankt) über einen früheren Suizidversuch.17,56
Bipolar oder etwas anderes? Differenzialdiagnosen
Nicht jede Phase mit viel Energie oder jede Depression ist eine bipolare Störung. Ist eine depressive, hypomane oder manische Symptomatik direkte Folge einer anderen körperlichen Erkrankung, ordnet die ICD-11 sie als sekundäres affektives Syndrom ein und nicht als bipolare Störung.2
Die Abgrenzung folgt deshalb einer festen Logik: Zuerst werden körperliche Ursachen, Medikamente und Substanzen bedacht, dann andere psychische Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden. Die Tabelle unten fasst die wichtigsten Unterscheidungen zusammen.

Unipolare Depression oder bipolare Störung
Unipolare Depression: Viele Menschen mit bipolarer Störung kommen zuerst wegen einer Depression in Behandlung. In einer internationalen Studie mit über 5.600 Erwachsenen, die wegen einer Depression psychiatrisch behandelt wurden, erfüllten 16 Prozent die Kriterien einer bipolaren Störung.63
Studiendetails: Unipolare Depression oder bipolare Störung
Mit erweiterten Kriterien, die nicht Standard der Klassifikationssysteme sind, waren es 47 Prozent. Eine Familiengeschichte mit Manie oder Hypomanie und mehrere frühere Krankheitsphasen hingen deutlich mit einer bipolaren Störung zusammen (Odds Ratio über 2).63
Auch nach einer ersten Depression kann sich der Verlauf ändern: In einer prospektiven Verlaufsstudie entwickelten 8,6 Prozent innerhalb von 5 Jahren eine bipolare Störung, häufiger bei schwer behandelbarer Depression, familiärer Belastung und zusätzlichem Alkohol- oder Drogenmissbrauch.64
Studiendetails: Unipolare Depression oder bipolare Störung, 2
Bei jungen Menschen, die wegen einer unipolaren Major Depression stationär behandelt worden waren (74 Personen, mittleres Alter 23 Jahre), traten in einer 15-jährigen Nachbeobachtung bei 27 Prozent später Hypomanien und bei weiteren 19 Prozent mindestens eine Manie auf. Die Stichprobe war klein und nicht auf ambulante Depressionen übertragbar.65
Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt, bei Erwachsenen mit Depression in der Hausarztpraxis nach früheren Phasen mit Überaktivität oder enthemmtem Verhalten zu fragen. Dauerten sie 4 Tage oder länger, soll eine fachärztliche Abklärung erwogen werden.10
Bipolar oder ADHS, bipolar oder Borderline
ADHS und Borderline-Persönlichkeitsstörung: Ablenkbarkeit, Unruhe, Impulsivität und Stimmungsschwankungen kommen auch dort vor. Nach ICD-11 unterscheidet sich die bipolare Störung durch abgrenzbare Phasen mit gehobener, euphorischer oder gereizter Stimmung. Beide Erkrankungen können aber zusätzlich zu einer bipolaren Störung bestehen.2
Praktisch bedeutet das: Bei ADHS beginnen die Beschwerden vor dem 12. Lebensjahr und verlaufen nicht in Episoden. Persönlichkeitsmerkmale werden außerhalb einer Stimmungsepisode beurteilt. Bei einer bipolaren Störung lassen sich dagegen Episoden abgrenzen, in denen sich Stimmung, Energie und Schlaf deutlich verändern. Für die Einordnung braucht es den Längsschnitt, nicht eine Momentaufnahme.2
Wie häufig die Überschneidungen sind, zeigen zwei Studien: In einer großen US-Behandlungsstudie hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung auch eine ADHS. In einer Verlaufsstudie mit 196 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (4 Jahre) lag in 19,4 Prozent zusätzlich eine bipolare Störung vor; die Autorinnen und Autoren werten den Zusammenhang als mäßig.55,66
Studiendetails: Bipolar oder ADHS, bipolar oder Borderline
Nach einer Meta-Analyse entwickelten 3,72 Prozent der mit Stimulanzien behandelten Menschen mit ADHS eine bipolare Störung. Die Schätzung ist sehr unsicher, die Studien waren sehr unterschiedlich, und ein ursächlicher Zusammenhang ließ sich nicht ableiten.67
Psychose, Substanzen und Medikamente
Schizophrenie und schizoaffektive Störung: Psychotische Symptome kommen bei der bipolaren Störung nur während der Stimmungsphasen vor. Sind die Kriterien einer Schizophrenie und einer affektiven Episode gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage erfüllt, wird nach ICD-11 eine schizoaffektive Störung diagnostiziert.2
Wird eine depressive, hypomane oder manische Symptomatik durch eine Substanz oder ein Medikament außer Antidepressiva ausgelöst, zum Beispiel durch Kokain oder Amphetamine, auch im Entzug, spricht die ICD-11 von einer substanzinduzierten affektiven Störung. Ob die Stimmungsstörung anhält, wird nach Abklingen der Substanzwirkung beurteilt.2
Für Antidepressiva gilt eine eigene Regel: Tritt eine Manie unter einer antidepressiven Behandlung auf und besteht sie nach Beenden der Behandlung und Abklingen der direkten Wirkung fort, wird sie nach ICD-11 als manische Episode gewertet, nicht als substanzinduziert. Entsprechendes gilt für die Hypomanie.2
Auch Kortison-Tabletten können eine Manie auslösen: In britischen Hausarztdaten traten Manien unter Glukokortikoiden häufiger auf als bei Menschen mit derselben Grunderkrankung ohne diese Behandlung, besonders bei älteren Männern.68
Studiendetails: Psychose, Substanzen und Medikamente
Die Hazard Ratio für Manie lag bei 4,35 (372.696 Patientinnen und Patienten, 1990 bis 2008). Es handelt sich um Beobachtungsdaten; ein Absolutrisiko für Manie nennt die Studie im Abstract nicht.68
Bei Menschen mit bekannter bipolarer Störung war das Risiko einer Manie in einer schwedischen Registerstudie nur nach Beginn eines Antidepressivums ohne gleichzeitigen Stimmungsstabilisierer erhöht.69
Körperliche und neurologische Ursachen
Körperliche Ursachen: Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennierenrinde und Tumoren der Hirnanhangsdrüse können hypomanische oder manische Beschwerden nachahmen. Die S3-Leitlinie nennt zum Ausschluss körperlicher Ursachen unter anderem einen Schilddrüsenwert (TSH), einen Syphilis-Test und einen Entzündungswert (CRP).8
Auch Erkrankungen des Gehirns wie Epilepsien, Hirnentzündungen, Multiple Sklerose, Folgen von Durchblutungsstörungen wie ein Schlaganfall und beginnende frontotemporale Demenzen müssen bei manischen Beschwerden mitbedacht werden, besonders bei untypischem Bild im Jugendalter und bei einer erstmaligen Manie im höheren Lebensalter.8
Nach einem Schlaganfall sind Depression, Angst, Erschöpfung und Antriebslosigkeit häufig, jeweils bei mindestens 30 Prozent der Betroffenen. Manien kommen ebenfalls vor, sind aber seltener.70
Bei der verhaltensbetonten frontotemporalen Demenz überschneiden sich die Symptome mit psychischen Erkrankungen einschließlich der bipolaren Störung. Etwa die Hälfte der Betroffenen erhält zunächst eine psychiatrische Diagnose; die richtige Diagnose verzögert sich um bis zu 5 bis 6 Jahre.71
Studiendetails: Körperliche und neurologische Ursachen
In einer Klinikstichprobe wurden 6,3 Prozent der Menschen mit bipolarer Störung erstmals ab etwa 47 Jahren stationär behandelt; diese Gruppe hatte mehr Gefäßrisikofaktoren als Menschen mit frühem Beginn. Bei einer erstmaligen Manie im höheren Lebensalter sind deshalb neurologische Ursachen besonders mitzubedenken.8,72
Besteht der Verdacht auf eine körperliche Ursache einer Manie, empfiehlt die S3-Leitlinie zusätzlich eine neurologische Untersuchung und je nach Befund Bildgebung, EEG und neuropsychologische Tests. An dieser Grenze zwischen Psychiatrie und Neurologie entscheidet sich manchmal die Diagnose.8
| Zustand | Was dafür spricht | Was abgeklärt wird |
|---|---|---|
| Unipolare Depression | keine früheren Hochphasen | Fremdanamnese, Familiengeschichte, frühere Phasen10,63 |
| ADHS | Beschwerden dauerhaft, nicht episodisch | Verlauf seit der Kindheit; beide können gemeinsam bestehen2,55,66 |
| Borderline-Persönlichkeitsstörung | keine abgrenzbaren Stimmungsepisoden | Längsschnitt; beide können gemeinsam bestehen2,55,66 |
| Schizoaffektive Störung | Kriterien einer Schizophrenie und einer affektiven Episode gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage erfüllt; psychotische Symptome außerhalb der Stimmungsphasen sprechen gegen eine bipolare Störung | Verlaufsbeobachtung2 |
| Substanz- oder medikamenteninduziert | zeitlicher Zusammenhang mit Substanz, Entzug oder Kortison | erneute Beurteilung nach Abklingen2,68 |
| Körperliche Ursache | Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hirnanhangsdrüse | TSH, Syphilis-Test, CRP8 |
| Neurologische Ursache | Epilepsie, Hirnentzündung, MS, Schlaganfall, frontotemporale Demenz | neurologische Untersuchung, Bildgebung, EEG8 |
Mehrere Erkrankungen können nebeneinander bestehen; die Tabelle ersetzt keine ärztliche Abklärung.2,8,10,55,63,66,68
Erklärvideo · 42 s
Differenzialdiagnose: der Abklärungspfad
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Nicht jede Hochphase ist eine bipolare Störung. Die Abklärung folgt deshalb einer festen Reihenfolge. Zuerst werden körperliche Ursachen bedacht, etwa Erkrankungen von Schilddrüse oder Nebennieren, Epilepsien, Hirnentzündungen oder Multiple Sklerose. Dann folgen Substanzen und Medikamente wie Kokain, Amphetamine oder Kortison. Danach kommen andere psychische Erkrankungen wie ADHS oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung in Betracht. Bei einer bipolaren Störung lassen sich abgrenzbare Episoden erkennen, in denen sich Stimmung, Energie und Schlaf deutlich verändern. Dafür braucht es den Längsschnitt, keine Momentaufnahme.2,8,68
Bipolar oder etwas anderes? Abgrenzung in vier Richtungen
Filterbare Tabelle nach Leitbild und Richtung, dazu ein Vergleich mit ADHS und Borderline-Persönlichkeitsstörung. Jede Zeile mit wörtlich belegter Aussage.
Die Abgrenzung folgt deshalb einer festen Logik: Zuerst werden körperliche Ursachen, Medikamente und Substanzen bedacht, dann andere psychische Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden. Die Tabelle unten fasst die wichtigsten Unterscheidungen zusammen.
Was sonst dahinterstecken kann
| Abgrenzung von | Richtung | Leitbild | Worauf es ankommt |
|---|---|---|---|
| Unipolare Depression | andere psychische Erkrankung | Depression | In einer internationalen Studie mit über 5.600 Erwachsenen, die wegen einer Depression psychiatrisch behandelt wurden, erfüllten 16 Prozent die Kriterien einer bipolaren Störung.63 |
| Erste Depression im Verlauf | andere psychische Erkrankung | Depression | Auch nach einer ersten Depression kann sich der Verlauf ändern: In einer prospektiven Verlaufsstudie entwickelten 8,6 Prozent innerhalb von 5 Jahren eine bipolare Störung, häufiger bei schwer behandelbarer Depression, familiärer Belastung und zusätzlichem Alkohol- oder Drogenmissbrauch.64 |
| Depression in der Hausarztpraxis | andere psychische Erkrankung | Depression | Die britische NICE-Leitlinie empfiehlt, bei Erwachsenen mit Depression in der Hausarztpraxis nach früheren Phasen mit Überaktivität oder enthemmtem Verhalten zu fragen. Dauerten sie 4 Tage oder länger, soll eine fachärztliche Abklärung erwogen werden.10 |
| ADHS | andere psychische Erkrankung | Hochphase | Bei ADHS beginnen die Beschwerden vor dem 12. Lebensjahr und verlaufen nicht in Episoden.2 In einer großen US-Behandlungsstudie hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung auch eine ADHS.55,66 |
| Borderline-Persönlichkeitsstörung | andere psychische Erkrankung | Hochphase | Persönlichkeitsmerkmale werden außerhalb einer Stimmungsepisode beurteilt.2 In einer Verlaufsstudie mit 196 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (4 Jahre) lag in 19,4 Prozent zusätzlich eine bipolare Störung vor; die Autorinnen und Autoren werten den Zusammenhang als mäßig.55,66 |
| Schizophrenie, schizoaffektive Störung | andere psychische Erkrankung | Hochphase | Schizophrenie und schizoaffektive Störung: Psychotische Symptome kommen bei der bipolaren Störung nur während der Stimmungsphasen vor. Sind die Kriterien einer Schizophrenie und einer affektiven Episode gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage erfüllt, wird nach ICD-11 eine schizoaffektive Störung diagnostiziert.2 |
| Kokain, Amphetamine, auch im Entzug | Substanzen und Medikamente | Hochphase | Wird eine depressive, hypomane oder manische Symptomatik durch eine Substanz oder ein Medikament außer Antidepressiva ausgelöst, zum Beispiel durch Kokain oder Amphetamine, auch im Entzug, spricht die ICD-11 von einer substanzinduzierten affektiven Störung. Ob die Stimmungsstörung anhält, wird nach Abklingen der Substanzwirkung beurteilt.2 |
| Ecstasy und andere Substanzen | Substanzen und Medikamente | Hochphase | Abhängigkeit und Missbrauch von Substanzen wie Kokain, Ecstasy oder Amphetaminen sollen bei der Abgrenzung von Hypomanie und Manie beachtet werden.8 |
| Manie unter Antidepressiva | Substanzen und Medikamente | Hochphase | Für Antidepressiva gilt eine eigene Regel: Tritt eine Manie unter einer antidepressiven Behandlung auf und besteht sie nach Beenden der Behandlung und Abklingen der direkten Wirkung fort, wird sie nach ICD-11 als manische Episode gewertet, nicht als substanzinduziert. Entsprechendes gilt für die Hypomanie.2 |
| Antidepressivum ohne Stimmungsstabilisierer | Substanzen und Medikamente | Hochphase | Bei Menschen mit bekannter bipolarer Störung war das Risiko einer Manie in einer schwedischen Registerstudie nur nach Beginn eines Antidepressivums ohne gleichzeitigen Stimmungsstabilisierer erhöht.69 |
| Kortison-Tabletten | Substanzen und Medikamente | Hochphase | Auch Kortison-Tabletten können eine Manie auslösen: In britischen Hausarztdaten traten Manien unter Glukokortikoiden häufiger auf als bei Menschen mit derselben Grunderkrankung ohne diese Behandlung, besonders bei älteren Männern.68 Die Hazard Ratio für Manie lag bei 4,35 (372.696 Patientinnen und Patienten, 1990 bis 2008).68 |
| Folge einer anderen körperlichen Erkrankung | körperlich | beides | Ist eine depressive, hypomane oder manische Symptomatik direkte Folge einer anderen körperlichen Erkrankung, ordnet die ICD-11 sie als sekundäres affektives Syndrom ein und nicht als bipolare Störung.2 |
| Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hirnanhangsdrüse | körperlich | Hochphase | Körperliche Ursachen: Erkrankungen der Schilddrüse, der Nebennierenrinde und Tumoren der Hirnanhangsdrüse können hypomanische oder manische Beschwerden nachahmen. Die S3-Leitlinie nennt zum Ausschluss körperlicher Ursachen unter anderem einen Schilddrüsenwert (TSH), einen Syphilis-Test und einen Entzündungswert (CRP).8 |
| Epilepsie, Hirnentzündung, MS, Schlaganfall, frontotemporale Demenz | neurologisch | Hochphase | Auch Erkrankungen des Gehirns wie Epilepsien, Hirnentzündungen, Multiple Sklerose, Folgen von Durchblutungsstörungen wie ein Schlaganfall und beginnende frontotemporale Demenzen müssen bei manischen Beschwerden mitbedacht werden, besonders bei untypischem Bild im Jugendalter und bei einer erstmaligen Manie im höheren Lebensalter.8 |
| Nach einem Schlaganfall | neurologisch | beides | Nach einem Schlaganfall sind Depression, Angst, Erschöpfung und Antriebslosigkeit häufig, jeweils bei mindestens 30 Prozent der Betroffenen. Manien kommen ebenfalls vor, sind aber seltener.70 |
| Verhaltensbetonte frontotemporale Demenz | neurologisch | Hochphase | Bei der verhaltensbetonten frontotemporalen Demenz überschneiden sich die Symptome mit psychischen Erkrankungen einschließlich der bipolaren Störung. Etwa die Hälfte der Betroffenen erhält zunächst eine psychiatrische Diagnose; die richtige Diagnose verzögert sich um bis zu 5 bis 6 Jahre.71 |
| Erstmalige Manie im höheren Lebensalter | neurologisch | Hochphase | Bei einer erstmaligen Manie im höheren Lebensalter sind deshalb neurologische Ursachen besonders mitzubedenken.8,72 |
| Weiterführende Untersuchungen bei Verdacht | neurologisch | Hochphase | Besteht der Verdacht auf eine körperliche Ursache einer Manie, empfiehlt die S3-Leitlinie zusätzlich eine neurologische Untersuchung und je nach Befund Bildgebung, EEG und neuropsychologische Tests. An dieser Grenze zwischen Psychiatrie und Neurologie entscheidet sich manchmal die Diagnose.8 |
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Bipolar, ADHS oder Borderline?
