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Migräneund Kopfschmerz

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden, oft einseitigen Kopfschmerzattacken, häufig mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. In der Privatpraxis Nevpaz ordnen wir Ihre Kopfschmerzen im Gespräch ein und planen die nächsten Schritte.

  • Nach aktueller Leitlinie, mit Quellen belegt
  • Hamburg und bundesweit per Video
  • Privatpatienten und Selbstzahler
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Leitmotiv: Aura und einseitig pulsierender Schmerz

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz

ICD-10: G43 Migräne, G44.2 Spannungskopfschmerz, G44.0 Cluster-Kopfschmerz

  1. In Deutschland erfüllen innerhalb eines Jahres 14,8 % aller Frauen die vollständigen Kriterien einer Migräne, bei den Männern sind es 6,0 %.2
  2. Für die Diagnose genügen meist das ausführliche Gespräch und eine neurologische Untersuchung ohne Auffälligkeiten. Aufnahmen des Kopfes braucht es, wenn die Beschwerden untypisch sind.1
  3. Zur Behandlung gehören Akutmedikamente, bei häufigen oder schweren Attacken eine Prophylaxe sowie Ausdauersport und psychologische Verfahren.1
  4. Schmerz- und Migränemittel an zu vielen Tagen im Monat können selbst Kopfschmerzen hervorrufen. Die Leitlinie nennt dafür klare Schwellen.1

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. In einer bundesweiten Befragung des Robert Koch-Instituts gaben 57,5 % der befragten Frauen an, innerhalb eines Jahres mindestens einmal Kopfschmerzen gehabt zu haben. Unter den Männern waren es 44,4 %.2 Bei primären Kopfschmerzen ist der Schmerz selbst die Erkrankung und nicht das Zeichen einer anderen Ursache. Dazu zählen die Migräne, der Kopfschmerz vom Spannungstyp und der seltene Clusterkopfschmerz.

Eine Migräne verläuft in Attacken: Der Schmerz ist stark, sitzt oft nur auf einer Kopfseite, pocht oder pulsiert und wird durch Bewegung schlimmer. Eine Attacke hält laut Definition 4 bis 72 Stunden an.1 Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist dagegen meist beidseitig, dumpf-drückend und leicht bis mittelstark.3 Clusterkopfschmerz tritt streng einseitig in kurzen Attacken auf, begleitet von Zeichen wie Augentränen oder Nasenlaufen auf derselben Seite.4

Eine sorgfältige Einordnung lohnt sich, weil sich die Behandlung je nach Kopfschmerzart unterscheidet. Trotzdem war laut der Befragung des Robert Koch-Instituts weniger als die Hälfte der Menschen mit Migräne deswegen in den zwölf Monaten zuvor in ärztlicher Behandlung: 40,6 % bei den Frauen, 38,5 % bei den Männern.2 Wer häufig Schmerz- oder Migränemittel einnimmt, kann zudem einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickeln.1


Woran sich die Kopfschmerzarten unterscheiden

Die folgenden Merkmale helfen bei der ärztlichen Einordnung. Sie ersetzen keine Untersuchung, denn die Diagnose ergibt sich erst aus dem Gesamtbild.

  • Die Migräneattacke

    Starker, pochender oder pulsierender Schmerz, oft nur auf einer Kopfseite, der sich durch Bewegung verstärkt. Eine Attacke hält laut Definition 4 bis 72 Stunden an.1

  • Begleitsymptome der Migräne

    Die Attacken gehen mit Appetitlosigkeit, häufig mit Übelkeit, teils mit Erbrechen sowie mit Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit einher.1 Beim Kopfschmerz vom Spannungstyp fehlen solche Zeichen meist.3

  • Die Aura

    Manchen Attacken gehen neurologische Symptome voraus, die einige Minuten bis höchstens eine Stunde dauern: etwa Flimmern vor den Augen, Störungen beim Sprechen oder ein Kribbeln, das an einem Arm oder Bein hochwandert.6

  • Kopfschmerz vom Spannungstyp

    Meist beidseitig, drückend oder beengend, leicht bis mittelstark und ohne Verstärkung durch Gehen oder Treppensteigen. Die Dauer schwankt stark, zwischen einer halben Stunde und einer Woche.3

  • Der Clusterkopfschmerz

    Streng einseitige Attacken von 15 bis 180 Minuten Dauer, bis zu achtmal am Tag, mit Augentränen, Augenrötung, hängendem Lid oder laufender Nase auf der Schmerzseite. Rund einer von 1.000 Menschen ist betroffen.4

  • Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch

    Er kann entstehen, wenn Akutmedikamente zu oft eingenommen werden. Die Schwelle liegt je nach Mittel bei 10 oder mehr beziehungsweise 15 oder mehr Einnahmetagen pro Monat.1

