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Gedächtnisstörungenund Demenz abklären

Nicht jede Vergesslichkeit ist eine Demenz, und manche Ursachen von Gedächtnisstörungen sind behandelbar. Wir nehmen uns Zeit für das Gespräch, ordnen die Beschwerden ein und planen mit Ihnen und Ihren Angehörigen die nächsten Schritte.

  • Nach aktueller Leitlinie, mit Quellen belegt
  • Hamburg und bundesweit per Video
  • Privatpatienten und Selbstzahler
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Leitmotiv: Erinnerungen als Netz, in dem Verbindungen aufleuchten

Was hinter Gedächtnisstörungen stecken kann

ICD-10: G30 Alzheimer-Krankheit, F03 Nicht näher bezeichnete Demenz, F06.7 Leichte kognitive Störung

  1. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 1,4 und 1,8 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt. Mehr als die Hälfte von ihnen ist weiblich3.
  2. Bei einer leichten kognitiven Störung zeigen Tests eine Einbuße, die Alltagskompetenz bleibt aber erhalten. Das unterscheidet sie von einer Demenz1.
  3. Zur Basisdiagnostik gehören Blutuntersuchungen, unter anderem der Schilddrüsenwert TSH und Vitamin B12, um behandelbare Ursachen zu erkennen1.
  4. Die Leitlinie nennt neben Medikamenten auch körperliches Training, kognitive Verfahren und Unterstützung für Angehörige als Teil der Behandlung1.

Dass Gedächtnis und Denken im Laufe der Jahre etwas langsamer werden, ist bei den meisten Menschen normal. Wer dabei orientiert, urteilsfähig und selbstständig bleibt, hat in der Regel keine Demenz4. Von einer leichten kognitiven Störung, kurz MCI, spricht man, wenn Tests eine Einbuße zeigen, die Alltagskompetenz aber erhalten ist1. Bei einer Demenz sind Gedächtnis und Denken so beeinträchtigt, dass Betroffene im Alltag zunehmend Hilfe brauchen4.

Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen. Am häufigsten ist die Alzheimer-Demenz, auf die rund zwei Drittel der Fälle entfallen. An zweiter Stelle steht die vaskuläre Demenz. Sie entsteht unter anderem durch wiederholte kleine Schlaganfälle2. Weitere Formen sind die Demenz mit Lewy-Körpern und die frontotemporale Demenz, die vor allem Stirn- und Schläfenlappen betrifft2. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter stark zu: Unter den ab 65-Jährigen liegt sie bei 6,9 Prozent2.

Eine sorgfältige Abklärung lohnt sich, weil ähnliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können: eine Depression, körperliche Erkrankungen, zu wenig Flüssigkeit, fehlende Vitamine oder Medikamente, die das Denken beeinträchtigen3. Die Leitlinie sieht deshalb vor, behandelbare Ursachen gezielt zu prüfen, etwa über den Schilddrüsenwert und Vitamin B12 im Blut1. Bestätigt sich eine Demenz, ist die Diagnose die Grundlage für Behandlung, Unterstützung und rechtzeitige Vorsorge.


Anzeichen, die eine Abklärung sinnvoll machen

Die folgenden Veränderungen sind kein Beweis für eine Demenz. Sie sind aber ein guter Grund, die Beschwerden ärztlich einordnen zu lassen, vor allem wenn sie zunehmen oder Angehörigen auffallen.

  • Nachlassendes Kurzzeitgedächtnis

    Kürzlich Erlebtes, Gespräche oder Termine werden vergessen, während ältere Erinnerungen oft noch gut abrufbar sind. Zunächst ist meist das Kurzzeitgedächtnis stärker betroffen4.

  • Probleme mit der Orientierung

    Betroffene finden sich zeitlich und räumlich schlechter zurecht, zum Beispiel beim Datum, auf gewohnten Wegen oder in fremder Umgebung4.

  • Wortfindung und Sprache

    Es fällt schwerer, die richtigen Worte zu finden. Statt des fehlenden Begriffs werden häufig unpassende Füllworte verwendet, und Gesprächen zu folgen wird mühsamer4.

  • Schwierigkeiten im Alltag

    Kompliziertere Aufgaben fallen zunehmend schwer, etwa Bankgeschäfte, das Planen eines Einkaufs oder der Umgang mit Geräten, die früher selbstverständlich bedient wurden4.

  • Verändertes Verhalten

    Manche Betroffene reagieren anders als früher: mit Angst, Misstrauen, Teilnahmslosigkeit oder Aggressivität3. Frühe Veränderungen von Verhalten, Persönlichkeit oder Sprache können auf eine frontotemporale Demenz hinweisen.