| Merkmal | Bipolare Störung | ADHS | Borderline-Persönlichkeitsstörung |
|---|---|---|---|
| Gemeinsame Merkmale | Ablenkbarkeit, Unruhe, Impulsivität und Stimmungsschwankungen kommen auch dort vor.2 | ||
| Verlauf | Nach ICD-11 unterscheidet sich die bipolare Störung durch abgrenzbare Phasen mit gehobener, euphorischer oder gereizter Stimmung.2 | Bei ADHS beginnen die Beschwerden vor dem 12. Lebensjahr und verlaufen nicht in Episoden.2 | Persönlichkeitsmerkmale werden außerhalb einer Stimmungsepisode beurteilt.2 |
| Was die Einordnung trägt | Bei einer bipolaren Störung lassen sich dagegen Episoden abgrenzen, in denen sich Stimmung, Energie und Schlaf deutlich verändern.2 | Für die Einordnung braucht es den Längsschnitt, nicht eine Momentaufnahme.2 | Für die Einordnung braucht es den Längsschnitt, nicht eine Momentaufnahme.2 |
| Gemeinsames Auftreten | Beide Erkrankungen können aber zusätzlich zu einer bipolaren Störung bestehen.2 | In einer großen US-Behandlungsstudie hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung auch eine ADHS.55,66 | In einer Verlaufsstudie mit 196 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (4 Jahre) lag in 19,4 Prozent zusätzlich eine bipolare Störung vor55,66 |
| Leitlinie (S3, Fassung 2019) | Bei jungen Erwachsenen mit Problemen der Gefühlsregulation, etwa bei ADHS, Persönlichkeitsstörungen, Impulskontrollstörungen oder Substanzproblemen, empfiehlt die S3-Leitlinie eine sorgfältige Abklärung in Richtung bipolare Störung.8 | ||
Kurzüberblick
| Zustand | Was dafür spricht | Was abgeklärt wird |
|---|---|---|
| Unipolare Depression10,63 | keine früheren Hochphasen | Fremdanamnese, Familiengeschichte, frühere Phasen |
| ADHS2,55,66 | Beschwerden dauerhaft, nicht episodisch | Verlauf seit der Kindheit; beide können gemeinsam bestehen |
| Borderline-Persönlichkeitsstörung2,55,66 | keine abgrenzbaren Stimmungsepisoden | Längsschnitt; beide können gemeinsam bestehen |
| Schizoaffektive Störung2 | Kriterien einer Schizophrenie und einer affektiven Episode gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage erfüllt; psychotische Symptome außerhalb der Stimmungsphasen sprechen gegen eine bipolare Störung | Verlaufsbeobachtung |
| Substanz- oder medikamenteninduziert2,68 | zeitlicher Zusammenhang mit Substanz, Entzug oder Kortison | erneute Beurteilung nach Abklingen |
| Körperliche Ursache8 | Schilddrüse, Nebennierenrinde, Hirnanhangsdrüse | TSH, Syphilis-Test, CRP |
| Neurologische Ursache8 | Epilepsie, Hirnentzündung, MS, Schlaganfall, frontotemporale Demenz | neurologische Untersuchung, Bildgebung, EEG |
Mehrere Erkrankungen können nebeneinander bestehen; die Tabelle ersetzt keine ärztliche Abklärung.2,8,10,55,63,66,68
- andere psychische Erkrankung
- Substanzen und Medikamente
- körperlich
- neurologisch
KernsatzBeide Erkrankungen können aber zusätzlich zu einer bipolaren Störung bestehen.
Quellen: World Health Organization · WHO 20242; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; National Institute for Health and Care Excellence (NICE) · NICE 201410; Nierenberg AA, et al. · Biological Psychiatry 200555; Angst J et al. · Archives of General Psychiatry 201163; Bukh JD et al. · Psychological Medicine 201664; Gunderson JG et al. · American Journal of Psychiatry 200666; Fardet L et al. · American Journal of Psychiatry 201268; Viktorin A et al. · American Journal of Psychiatry 201469; Hackett ML et al. · The Lancet Neurology 201470; Ducharme S et al. · Brain 202071; Cassidy F, Carroll BJ · Psychological Medicine 200272
Wie macht sich eine bipolare Störung im Alltag bemerkbar?
Eine bipolare Störung zeigt sich im Alltag nicht nur in den akuten Phasen. Schlaf, Arbeit, Beziehungen, Geld und Familie können in der Manie, in der Depression und auch in den Zeiten dazwischen betroffen sein.
Schlaf und Tagesrhythmus

Schlaf: Gestörter, verkürzter Schlaf kann manische Phasen auslösen und ihnen vorausgehen. Anhaltende Schlafprobleme in stabilen Zeiten können auf eine erhöhte Rückfallgefahr hinweisen.73
Viele Betroffene erleben deshalb einen gleichmäßigen Tagesablauf mit festen Schlafzeiten als wichtigen Halt. Nachtdienste, lange Reisen über Zeitzonen oder durchfeierte Nächte sind Situationen, die man mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt vorab besprechen kann.
Beruf, Ausbildung und Konzentration

Arbeit und Leistungsfähigkeit: Nach einer ersten stationär behandelten Manie erreichten in einer US-Studie nur 43 Prozent innerhalb von zwei Jahren wieder ihr früheres berufliches und häusliches Funktionsniveau, obwohl fast alle die Episode überwunden hatten.60
Auch zwischen den Phasen können Konzentration und Gedächtnis im Gruppenmittel mäßig schwächer sein, was sich im Beruf bemerkbar machen kann; die Unterschiede zwischen einzelnen Betroffenen sind groß. Das ist kein Zeichen mangelnden Willens.61
Ein strukturiertes Training, frühe Warnzeichen zu erkennen, verbesserte in einer randomisierten Studie nach 18 Monaten auch die soziale Funktionsfähigkeit und die berufliche Situation.74
Studiendetails: Beruf, Ausbildung und Konzentration
Die mittlere Differenz betrug 2,0 Punkte für die soziale Funktion und 0,7 Punkte für die Beschäftigung (69 Teilnehmende). Skalenpunkte lassen sich nicht direkt in Arbeitsplätze übersetzen.74
Geld, Verträge und riskante Entscheidungen
Geld, Verkehr und Risiken: Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine gemeinsame Risikoeinschätzung mit den Betroffenen und möglichst den Angehörigen, unter anderem zu Selbstvernachlässigung, Suizidgedanken, Autofahren, übermäßigen Geldausgaben und finanzieller oder sexueller Ausnutzung.10
In stabilen Zeiten lassen sich Vereinbarungen treffen, die in einer Hochphase schützen: etwa, wer bei auffälligen Ausgaben nachfragen darf, ob größere Verträge eine Bedenkzeit bekommen oder wer im Notfall informiert wird. Solche Absprachen sind persönlich und werden am besten gemeinsam mit der Behandlerin oder dem Behandler und den Angehörigen getroffen.
Beziehungen, Familie und Angehörige
Beziehungen und Familie: In der Manie können gesteigerte Geselligkeit, Rededrang und impulsives, riskantes Verhalten Beziehungen belasten. Weil frühere Hochphasen leicht übersehen werden, sollten Angehörige nach der S3-Leitlinie aktiv in die Erhebung der Vorgeschichte einbezogen werden.2,8
Familie und Kinderwunsch: Frauen mit bipolarer Störung haben nach einer Geburt ein erhöhtes Rückfallrisiko. Eine Schwangerschaft wird deshalb am besten vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt geplant.62
Studiendetails: Beziehungen, Familie und Angehörige
In einer Meta-Analyse mit 5.700 Entbindungen bei 4.023 Frauen lag das Rückfallrisiko nach der Entbindung in Hochrisikogruppen insgesamt bei 35 Prozent; schwere Episoden traten bei bipolarer Störung bei 17 Prozent auf. Die Rate hing stark davon ab, ob vorbeugend behandelt wurde.62
Für Angehörige ist die Zeit einer Manie oft besonders belastend, weil die erkrankte Person selbst wenig Krankheitsgefühl hat. Hilfreich ist, Beobachtungen ruhig und konkret zu benennen, zum Beispiel weniger Schlaf oder ungewöhnliche Ausgaben, statt über die Stimmung zu streiten. Auch Angehörige dürfen sich Unterstützung holen.
Frühwarnzeichen erkennen und Angehörige einbeziehen

Frühwarnzeichen zu kennen, kann neue Phasen abfangen. In einer randomisierten Studie verlängerte ein Training, frühe Anzeichen eines Rückfalls zu erkennen und rasch Hilfe zu holen, die Zeit bis zur ersten manischen Phase deutlich; auf depressive Rückfälle hatte es keinen Effekt.74
Studiendetails: Frühwarnzeichen und Angehörige
Die 25. Perzentile der Zeit bis zum ersten manischen Rückfall lag bei 65 gegenüber 17 Wochen in der Routineversorgung (69 Teilnehmende, 18 Monate Beobachtung, 7 bis 12 Einzelsitzungen).74
Beginnende Hochphasen zeigen sich oft an denselben Zeichen wie eine Manie, nur schwächer, etwa an einem verminderten Schlafbedürfnis, mehr Reden, rasenden Gedanken, Ablenkbarkeit und riskanten Entscheidungen. Welche Zeichen bei einer bestimmten Person zuerst auftreten, ist individuell.2
Weil verkürzter Schlaf manischen Phasen vorausgehen kann, ist Schlaf eines der wichtigsten Signale, auf die Betroffene und Angehörige achten können.73
Psychoedukation mit eingeübten Selbsthilfefertigkeiten schnitt in einer Netzwerk-Meta-Analyse in Familien- oder Gruppenform günstiger ab als im Einzelformat. Angehörige können also Teil der Behandlung sein, wenn die betroffene Person das möchte.11
Leitlinien empfehlen einen persönlichen Plan, der gemeinsam mit der betroffenen Person und möglichst den Angehörigen Auslöser und Frühwarnzeichen eines Rückfalls festhält, sowie ein Stimmungstagebuch oder Lifechart, dessen Einträge in die Gespräche mit den Behandelnden einfließen. Wichtige Fragen sind: Welche Zeichen kündigen bei mir eine Hoch- oder Tiefphase an, was tue ich dann, und wen rufe ich an?8,10

Erklärvideo · 40 s
Frühwarnzeichen und persönlicher Plan
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Viele Rückfälle kündigen sich an. Beginnende Hochphasen ähneln oft einer abgeschwächten Manie, mit weniger Schlafbedürfnis, mehr Reden und rasenden Gedanken. Verkürzter Schlaf kann manischen Phasen vorausgehen und ist deshalb ein wichtiges Signal. Leitlinien empfehlen einen persönlichen Plan, der gemeinsam mit Ihnen und möglichst mit Angehörigen Auslöser und Frühwarnzeichen festhält. In einer randomisierten Studie verlängerte ein Training, frühe Warnzeichen zu erkennen, die Zeit bis zur ersten manischen Phase deutlich; auf depressive Rückfälle wirkte es nicht. Sprechen Sie Veränderungen früh an.2,8,10,73,74
Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?

Die Diagnose stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt im ausführlichen Gespräch, das den gesamten bisherigen Verlauf erfasst. Weil frühere Hochphasen im Rückblick leicht übersehen werden, empfiehlt die S3-Leitlinie, Angehörige und Vertrauenspersonen aktiv einzubeziehen.8
Fragebögen zum Screening können Hinweise auf frühere manische Symptome geben, reichen aber allein nicht für eine Diagnose. Bei einem auffälligen Ergebnis sollte eine fachärztliche Abklärung folgen.8
Ein Selbsttest im Internet stellt deshalb keine Diagnose. Er kann ein Anlass sein, Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.
Studiendetails: Diagnose
In der Entwicklungsstudie des Mood Disorder Questionnaire erkannte ein Wert ab 7 von 13 Fragen etwa drei von vier Menschen mit bipolarer Spektrumstörung (Sensitivität 0,73) und stufte neun von zehn Menschen ohne diese Störung korrekt ein (Spezifität 0,90). Untersucht wurden 198 Patientinnen und Patienten aus spezialisierten Ambulanzen; in der Hausarztpraxis sind die Werte nicht übertragbar.75
Im Gespräch geht es um frühere Phasen mit ungewöhnlich viel Energie, um Schlaf, um die Familiengeschichte und um die Zahl früherer Krankheitsphasen. Familiengeschichte und mehrere frühere Phasen hingen in einer großen Studie deutlich mit einer bipolaren Störung zusammen.63
Zur körperlichen Abklärung gehören eine Untersuchung und Laborwerte, etwa der Schilddrüsenwert TSH. Bei Verdacht auf eine körperliche oder neurologische Ursache kommen weitere Untersuchungen hinzu.8
Suizidgedanken werden bei jedem Kontakt eingeschätzt und gegebenenfalls direkt angesprochen. Das Nachfragen bringt Betroffene entgegen einer verbreiteten Sorge nicht erst auf die Idee.8
Bei Verdacht auf Substanzkonsum als Auslöser wird die Stimmung nach Abklingen der Substanzwirkung erneut beurteilt.2
Am Ende steht keine Momentaufnahme, sondern eine Einordnung des Verlaufs: welche Episoden es gab, wie lange sie dauerten, was sie ausgelöst haben könnte und welche Begleiterkrankungen bestehen. Oft wird diese Einordnung über mehrere Termine verfeinert.
| Baustein | Zweck | Grenze |
|---|---|---|
| Ausführliches Gespräch | gesamter Verlauf, frühere Hochphasen | Hochphasen werden leicht übersehen8 |
| Angehörige einbeziehen | Fremdanamnese | nur mit Zustimmung8 |
| Fragebogen | Hinweis auf frühere manische Symptome | allein keine Diagnose8 |
| Körperliche Untersuchung und Labor | körperliche Ursachen ausschließen, etwa TSH | gezielt nach Befund ergänzen8 |
| Frage nach Suizidgedanken | Sicherheit | bei jedem Kontakt8 |
Ein Online-Selbsttest stellt keine Diagnose.8
Therapie der bipolaren Störung im Überblick
Die Behandlung einer bipolaren Störung hat drei Ziele: akute Manien oder Depressionen abklingen zu lassen, neuen Phasen vorzubeugen und ein möglichst stabiles, selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Medikamente, Psychoedukation und Psychotherapie ergänzen sich dabei; welche Kombination passt, wird gemeinsam entschieden.
Grundlage in Deutschland ist bislang die S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen der Fachgesellschaften DGBS und DGPPN, Langversion 2.1 mit dem Update von 2019, angepasst 2020. Eine Überarbeitung wurde im April 2025 bei der AWMF angemeldet; als geplante Fertigstellung war der 30.09.2026 angegeben.76
Am 5. Oktober 2026 war die Neufassung laut AWMF-Register noch nicht erschienen. Angestrebt ist eine Überarbeitung mindestens alle vier Jahre; dieser Zeitraum ist überschritten. Alle Empfehlungsgrade der S3-Leitlinie in diesem Beitrag beziehen sich deshalb auf die Fassung von 2019, angepasst 2020, und werden vor Veröffentlichung erneut geprüft.8,76
Auch die britische NICE-Leitlinie gibt Empfehlungen; sie wurde zuletzt am 02.09.2025 aktualisiert. NICE bezeichnet Lithium als wirksamste Langzeitbehandlung.10
Nicht alles, was international empfohlen wird, ist in Deutschland für die bipolare Störung zugelassen. Lurasidon und Cariprazin sind in der EU laut Europäischer Arzneimittel-Agentur nur zur Behandlung der Schizophrenie zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026); in den USA sind beide laut FDA-Fachinformation auch für die bipolare Depression zugelassen. Den deutschen Stand bei BfArM und in der Fachinformation hat diese Recherche nicht gesondert geprüft.34,35,77,78
Eine Behandlung außerhalb der Zulassung ist nicht verboten, braucht aber eine besondere Begründung und Aufklärung. Das gehört in das ärztliche Gespräch.
| Situation | Empfehlung | Grad |
|---|---|---|
| Vorbeugung neuer Phasen | Lithium | A8 |
| Akute bipolare Depression | Quetiapin als alleinige Behandlung | A8 |
| Akute bipolare Depression | Psychotherapie anbieten | A8 |
| Schwere bipolare Depression | Elektrokonvulsionstherapie | B8 |
| Antidepressivum allein | keine klare Empfehlung möglich | Statement8 |
Auswahl. Überarbeitungszeitraum überschritten; die Neufassung war am 5. Oktober 2026 laut AWMF-Register nicht erschienen. Keine Dosierungsangaben, keine Rangliste.8
| Wirkstoff | EU (EMA) | USA (FDA) | Deutschland (BfArM) |
|---|---|---|---|
| Lurasidon | Schizophrenie | auch bipolare Depression | nicht gesondert geprüft34,35,77,78 |
| Cariprazin | Schizophrenie | auch bipolare Depression | nicht gesondert geprüft34,35,77,78 |
Anwendung außerhalb der Zulassung nur mit besonderer Begründung und Aufklärung.34,35,77,78
Jede Karte steht für sich: eigene Frage, eigene Gruppe, eigener Zeitraum, eigenes Maß. Keine Rangfolge.
- The Lancet2010
BALANCE (2010)
330 randomisiert
Neue Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode, bis 24 Monate
- American Journal of Psychiatry2004
Lithium-Meta-Analyse (Geddes 2004)
770 Teilnehmende
Rückfälle insgesamt, manisch, depressiv (relatives Risiko)
- American Journal of Psychiatry2005
BOLDER I (2005)
542 Teilnehmende gesamt
Veränderung der MADRS bis Woche 8; Remission MADRS höchstens 12
- American Journal of Psychiatry2014
Lurasidon-Monotherapiestudie (Loebel 2014)
166 / 169 / 170 Teilnehmende je Arm
Veränderung der MADRS bis Woche 6
- American Journal of Psychiatry2019
Cariprazin Phase 3 (Earley 2019)
158 / 157 / 165 Teilnehmende je Arm
Veränderung der MADRS bis Woche 6; Nebenzielgröße klinischer Gesamteindruck
- Archives of General Psychiatry2003
Gruppen-Psychoedukation (Colom 2003)
120 Teilnehmende
Rückfälle und Klinikaufenthalte über 2 Jahre Nachbeobachtung
- American Journal of Psychiatry2015
EKT bei therapieresistenter bipolarer Depression (Schoeyen 2015)
73 Teilnehmende
MADRS, Ansprechen und Remission nach 6 Wochen
- BMJ1999
Frühwarnzeichen-Training (Perry 1999)
69 Teilnehmende
Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall, 18 Monate
Studie 1 von 8
BALANCE (2010)
- Wer und was
- Menschen ab 16 Jahren mit Bipolar-I-Störung; Lithium, Valproat oder beide zusammen
- Umfang
- 330 randomisiert · 110 je Arm
- Studiendesign
- Randomisierte, offene Studie mit drei Armen; aktive Vorlaufphase mit beiden Medikamenten; Ereignisbewertung verblindet
- Endpunkt
- Neue Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode, bis 24 Monate
- Ergebnis
- Hazard Ratio Kombination gegenüber Valproat 0,59; Lithium gegenüber Valproat 0,71; Kombination gegenüber Lithium 0,82, nicht signifikant.26
- Grenzen
- Offenes Design; Vergleich Kombination gegenüber Lithium nicht entschieden; Teilfinanzierung durch Sanofi-Aventis.
