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Polyneuropathieabklären und behandeln
Bei einer Polyneuropathie sind viele periphere Nerven zugleich erkrankt, oft zuerst spürbar als Kribbeln, Taubheit oder Brennen in den Füßen. Wir ordnen Ihre Beschwerden ein, planen die Abklärung der Ursache und begleiten die Behandlung.
- Nach aktueller Leitlinie, mit Quellen belegt
- Hamburg und bundesweit per Video
- Privatpatienten und Selbstzahler
Wenn viele Nerven gleichzeitig erkranken
ICD-10: G62 Sonstige Polyneuropathien, G63 Polyneuropathie bei anderenorts klassifizierten Krankheiten, G60 Hereditäre und idiopathische Neuropathie
- Unter den Erkrankungen der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark gehören Polyneuropathien zu den häufigsten. Eine deutsche Übersichtsarbeit nennt etwa 5 bis 8 % der Erwachsenen3.
- Hierzulande steht Diabetes als Ursache an erster Stelle. Wichtig sind außerdem Chemotherapie, Alkohol, Autoimmunprozesse und erbliche Formen3.
- Gespräch, körperliche Untersuchung, Nervenmessung und Standardlabor bilden laut Leitlinie die Grundlage der Abklärung1.
- Bei bis zu 30 % der Polyneuropathien bleibt die Ursache unklar3. Beschwerden wie Nervenschmerzen können dennoch behandelt werden.
Polyneuropathien sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems1. Betroffen sind also nicht Gehirn oder Rückenmark, sondern die Nerven, die Empfindungen aus Haut und Muskeln weiterleiten, Muskeln ansteuern und innere Organe regulieren. Am häufigsten ist ein Muster, das beide Körperseiten gleichermaßen betrifft und an den Füßen beginnt13.
Wie häufig Polyneuropathien sind, hängt von Alter und Erhebungsmethode ab. Eine internationale Übersicht bevölkerungsbezogener Studien nennt rund 1 % in der Gesamtbevölkerung und bis zu 7 % bei älteren Menschen4. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt gibt für Erwachsene etwa 5 bis 8 % an3. Hierzulande ist Diabetes der häufigste Auslöser, daneben spielen Chemotherapie, Alkohol, Autoimmunprozesse und Genveränderungen eine Rolle3.
Eine Abklärung lohnt sich, weil manche Ursachen gezielt behandelbar oder vermeidbar sind. Eine rasche Diagnose der Ursache gilt als entscheidend, um eine spezifische Therapie einleiten zu können3. In bis zu 30 % der Fälle lässt sich trotz Untersuchung keine Ursache finden3. Auch dann können Beschwerden behandelt und der Verlauf ärztlich beobachtet werden.
Typische Beschwerden im Überblick
Die Beschwerden treten meist auf beiden Seiten ähnlich auf und beginnen häufig an den Füßen. Welche Zeichen im Vordergrund stehen, hängt davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind1.
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Kribbeln und Ameisenlaufen
Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder ein Wärme- und Kältegefühl ohne äußeren Anlass gehören zu den typischen sensiblen Reizerscheinungen, oft zuerst an Zehen und Fußsohlen1.
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Taubheit und Pelzigkeit
Die Füße können sich pelzig oder taub anfühlen1. Berührung, Temperatur oder Schmerz werden dann schwächer wahrgenommen, sodass kleine Verletzungen an den Füßen leichter unbemerkt bleiben.
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Brennende Schmerzen
Brennen, Stechen oder elektrisierende Schmerzen sind Zeichen von Nervenschmerzen. Ungefähr jede zweite Polyneuropathie ist schmerzhaft3.
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Gangunsicherheit und Stürze
Wenn die Füße den Boden schlechter spüren, wird das Gehen unsicher, vor allem im Dunkeln oder auf unebenem Grund. Gangunsicherheit und Stürze sind mögliche Folgen3.
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Muskelschwäche
Sind motorische Nervenfasern beteiligt, können Muskelschwäche, Muskelschwund oder Muskelzuckungen auftreten1. Das kann sich beim Gehen oder beim Greifen bemerkbar machen.
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Vegetative Zeichen
Auch Nerven, die Haut und innere Organe versorgen, können betroffen sein. Mögliche Zeichen sind trockene Haut, Störungen der Blasenfunktion, Durchfall oder Herzrasen3.