Wann Sie sofort handeln sollten

Wählen Sie den Notruf 112, wenn ein extrem starker Kopfschmerz schlagartig einsetzt und binnen einer Minute seine volle Stärke erreicht.5 Das gilt auch, wenn neue, Ihnen unbekannte Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen hinzukommen. Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie erstmalige untypische Kopfschmerzen und bekannte, die stärker werden oder sich verändern.4


Wie Kopfschmerzen abgeklärt werden

Die Diagnose einer Migräne wird vor allem im Gespräch gestellt. Zusätzliche Untersuchungen dienen dazu, andere Ursachen auszuschließen, wenn das Beschwerdebild ungewöhnlich ist.1

  1. Ausführliches Erstgespräch

    Wir fragen, seit wann die Kopfschmerzen bestehen, wie lange und wie oft sie auftreten, wie sich der Schmerz anfühlt, was ihn begleitet und an wie vielen Tagen im Monat er da ist.3 Für dieses Gespräch nehmen wir uns bewusst viel Zeit, in Hamburg oder per Videosprechstunde.

  2. Neurologische Untersuchung

    Zur Diagnose einer Migräne gehört neben dem Gespräch eine neurologische Untersuchung, die ohne Auffälligkeiten bleibt.1 Zeigt sich dabei etwas Auffälliges, wird gezielt nach einer anderen Ursache gesucht.3

  3. Der Kopfschmerzkalender

    Die Leitlinie empfiehlt, die Kopfschmerzen in einem Kalender festzuhalten, auf Papier oder in einer App.1 So werden Häufigkeit, Verlauf und die Tage mit Medikamenteneinnahme sichtbar, später auch die Wirkung einer Behandlung.

  4. Gezielte Zusatzdiagnostik

    Weitere Untersuchungen, vor allem Aufnahmen des Kopfes, sind nötig, wenn die Beschwerden untypisch sind.1 Das gilt besonders bei kurzer Vorgeschichte, auffälligem Befund oder einem Alter über 50 Jahre.3 Wir planen diese Schritte mit Ihnen.


Behandlung nach aktueller Leitlinie

Die Behandlung der Migräne verbindet Akuttherapie, Vorbeugung mit und ohne Medikamente und einen bewussten Umgang mit Akutmedikamenten. Grundlage ist die S1-Leitlinie von DGN und DMKG.1

  • Akuttherapie der Attacke

    Leichtere und mittelstarke Attacken sollten zunächst mit Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure oder nicht steroidalen Antirheumatika behandelt werden. Triptane sind die Substanzen mit der besten Wirksamkeit, Antiemetika wirken gegen Übelkeit und Erbrechen. Akutmedikamente wirken besser bei früher Einnahme in der Kopfschmerzphase.1

  • Medikamentöse Prophylaxe

    Kommen die Attacken oft, sind sie sehr belastend oder hält die Aura lange an, sollte eine vorbeugende Behandlung (Prophylaxe) angeboten werden. Als wirksam nennt die Leitlinie unter anderem bestimmte Betablocker und monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor. Die Auswahl richtet sich nach Attackenhäufigkeit, Begleiterkrankungen und Ihren Bedürfnissen.1

  • Nicht medikamentöse Verfahren

    Regelmäßiger Ausdauersport gilt laut Leitlinie als wirksame Vorbeugung. Auch Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie und Biofeedback können eine medikamentöse Prophylaxe begleiten oder an ihrer Stelle eingesetzt werden. Bei ausgeprägter Beeinträchtigung oder psychischer Begleiterkrankung gehört psychologische Schmerztherapie immer dazu.1

  • Medikamentenübergebrauch vermeiden

    Von Übergebrauch spricht man ab 10 Einnahmetagen im Monat bei Triptanen und Kombinationspräparaten, bei einfachen Schmerzmitteln ab 15 Tagen.1 Das Risiko eines Übergebrauchs ist einer der Gründe, über eine Prophylaxe zu entscheiden.6 Wir begleiten Sie dabei im Verlauf.

Die Behandlung wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell geplant, und diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.


Migräne und Spannungskopfschmerz in Zahlen

Für die Krankheitslast-Studie BURDEN 2020 hat das Robert Koch-Institut von Oktober 2019 bis März 2020 bundesweit 5.009 Erwachsene telefonisch befragt.2 Das Diagramm zeigt, wie viele von ihnen die Kriterien einer Migräne oder eines Spannungskopfschmerzes erfüllten.

Migräne und Spannungskopfschmerz nach Geschlecht

Anteil der Erwachsenen ab 18 Jahren in Deutschland, die binnen eines Jahres betroffen sind, in Prozent. Befragung 2019 bis 2020

  • Migräne, Frauenkomplette Kriterien erfüllt 14,8%
  • Migräne, Männerkomplette Kriterien erfüllt 6,0%
  • Spannungskopfschmerz, Frauenbinnen eines Jahres betroffen 10,3%
  • Spannungskopfschmerz, Männerbinnen eines Jahres betroffen 6,5%

Frauen erfüllen die Kriterien einer Migräne mehr als doppelt so häufig wie Männer, beim Spannungskopfschmerz ist der Unterschied kleiner.