Studie 2 von 8
Lithium-Meta-Analyse (Geddes 2004)
- Wer und was
- Langzeitbehandlung bipolarer Störungen; Lithium gegenüber Placebo
- Umfang
- 5 Studien · 770 Teilnehmende
- Studiendesign
- Systematische Übersicht und Meta-Analyse placebokontrollierter Studien
- Endpunkt
- Rückfälle insgesamt, manisch, depressiv (relatives Risiko)
- Ergebnis
- Relatives Risiko 0,65 für alle Rückfälle, 0,62 für manische, 0,72 für depressive (nicht signifikant).27
- Grenzen
- Wenige, teils ältere Studien.
Studie 3 von 8
BOLDER I (2005)
- Wer und was
- Ambulante Menschen mit Bipolar I oder II in einer depressiven Episode; Quetiapin gegenüber Placebo
- Umfang
- 542 Teilnehmende gesamt · 360 mit Bipolar I · 182 mit Bipolar II
- Studiendesign
- Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit zwei Dosisgruppen, 8 Wochen
- Endpunkt
- Veränderung der MADRS bis Woche 8; Remission MADRS höchstens 12
- Ergebnis
- Remission 52,9 gegenüber 28,4 Prozent; Umschlag in Manie 3,2 gegenüber 3,9 Prozent.22
- Grenzen
- Nur 8 Wochen; Ergebnisse je Studie, kein Vergleich mit anderen Wirkstoffen.
Studie 4 von 8
Lurasidon-Monotherapiestudie (Loebel 2014)
- Wer und was
- Menschen mit Bipolar-I-Depression; Lurasidon als alleinige Behandlung gegenüber Placebo
- Umfang
- 166 im niedrigeren Dosisbereich · 169 im höheren Dosisbereich · 170 unter Placebo
- Studiendesign
- Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit zwei Dosisbereichen, 6 Wochen
- Endpunkt
- Veränderung der MADRS bis Woche 6
- Ergebnis
- MADRS −15,4 in beiden Lurasidon-Gruppen gegenüber −10,7 unter Placebo; Effektstärke 0,51.23
- Grenzen
- Kurze Dauer; in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).
Studie 5 von 8
Cariprazin Phase 3 (Earley 2019)
- Wer und was
- Erwachsene 18 bis 65 Jahre mit Bipolar-I-Störung in einer depressiven Episode
- Umfang
- 158 unter Placebo · 157 in der niedrigeren Dosisgruppe · 165 in der höheren Dosisgruppe
- Studiendesign
- Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie mit zwei festen Dosisgruppen, 6 Wochen
- Endpunkt
- Veränderung der MADRS bis Woche 6; Nebenzielgröße klinischer Gesamteindruck
- Ergebnis
- Mittlerer Unterschied −2,5 und −3,0 MADRS-Punkte gegenüber Placebo; Gesamteindruck nach Korrektur nicht signifikant.24
- Grenzen
- Kleiner Effekt; in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).
Studie 6 von 8
Gruppen-Psychoedukation (Colom 2003)
- Wer und was
- Ambulante Menschen mit Bipolar I oder II, seit mindestens 6 Monaten stabil, zusätzlich zur Medikation
- Umfang
- 120 Teilnehmende
- Studiendesign
- Randomisierte kontrollierte Studie; 21 Sitzungen Gruppen-Psychoedukation gegenüber 21 unstrukturierten Gruppentreffen
- Endpunkt
- Rückfälle und Klinikaufenthalte über 2 Jahre Nachbeobachtung
- Ergebnis
- Weniger Personen mit Rückfall, weniger Rückfälle und Klinikaufenthalte pro Person; Effektzahlen im Abstract nicht genannt.37
- Grenzen
- Nur Menschen in stabiler Phase; Effektzahlen und Zentrenzahl im Abstract nicht genannt.
Studie 7 von 8
EKT bei therapieresistenter bipolarer Depression (Schoeyen 2015)
- Wer und was
- Stationäre Menschen mit therapieresistenter bipolarer Depression
- Umfang
- 73 Teilnehmende
- Studiendesign
- Randomisierte Studie in 7 Kliniken; EKT gegenüber leitliniengestützter medikamentöser Behandlung, 6 Wochen
- Endpunkt
- MADRS, Ansprechen und Remission nach 6 Wochen
- Ergebnis
- Ansprechen 73,9 gegenüber 35,0 Prozent; Remission 34,8 gegenüber 30,0 Prozent; MADRS 6,6 Punkte niedriger.38
- Grenzen
- Kleine Studie, nicht verblindet gegenüber der Behandlungsart.
Studie 8 von 8
Frühwarnzeichen-Training (Perry 1999)
- Wer und was
- Menschen mit bipolarer Störung und Rückfall in den letzten 12 Monaten
- Umfang
- 69 Teilnehmende
- Studiendesign
- Randomisierte, einfach verblindete Studie; 7 bis 12 Einzelsitzungen zusätzlich zur Routineversorgung
- Endpunkt
- Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall, 18 Monate
- Ergebnis
- 25. Perzentile der Zeit bis zur ersten Manie 65 gegenüber 17 Wochen; kein Effekt auf depressive Rückfälle.74
- Grenzen
- Kleine Studie; nur manische Rückfälle beeinflusst.
Wie die Schlüsselstudien aufgebaut waren
Studie auswählen und das Design Schritt für Schritt ansehen: Einschluss, Randomisierung, Arme, Dauer mit Messpunkten, Endpunkt, Ergebnis mit Konfidenzintervall und Grenzen. Filter nach Fragestellung und Verfahren.
Jede Kachel steht für sich: eigene Population, eigene Skala, eigene Dauer. Die Studien bilden keine Rangfolge; Werte nicht über Kacheln hinweg vergleichen. Netzwerk-Meta-Analysen erscheinen ohne Reihenfolge der Substanzen. Dosisgruppen ohne Milligramm, keine Dosierungsempfehlung.
- 2010BALANCE26Lancet
Schützt die Kombination aus Lithium und Valproat besser vor neuen Episoden als eines der beiden allein?
- n randomisiert
- 330
- Dauer
- bis 24 Monate
- 2004Lithium-Meta-Analyse (Geddes 2004)27Am J Psychiatry
Wie stark senkt Lithium in der Langzeitbehandlung Rückfälle gegenüber Placebo, getrennt nach Polarität?
- n gesamt
- 770 (5 Studien)
- Dauer
- nicht berichtet
- 2013Lithium und Suizid (Cipriani 2013)28BMJ
Gibt es unter Lithium weniger Suizide und Todesfälle als unter Placebo?
- n gesamt
- 6674 (48 Studien)
- Dauer
- nicht berichtet
- 2005BOLDER I22Am J Psychiatry
Bessert Quetiapin eine bipolare Depression stärker als Placebo, und spielt die Dosisgruppe eine Rolle?
- n randomisiert
- 542
- Dauer
- 8 Wochen
- 2014Lurasidon-Monotherapiestudie (Loebel 2014)23Am J Psychiatry
In der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen
Wirkt Lurasidon als alleinige Behandlung bei Bipolar-I-Depression stärker als Placebo?
- n randomisiert
- 505
- Dauer
- 6 Wochen
- 2019Cariprazin Phase 3 (Earley 2019)24Am J Psychiatry
In der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen
Bessert Cariprazin in zwei festen Dosisgruppen eine Bipolar-I-Depression stärker als Placebo?
- n randomisiert
- 480
- Dauer
- 6 Wochen
- 2016Cariprazin Phase 2 (Durgam 2016)36Am J Psychiatry
In der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen
Welche von drei festen Cariprazin-Dosisgruppen unterscheidet sich bei Bipolar-I-Depression von Placebo?
- n randomisiert
- 571 ausgewertet
- Dauer
- 8 Wochen (Endpunkt Woche 6)
- 2003Lamotrigin- und Lithium-Erhaltung (Bowden 2003)29Arch Gen Psychiatry
Verzögern Lamotrigin oder Lithium nach einer (hypo)manischen Episode neue Stimmungsepisoden?
- n randomisiert
- 175 (von 349)
- Dauer
- bis 18 Monate
- 2003Gruppen-Psychoedukation (Colom 2003)37Arch Gen Psychiatry
Verringert strukturierte Gruppenpsychoedukation zusätzlich zu Medikamenten Rückfälle?
- n randomisiert
- 120
- Dauer
- 21 Wochen + 2 Jahre
- 2015EKT bei therapieresistenter bipolarer Depression (Schoeyen 2015)38Am J Psychiatry
Hilft eine Elektrokonvulsionstherapie bei therapieresistenter bipolarer Depression mehr als eine leitliniengestützte Medikamentenbehandlung?
- n randomisiert
- 73
- Dauer
- 6 Wochen
- 2007STEP-BD Antidepressiva (Sachs 2007)25N Engl J Med
Bringt ein zusätzliches Antidepressivum zum Stimmungsstabilisierer mehr stabile Erholungen?
- n randomisiert
- 366
- Dauer
- bis 26 Wochen
- 2016CEQUEL33Lancet Psychiatry
Hilft Lamotrigin zusätzlich zu Quetiapin bei bipolarer Depression, und verändert Folsäure die Wirkung?
- n randomisiert
- 202
- Dauer
- 12 + bis 52 Wochen
- 2011Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Cipriani 2011)20Lancet
Welche Mittel wirken bei akuter Manie nach drei Wochen gegenüber Placebo?
- n gesamt
- 16.073 (68 Studien)
- Dauer
- Endpunkt nach 3 Wochen
- 2014Netzwerk-Meta-Analyse Rückfallschutz (Miura 2014)9Lancet Psychiatry
Senken die geprüften Langzeitbehandlungen das Rückfallrisiko gegenüber Placebo?
- n gesamt
- 6846 (33 Studien)
- Dauer
- Studien ab 12 Wochen
- 2015Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Yildiz 2015)21Psychol Med
Wie groß sind die Effekte gebräuchlicher Mittel bei Manie gegenüber Placebo?
- n gesamt
- 14.256
- Dauer
- nicht berichtet
- 2000Valproat-Erhaltungsstudie (Bowden 2000)32Arch Gen Psychiatry
Verzögert Valproat nach einer Manie das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden stärker als Placebo?
- n randomisiert
- 372
- Dauer
- 52 Wochen
- 1999Frühwarnzeichen-Training (Perry 1999)74BMJ
Verlängert ein Training zum Erkennen früher Rückfallzeichen die Zeit bis zur nächsten Episode?
- n randomisiert
- 69
- Dauer
- 18 Monate
Lancet · 2010 · RCT offen, dreiarmig, multizentrisch (41 Zentren, UK/F/USA/I); Ereignisbewertung verblindet
BALANCE
Schützt die Kombination aus Lithium und Valproat besser vor neuen Episoden als eines der beiden allein?
1 · Einschluss
Bipolar-I-Störung, Alter ≥ 16 Jahre, Langzeittherapie klinisch indiziert; Vorlauf: aktive Vorlaufphase 4 bis 8 Wochen mit Lithium + Valproat
2 · Randomisierung
n = 330, 1:1:1 (je 110), computergestützt
3 · Arme
- Lithium alleinn = 110
- Valproat alleinn = 110
- Lithium und Valproatn = 110
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Zuteilung
Vorlaufoffene Behandlung06121824Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Vorlauf: Alle nehmen 4 bis 8 Wochen beide Medikamente (Vorlauf nicht maßstäblich).
Randomisierung: 330 Teilnehmende auf drei Arme zu je 110 verteilt.
Ende: Beobachtung bis 24 Monate; Endpunkt: zusätzliche Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode.
- Vorlauf (Monat −2): Alle nehmen 4 bis 8 Wochen beide Medikamente (Vorlauf nicht maßstäblich).
- Randomisierung (Monat 0): 330 Teilnehmende auf drei Arme zu je 110 verteilt.
- Ende (Monat 24): Beobachtung bis 24 Monate; Endpunkt: zusätzliche Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Beginn einer neuen Intervention wegen neuer Stimmungsepisode (Cox-Regression, ITT)26
Hazard Ratio, 95-%-KI, logarithmische Achse
Kombination gegenüber Valproat0,40,60,811,250,590,42 bis 0,83Lithium gegenüber Valproat0,40,60,811,250,710,51 bis 1,00Kombination gegenüber Lithium0,40,60,811,250,820,58 bis 1,17← seltener ein Ereignishäufiger →Anteil mit Ereignis während der Beobachtung
6 · Grenzen
Offene Studie; alle waren vorher auf die Kombination eingestellt; ob die Kombination Lithium allein überlegen ist, blieb offen.26 Teilfinanzierung durch Sanofi-Aventis.26
Quelle: BALANCE investigators and collaborators, Geddes JR, Goodwin GM, et al.: Lithium plus valproate combination therapy versus monotherapy for relapse prevention in bipolar I disorder (BALANCE): a randomised open-label trial.. The Lancet 201026 · Zugriff: Abstract
Am J Psychiatry · 2004 · Systematische Übersicht und Meta-Analyse von RCTs (Lithium vs. Placebo, Langzeit)
Lithium-Meta-Analyse (Geddes 2004)
Wie stark senkt Lithium in der Langzeitbehandlung Rückfälle gegenüber Placebo, getrennt nach Polarität?
1 · Einschluss der Studien
RCTs Lithium vs. Placebo in der Langzeitbehandlung
2 · Zusammenfassung
5 RCTs, 770 Teilnehmende (Meta-Analyse, keine eigene Randomisierung)
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Verglichene Behandlungen
- Lithiumn nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Zusammenfassung vieler Einzelstudien: Eine gemeinsame Studiendauer nennt der Abstract nicht. Deshalb keine Zeitachse.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Rückfallrisiko gesamt, manisch, depressiv27
Relatives Risiko, 95-%-KI, logarithmische Achse
Alle Rückfälle0,40,60,811,250,650,50 bis 0,84Manische Rückfälle0,40,60,811,250,620,40 bis 0,95Depressive Rückfälle0,40,60,811,250,720,49 bis 1,07← weniger Rückfälle unter Lithiummehr →6 · Grenzen
Wenige, teils ältere Studien; für depressive Rückfälle schließt das Konfidenzintervall keinen Unterschied ein.27
Quelle: Geddes JR, Burgess S, Hawton K, et al.: Long-term lithium therapy for bipolar disorder: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.. American Journal of Psychiatry 200427 · Zugriff: Abstract
BMJ · 2013 · Systematische Übersicht und Meta-Analyse von RCTs
Lithium und Suizid (Cipriani 2013)
Gibt es unter Lithium weniger Suizide und Todesfälle als unter Placebo?
1 · Einschluss der Studien
RCTs Lithium vs. Placebo oder aktive Substanz, Langzeitbehandlung affektiver Störungen (unipolar und bipolar)
2 · Zusammenfassung
48 RCTs, 6674 Teilnehmende, 15 Vergleiche
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Verglichene Behandlungen
- Lithiumn nicht berichtet
- Placebo oder anderes Medikamentn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Zusammenfassung vieler Einzelstudien: Eine gemeinsame Studiendauer nennt der Abstract nicht. Deshalb keine Zeitachse.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Suizide, absichtliche Selbstverletzung, Todesfälle jeglicher Ursache28
Odds Ratio gegenüber Placebo, 95-%-KI, logarithmische Achse
Suizide0,020,10,5120,130,03 bis 0,66Todesfälle jeglicher Ursache0,020,10,5120,380,15 bis 0,95Selbstverletzung0,020,10,5120,600,27 bis 1,32← seltener unter Lithiumhäufiger →Hilfe in einer KriseBei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
6 · Grenzen
Seltene Ereignisse, sehr breite Konfidenzintervalle; unipolare und bipolare Erkrankungen gemischt.28 Gegenbefund: Eine große randomisierte Studie bei US-Veteranen nach einem kürzlichen suizidalen Ereignis fand dagegen keinen Rückgang erneuter suizidbezogener Ereignisse durch zusätzliches Lithium; sie wurde wegen Aussichtslosigkeit vorzeitig beendet.79 Beide Ergebnisse gehören zusammen in die Abwägung.
Quelle: Cipriani A, Hawton K, Stockton S, et al.: Lithium in the prevention of suicide in mood disorders: updated systematic review and meta-analysis.. BMJ 201328 · Zugriff: Abstract
Am J Psychiatry · 2005 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, zwei Dosisarme
BOLDER I
Bessert Quetiapin eine bipolare Depression stärker als Placebo, und spielt die Dosisgruppe eine Rolle?
1 · Einschluss
ambulant, Bipolar I oder II, aktuelle depressive Episode (DSM-IV)
2 · Randomisierung
n = 542 (Bipolar I 360, Bipolar II 182); Verhältnis nicht im Abstract
3 · Arme
- Quetiapin, höhere Dosisgruppen nicht berichtet
- Quetiapin, niedrigere Dosisgruppen nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
doppelblinde Behandlung02468Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Zufällige Zuteilung zu zwei Dosisgruppen oder Placebo; 542 Ambulante (Bipolar I 360, Bipolar II 182).
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 8; Ansprechen und Remission.
- Start (Woche 0): Zufällige Zuteilung zu zwei Dosisgruppen oder Placebo; 542 Ambulante (Bipolar I 360, Bipolar II 182).
- Endpunkt (Woche 8): MADRS-Veränderung bis Woche 8; Ansprechen und Remission.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 822
Nach 8 Wochen
Ein behandlungsbedingter Umschlag in eine Manie war selten und in den Quetiapin- und Placebogruppen ähnlich häufig (3,2 % bzw. 3,9 %).22
Zur Geschichte Wirkung, Nebenwirkung und Dosis · Dosisgruppen ohne Milligramm; keine Dosierungsempfehlung.
Am J Psychiatry · 2014 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, zwei flexible Dosisbereiche
Lurasidon-Monotherapiestudie (Loebel 2014)
Wirkt Lurasidon als alleinige Behandlung bei Bipolar-I-Depression stärker als Placebo?