Wann Sie sofort handeln sollten
Steigen Lähmungen rasch von den Beinen nach oben auf, etwa nach einem Magen-Darm- oder Atemwegsinfekt, kann ein Guillain-Barré-Syndrom vorliegen. Dabei können Herzrhythmus und Atemmuskulatur beeinträchtigt werden, eine rasche Klinikeinweisung ist nötig3. Wählen Sie bei rasch zunehmender Schwäche oder Atemnot sofort den Notruf 112.
So läuft die Abklärung Schritt für Schritt
Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie unterscheidet Untersuchungen, die immer dazugehören, von solchen, die nur bei bestimmten Fragen sinnvoll sind1.
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Ausführliches Gespräch
Am Anfang steht die Anamnese: Beginn und Verlauf der Beschwerden, Grunderkrankungen wie Diabetes oder Nierenerkrankungen, Medikamente, Alkoholkonsum und Nervenerkrankungen in der Familie1. Dafür nehmen wir uns im Erstgespräch Zeit.
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Neurologische Untersuchung
Es folgt die körperliche Untersuchung, unter anderem von Kraft, Reflexen, Empfindung und Gangbild. Gespräch und klinischer Befund leisten laut Leitlinie den wichtigsten Beitrag zur Einordnung einer Polyneuropathie1.
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Nervenmessung und Labor
Zur Basis gehören elektrophysiologische Messungen, die den Schädigungstyp bestimmen, und ein Standardlabor, unter anderem mit Blutbild, Entzündungswerten, Leber- und Nierenwerten, Schilddrüsenwert, Langzeitblutzucker und Vitamin B121.
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Gezielte Zusatzuntersuchungen
Je nach Befund kommen weitere Schritte infrage: erweitertes Labor, Untersuchung des Nervenwassers, Bildgebung, genetische Untersuchung oder in ausgewählten Fällen eine Gewebeprobe von Haut, Nerv oder Muskel1. Wir planen mit Ihnen, was davon sinnvoll ist.
Ursache behandeln, Beschwerden lindern
Die Behandlung hat zwei Ziele: die Ursache anzugehen, wo das möglich ist, und Beschwerden wie Nervenschmerzen zu lindern. Welche Bausteine passen, hängt vom Ergebnis der Abklärung ab.
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Ursache gezielt angehen
Zuerst werden ursächliche Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft5. Bei Diabetes gehört eine individuell angepasste Diabeteseinstellung dazu, bei alkoholbedingter Polyneuropathie Abstinenz und der Ausgleich einer Mangelernährung, bei Vitamin-B12-Mangel eine möglichst rasche Substitution3.
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Nervenschmerzen medikamentös lindern
Herkömmliche Schmerzmittel wirken bei Nervenschmerzen oft nicht ausreichend5. Die S2k-Leitlinie nennt als erste Wahl bestimmte Wirkstoffe aus den Gruppen der Antikonvulsiva und der Antidepressiva. Opioide gelten wegen Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotenzial als dritte Wahl2.
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Örtlich wirksame Pflaster
Bei umschriebenen Schmerzarealen können wirkstoffhaltige Pflaster hilfreich sein23. Cannabinoide sollen nur eingesetzt werden, wenn andere Schmerztherapien ausgeschöpft sind, da ihre Wirksamkeit bei hoher Nebenwirkungsrate als eher gering gilt5.
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Bewegung und Alltag
Körperliches Training, Physiotherapie und Ergotherapie richten sich nach den individuellen Beschwerden und Einschränkungen, bei Bedarf ergänzt durch Hilfsmittel3. Bei diabetischer Neuropathie gehört die Beratung zu Lebensgewohnheiten und Fußpflege dazu3. Wir begleiten den Verlauf, auch per Videosprechstunde.
Die Behandlung wird individuell geplant, diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
Ursachen in Zahlen
Wie sich die Ursachen verteilen, zeigt eine niederländische Erhebung aller neu diagnostizierten Polyneuropathien in der Provinz Utrecht. Dargestellt sind die vier Ursachengruppen, die eine Übersichtsarbeit daraus berichtet4.
Ursachen neu diagnostizierter Polyneuropathien
Anteil an allen Neuerkrankungen bei Erwachsenen ab 18 Jahren, Provinz Utrecht (Niederlande), Erhebung 2010, in Prozent
Diabetes war mit 32 % die häufigste Ursache, bei 26 % der neu Erkrankten fand sich trotz Abklärung keine Ursache.