Quelle: Porst M, Wengler A, Leddin J, Neuhauser H, Katsarava Z et al. Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring 2020; 5(S6): 2-26. Robert Koch-Institut, Berlin.2

Ihr Termin bei Nevpaz

Vor Ort am Dammtorwall 7a in Hamburg oder bundesweit per Videosprechstunde. Nur für Privatpatienten und Selbstzahler.

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Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob ich Migräne oder Spannungskopfschmerz habe?

Die Unterscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt anhand des Gesamtbildes. Migräne zeigt sich als heftiger, häufig einseitiger, pulsierender Schmerz, der bei körperlicher Betätigung zunimmt und oft von Übelkeit, Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit begleitet wird.1 Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist eher beidseitig, dumpf-drückend und leicht bis mittelstark, Begleitsymptome fehlen meist oder sind gering.3 Ein Kopfschmerzkalender erleichtert die Einordnung.

Was ist eine Aura und wann muss ich deswegen sofort Hilfe holen?

Als Aura bezeichnet man neurologische Symptome, die dem Migränekopfschmerz vorausgehen und einige Minuten bis höchstens eine Stunde dauern. Dazu gehören Flimmern vor den Augen, Wortfindungs- und Sprachstörungen oder ein Kribbeln, das an einem Arm oder Bein hochwandert, selten auch Lähmungen.6 In der Regel ist eine Aura nach spätestens einer Stunde vorbei und hinterlässt keine Schäden.7 Treten solche Ausfälle erstmals, schlagartig oder anders als gewohnt auf, wählen Sie den Notruf 112, denn dann muss ein Schlaganfall ausgeschlossen werden.

Wie oft darf ich Schmerz- oder Migränemittel einnehmen?

Die Leitlinie nennt Schwellen, ab denen Kopfschmerzen durch Übergebrauch entstehen können: 10 oder mehr Einnahmetage pro Monat bei Triptanen und Kombinationsanalgetika, 15 oder mehr Einnahmetage pro Monat bei einfachen Schmerzmitteln.1 Ein Kopfschmerzkalender hilft, die Einnahmetage im Blick zu behalten. Wenn Sie diese Grenzen regelmäßig erreichen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Akuttherapie und eine mögliche Prophylaxe.

Wann ist eine vorbeugende Behandlung sinnvoll?

Die Leitlinie empfiehlt eine medikamentöse Prophylaxe, wenn die Attacken oft kommen, sehr belastend sind oder die Aura lange anhält. Sie kommt zu Information und Verhaltensänderungen hinzu.1 Für die Entscheidung zählen starker Leidensdruck, eine eingeschränkte Lebensqualität und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs.6 Ob eine Prophylaxe weiter nötig ist, wird im Verlauf überprüft, und zwar nach höchstens 24 Monaten Behandlung.1

Brauche ich bei Kopfschmerzen ein MRT?

Nicht in jedem Fall. Für die Diagnose einer Migräne reichen in der Regel das Gespräch und eine neurologische Untersuchung ohne Auffälligkeiten. Aufnahmen des Kopfes sind laut Leitlinie nötig, wenn die Beschwerden untypisch sind.1 Bei typischen Beschwerden und normalem Befund sind bedeutungslose Zufallsbefunde wahrscheinlicher als ein behandlungswürdiger Befund.4 Wir besprechen mit Ihnen, ob eine solche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist.


Quellen

  1. Diener H.-C., Förderreuther S., Kropp P. et al. Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). AWMF-Registernummer 030/057, vollständig überarbeitet 18. Oktober 2022, Version 6.3 mit Änderungen bis Juni 2024, gültig bis 31. Dezember 2026. Zur Quelle
  2. Porst M., Wengler A., Leddin J., Neuhauser H., Katsarava Z. et al. Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring 2020; 5(S6): 2-26. Robert Koch-Institut, Berlin. DOI 10.25646/6988.2. Zur Quelle
  3. Neeb L. et al. Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). AWMF-Registernummer 030/077, vollständig überarbeitet 19. Dezember 2023, gültig bis 18. Dezember 2028. Zur Quelle
  4. May A. Tipps und Tricks zur Diagnose und Therapie von Kopfschmerzen. Deutsches Ärzteblatt 2018; 115(17): 299-308. DOI 10.3238/arztebl.2018.0299. Zur Quelle
  5. Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Die Therapie „anderer primärer Kopfschmerzerkrankungen“. S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 062-006, Version 1 vom 8. Juli 2024. Zur Quelle
  6. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Deutsche Hirnstiftung. Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten. Patientenleitlinie zur AWMF-Registernummer 030/057, 1. Auflage, September 2025. Zur Quelle
  7. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Migräne. gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 13. Juli 2022. Zur Quelle

Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.

Ärztlich geprüft von Dr. med. Amir Golsari, Ärztliche Leitung. Stand: .