1 · Einschluss
Bipolar-I-Störung mit depressiver Episode
2 · Randomisierung
n = 505 (166 / 169 / 170)
3 · Arme
- Lurasidon, niedrigerer Dosisbereichn = 166
- Lurasidon, höherer Dosisbereichn = 169
- Placebon = 170
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
doppelblind, flexible Dosisbereiche0246Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Zuteilung 166 / 169 / 170.
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 6.
- Start (Woche 0): Zuteilung 166 / 169 / 170.
- Endpunkt (Woche 6): MADRS-Veränderung bis Woche 6.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 6 (Schlüssel-Nebenzielgröße CGI-BP)23
Nach 6 Wochen
Zur Geschichte Wirkung, Nebenwirkung und Dosis · Dosisgruppen ohne Milligramm; keine Dosierungsempfehlung.
Zulassungsstand: Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
6 · Grenzen
Kurzzeitstudie; flexible Dosierung; im Abstract keine Konfidenzintervalle. Effektstärke je Arm 0,51.23
Quelle: Loebel A, Cucchiaro J, Silva R, et al.: Lurasidone monotherapy in the treatment of bipolar I depression: a randomized, double-blind, placebo-controlled study.. American Journal of Psychiatry 201423 · Zugriff: Abstract
Am J Psychiatry · 2019 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, Phase 3, zwei feste Dosisarme
Cariprazin Phase 3 (Earley 2019)
Bessert Cariprazin in zwei festen Dosisgruppen eine Bipolar-I-Depression stärker als Placebo?
1 · Einschluss
Erwachsene 18 bis 65 J., Bipolar I (DSM-5), aktuelle depressive Episode
2 · Randomisierung
n = 480 (158 / 157 / 165)
3 · Arme
- Placebon = 158
- Cariprazin, niedrigere Dosisgruppen = 157
- Cariprazin, höhere Dosisgruppen = 165
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
doppelblind, feste Dosisgruppen0246Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Zuteilung 158 / 157 / 165.
Endpunkt: MADRS bis Woche 6; Nebenzielgröße klinischer Gesamteindruck (CGI-S).
- Start (Woche 0): Zuteilung 158 / 157 / 165.
- Endpunkt (Woche 6): MADRS bis Woche 6; Nebenzielgröße klinischer Gesamteindruck (CGI-S).
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 624
MADRS: Differenz zu Placebo (Punkte), 95-%-KI
niedrigere Dosisgruppe−6−4−202−2,5−4,6 bis −0,4höhere Dosisgruppe−6−4−202−3,0−5,1 bis −0,9← zugunsten Cariprazinzugunsten Placebo →CGI-S: Differenz zu Placebo, 95-%-KI (nach Korrektur nicht signifikant)
niedrigere Dosisgruppe−1−0,500,5−0,2−0,5 bis 0,0höhere Dosisgruppe−1−0,500,5−0,3−0,5 bis 0,0← zugunsten Cariprazinzugunsten Placebo →Zur Geschichte Wirkung, Nebenwirkung und Dosis · Dosisgruppen ohne Milligramm; keine Dosierungsempfehlung.
Zulassungsstand: Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
6 · Grenzen
Kleiner Effekt; Kurzzeitstudie; der Gesamteindruck unterschied sich nach Korrektur nicht sicher.24
Quelle: Earley W, Burgess MV, Rekeda L, et al.: Cariprazine Treatment of Bipolar Depression: A Randomized Double-Blind Placebo-Controlled Phase 3 Study.. American Journal of Psychiatry 201924 · Zugriff: Abstract
Am J Psychiatry · 2016 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, multinational, feste Dosen, vier Arme
Cariprazin Phase 2 (Durgam 2016)
Welche von drei festen Cariprazin-Dosisgruppen unterscheidet sich bei Bipolar-I-Depression von Placebo?
1 · Einschluss
Erwachsene mit Bipolar I, aktuelle depressive Episode
2 · Randomisierung
1:1:1:1; mITT n = 571 (141 / 140 / 145 / 145)
3 · Arme
- Placebon = 141
- niedrigste Dosisgruppen = 140
- mittlere Dosisgruppen = 145
- höchste Dosisgruppen = 145
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
doppelblind, 1:1:1:102468Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Zuteilung im Verhältnis 1:1:1:1.
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 6.
Studienende: Studiendauer 8 Wochen.
- Start (Woche 0): Zuteilung im Verhältnis 1:1:1:1.
- Endpunkt (Woche 6): MADRS-Veränderung bis Woche 6.
- Studienende (Woche 8): Studiendauer 8 Wochen.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: MADRS-Veränderung bis Woche 636
MADRS: Differenz zu Placebo bis Woche 6 (Punkte), 95-%-KI
mittlere Dosisgruppe−6−4−202−4,0−6,3 bis −1,6höchste Dosisgruppe (nach Korrektur nicht signifikant)−6−4−202−2,5−4,9 bis −0,1← zugunsten Cariprazinzugunsten Placebo →Die niedrigste Dosisgruppe unterschied sich nicht von Placebo.36
Zur Geschichte Wirkung, Nebenwirkung und Dosis · Dosisgruppen ohne Milligramm; keine Dosierungsempfehlung.
Zulassungsstand: Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
6 · Grenzen
Phase-2-Studie; kein gleichmäßiger Anstieg der Wirkung mit der Dosis; nicht mit der Phase-3-Studie zu einer Kurve verbinden.36
Quelle: Durgam S, Earley W, Lipschitz A, Guo H, et al.: An 8-Week Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Evaluation of the Safety and Efficacy of Cariprazine in Patients With Bipolar I Depression.. The American journal of psychiatry 201636 · Zugriff: Abstract
Arch Gen Psychiatry · 2003 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, Erhaltung, angereichertes Design
Lamotrigin- und Lithium-Erhaltung (Bowden 2003)
Verzögern Lamotrigin oder Lithium nach einer (hypo)manischen Episode neue Stimmungsepisoden?
1 · Einschluss
Bipolar I nach kürzlicher manischer oder hypomaner Episode; 349 in offene Phase; Vorlauf: offene Phase 8 bis 16 Wochen (Lamotrigin-Beginn, Absetzen anderer Psychopharmaka)
2 · Randomisierung
n = 175 (59 / 46 / 70)
349 aufgenommen → 175 stabilisiert und randomisiert
3 · Arme
- Lamotriginn = 59
- Lithiumn = 46
- Placebon = 70
4 · Dauer und Messpunkte
Schema, nicht maßstäblich
offene Phase 8 bis 16 Wochendoppelblind bis 18 MonateMesspunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: 349 Aufgenommene; Lamotrigin wird begonnen, andere Psychopharmaka abgesetzt.
Randomisierung: 175 erfüllen die Stabilisierungskriterien: 59 / 46 / 70.
Ende: Erhaltungsphase bis 18 Monate; Endpunkt: Zeit bis zur Behandlung wegen einer neuen Episode.
- Start (Schema): 349 Aufgenommene; Lamotrigin wird begonnen, andere Psychopharmaka abgesetzt.
- Randomisierung (Schema): 175 erfüllen die Stabilisierungskriterien: 59 / 46 / 70.
- Ende (Schema): Erhaltungsphase bis 18 Monate; Endpunkt: Zeit bis zur Behandlung wegen einer neuen Episode.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Zeit bis zur Intervention wegen jeder Stimmungsepisode29
Zeit bis zur Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode, gegenüber Placebo
- Lamotrigin
- länger (p = 0,02); vor allem bis zu einer depressiven Episode
- Lithium
- länger (p = 0,006); vor allem bis zu einer manischen, hypomanen oder gemischten Episode
6 · Grenzen
Angereichertes Design (nur Stabilisierte randomisiert); im Abstract keine Effektgrößen; Erratum 2004 nicht inhaltlich geprüft.29
Quelle: Bowden CL, Calabrese JR, Sachs G, et al.: A placebo-controlled 18-month trial of lamotrigine and lithium maintenance treatment in recently manic or hypomanic patients with bipolar I disorder.. Archives of General Psychiatry 200329 · Zugriff: Abstract
Arch Gen Psychiatry · 2003 · RCT, kontrolliert, nach Alter und Geschlecht gematcht (Verblindung im Abstract nicht beschrieben)
Gruppen-Psychoedukation (Colom 2003)
Verringert strukturierte Gruppenpsychoedukation zusätzlich zu Medikamenten Rückfälle?
1 · Einschluss
Bipolar I/II ambulant, ≥ 6 Monate remittiert, unter Standardmedikation
2 · Randomisierung
n = 120; Verhältnis nicht im Abstract
3 · Arme
- 21 Sitzungen Gruppenpsychoedukationn nicht berichtet
- 21 unstrukturierte Gruppentreffenn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Schema, nicht maßstäblich
21 Sitzungen in 21 Wochen2 Jahre NachbeobachtungMesspunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: 120 seit mindestens 6 Monaten stabile Ambulante, zusätzlich zur üblichen Medikation.
Ende der Sitzungen: Nach 21 Wochen; monatliche Untersuchungen während Behandlung und Nachbeobachtung.
2 Jahre: Rückfälle und Klinikaufenthalte über 2 Jahre Nachbeobachtung.
- Start (Schema): 120 seit mindestens 6 Monaten stabile Ambulante, zusätzlich zur üblichen Medikation.
- Ende der Sitzungen (Schema): Nach 21 Wochen; monatliche Untersuchungen während Behandlung und Nachbeobachtung.
- 2 Jahre (Schema): Rückfälle und Klinikaufenthalte über 2 Jahre Nachbeobachtung.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Rückfälle (Anzahl Betroffener, Rückfälle pro Person, Zeit bis Rückfall)37
Nach Psychoedukation im Vergleich (Effektzahlen im Abstract nicht genannt)
- Personen mit Rückfall
- weniger
- Rückfälle pro Person
- weniger
- Klinikaufenthalte pro Person
- weniger und kürzer
6 · Grenzen
Nur Menschen in stabiler Phase; Effektzahlen und Zentrenzahl im Abstract nicht genannt.37
Quelle: Colom F, Vieta E, Martinez-Aran A, et al.: A randomized trial on the efficacy of group psychoeducation in the prophylaxis of recurrences in bipolar patients whose disease is in remission.. Archives of General Psychiatry 200337 · Zugriff: Abstract
Am J Psychiatry · 2015 · RCT multizentrisch (7 Akutkliniken, Norwegen)
EKT bei therapieresistenter bipolarer Depression (Schoeyen 2015)
Hilft eine Elektrokonvulsionstherapie bei therapieresistenter bipolarer Depression mehr als eine leitliniengestützte Medikamentenbehandlung?
1 · Einschluss
bipolare Störung mit therapieresistenter Depression, stationär
2 · Randomisierung
n = 73
3 · Arme
- Elektrokonvulsionstherapien nicht berichtet
- Medikamentöse Stufenbehandlungn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
drei Sitzungen pro Woche bzw. Stufenbehandlung0246Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: 73 stationäre Patientinnen und Patienten in sieben norwegischen Akutkliniken.
Endpunkt: MADRS, Ansprechen und Remission nach 6 Wochen.
- Start (Woche 0): 73 stationäre Patientinnen und Patienten in sieben norwegischen Akutkliniken.
- Endpunkt (Woche 6): MADRS, Ansprechen und Remission nach 6 Wochen.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Wirksamkeitsmaße (MADRS u. a.), lineares gemischtes Modell38
MADRS-Unterschied nach 6 Wochen (Punkte niedriger unter EKT), 95-%-KI
EKT gegenüber Medikamenten048126,62,5 bis 10,6zugunsten EKT →Nach 6 Wochen
6 · Grenzen
Kleine Studie; nicht placebokontrolliert, Behandlungsart nicht verblindet.38
Quelle: Schoeyen HK, Kessler U, Andreassen OA, et al.: Treatment-resistant bipolar depression: a randomized controlled trial of electroconvulsive therapy versus algorithm-based pharmacological treatment.. American Journal of Psychiatry 201538 · Zugriff: Abstract
N Engl J Med · 2007 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, praxisnah
STEP-BD Antidepressiva (Sachs 2007)
Bringt ein zusätzliches Antidepressivum zum Stimmungsstabilisierer mehr stabile Erholungen?
1 · Einschluss
bipolare Depression unter Stimmungsstabilisierer
2 · Randomisierung
n = 366 (179 / 187)
3 · Arme
- Stimmungsstabilisierer + Antidepressivumn = 179
- Stimmungsstabilisierer + Placebon = 187
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
doppelblind, praxisnah081626Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Zuteilung 179 / 187.
Ende: Bis 26 Wochen; Endpunkt: stabile Erholung, also 8 Wochen ausgeglichene Stimmung in Folge.
- Start (Woche 0): Zuteilung 179 / 187.
- Ende (Woche 26): Bis 26 Wochen; Endpunkt: stabile Erholung, also 8 Wochen ausgeglichene Stimmung in Folge.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Anteil mit stabiler Erholung (8 Wochen Euthymie in Folge)25
Stabile Erholung (8 Wochen ausgeglichene Stimmung in Folge)
Ein behandlungsbedingter Umschlag in Manie oder Hypomanie war in beiden Gruppen ähnlich häufig.25
6 · Grenzen
Unterschied nicht signifikant (p = 0,40); die einzelnen Antidepressiva nennt der Abstract nicht.25
Quelle: Sachs GS, Nierenberg AA, Calabrese JR, et al.: Effectiveness of adjunctive antidepressant treatment for bipolar depression.. New England Journal of Medicine 200725 · Zugriff: Abstract
Lancet Psychiatry · 2016 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, 2×2-faktoriell (Lamotrigin/Placebo × Folsäure/Placebo), 27 Zentren UK
CEQUEL
Hilft Lamotrigin zusätzlich zu Quetiapin bei bipolarer Depression, und verändert Folsäure die Wirkung?
1 · Einschluss
Bipolar I/II (DSM-IV), ≥ 16 J., neue Behandlung einer depressiven Episode nötig; alle unter Quetiapin
2 · Randomisierung
n = 202 (101 / 101), 1:1, adaptive Minimierung
2×2-faktoriell: zusätzlich Folsäure gegen Placebo
3 · Arme
- Quetiapin + Lamotriginn = 101
- Quetiapin + Placebon = 101
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
HauptzielpunktWeiterbeobachtung0122652Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: 202 Teilnehmende aus 27 britischen Zentren; zusätzlich Folsäure gegen Placebo (2×2-faktoriell).
Woche 12: Hauptzielpunkt: QIDS-SR16.
Woche 52: Zweiter Zeitpunkt der Auswertung.
- Start (Woche 0): 202 Teilnehmende aus 27 britischen Zentren; zusätzlich Folsäure gegen Placebo (2×2-faktoriell).
- Woche 12 (Woche 12): Hauptzielpunkt: QIDS-SR16.
- Woche 52 (Woche 52): Zweiter Zeitpunkt der Auswertung.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: QIDS-SR16 nach 12 Wochen33
QIDS-SR16: Differenz Lamotrigin minus Placebo (Punkte), 95-%-KI
nach 12 Wochen (Hauptzielpunkt)−6−4−202−1,73−3,57 bis 0,11nach 52 Wochen−6−4−202−2,69−4,89 bis −0,49← zugunsten Lamotriginzugunsten Placebo →Folsäure war Placebo nicht überlegen und schwächte in dieser Studie die Wirkung von Lamotrigin nach 12 Wochen ab.33
6 · Grenzen
Der Hauptzielpunkt nach 12 Wochen wurde verfehlt; Wechselwirkung mit Folsäure.33
Quelle: Geddes JR, Gardiner A, Rendell J, et al.: Comparative evaluation of quetiapine plus lamotrigine combination versus quetiapine monotherapy (and folic acid versus placebo) in bipolar depression (CEQUEL): a 2 × 2 factorial randomised trial.. The Lancet Psychiatry 201633 · Zugriff: Abstract
Lancet · 2011 · Netzwerk-Metaanalyse (multiple-treatments) von RCTs
Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Cipriani 2011)
Welche Mittel wirken bei akuter Manie nach drei Wochen gegenüber Placebo?
1 · Einschluss der Studien
RCTs 1980 bis 2010, Erwachsene mit akuter Manie, 13 Substanzen + Placebo
2 · Zusammenfassung
68 RCTs, 16.073 Teilnehmende
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Verglichene Behandlungen
- 13 Substanzenn nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
Akutbehandlung in den Einzelstudien0123Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: Einzelstudien mit Erwachsenen mit akuter Manie.
Endpunkt: Veränderung auf Manie-Skalen nach 3 Wochen.
- Start (Woche 0): Einzelstudien mit Erwachsenen mit akuter Manie.
- Endpunkt (Woche 3): Veränderung auf Manie-Skalen nach 3 Wochen.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Veränderung auf Manie-Skalen; Studienabbrüche nach 3 Wochen20
- 68
- randomisierte Studien
- 16.073
- Teilnehmende
- 13
- Substanzen und Placebo
Netzwerk-Meta-Analyse: verbindet direkte und indirekte Vergleiche. Hier ohne Rangfolge dargestellt.
Beispiel aus dem Beleg: Lithium gegenüber Placebo (SMD), 95-%-KI
Lithium−1−0,500,5−0,37−0,63 bis −0,11← zugunsten Lithiumzugunsten Placebo →Gabapentin, Lamotrigin und Topiramat waren es nicht.20
6 · Grenzen
Keine Rangliste: Die Rangaussagen der Autoren werden hier bewusst nicht gezeigt.20 Insgesamt waren Antipsychotika in dieser Analyse bei akuter Manie wirksamer als Stimmungsstabilisierer.20 In einer Sensitivitätsanalyse nach Substanzklassen hatten Haloperidol, Antipsychotika der zweiten Generation und Stimmungsstabilisierer ähnliche Wirksamkeitsprofile.21
Quelle: Cipriani A, Barbui C, Salanti G, Rendell J, et al.: Comparative efficacy and acceptability of antimanic drugs in acute mania: a multiple-treatments meta-analysis.. Lancet (London, England) 201120 · Zugriff: Abstract
Lancet Psychiatry · 2014 · Netzwerk-Metaanalyse (Bayes, Random Effects)
Netzwerk-Meta-Analyse Rückfallschutz (Miura 2014)
Senken die geprüften Langzeitbehandlungen das Rückfallrisiko gegenüber Placebo?