Quelle: Daten aus Visser NA et al., Incidence of polyneuropathy in Utrecht, the Netherlands, Neurology 2015; 84(3): 259-264, zitiert nach Hanewinckel R et al., Eur J Epidemiol 2016; 31: 5-20, Tabelle 34. Weitere Ursachen sind nicht dargestellt.
Ihr Termin bei Nevpaz
Vor Ort am Dammtorwall 7a in Hamburg oder bundesweit per Videosprechstunde. Nur für Privatpatienten und Selbstzahler.
Häufige Fragen
Ist eine Polyneuropathie heilbar?
Das hängt von der Ursache ab und lässt sich nicht allgemein beantworten. Wird ein behandelbarer Auslöser gefunden, richtet sich die Therapie zuerst dagegen. Bei alkoholbedingter Polyneuropathie kann sich die Nervenschädigung erholen, wenn konsequent auf Alkohol verzichtet wird. Das braucht Monate bis Jahre3. In anderen Fällen steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Eine Einschätzung ist erst nach individueller Abklärung möglich.
Welche Untersuchungen gehören zur Abklärung?
Laut S1-Leitlinie gehören Anamnese, klinische Untersuchung, elektrophysiologische Messung und ein Standardlabor immer dazu. Erweitertes Labor, Untersuchung des Nervenwassers, Gewebeproben, Genetik und Bildgebung sind nur bei bestimmten Fragestellungen vorgesehen1. Im Gespräch klären wir, welche Schritte bei Ihnen sinnvoll sind und wo sie durchgeführt werden können.
Was bedeutet es, wenn keine Ursache gefunden wird?
Das ist nicht ungewöhnlich: In bis zu 30 % der Fälle findet sich keine Ursache3, internationale Studien nennen 20 bis 30 %4. Beschwerden wie Nervenschmerzen oder Gangunsicherheit können trotzdem behandelt werden. Bei ungeklärter Ursache kann laut Leitlinie in bestimmten Fällen eine genetische Untersuchung sinnvoll sein1. Der Verlauf sollte ärztlich begleitet werden.
Helfen normale Schmerzmittel gegen Nervenschmerzen?
Häufig nicht ausreichend. Die Behandlung von Nervenschmerzen unterscheidet sich grundlegend von der anderer chronischer Schmerzen5. Die S2k-Leitlinie empfiehlt in erster Linie bestimmte Wirkstoffe aus den Gruppen der Antikonvulsiva und Antidepressiva, bei umschriebenen Schmerzen auch Pflaster2. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab und wird ärztlich entschieden.
Kann ich die Abklärung per Videosprechstunde beginnen?
Ja. Das erste Gespräch zu Beschwerden, Vorgeschichte und vorhandenen Befunden ist bundesweit per Videosprechstunde möglich, ebenso die Planung der nächsten Schritte. Die körperliche Untersuchung und Messungen der Nerven lassen sich per Video nicht durchführen. Die Praxis behandelt Privatversicherte sowie Selbstzahlerinnen und Selbstzahler. Bei rasch zunehmenden Lähmungen oder Atemnot wählen Sie bitte sofort den Notruf 112.
Quellen
- Heuß D. et al., Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.). Diagnostik bei Polyneuropathien, S1-Leitlinie. AWMF-Registernummer 030/067, Version 6.1, vollständig überarbeitet 01.04.2024, gültig bis 31.03.2029. Zur Quelle
- Schlereth T. et al., Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.). Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen, S2k-Leitlinie. AWMF-Registernummer 030/114, Stand Mai 2019, Gültigkeit bis April 2024 abgelaufen. Zur Quelle
- Sommer C, Geber C, Young P, Forst R, Birklein F, Schoser B. Polyneuropathien: Ursachen, Diagnostik und Therapieoptionen. Deutsches Ärzteblatt International 2018; 115(6): 83-90. DOI 10.3238/arztebl.2018.0083. Zur Quelle
- Hanewinckel R, van Oijen M, Ikram MA, van Doorn PA. The epidemiology and risk factors of chronic polyneuropathy. European Journal of Epidemiology 2016; 31: 5-20. DOI 10.1007/s10654-015-0094-6. Zur Quelle
- Hillienhof A. Neurologie: Neue S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie neuropathischer Schmerzen. Deutsches Ärzteblatt 2019; 116(43). Zur Quelle
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Ärztlich geprüft von Dr. med. Amir Golsari, Ärztliche Leitung. Stand: .