1 · Einschluss der Studien
RCTs ≥ 12 Wochen, Mono- oder Add-on-Therapie
2 · Zusammenfassung
33 RCTs, 17 Behandlungen, 6846 Teilnehmende
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Verglichene Behandlungen
- 17 Behandlungenn nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Schema, nicht maßstäblich
Einzelstudien von mindestens 12 Wochen, 1970 bis 2012Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Einschluss: Randomisierte Studien mit mindestens 12 Wochen Dauer.
Endpunkt: Rückfall jeder Stimmungsepisode; Abbruch wegen Nebenwirkungen.
- Einschluss (Schema): Randomisierte Studien mit mindestens 12 Wochen Dauer.
- Endpunkt (Schema): Rückfall jeder Stimmungsepisode; Abbruch wegen Nebenwirkungen.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Rückfall jeder Stimmungsepisode; Abbruch wegen Nebenwirkungen9
- 33
- randomisierte Studien
- 6846
- Teilnehmende
- 17
- Behandlungen
Netzwerk-Meta-Analyse: verbindet direkte und indirekte Vergleiche. Hier ohne Rangfolge dargestellt.
Im Beleg genannte Ausnahmen (nicht signifikant): Risk Ratio gegenüber Placebo, 95-%-Glaubwürdigkeitsintervall
Aripiprazol0,40,60,811,250,620,38 bis 1,03Carbamazepin0,40,60,811,250,680,44 bis 1,06← seltener Rückfallhäufiger →Unter fast allen geprüften Behandlungen war das Risiko eines erneuten Stimmungsrückfalls niedriger als unter Placebo; Ausnahmen waren unter anderem Aripiprazol und Carbamazepin.9
Schlussfolgerung der Autoren: Die Autoren folgern, dass Lithium wegen der Wirkung gegen manische und depressive Rückfälle und der besseren Datenlage trotz seines Nebenwirkungsprofils erste Wahl zur Rückfallvorbeugung bleiben sollte.9
6 · Grenzen
Studien aus vier Jahrzehnten mit unterschiedlicher Qualität; keine Rangliste der Behandlungen.9
Quelle: Miura T, Noma H, Furukawa TA, et al.: Comparative efficacy and tolerability of pharmacological treatments in the maintenance treatment of bipolar disorder: a systematic review and network meta-analysis.. The Lancet Psychiatry 20149 · Zugriff: Abstract
Psychol Med · 2015 · Netzwerk-Metaanalyse (Bayes), Monotherapie-Kurzzeitstudien
Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Yildiz 2015)
Wie groß sind die Effekte gebräuchlicher Mittel bei Manie gegenüber Placebo?
1 · Einschluss der Studien
randomisierte, verblindete Kurzzeitstudien, Erwachsene mit Bipolar-I-Manie
2 · Zusammenfassung
14.256 Patient:innen, 18 Behandlungen + Placebo
Keine eigene Randomisierung: zusammengefasst werden randomisierte Einzelstudien.
3 · Verglichene Behandlungen
- 18 Behandlungenn nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Zusammenfassung vieler Einzelstudien: Eine gemeinsame Studiendauer nennt der Abstract nicht. Deshalb keine Zeitachse.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: SMD (Hedges g) auf Manie-Skalen21
- 14.256
- Teilnehmende
- 18
- aktive Behandlungen
- 95
- Direktvergleiche
Netzwerk-Meta-Analyse: verbindet direkte und indirekte Vergleiche. Hier ohne Rangfolge dargestellt.
Spanne der Effekte der 12 wirksamen, klinisch genutzten Mittel gegenüber Placebo (SMD), ohne Zuordnung zu Substanzen
00,250,50,7510,32 bis 0,66 standardisierte Mittelwertdifferenz
6 · Grenzen
Kurzzeitstudien; keine generelle Überlegenheit eines Mittels; keine Rangliste.21 In einer Sensitivitätsanalyse nach Substanzklassen hatten Haloperidol, Antipsychotika der zweiten Generation und Stimmungsstabilisierer ähnliche Wirksamkeitsprofile.21
Quelle: Yildiz A, Nikodem M, Vieta E, et al.: A network meta-analysis on comparative efficacy and all-cause discontinuation of antimanic treatments in acute bipolar mania.. Psychological Medicine 201521 · Zugriff: Abstract
Arch Gen Psychiatry · 2000 · RCT doppelblind, placebokontrolliert, Erhaltung
Valproat-Erhaltungsstudie (Bowden 2000)
Verzögert Valproat nach einer Manie das Wiederauftreten von Stimmungsepisoden stärker als Placebo?
1 · Einschluss
Erholung innerhalb 3 Monate nach Indexmanie (Bipolar I, ambulant); Vorlauf: offene Vorbehandlung mit Valproat oder Lithium, über 2 Wochen ausgeschlichen
2 · Randomisierung
n = 372, 2:1:1
3 · Arme
- Valproatn nicht berichtet
- Lithiumn nicht berichtet
- Placebon nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Wochee ab Zuteilung
Ausschleichendoppelblinde Erhaltung013263952Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Vorlauf: Vorbehandlung über 2 Wochen ausgeschlichen.
Randomisierung: 372 nach Erholung von einer Manie innerhalb von 3 Monaten, Verhältnis 2:1:1.
Ende: Zeit bis zum Wiederauftreten einer Stimmungsepisode über 52 Wochen.
- Vorlauf (Woche −2): Vorbehandlung über 2 Wochen ausgeschlichen.
- Randomisierung (Woche 0): 372 nach Erholung von einer Manie innerhalb von 3 Monaten, Verhältnis 2:1:1.
- Ende (Woche 52): Zeit bis zum Wiederauftreten einer Stimmungsepisode über 52 Wochen.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Zeit bis zum Wiederauftreten jeder Stimmungsepisode32
Ergebnis
- Hauptendpunkt
- kein signifikanter Unterschied zwischen Valproat und Placebo
- Nebenzielgrößen
- Vorteile nur hier
6 · Grenzen
Hauptendpunkt verfehlt; Beispiel dafür, dass ein Studienergebnis an der Hauptzielgröße gemessen wird.32
Quelle: Bowden CL, Calabrese JR, McElroy SL, Gyulai L, et al.: A randomized, placebo-controlled 12-month trial of divalproex and lithium in treatment of outpatients with bipolar I disorder. Divalproex Maintenance Study Group.. Archives of general psychiatry 200032 · Zugriff: Abstract
BMJ · 1999 · Randomisierte, einfach verblindete Studie; 7 bis 12 Einzelsitzungen zusätzlich zur Routineversorgung
Frühwarnzeichen-Training (Perry 1999)
Verlängert ein Training zum Erkennen früher Rückfallzeichen die Zeit bis zur nächsten Episode?
1 · Einschluss
Menschen mit bipolarer Störung und Rückfall in den letzten 12 Monaten
2 · Randomisierung
Zufällige, einfach verblindete Zuteilung: Training zusätzlich zur Routineversorgung oder Routineversorgung allein
3 · Arme
- Training (7 bis 12 Einzelsitzungen) + Routineversorgungn nicht berichtet
- Routineversorgungn nicht berichtet
4 · Dauer und Messpunkte
Monate ab Zuteilung
Beobachtung061218Messpunkt antippen, um zu sehen, was dort erhoben wurde.
Start: 69 Menschen mit Rückfall in den letzten 12 Monaten.
Ende: Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall.
- Start (Monat 0): 69 Menschen mit Rückfall in den letzten 12 Monaten.
- Ende (Monat 18): Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall.
5 · Endpunkt und Ergebnis
Endpunkt: Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall, 18 Monate74
25. Perzentile der Zeit bis zur ersten Manie (Wochen)74
Frühwarnzeichen zu kennen, kann neue Phasen abfangen. In einer randomisierten Studie verlängerte ein Training, frühe Anzeichen eines Rückfalls zu erkennen und rasch Hilfe zu holen, die Zeit bis zur ersten manischen Phase deutlich; auf depressive Rückfälle hatte es keinen Effekt.74
Für diese Kombination liegt hier keine Studie vor.
- Medikament
- Kombination
- Psychoedukation
- EKT
- Vergleichsmedikament
- nicht signifikant
- Placebo oder Kontrolle
KernsatzDieser Beitrag stellt bewusst keine Rangliste der Wirkstoffe auf: Die Studien unterscheiden sich in Population, Dauer und Messinstrumenten.
Alle Studiendesigns als Tabelle
| Studie | Population / n | Endpunkt | Ergebnis (wie im Abstract berichtet) | Grenze |
|---|---|---|---|---|
| BALANCE (2010)26 | 330 Patient:innen, Bipolar I; n = 330 | Beginn einer neuen Intervention wegen neuer Stimmungsepisode (Cox-Regression, ITT) | HR 0,59 (Kombination vs. Valproat); HR 0,82 (Kombination vs. Lithium); HR 0,71 (Lithium vs. Valproat) (95-%-KI 0,42 bis 0,83; 0,58 bis 1,17; 0,51 bis 1,00) | Offene Studie; alle waren vorher auf die Kombination eingestellt; ob die Kombination Lithium allein überlegen ist, blieb offen. |
| Lithium-Meta-Analyse (Geddes 2004) (2004)27 | 770 Teilnehmende aus 5 RCTs; n = 770 (5 Studien) | Rückfallrisiko gesamt, manisch, depressiv | RR 0,65 (alle Rückfälle); RR 0,62 (manisch); RR 0,72 (depressiv) (95-%-KI 0,50 bis 0,84; 0,40 bis 0,95; 0,49 bis 1,07) | Wenige, teils ältere Studien; für depressive Rückfälle schließt das Konfidenzintervall keinen Unterschied ein. |
| Lithium und Suizid (Cipriani 2013) (2013)28 | unipolare und bipolare affektive Störungen; n = 6674 (48 Studien) | Suizide, absichtliche Selbstverletzung, Todesfälle jeglicher Ursache | OR 0,13 (Suizide); OR 0,38 (Todesfälle gesamt); OR 0,60 (Selbstverletzung) (95-%-KI 0,03 bis 0,66; 0,15 bis 0,95; 0,27 bis 1,32) | Seltene Ereignisse, sehr breite Konfidenzintervalle; unipolare und bipolare Erkrankungen gemischt. |
| BOLDER I (2005)22 | 542 Ambulante, Bipolar I/II; n = 542 | MADRS-Veränderung bis Woche 8 | Ansprechen 58,2 % / 57,6 % vs. 36,1 %; Remission 52,9 % vs. 28,4 % | Kurzzeitstudie; im Abstract keine Konfidenzintervalle. |
| Lurasidon-Monotherapiestudie (Loebel 2014) (2014)23 | Bipolar-I-Depression; n = 505 | MADRS-Veränderung bis Woche 6 (Schlüssel-Nebenzielgröße CGI-BP) | MADRS −15,4 / −15,4 vs. −10,7; Effektstärke 0,51 je Arm | Kurzzeitstudie; flexible Dosierung; im Abstract keine Konfidenzintervalle. Effektstärke je Arm 0,51. |
| Cariprazin Phase 3 (Earley 2019) (2019)24 | Bipolar-I-Depression; n = 480 | MADRS-Veränderung bis Woche 6 | LS-Differenz −2,5 bzw. −3,0 MADRS-Punkte (95-%-KI −4,6 bis −0,4; −5,1 bis −0,9) | Kleiner Effekt; Kurzzeitstudie; der Gesamteindruck unterschied sich nach Korrektur nicht sicher. |
| Cariprazin Phase 2 (Durgam 2016) (2016)36 | Bipolar-I-Depression; n = 571 ausgewertet | MADRS-Veränderung bis Woche 6 | mittlere Dosisgruppe −4,0; höchste −2,5 (nicht signifikant nach Korrektur); niedrigste wie Placebo (95-%-KI −6,3 bis −1,6; −4,9 bis −0,1) | Phase-2-Studie; kein gleichmäßiger Anstieg der Wirkung mit der Dosis; nicht mit der Phase-3-Studie zu einer Kurve verbinden. |
| Lamotrigin- und Lithium-Erhaltung (Bowden 2003) (2003)29 | Bipolar I, kürzlich (hypo)manisch; n = 175 (von 349) | Zeit bis zur Intervention wegen jeder Stimmungsepisode | beide Substanzen Placebo überlegen | Angereichertes Design (nur Stabilisierte randomisiert); im Abstract keine Effektgrößen; Erratum 2004 nicht inhaltlich geprüft. |
| Gruppen-Psychoedukation (Colom 2003) (2003)37 | 120 remittierte Ambulante; n = 120 | Rückfälle (Anzahl Betroffener, Rückfälle pro Person, Zeit bis Rückfall) | weniger Rückfälle und Klinikaufenthalte (Zahlen nicht im Abstract) | Nur Menschen in stabiler Phase; Effektzahlen und Zentrenzahl im Abstract nicht genannt. |
| EKT bei therapieresistenter bipolarer Depression (Schoeyen 2015) (2015)38 | 73 Patient:innen; n = 73 | Wirksamkeitsmaße (MADRS u. a.), lineares gemischtes Modell | MADRS 6,6 Punkte niedriger unter EKT; Ansprechen 73,9 % vs. 35,0 %; Remission 34,8 % vs. 30,0 % (95-%-KI 2,5 bis 10,6 (MADRS)) | Kleine Studie; nicht placebokontrolliert, Behandlungsart nicht verblindet. |
| STEP-BD Antidepressiva (Sachs 2007) (2007)25 | bipolare Depression; n = 366 | Anteil mit stabiler Erholung (8 Wochen Euthymie in Folge) | 23,5 % vs. 27,3 % | Unterschied nicht signifikant (p = 0,40); die einzelnen Antidepressiva nennt der Abstract nicht. |
| CEQUEL (2016)33 | 202 Patient:innen UK; n = 202 | QIDS-SR16 nach 12 Wochen | −1,73 (12 Wo.); −2,69 (52 Wo.) (95-%-KI −3,57 bis 0,11; −4,89 bis −0,49) | Der Hauptzielpunkt nach 12 Wochen wurde verfehlt; Wechselwirkung mit Folsäure. |
| Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Cipriani 2011) (2011)20 | 16.073 Teilnehmende; n = 16.073 (68 Studien) | Veränderung auf Manie-Skalen; Studienabbrüche nach 3 Wochen | z. B. Lithium SMD −0,37 vs. Placebo (95-%-KI −0,63 bis −0,11) | Keine Rangliste: Die Rangaussagen der Autoren werden hier bewusst nicht gezeigt. |
| Netzwerk-Meta-Analyse Rückfallschutz (Miura 2014) (2014)9 | 6846 Teilnehmende; n = 6846 (33 Studien) | Rückfall jeder Stimmungsepisode; Abbruch wegen Nebenwirkungen | fast alle Behandlungen senken Rückfallrisiko vs. Placebo (Ausnahmen u. a. Aripiprazol RR 0,62) (95-%-KI 0,38 bis 1,03 (CrI, Aripiprazol)) | Studien aus vier Jahrzehnten mit unterschiedlicher Qualität; keine Rangliste der Behandlungen. |
| Netzwerk-Meta-Analyse Manie (Yildiz 2015) (2015)21 | 14.256 Patient:innen; n = 14.256 | SMD (Hedges g) auf Manie-Skalen | SMD 0,32 bis 0,66 für 12 wirksame Antimanika | Kurzzeitstudien; keine generelle Überlegenheit eines Mittels; keine Rangliste. |
| Valproat-Erhaltungsstudie (Bowden 2000) (2000)32 | 372 Patient:innen; n = 372 | Zeit bis zum Wiederauftreten jeder Stimmungsepisode | kein signifikanter Unterschied Valproat vs. Placebo | Hauptendpunkt verfehlt; Beispiel dafür, dass ein Studienergebnis an der Hauptzielgröße gemessen wird. |
| Frühwarnzeichen-Training (Perry 1999) (1999)74 | Menschen mit bipolarer Störung und Rückfall in den letzten 12 Monaten; n = 69 | Zeit bis zum ersten manischen und depressiven Rückfall, 18 Monate | 25. Perzentile der Zeit bis zur ersten Manie 65 gegenüber 17 Wochen; kein Effekt auf depressive Rückfälle. | Kleine Studie; nur manische Rückfälle beeinflusst. |
Quellen: BALANCE investigators and collaborators et al. · The Lancet 201026; Geddes JR et al. · American Journal of Psychiatry 200427; Cipriani A et al. · BMJ 201328; Calabrese JR et al. · American Journal of Psychiatry 200522; Loebel A et al. · American Journal of Psychiatry 201423; Earley W et al. · American Journal of Psychiatry 201924; Durgam S et al. · The American journal of psychiatry 201636; Bowden CL et al. · Archives of General Psychiatry 200329; Colom F et al. · Archives of General Psychiatry 200337; Schoeyen HK et al. · American Journal of Psychiatry 201538; Sachs GS et al. · New England Journal of Medicine 200725; Geddes JR et al. · The Lancet Psychiatry 201633; Cipriani A et al. · Lancet (London, England) 201120; Miura T et al. · The Lancet Psychiatry 20149; Yildiz A et al. · Psychological Medicine 201521; Bowden CL et al. · Archives of general psychiatry 200032; Perry A et al. · BMJ 199974; TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland 20265; Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) · Kassenärztliche Bundesvereinigung (116117.de) 20266; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202634; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202635; Katz IR et al. · JAMA Psychiatry 202279
Lithium bei bipolarer Störung und Vorbeugung neuer Phasen
Die deutsche S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) empfiehlt Lithium mit dem höchsten Empfehlungsgrad (A) zur Vorbeugung neuer Krankheitsphasen. Als Einschränkungen nennt sie die notwendigen Blutkontrollen und den engen Dosisbereich.8 Auch die NICE-Leitlinie bezeichnet Lithium als die wirksamste Langzeitbehandlung und empfiehlt es als erste Wahl.10

In einer Meta-Analyse von fünf placebokontrollierten Studien senkte Lithium das Risiko für erneute Krankheitsphasen um etwa ein Drittel. Der Schutz war vor allem für manische Phasen deutlich, für depressive Phasen weniger sicher belegt.27
Studiendetails: Lithium und Vorbeugung
Relatives Risiko 0,65 für alle Rückfälle, 0,62 für manische und 0,72 für depressive Rückfälle; das Konfidenzintervall für depressive Rückfälle schließt 1 ein. 770 Teilnehmende in 5 Studien.27
In der BALANCE-Studie mit 330 Menschen war unter Lithium allein und unter der Kombination aus Lithium und Valproat seltener eine zusätzliche Behandlung wegen einer neuen Stimmungsepisode nötig als unter Valproat allein. Ob die Kombination besser ist als Lithium allein, blieb offen.26
Studiendetails: Lithium und Vorbeugung, 2
Ein neues Behandlungsereignis trat bei 54 Prozent unter der Kombination, 59 Prozent unter Lithium und 69 Prozent unter Valproat auf. Hazard Ratio Kombination gegenüber Valproat 0,59, Lithium gegenüber Valproat 0,71, Kombination gegenüber Lithium 0,82 (nicht signifikant). Die Studie war offen, die Ereignisbewertung verblindet; Beobachtung bis 24 Monate.26
Eine Netzwerk-Meta-Analyse zur Langzeitbehandlung kam zu dem Schluss, dass Lithium wegen seiner Schutzwirkung gegen manische und depressive Rückfälle und der besseren Datenqualität die erste Wahl bleiben sollte, trotz seines Nebenwirkungsprofils.9
Studiendetails: Lithium und Vorbeugung, 3
Grundlage waren 33 randomisierte Studien mit 6846 Teilnehmenden und 17 Behandlungen. Lithium wurde dort häufiger als Placebo und Lamotrigin wegen Nebenwirkungen abgebrochen.9
Zum Schutz vor Suizid ist die Lage nicht eindeutig: Eine Meta-Analyse von 48 randomisierten Studien bei affektiven Erkrankungen fand unter Lithium weniger Suizide als unter Placebo; wegen der seltenen Ereignisse ist die Schätzung unsicher.28
Eine große randomisierte Studie bei US-Veteranen nach einem kürzlichen suizidalen Ereignis fand dagegen keinen Rückgang erneuter suizidbezogener Ereignisse durch zusätzliches Lithium; sie wurde wegen Aussichtslosigkeit vorzeitig beendet.79
Studiendetails: Lithium und Vorbeugung, 4
Weitere Mittel zur Vorbeugung: In einer 18-monatigen Studie verzögerte Lamotrigin vor allem depressive Phasen, Lithium vor allem manische, hypomanische oder gemischte. Bei Menschen, die unter Quetiapin zusammen mit Lithium oder Valproat stabil waren, erlitten bei Fortführung von Quetiapin weniger eine neue Phase als nach Umstellung auf Placebo.29,80
Studiendetails: Lithium und Vorbeugung, 5
In der Quetiapin-Studie hatten 20,3 Prozent unter Quetiapin und 52,1 Prozent unter Placebo eine neue Stimmungsepisode. Eingeschlossen waren nur Menschen, die zuvor auf Quetiapin angesprochen hatten; Müdigkeit, Gewichtszunahme und erhöhte Blutzuckerwerte traten unter Quetiapin häufiger auf.80
Erklärvideo · 38 s
Studiendesign: die BALANCE-Studie
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Die BALANCE-Studie prüfte, ob Lithium und Valproat zusammen besser vor Rückfällen schützen als jedes Mittel allein. 330 Menschen mit Bipolar-I-Störung nahmen zunächst einige Wochen beide Mittel ein. Dann wurden sie zufällig auf drei gleich große Gruppen verteilt und bis zu zwei Jahre begleitet. Gemessen wurde, wann wegen einer neuen Episode zusätzlich behandelt werden musste. Kombination und Lithium allein schnitten besser ab als Valproat allein. Ob die Kombination Lithium allein überlegen ist, blieb offen. Bewertet wurde verblindet, die Behandlung selbst war offen.26
Erklärvideo · 43 s
Lithium: Schutz vor neuen Phasen
Animierte Erklärung, keine Aufnahmen realer Personen. Sprecher: KI-Stimme. Ohne Untertitel; der gesprochene Text steht hier.
Gesprochener Text
Wie gut schützt Lithium vor neuen Krankheitsphasen? Eine Meta-Analyse fasste fünf randomisierte Studien mit 770 Teilnehmenden zusammen, die Lithium mit Placebo verglichen. Insgesamt traten unter Lithium weniger Rückfälle auf; das relative Risiko lag bei 0,65. Vor manischen Rückfällen schützte Lithium deutlich, bei depressiven war der Effekt kleiner und statistisch nicht sicher. Die deutsche S3-Leitlinie in der Fassung von 2019 empfiehlt Lithium zur Vorbeugung mit dem höchsten Empfehlungsgrad. Lithium braucht regelmäßige Blutkontrollen. Setzen Sie es nie eigenständig ab.8,10,27,81
Medikamente bei akuter Manie und bipolarer Depression
Für die akute Manie gibt es mehrere wirksame Medikamente. Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit über 14.000 Patientinnen und Patienten fand für zwölf gebräuchliche Mittel eine Wirkung gegenüber Placebo, ohne dass sich ein einzelnes Mittel insgesamt klar überlegen zeigte.21
Studiendetails: Akute Manie und bipolare Depression
Die standardisierten Mittelwertunterschiede gegenüber Placebo lagen zwischen 0,32 und 0,66. Ausgewertet wurden kurze, verblindete Monotherapie-Studien.21
Für die akute bipolare Depression empfiehlt die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) Quetiapin als alleinige Behandlung mit Empfehlungsgrad A. Als mögliche Nebenwirkungen nennt sie Müdigkeit, Bewegungsstörungen (extrapyramidale Nebenwirkungen) und Gewichtszunahme.8
In der Studie BOLDER I erreichte unter Quetiapin gut die Hälfte der Teilnehmenden nach 8 Wochen eine Remission der Depression, unter Placebo etwas mehr als ein Viertel.22
Studiendetails: Akute Manie und bipolare Depression, 2
Remission 52,9 gegenüber 28,4 Prozent bei 542 ambulanten Menschen mit Bipolar I oder II. Ein Umschlag in eine Manie war selten und ähnlich häufig (3,2 gegenüber 3,9 Prozent).22
Lurasidon als alleinige Behandlung verringerte in einer Studie depressive Beschwerden bei Bipolar-I-Depression nach sechs Wochen stärker als Placebo. Cariprazin besserte in einer Phase-3-Studie depressive Beschwerden ebenfalls stärker als Placebo; der Unterschied war klein. Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).23,24,34,35
Studiendetails: Akute Manie und bipolare Depression, 3
Lurasidon: MADRS-Abnahme 15,4 gegenüber 10,7 Punkten, Effektstärke 0,51 (505 Teilnehmende). Cariprazin: mittlerer Unterschied −2,5 und −3,0 MADRS-Punkte in zwei Dosisgruppen (480 Teilnehmende). Der Unterschied bei Cariprazin war klein; der ärztliche Gesamteindruck unterschied sich nach statistischer Korrektur nicht sicher.23,24
Lamotrigin zusätzlich zu Quetiapin war in der britischen CEQUEL-Studie nach zwölf Wochen nicht signifikant besser als Placebo, nach 52 Wochen jedoch schon.33
Antidepressiva sind bei bipolarer Depression umstritten. Ob ein Antidepressivum allein, ohne Stimmungsstabilisierer, eingesetzt werden kann, lässt die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) wegen unklarer Datenlage offen.8
In der Studie STEP-BD führte ein zusätzliches Antidepressivum zum Stimmungsstabilisierer nicht häufiger zu einer anhaltenden Genesung als Placebo. In einer schwedischen Registerstudie war das Risiko einer Manie nur bei Einnahme eines Antidepressivums ohne Stimmungsstabilisierer erhöht.25,69
Studiendetails: Akute Manie und bipolare Depression, 4
Dieser Beitrag stellt bewusst keine Rangliste der Wirkstoffe auf: Die Studien unterscheiden sich in Population, Dauer und Messinstrumenten. Welches Medikament passt, hängt auch von Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen, früheren Erfahrungen und Lebensplanung ab.
| Studie | Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|
| BOLDER I | Quetiapin gegenüber Placebo, 8 Wochen | Remission 52,9 gegenüber 28,4 Prozent22 |
| Lurasidon-Monotherapiestudie | Lurasidon gegenüber Placebo, 6 Wochen | MADRS −15,4 gegenüber −10,723,24,34,35 |
| Phase-3-Studie Cariprazin | zwei Dosisgruppen gegenüber Placebo, 6 Wochen | Unterschied −2,5 und −3,0 MADRS-Punkte23,24 |
| CEQUEL | Lamotrigin zusätzlich zu Quetiapin | nach 12 Wochen nicht signifikant, nach 52 Wochen signifikant33 |
| STEP-BD | Antidepressivum zusätzlich zum Stimmungsstabilisierer | Genesung 23,5 gegenüber 27,3 Prozent25,69 |
Studien mit unterschiedlichen Populationen und Messinstrumenten; keine Rangliste der Wirkstoffe. Lurasidon und Cariprazin sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen.22,23,24,25,33,34,35,69
Wirkung, Nebenwirkung und Dosis bei bipolarer Depression
Eine Geschichte in fünf Schritten. Mit „Weiter“ oder den Schritt-Knöpfen blättern; in Schritt 3 wählt der Regler die Dosisgruppe einer Studie. Jede Studie hat ihre eigene Grafik.
Keine Dosierungsempfehlung. Studienarme erscheinen bewusst ohne Milligramm-Angaben, Spiegelwerte werden nicht genannt. Lithium und andere vorbeugende Medikamente setzen Sie nicht eigenständig ab.81
Schritt 1 von 5
Zwei Dosisgruppen, fast dieselbe Wirkung.
Ein Ansprechen (mindestens 50 % Besserung auf der MADRS) erreichten 58,2 % bzw. 57,6 % in den beiden Quetiapin-Dosisgruppen und 36,1 % unter Placebo.22
Eine Remission (MADRS höchstens 12 Punkte) erreichten in beiden Quetiapin-Dosisgruppen 52,9 %, unter Placebo 28,4 %.22
Für die akute bipolare Depression empfiehlt die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) Quetiapin als alleinige Behandlung mit Empfehlungsgrad A. Als mögliche Nebenwirkungen nennt sie Müdigkeit, Bewegungsstörungen (extrapyramidale Nebenwirkungen) und Gewichtszunahme.8
Schritt 2 von 5
Wirkung und Abbrüche gehören in dieselbe Grafik.
Nach 6 Wochen sank der MADRS-Wert in beiden Lurasidon-Gruppen im Mittel um 15,4 Punkte, unter Placebo um 10,7 Punkte; die Effektstärke betrug jeweils 0,51.23
Studienabbrüche wegen Nebenwirkungen waren in allen drei Gruppen ähnlich häufig (6,6 %, 5,9 % und 6,5 % unter Placebo).23
Beide Wirkstoffe sind in der EU nicht für die bipolare Depression zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026).34,35
Wirkung: MADRS-Abnahme nach 6 Wochen (Punkte)23
Abbruch wegen Nebenwirkungen23
Gleiche mittlere Wirkung in beiden Dosisbereichen (Plateau). Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, Kopfschmerz, Akathisie (innere Unruhe mit Bewegungsdrang) und Schläfrigkeit; Gewicht veränderte sich in den 6 Wochen kaum.23
Schritt 3 von 5
Mehr Dosis heißt nicht mehr Wirkung.
Umgekehrt-U-förmiges Muster in dieser einen Studie; keine monotone Dosis-Wirkung.36
Die niedrigste Dosisgruppe unterschied sich nicht von Placebo. Häufigste Nebenwirkungen (mindestens 10 %) waren Akathisie und Schlafstörungen.36
Cariprazin Phase 2: MADRS-Differenz zu Placebo bis Woche 6 (Punkte), 95-%-KI36
Keine Kurve Die Punkte werden bewusst nicht verbunden: Für die niedrigste Gruppe gibt es keinen Zahlenwert, und eine Linie würde einen gemessenen Verlauf vortäuschen.
Niedrigste Dosisgruppe: unterschied sich nicht von Placebo; der Abstract nennt keinen Zahlenwert.
Mittlere Dosisgruppe: Differenz −4,0 MADRS-Punkte (95-%-KI −6,3 bis −1,6), auch nach Korrektur signifikant.
Höchste Dosisgruppe: Differenz −2,5 MADRS-Punkte (95-%-KI −4,9 bis −0,1), nach Korrektur nicht signifikant.
Mittlere Dosisgruppe: Differenz −4,0 MADRS-Punkte (95-%-KI −6,3 bis −1,6), auch nach Korrektur signifikant.
Schritt 4 von 5
Eine zweite Studie, eine eigene Grafik.
Beide Dosisgruppen senkten den MADRS-Wert stärker als Placebo; der mittlere Unterschied betrug −2,5 bzw. −3,0 Punkte.24
Beim klinischen Gesamteindruck (CGI-S) war der Unterschied zu Placebo nach Korrektur für mehrfaches Testen nicht statistisch signifikant.24
Der Unterschied bei Cariprazin war klein; der ärztliche Gesamteindruck unterschied sich nach statistischer Korrektur nicht sicher.23,24
Cariprazin Phase 3 (eigene Studie): MADRS-Differenz zu Placebo bis Woche 6 (Punkte), 95-%-KI24
Beide Arme wirksam, überlappende KI; Phase-2- und Phase-3-Werte nicht zu einer Kurve verbinden.
Schritt 5 von 5
Was daraus folgt und was nicht.
Antidepressiva sind bei bipolarer Depression umstritten. Ob ein Antidepressivum allein, ohne Stimmungsstabilisierer, eingesetzt werden kann, lässt die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) wegen unklarer Datenlage offen.8
- Studienarme, keine Empfehlung. Studienarme, keine Dosierungsempfehlung; nicht über Studien hinweg vergleichen.
- Keine Rangliste. Dieser Beitrag stellt bewusst keine Rangliste der Wirkstoffe auf: Die Studien unterscheiden sich in Population, Dauer und Messinstrumenten. Welches Medikament passt, hängt auch von Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen, früheren Erfahrungen und Lebensplanung ab.
- Zulassung. Lurasidon und Cariprazin sind in der EU laut Europäischer Arzneimittel-Agentur nur zur Behandlung der Schizophrenie zugelassen (Abruf 5. Oktober 2026); in den USA sind beide laut FDA-Fachinformation auch für die bipolare Depression zugelassen.34,35,77,78
- Dosisgruppe (Studienarm)
- Placebo
- Abbruch wegen Nebenwirkungen
- nicht signifikant
KernsatzWelches Medikament passt, hängt auch von Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen, früheren Erfahrungen und Lebensplanung ab.
Alle Werte der Geschichte als Tabelle
| Studie | Arm | Wert |
|---|---|---|
| BOLDER I (Quetiapin), 8 Wochen | höhere Dosisgruppe | Ansprechen 58,2 %, Remission 52,9 % |
| BOLDER I (Quetiapin), 8 Wochen | niedrigere Dosisgruppe | Ansprechen 57,6 %, Remission 52,9 % |
| BOLDER I (Quetiapin), 8 Wochen | Placebo | Ansprechen 36,1 %, Remission 28,4 % |
| Lurasidon, 6 Wochen | niedrigerer Dosisbereich | MADRS −15,4; Abbruch 6,6 % |
| Lurasidon, 6 Wochen | höherer Dosisbereich | MADRS −15,4; Abbruch 5,9 % |
| Lurasidon, 6 Wochen | Placebo | MADRS −10,7; Abbruch 6,5 % |
| Cariprazin Phase 2, Woche 6 | niedrigste Dosisgruppe | wie Placebo, kein Zahlenwert |
| Cariprazin Phase 2, Woche 6 | mittlere Dosisgruppe | −4,0 (95-%-KI −6,3 bis −1,6) |
| Cariprazin Phase 2, Woche 6 | höchste Dosisgruppe | −2,5 (95-%-KI −4,9 bis −0,1), nach Korrektur nicht signifikant |
| Cariprazin Phase 3, Woche 6 | niedrigere Dosisgruppe | −2,5 (95-%-KI −4,6 bis −0,4) |
| Cariprazin Phase 3, Woche 6 | höhere Dosisgruppe | −3,0 (95-%-KI −5,1 bis −0,9) |
Quellen: Durgam S et al. · The American journal of psychiatry 201636; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202634; European Medicines Agency (EMA) · EMA 202635; U.S. Food and Drug Administration (FDA) et al. · FDA 202577; U.S. Food and Drug Administration (FDA) et al. · FDA 202578; Suppes T et al. · Archives of General Psychiatry 199181; Calabrese JR et al. · American Journal of Psychiatry 200522; Loebel A et al. · American Journal of Psychiatry 201423; Earley W et al. · American Journal of Psychiatry 201924
Psychoedukation und Psychotherapie

Bei akuten depressiven Phasen einer bipolaren Störung soll laut S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) eine Psychotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Belege liegen für kognitive Verhaltenstherapie, familienfokussierte Therapie und Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie vor.8
Eine Netzwerk-Meta-Analyse von 39 Studien fand, dass manualisierte Psychotherapien zusätzlich zu Medikamenten mit weniger Rückfällen verbunden waren als Kontrollbedingungen. Psychoedukation mit eingeübten Selbsthilfefertigkeiten schnitt in Familien- oder Gruppenform günstiger ab als im Einzelformat.11
Studiendetails: Psychoedukation und Psychotherapie
Odds Ratio für einen Rückfall 0,56 gegenüber Kontrollbehandlungen (3863 Teilnehmende). Die Studien unterschieden sich in Populationen, Behandlungs- und Nachbeobachtungsdauer.11
In einer randomisierten Studie verringerte eine Gruppen-Psychoedukation mit 21 Sitzungen zusätzlich zur medikamentösen Behandlung die Zahl der Rückfälle und der Krankenhausaufenthalte bei Menschen, deren Erkrankung stabil war.37
Studiendetails: Psychoedukation und Psychotherapie, 2
Eingeschlossen waren 120 ambulant behandelte Menschen mit Bipolar I oder II, seit mindestens 6 Monaten stabil; Vergleich waren 21 unstrukturierte Gruppentreffen, Nachbeobachtung 2 Jahre. Effektzahlen nennt das Abstract nicht.37
Psychoedukation bedeutet, die eigene Erkrankung genau kennenzulernen: Wie kündigen sich Phasen an, was hilft, wie wirken Medikamente, welche Rolle spielen Schlaf, Alkohol und Stress. Interpersonelle und Soziale Rhythmustherapie setzt am Tagesrhythmus und an Beziehungen an, kognitive Verhaltenstherapie an Gedanken und Verhalten, familienfokussierte Therapie an der Zusammenarbeit mit den Angehörigen.
Ein gezieltes Training zum Erkennen von Frühwarnzeichen und die zugehörige Studie beschreibt der Abschnitt „Frühwarnzeichen erkennen“.
Elektrokonvulsionstherapie bei schwerer bipolarer Depression

Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) wird von der S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) für schwere depressive Phasen einer bipolaren Störung empfohlen (Empfehlungsgrad B). Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und vorübergehende Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen; ernstere Risiken betreffen die Narkose.8
In einer norwegischen Studie sprachen Menschen mit therapieresistenter bipolarer Depression auf EKT häufiger an als auf eine leitliniengestützte medikamentöse Behandlung; die Rate einer vollständigen Besserung unterschied sich jedoch nicht.38
Studiendetails: Elektrokonvulsionstherapie
73 stationäre Patientinnen und Patienten in 7 Kliniken, 6 Wochen. Ansprechen 73,9 gegenüber 35,0 Prozent, Remission 34,8 gegenüber 30,0 Prozent; der MADRS-Wert lag unter EKT im Mittel 6,6 Punkte niedriger.38
EKT wird in Narkose und unter ärztlicher Überwachung in spezialisierten Kliniken durchgeführt. Sie kommt vor allem infrage, wenn eine Depression sehr schwer ist oder andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Schwangerschaft
Während einer medikamentösen Behandlung gehören regelmäßige Blutspiegelmessungen, vor allem bei Lithium, sowie die Überprüfung von Verträglichkeit und Sicherheit zur Routine. Vor Beginn einer Lithiumbehandlung sieht die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) zusätzlich Schilddrüsenwerte und die Nierenfunktion vor.8
Unter Lithium empfiehlt NICE, etwa alle 6 Monate Nierenfunktion, Elektrolyte, Calcium und Schilddrüse zu kontrollieren, häufiger bei Auffälligkeiten.10
Eine große Übersichtsarbeit zu Lithium-Nebenwirkungen fand unter Lithium deutlich häufiger eine Schilddrüsenunterfunktion als unter Placebo, außerdem häufiger eine verminderte Harnkonzentrierung der Niere, eine Nebenschilddrüsenüberfunktion und Gewichtszunahme. Das absolute Risiko für ein Nierenversagen war gering: 18 von 3369 Behandelten (0,5 Prozent) benötigten eine Nierenersatztherapie.30
In einem internationalen Register mit Schwangerschaften unter Antiepileptika, überwiegend bei Epilepsie, traten nach Valproat-Einnahme zum Zeitpunkt der Empfängnis bei 10,3 Prozent der Kinder schwere Fehlbildungen auf, nach Lamotrigin bei 2,9 Prozent; das Risiko stieg mit der Dosis. In Dänemark hatten Kinder nach Valproat-Exposition ein absolutes Autismus-Risiko von 4,42 Prozent gegenüber 1,53 Prozent insgesamt.82,83
Studiendetails: Sicherheit und Schwangerschaft
Beide Studien betrafen überwiegend Frauen mit Epilepsie, nicht mit bipolarer Störung. Die Dosisabhängigkeit gilt für die Fehlbildungen. In der dänischen Studie lag die Hazard Ratio für eine Autismus-Spektrum-Störung insgesamt bei 2,9; bei Kindern von Müttern mit Epilepsie war sie mit 1,7 nicht signifikant erhöht.82,83
Lithium im ersten Schwangerschaftsdrittel war in einer großen US-Kohorte mit einem erhöhten Risiko für Herzfehlbildungen verbunden (2,41 gegenüber 1,15 Prozent); der Effekt war kleiner als früher angenommen, das Risiko bei höherer Dosis größer. Eine internationale Auswertung von sechs Kohorten fand etwas häufiger schwere Fehlbildungen (7,4 gegenüber 4,3 Prozent).84,85
Ausführlich lesen: Sicherheit und Schwangerschaft
Diese Risiken werden immer gegen das Rückfallrisiko abgewogen, das nach einer Geburt erhöht ist. Wer schwanger werden möchte oder schwanger ist, bespricht die Behandlung deshalb frühzeitig mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
| Thema | Was die Quellen sagen | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|
| Kontrollen | Blutspiegel, Niere, Elektrolyte, Calcium, Schilddrüse regelmäßig | Termine einhalten8,10 |
| Wechselwirkungen | nichtsteroidale Antirheumatika nur nach Rücksprache | bei jedem neuen Medikament fragen10 |
| Schilddrüse und Niere | Unterfunktion häufiger, Nierenversagen selten | Kontrollen erkennen Veränderungen früh30 |
| Valproat | in der Schwangerschaft bei bipolarer Störung nicht einsetzen | Schwangerschaftsverhütungsprogramm39 |
| Absetzen | schrittweise, ärztlich begleitet | nie eigenständig10,39 |
Keine Spiegelwerte und keine Dosierungen; Einzelheiten legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest.8,10,30,39
Was bei Lithium regelmäßig geprüft wird
Vier Schritte: Nebenwirkungsprofil aus einer Übersichtsarbeit, ein ausdrücklich gekennzeichnetes Modell zur Nierenfunktion mit Regler, die Kontrollen qualitativ und die Abwägung in der Schwangerschaft.
Keine Dosierungsempfehlung. Studienarme erscheinen bewusst ohne Milligramm-Angaben, Spiegelwerte werden nicht genannt. Lithium und andere vorbeugende Medikamente setzen Sie nicht eigenständig ab.81
Schritt 1 von 4
Was eine große Übersichtsarbeit fand.
Eine große Übersichtsarbeit zu Lithium-Nebenwirkungen fand unter Lithium deutlich häufiger eine Schilddrüsenunterfunktion als unter Placebo, außerdem häufiger eine verminderte Harnkonzentrierung der Niere, eine Nebenschilddrüsenüberfunktion und Gewichtszunahme. Das absolute Risiko für ein Nierenversagen war gering: 18 von 3369 Behandelten (0,5 Prozent) benötigten eine Nierenersatztherapie.30
Odds Ratio gegenüber Placebo, 95-%-KI, logarithmische Achse30
Mittlere Veränderungen unter Lithium30
- Konzentrationsfähigkeit der Niere
- etwa −15 % des normalen Maximums30
- Filtrationsleistung (GFR)
- −6,22 ml/min, nicht signifikant (95-%-KI −14,65 bis 2,20)30
- Parathormon
- +7,32 pg/ml (95-%-KI 3,42 bis 11,23)30
- Nierenersatztherapie
- 18 von 3369 Behandelten (0,5 %)30
Nebenwirkungsprofil, keine Dosisarme. Nebenwirkungsmittelwerte, keine Dosierungsempfehlung, keine individuelle Prognose.
Schritt 2 von 4
Nicht die Dosis, sondern die Dauer: ein Modell.
In einer schwedischen Kohorte ging die Nierenfunktion (eGFR) mit jedem Behandlungsjahr unter Lithium zusätzlich um etwa 0,54 ml/min/1,73 m² pro Jahr zurück.31
Nach mehr als 10 Jahren Lithium war der Rückgang der Nierenfunktion deutlich steiler als in allen anderen Gruppen einschließlich der Allgemeinbevölkerung.31
Wie stark Lithium die Nierenfunktion beeinflusst, war von Person zu Person sehr unterschiedlich.31
Zusätzlicher Rückgang der Nierenfunktion (eGFR) gegenüber dem Ausgangswert, Richtung und Form31
Behandlungsjahre
Modell Lineare Fortschreibung des mittleren Regressionsschätzers von 0,54 ml/min/1,73 m² zusätzlichem Rückgang je Lithium-Jahr (95-%-KI 0,43 bis 0,64; helles Band). Die Achse trägt bewusst keine Werte: Das Modell zeigt Richtung und Form, keine ablesbare Zahl für einzelne Menschen.
10 Jahre: Modelllinie zur Orientierung. Ab mehr als 10 Jahren war der Rückgang in der Kohorte steiler, als eine gerade Linie zeigt.
Schritt 3 von 4
Was regelmäßig geprüft wird.
Zur mindestens jährlichen körperlichen Untersuchung gehören unter Langzeit-Lithium auch Nieren- und Schilddrüsenwerte sowie Calcium.10
Blutspiegel
Während einer medikamentösen Behandlung gehören regelmäßige Blutspiegelmessungen, vor allem bei Lithium, sowie die Überprüfung von Verträglichkeit und Sicherheit zur Routine.8
Nierenfunktion und Schilddrüse
Vor Beginn einer Lithiumbehandlung sieht die S3-Leitlinie (Fassung 2019, angepasst 2020) zusätzlich Schilddrüsenwerte und die Nierenfunktion vor.8
Calcium und Nebenschilddrüse
wegen der häufigen Nebenschilddrüsenüberfunktion empfehlen die Autoren Calciumkontrollen vor und während der Behandlung30
Wechselwirkungen
Menschen, die Lithium einnehmen, sollen laut NICE keine rezeptfreien Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika ohne ärztliche Rücksprache einnehmen. Fragen Sie bei jedem neuen Medikament nach Wechselwirkungen.10
Absetzen
Lithium und andere vorbeugende Medikamente setzen Sie nicht eigenständig ab. Nach dem Absetzen einer stabilen Lithiumbehandlung traten in einer älteren Auswertung mehr als die Hälfte der neuen Krankheitsphasen innerhalb von 10 Wochen auf, vor allem manische.81
Persönlicher Plan
Leitlinien empfehlen einen persönlichen Plan, der gemeinsam mit der betroffenen Person und möglichst den Angehörigen Auslöser und Frühwarnzeichen eines Rückfalls festhält8,10
Qualitativ: Zielspiegel, Milligramm und Kontrolltermine legt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt fest; sie stehen bewusst nicht in dieser Grafik.
Schritt 4 von 4
Abwägen, nicht absetzen.
Diese Risiken werden immer gegen das Rückfallrisiko abgewogen, das nach einer Geburt erhöht ist. Wer schwanger werden möchte oder schwanger ist, bespricht die Behandlung deshalb frühzeitig mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Setzen Sie Medikamente auch bei einer Schwangerschaft nicht eigenständig ab, sondern sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Absetzen von Lithium soll schrittweise und ärztlich begleitet erfolgen. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur rät, Valproat nicht ohne ärztliche Rücksprache abzusetzen (Abruf 5. Oktober 2026).10,39
Valproat zum Zeitpunkt der Empfängnis: schwere Fehlbildungen (Register, überwiegend Epilepsie)82,83
Beide Studien betrafen überwiegend Frauen mit Epilepsie, nicht mit bipolarer Störung.82,83
Schwangerschaft und Valproat: Seit 2018 darf Valproat in der EU in der Schwangerschaft nicht zur Behandlung einer bipolaren Störung eingesetzt werden, bei Frauen und Mädchen, die schwanger werden können, nur unter den Bedingungen eines Schwangerschaftsverhütungsprogramms (Abruf 5. Oktober 2026).39
- unerwünschte Wirkung
- Vergleich ohne Lithium bzw. Placebo
- Modell
- Konfidenzband des Modells
KernsatzDas absolute Risiko für ein Nierenversagen war gering: 18 von 3369 Behandelten (0,5 Prozent) benötigten eine Nierenersatztherapie.30
Alle Werte als Tabelle
| Thema | Wert (Quelle) |
|---|---|
| Schilddrüsenunterfunktion | Odds Ratio 5,78 (95-%-KI 2,00 bis 16,67)30 |
| Gewichtszunahme | Odds Ratio 1,89 (95-%-KI 1,27 bis 2,82)30 |
| Harnkonzentrierung | etwa −15 % des normalen Maximums30 |
| GFR | −6,22 ml/min, nicht signifikant (95-%-KI −14,65 bis 2,20)30 |
| Parathormon | +7,32 pg/ml (95-%-KI 3,42 bis 11,23)30 |
| Nierenersatztherapie | 18 von 3369 (0,5 %)30 |
| eGFR je Lithium-Jahr (Kohorte) | zusätzlich etwa 0,54 ml/min/1,73 m² (95-%-KI 0,43 bis 0,64); nach mehr als 10 Jahren steiler; große Streuung31 |
| Herzfehlbildungen, Lithium im 1. Drittel | 2,41 gegenüber 1,15 %84,85 |
| Schwere Fehlbildungen, Lithium | 7,4 gegenüber 4,3 %84,85 |
| Schwere Fehlbildungen, Valproat bzw. Lamotrigin (überwiegend Epilepsie) | 10,3 bzw. 2,9 %82,83 |
Quellen: Fransson F et al. · The lancet. Psychiatry 202231; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; National Institute for Health and Care Excellence (NICE) · NICE 201410; Suppes T et al. · Archives of General Psychiatry 199181; McKnight RF et al. · The Lancet 201230; European Medicines Agency (EMA) et al. · EMA 201839; Tomson T et al. · The Lancet Neurology 201882; Christensen J et al. · JAMA 201383; Patorno E et al. · New England Journal of Medicine 201784; Munk-Olsen T et al. · The Lancet Psychiatry 201885
Fallvignetten zum differenzialdiagnostischen Denken
Die folgenden vier Fallvignetten sind erfunden. Jede ist eine Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person und kein Praxisfall. Sie zeigen, wie Ärztinnen und Ärzte vom Beschwerdebild über Leitfragen und Abklärung zu einer vorläufigen Einordnung kommen. Jede medizinische Aussage darin stützt sich auf die Quellen dieses Beitrags; eine Vignette ersetzt keine eigene Untersuchung.
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 1Wiederkehrende Depressionen und eine übersehene Hochphase, Vignette Schritt für Schritt öffnen

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 2Erstmalige Manie im höheren Lebensalter: neurologisch mitdenken: Vignette Schritt für Schritt öffnen

KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person 
KI-generierte Illustration zur Fallvignette, keine reale Person
Fallvignetten zum differenzialdiagnostischen Denken
Vignette wählen, dann Schritt für Schritt aufdecken. Vor jedem Schritt steht die Frage: Was würden Sie als Nächstes abklären? Der Schlüsselschritt ist markiert.
Die Vignetten sind keine Anleitung zur Selbstdiagnose.
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Wiederkehrende Depressionen und eine übersehene Hochphase
Eine erwachsene Person
1 Beschwerdebild
Es besteht die dritte depressive Phase mit gedrückter Stimmung und wenig Antrieb. Wie bei vielen Menschen mit bipolarer Störung begann die Erkrankung mit einer Depression, was die Einordnung erschwert.1
Was würden Sie als Nächstes abklären?
2 Leitfragen
Gab es früher Phasen mit ungewöhnlich viel Energie, wenig Schlaf oder enthemmtem Verhalten, und dauerten sie 4 Tage oder länger? Gibt es Manien oder Depressionen in der Familie, und wie viele Krankheitsphasen gab es bisher?10,63
Was würden Sie als Nächstes abklären?
3 Abklärung Schlüsselschritt
Mit Zustimmung wird eine vertraute Person befragt, weil frühere Hochphasen im Rückblick leicht übersehen werden. Dazu kommen Untersuchung und Laborwerte, etwa der Schilddrüsenwert TSH, sowie Fragen nach Substanzen und Medikamenten.2,8
Was würden Sie als Nächstes abklären?
4 Abgrenzung
Die Angehörige beschreibt eine frühere Phase mit gehobener Stimmung über mehrere Tage, ohne deutliche Beeinträchtigung im Alltag. Das passt zu einer Hypomanie, nicht zu einer vollen Manie. Bei Bipolar II überwiegen die depressiven Beschwerden bei Weitem.2,19,40
Was würden Sie als Nächstes abklären?
5 Vorläufige Einordnung
Vorläufig wird an eine Bipolar-II-Störung gedacht, also mindestens eine hypomanische und mindestens eine depressive Episode, nie eine Manie. Ein Fragebogen kann dabei Hinweise geben, ersetzt aber nicht die fachärztliche Einordnung.2,8
Was würden Sie als Nächstes abklären?
6 Weiteres Vorgehen
Die Behandlung wird angepasst und gemeinsam besprochen. Ob ein Antidepressivum allein eingesetzt werden kann, lässt die S3-Leitlinie offen; für die bipolare Depression empfiehlt sie unter anderem Psychotherapie.8
Was die Vignette zeigt: Wie eine bipolare Störung hinter wiederkehrenden Depressionen stehen kann und warum Fremdanamnese und Verlauf entscheidend sind.
Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt keine Behandlungsempfehlung und keine Prognose. Viele Menschen mit wiederkehrender Depression haben keine bipolare Störung.63
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Neurologischer Bezug
Erstmalige Manie im höheren Lebensalter: neurologisch mitdenken
Eine Person im höheren Lebensalter
1 Beschwerdebild
Seit einigen Wochen schläft die Person kaum, redet viel, wirkt gereizt und trifft riskante Entscheidungen. Früher gab es keine psychische Erkrankung.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
2 Leitfragen
Ist es wirklich die erste Hochphase? Gibt es neue Medikamente, etwa Kortison-Tabletten, oder Substanzen? Bei einer erstmaligen Manie im höheren Lebensalter sind Erkrankungen des Gehirns besonders mitzubedenken.8,68
Was würden Sie als Nächstes abklären?
3 Abklärung Schlüsselschritt
Neben Labor mit Schilddrüsenwert und Entzündungswert folgen eine neurologische Untersuchung und je nach Befund Bildgebung, EEG und neuropsychologische Tests.8
Was würden Sie als Nächstes abklären?
4 Abgrenzung
Zu unterscheiden sind ein sekundäres affektives Syndrom durch eine körperliche Erkrankung, etwa nach Schlaganfall oder bei Multipler Sklerose, und eine beginnende frontotemporale Demenz, die oft zunächst als psychiatrische Erkrankung verkannt wird.2,8,71
Was würden Sie als Nächstes abklären?
5 Vorläufige Einordnung
Die Einordnung hängt von den Befunden ab. Ist die Manie direkte Folge einer körperlichen Erkrankung, wird sie nach ICD-11 als sekundäres affektives Syndrom eingeordnet und nicht als bipolare Störung.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
6 Weiteres Vorgehen
Psychiatrische und neurologische Befunde werden gemeinsam bewertet. Bei später Erstmanie hatte in einer Klinikstichprobe die Gruppe mit spätem Beginn mehr Gefäßrisikofaktoren; diese werden mit abgeklärt.8,72
Was die Vignette zeigt: Warum bei einer ersten Manie im höheren Lebensalter besonders an körperliche und neurologische Ursachen gedacht und bei Verdacht gezielt untersucht wird.
Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt nicht, dass hinter einer späten Manie meist eine neurologische Erkrankung steckt; auch eine bipolare Störung kann in jedem Alter beginnen.8
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Junge erwachsene Person mit Stimmungsschwankungen und Impulsivität
Eine junge erwachsene Person
1 Beschwerdebild
Die Person beschreibt häufige Stimmungsschwankungen, Unruhe, Ablenkbarkeit und impulsive Entscheidungen. Bipolare Störungen beginnen oft im jungen Erwachsenenalter.2,54
Was würden Sie als Nächstes abklären?
2 Leitfragen
Bestehen die Beschwerden dauerhaft seit der Kindheit oder gibt es abgrenzbare Phasen mit gehobener, euphorischer oder gereizter Stimmung? Wie lange dauern sie, und verändert sich in diesen Zeiten auch Schlaf und Energie?2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
3 Abklärung
Eine vertraute Person wird mit Zustimmung befragt, und ein Stimmungstagebuch wird geführt, wie es die Leitlinien empfehlen. Fragen nach Alkohol, Drogen und Medikamenten gehören dazu.2,8,10
Was würden Sie als Nächstes abklären?
4 Abgrenzung Schlüsselschritt
ADHS und Borderline-Persönlichkeitsstörung teilen manche Merkmale mit der bipolaren Störung; Persönlichkeitsstörungen umfassen aber keine abgrenzbaren Stimmungsepisoden. Überschneidungen sind möglich: In einer Studie hatten 9,5 Prozent der Erwachsenen mit bipolarer Störung auch eine ADHS.2,55,66
Was würden Sie als Nächstes abklären?
5 Vorläufige Einordnung
Ohne abgrenzbare Episoden spricht das Bild eher gegen eine bipolare Störung; die Beobachtung des Verlaufs kann die Einordnung später ändern. Mehrere Diagnosen können nebeneinander bestehen.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
6 Weiteres Vorgehen
Die Diagnostik wird über mehrere Termine fortgeführt. Weil verkürzter Schlaf einer Manie vorausgehen kann, wird Schlaf als Warnsignal mit beobachtet.73
Was die Vignette zeigt: Wie sich bipolare Störung, ADHS und Borderline-Persönlichkeitsstörung über den Verlauf unterscheiden lassen.
Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt keine Diagnose für reale Beschwerden. Stimmungsschwankungen allein sind kein Beleg für eine dieser Erkrankungen.2
Fallvignette zur Veranschaulichung, keine reale Person, kein Praxisfall
Hochphase nach Substanzkonsum oder nach Beginn eines Antidepressivums
Eine erwachsene Person
1 Beschwerdebild
Nach einigen Tagen mit wenig Schlaf, Rededrang und Ideenflucht stellt sich die Person vor. Zuvor wurden Substanzen konsumiert, und kurz vorher wurde eine Depression mit einem Antidepressivum behandelt.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
2 Leitfragen
Welche Substanzen, Medikamente und Dosiswechsel gab es in den letzten Wochen? Bestand schon früher eine Hochphase ohne diese Auslöser?2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
3 Abklärung
Neben Untersuchung und Labor wird die Stimmung nach Abklingen der Substanzwirkung erneut beurteilt.2,8
Was würden Sie als Nächstes abklären?
4 Abgrenzung Schlüsselschritt
Wird die Symptomatik durch eine Substanz wie Kokain oder Amphetamine ausgelöst, spricht die ICD-11 von einer substanzinduzierten affektiven Störung. Für Antidepressiva gilt das nicht: Besteht eine Hochphase, die unter einem Antidepressivum begann, nach dessen Absetzen und Abklingen der Wirkung fort, wird sie als manische oder hypomane Episode gewertet.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
5 Vorläufige Einordnung
Klingt die Hochphase mit dem Ende der Substanzwirkung ab, spricht das eher für eine substanzinduzierte Störung. Besteht sie nach Absetzen des Antidepressivums und Abklingen seiner Wirkung fort, spricht das für eine manische oder hypomane Episode und damit für eine bipolare Störung.2
Was würden Sie als Nächstes abklären?
6 Weiteres Vorgehen
Die Behandlung wird ärztlich angepasst; verordnete Medikamente werden nicht eigenständig abgesetzt. Substanzkonsum wird offen besprochen, weil er laut S3-Leitlinie mit einem chronischeren Verlauf verbunden ist.8,81
Was die Vignette zeigt: Wie Substanzen und Medikamente als Auslöser geprüft werden, bevor eine bipolare Störung angenommen wird.
Was sie nicht zeigt: Die Vignette zeigt keine Empfehlung zu einzelnen Medikamenten und keine Aussage über das Risiko einzelner Wirkstoffe.2
- aufgedeckt
- noch verdeckt
- Schlüsselschritt
KernsatzAm Ende steht keine Momentaufnahme, sondern eine Einordnung des Verlaufs: welche Episoden es gab, wie lange sie dauerten, was sie ausgelöst haben könnte und welche Begleiterkrankungen bestehen.
Quellen: Grande I et al. · The Lancet 20161; World Health Organization · WHO 20242; DGBS, DGPPN (Hrsg.) · S3-Leitlinie Bipolare Störungen (DGBS/DGPPN) 20198; National Institute for Health and Care Excellence (NICE) · NICE 201410; Judd LL, et al. · Archives of General Psychiatry 200319; Berk M et al. · World Psychiatry 202540; Solmi M, et al. · Molecular Psychiatry 202254; Nierenberg AA, et al. · Biological Psychiatry 200555; Angst J et al. · Archives of General Psychiatry 201163; Gunderson JG et al. · American Journal of Psychiatry 200666; Fardet L et al. · American Journal of Psychiatry 201268; Ducharme S et al. · Brain 202071; Cassidy F, Carroll BJ · Psychological Medicine 200272; Plante DT, Winkelman JW · American Journal of Psychiatry 200873; Suppes T et al. · Archives of General Psychiatry 199181
Krise und Notfall
Hilfetelefone und Notruf
Bei unmittelbarer Lebensgefahr, auch bei akuter Selbstgefährdung, rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 hilft außerhalb der Sprechstunden, wenn eine Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann (Stand 5. Oktober 2026).5,6
- 112Notruf
- 0800 111 0 111TelefonSeelsorge
- 0800 111 0 222TelefonSeelsorge
- 116 123TelefonSeelsorge
- 116 117Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst.
Gedanken an Selbsttötung sind ein Grund, sofort mit jemandem zu sprechen. Ärztinnen und Ärzte sollen bei jedem Kontakt danach fragen; das Nachfragen bringt niemanden erst auf die Idee.8
Das gilt auch für Angehörige: Suizidgedanken offen anzusprechen, bringt niemanden erst auf die Idee. Die Privatpraxis NEVPAZ ist kein Notdienst; in einer akuten Krise sind der Notruf 112 und der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 die richtigen Stellen.6,8
Auch in einer Hochphase kann rasche ärztliche Hilfe nötig sein, etwa wenn jemand sich oder andere in Gefahr bringt. Dann gelten dieselben Wege: Notruf 112 bei unmittelbarer Gefahr, sonst der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 oder die behandelnde Praxis.
Diese Hinweise ersetzen keinen persönlichen Notfallplan. Besprechen Sie Ihr Vorgehen mit Ihrem Behandlungsteam.
Das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten
Ein gut vorbereitetes Gespräch spart Zeit und macht die Einordnung sicherer. Hilfreich ist, vorab aufzuschreiben, was Ihnen und Ihrem Umfeld aufgefallen ist.
- Wichtig sind frühere Phasen mit ungewöhnlich viel Energie, wenig Schlaf oder enthemmtem Verhalten und wie lange sie dauerten. Nach der NICE-Leitlinie ist eine Dauer von 4 Tagen oder länger ein Anlass für eine fachärztliche Abklärung.10
- Bringen Sie, wenn Sie möchten, eine vertraute Person mit. Angehörige können frühere Hochphasen oft besser beschreiben; die S3-Leitlinie empfiehlt, sie aktiv einzubeziehen.8
- Notieren Sie Erkrankungen in der Familie, besonders Manien und Hypomanien, und die Zahl früherer Krankheitsphasen. Beides hing in einer großen Studie deutlich mit einer bipolaren Störung zusammen.63
- Nehmen Sie eine Liste aller Medikamente mit, auch rezeptfreier, und Angaben zu Alkohol und anderen Substanzen. Ein Stimmungs- und Schlaftagebuch der letzten Wochen kann helfen. Schreiben Sie Ihre Fragen auf, etwa zu Nebenwirkungen, Arbeit, Autofahren oder Kinderwunsch.
Versorgung bei NEVPAZ in Hamburg
Die Privatpraxis NEVPAZ GmbH am Dammtorwall 7a, 20354 Hamburg, ist eine Praxis für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie arbeiten dort interdisziplinär zusammen.
Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich, auch für Menschen außerhalb Hamburgs. Ob ein Termin per Video im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg, für die die Musterberufsordnung (§ 7 Abs. 4 MBO-Ä) nur die Vorlage ist. Oft ist ein persönlicher Termin nötig, etwa für die körperliche und neurologische Untersuchung.
Einen Termin können Sie über das Kontaktformular der Website oder telefonisch unter 040 238 353 790 anfragen.
Wichtig: Die Praxis ist kein Notdienst. In einer akuten Krise wenden Sie sich an den Notruf 112 oder außerhalb der Sprechstunden an den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117.
Häufige Fragen zur bipolaren Störung
Was ist eine bipolare Störung?
Eine bipolare Störung ist eine wiederkehrende, chronische Erkrankung, bei der Stimmung und Energie in Phasen schwanken. Auf Phasen mit gehobener oder gereizter Stimmung und viel Energie folgen depressive Phasen. Weltweit ist mehr als 1 Prozent der Bevölkerung betroffen.1
Was ist eine bipolare Störung Typ 2, und wie unterscheidet sie sich von Typ 1?
Bei einer Bipolar-I-Störung gab es mindestens eine manische oder gemischte Episode. Bei einer Bipolar-II-Störung gab es mindestens eine hypomanische und eine depressive Episode, aber nie eine volle Manie. Die depressiven Phasen stehen bei Bipolar II meist deutlich im Vordergrund.2
Was ist eine Hypomanie, und wie fühlt sie sich an?
Eine Hypomanie ist eine abgeschwächte Manie. Sie hält mehrere Tage an, führt aber nicht zu einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag und geht nicht mit Wahn oder Halluzinationen einher. Hypomane Phasen werden oft nicht als Krankheit erkannt und deshalb leicht übersehen; Angehörige können hier wichtige Hinweise geben.2,8
Was ist eine Zyklothymie?
Was bedeutet Rapid Cycling?
Wie häufig ist eine bipolare Störung?
Nach einer US-Bevölkerungsstudie hatten etwa 1,0 Prozent der Erwachsenen im Lauf des Lebens eine Bipolar-I- und 1,1 Prozent eine Bipolar-II-Störung. Die deutsche S3-Leitlinie fasst internationale Studien mit etwa 3 Prozent zusammen, mit leichteren Formen etwa 5 Prozent; eine eigene Zahl für Deutschland gibt es nicht.8,52
Wann bricht eine bipolare Störung aus?
Ist eine bipolare Störung vererbbar?
Die Erblichkeit wird in Übersichtsarbeiten auf etwa 70 Prozent geschätzt. Das ist ein Maß für Unterschiede in der Bevölkerung, kein persönliches Risiko: Auch Kinder von Betroffenen erkranken nicht zwangsläufig, und Umweltfaktoren wirken mit.16
Warum wird eine bipolare Störung oft spät erkannt?
Sind bipolare Störung und Borderline das Gleiche?
Nach ICD-11 zeigt sich die bipolare Störung in abgrenzbaren Episoden mit gehobener, euphorischer oder gereizter Stimmung; eine Persönlichkeitsstörung umfasst keine solchen Episoden. Beide Erkrankungen können aber gemeinsam vorkommen: In einer Verlaufsstudie hatten 19,4 Prozent von 196 Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung zusätzlich eine bipolare Störung.2,66
Kann hinter den Beschwerden auch eine ADHS stecken?
Können körperliche Erkrankungen eine Manie auslösen?
Erkrankungen der Schilddrüse oder Nebennierenrinde, Epilepsien, Hirnentzündungen, Multiple Sklerose, Folgen eines Schlaganfalls oder eine beginnende frontotemporale Demenz können manische Beschwerden hervorrufen. Besonders bei einer ersten Manie im höheren Alter sollte an körperliche und neurologische Ursachen gedacht und bei Verdacht gezielt untersucht werden.8
Kann eine Manie durch Drogen oder Medikamente ausgelöst werden?
Wie wird eine bipolare Störung diagnostiziert?
Im ausführlichen fachärztlichen Gespräch über den gesamten Verlauf, möglichst mit Angaben von Angehörigen, ergänzt durch körperliche Untersuchung und Laborwerte. Fragebögen geben nur Hinweise; allein reichen sie für eine Diagnose nicht.8
Warum gilt Lithium als Mittel der ersten Wahl?
Ist Lithium gefährlich?
Lithium braucht regelmäßige Kontrollen von Blutspiegel, Niere und Schilddrüse. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist unter Lithium häufiger; das absolute Risiko eines Nierenversagens war in einer großen Übersicht gering (0,5 Prozent). Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika nur nach Rücksprache.10,30
Darf ich meine Medikamente absetzen, wenn es mir gut geht?
Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab, auch wenn es Ihnen gut geht. Nach dem Absetzen von Lithium traten in einer Auswertung mehr als die Hälfte der neuen Phasen innerhalb von 10 Wochen auf. Soll Lithium beendet werden, empfiehlt die NICE-Leitlinie, die Dosis schrittweise über mindestens 4 Wochen zu verringern, ärztlich begleitet.10,81
Helfen Antidepressiva bei bipolarer Depression?
Hilft Psychotherapie bei einer bipolaren Störung?
Wie können Angehörige mit einer bipolaren Erkrankung umgehen?
Angehörige können frühere Hochphasen beschreiben, die Betroffene selbst oft übersehen, mit Zustimmung an der Psychoedukation teilnehmen und Risiken wie hohe Geldausgaben oder Autofahren gemeinsam mit einschätzen. Psychoedukation in Familien- oder Gruppenform schnitt in einer Netzwerk-Meta-Analyse günstiger ab als im Einzelformat.8,10,11
Welche Frühwarnzeichen kündigen eine Manie an?
Oft kündigt sich eine Hochphase mit denselben Zeichen an, die eine Manie ausmachen, nur schwächer, etwa weniger Schlaf, mehr Reden, rasende Gedanken, Ablenkbarkeit und riskante Entscheidungen. Verkürzter Schlaf kann einer Manie vorausgehen. Wer seine persönlichen Frühwarnzeichen kennt, kann früher Hilfe holen; mehr dazu im Abschnitt zu Frühwarnzeichen.2,73
Was ist bei Kinderwunsch und Schwangerschaft wichtig?
Ist manisch-depressiv das Gleiche wie bipolar?
Ist die bipolare Störung eine Persönlichkeitsstörung?
Nein. Die bipolare Störung zählt zu den affektiven Störungen, also zu den Störungen der Stimmung, die in Episoden verlaufen. Persönlichkeitsstörungen umfassen nach ICD-11 keine solchen Episoden. Beide können aber nebeneinander bestehen.2
Ist eine bipolare Störung eine Psychose?
Nicht grundsätzlich. In einer schweren Manie oder Depression können psychotische Symptome wie Wahn oder Halluzinationen auftreten, bei der bipolaren Störung aber nur während der Stimmungsphasen. Eine Hypomanie geht nie mit Wahn oder Halluzinationen einher.2
Wie lange dauert eine Phase bei einer bipolaren Störung?
Das ist sehr unterschiedlich. Als Mindestdauer gelten nach ICD-10, auf die sich die deutsche S3-Leitlinie stützt, eine Woche für die manische, vier Tage für die hypomanische und je zwei Wochen für die depressive und die gemischte Episode. Nach oben gibt es keine feste Grenze, und der Verlauf ist individuell sehr verschieden.8
Kann man eine bipolare Störung ohne Medikamente behandeln?
Medikamente, vor allem zur Vorbeugung neuer Phasen, sind nach den Leitlinien ein zentraler Baustein. Psychotherapie wird vor allem ergänzend empfohlen, bei bipolarer Depression mit Empfehlungsgrad A. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab, sondern besprechen Sie Wünsche ärztlich.8
Ich habe Suizidgedanken. Was soll ich tun?
Wie wirkt sich eine bipolare Störung auf die Lebenserwartung aus?
Kann ich mit einer bipolaren Störung arbeiten?
Die Erkrankung kann die Arbeitsfähigkeit vorübergehend oder länger beeinträchtigen. Nach einer ersten stationär behandelten Manie erreichten in einer Studie nur 43 Prozent innerhalb von zwei Jahren ihr früheres berufliches und häusliches Niveau. Stabile Phasen, Rückfallvorbeugung und Unterstützung bei der Rückkehr helfen dabei.60
Sind Gespräche bei NEVPAZ auch per Video möglich?
Nach Angabe der Praxisleitung sind Gespräche in geeigneten Fällen auch per Video möglich. Ob das im Einzelfall ärztlich vertretbar ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt; maßgeblich ist die Berufsordnung der Ärztekammer Hamburg. Oft ist ein persönlicher Termin nötig, etwa für die körperliche und neurologische Untersuchung.
Quellen und Einordnung
Dieser Beitrag beruht auf einer gezielten Recherche in Leitlinien, Klassifikationen, Meta-Analysen und Primärstudien aus Fachzeitschriften, die für diese Beitragsreihe zugelassen sind. Alle Zahlen beziehen sich auf die genannten Studienpopulationen und Zeiträume; sie sind keine Vorhersage für einzelne Menschen. Zulassungsangaben haben das Abrufdatum 5. Oktober 2026.
Die deutsche S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen befindet sich in Überarbeitung; als geplante Fertigstellung war der 30.09.2026 angegeben. Am 5. Oktober 2026 lag die Neufassung laut AWMF-Register noch nicht vor. Leitlinienangaben werden vor Veröffentlichung erneut geprüft.76
Wischen Sie durch die Quellen oder filtern Sie nach Art der Quelle. Jede Quelle ist über DOI, PubMed oder die Originalseite nachprüfbar.
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