  • Schwankungen und Trugwahrnehmungen

    Stark schwankende Aufmerksamkeit und Wachheit, optische Trugwahrnehmungen und Parkinson-Symptome sind kennzeichnend für die Demenz mit Lewy-Körpern5.

Wann Sie sofort handeln sollten

Eine Demenz entwickelt sich in der Regel schleichend. Treten Verwirrtheit, Gedächtnisverlust, Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen oder sehr starke Kopfschmerzen plötzlich auf, wählen Sie sofort den Notruf 112, denn dahinter kann ein Schlaganfall stecken. Auch eine Verwirrtheit, die innerhalb von Stunden oder Tagen entsteht, gehört umgehend ärztlich abgeklärt.


So läuft die Abklärung Schritt für Schritt

Die Abklärung orientiert sich an der S3-Leitlinie Demenzen1. Im Gespräch ordnen wir Ihre Beschwerden ein und planen mit Ihnen, welche Untersuchungen in Ihrem Fall sinnvoll sind.

  1. Gespräch und Angehörige

    Am Anfang steht das ausführliche Gespräch über Beschwerden, Verlauf, Vorerkrankungen und Medikamente. Mit Zustimmung der betroffenen Person werden Angehörige zum Alltag befragt, was die Leitlinie ausdrücklich empfiehlt1.

  2. Kognitive Tests

    Ein kognitiver Kurztest wie MMST oder MoCA macht Einbußen messbar. Besteht der Verdacht auf eine leichte Demenz oder auf deren mögliche Vorstufe, die leichte kognitive Störung, empfiehlt die Leitlinie eine neuropsychologische Untersuchung, auch wenn der Kurztest unauffällig war1.

  3. Blutwerte und Stimmung

    Zur Basisdiagnostik zählen Blutbild, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte, der Entzündungswert CRP, TSH und Vitamin B12. Die Leitlinie schlägt außerdem vor, Symptome einer Depression standardisiert zu erfassen1.

  4. Bildgebung und Spezialdiagnostik

    Für die Erstdiagnostik schlägt die Leitlinie eine Bildgebung des Gehirns vor, bevorzugt eine MRT. Bleibt die Ursache unklar, kann eine Untersuchung des Nervenwassers auf Alzheimer-Biomarker folgen, wenn das Ergebnis das weitere Vorgehen beeinflusst1.


Behandlung und Begleitung nach Leitlinie

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Stadium und Lebenssituation. Sie soll helfen, dass Betroffene ihren Alltag so lange wie möglich selbst gestalten können und ihre Lebensqualität behalten3.

  • Behandelbare Ursachen angehen

    Ergeben sich Hinweise auf eine andere Ursache, etwa eine Depression, fehlende Vitamine oder unerwünschte Wirkungen eines Medikaments3, wird zuerst diese behandelt. Die Leitlinie schlägt zudem vor, die Medikation regelmäßig zu überprüfen, um Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu verringern1.

  • Medikamente bei Alzheimer-Demenz

    Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz empfiehlt die Leitlinie Acetylcholinesterasehemmer, bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz einen Wirkstoff aus der Gruppe der NMDA-Antagonisten. Ziel ist es, Denkleistung und Alltagsfähigkeiten zu stützen. Bei einer leichten kognitiven Störung werden Acetylcholinesterasehemmer nicht empfohlen1.

  • Training und Aktivierung

    Bei einer leichten kognitiven Störung und bei Demenz schlägt die Leitlinie körperliches Training vor, also Kraft- oder Ausdauertraining. Hinzu kommen Übungen für Gedächtnis und Denken, als kognitives Training oder als kognitive Stimulation. Bei Demenz wird körperliches Training auch mit Blick auf die Aktivitäten des täglichen Lebens empfohlen1.

  • Angehörige und Vorsorge

    Angehörige tragen viel. Für pflegende Angehörige schlägt die Leitlinie Schulungen vor, in denen Wissen über die Erkrankung vermittelt und der Umgang im Alltag geübt wird, auch die Kommunikation. Sie enthält außerdem Empfehlungen zu Fahreignung und vorausschauender Versorgungsplanung, über die früh gesprochen werden sollte1.

Welche Schritte im Einzelfall sinnvoll sind, wird individuell geplant, diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.


Demenz in Zahlen

Demenz ist vor allem eine Erkrankung des höheren Lebensalters. Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts zeigt, wie stark der Anteil der Betroffenen von Altersgruppe zu Altersgruppe zunimmt2.

Häufigkeit von Demenz nach Altersgruppen

Anteil der Personen mit dokumentierter Demenzdiagnose, Deutschland 2022, Hochrechnung aus AOK-Routinedaten, in Prozent

  • 65 bis 69 Jahre 1,21%
  • 75 bis 79 Jahre 5,57%
  • 85 bis 89 Jahre 18,01%
  • 95 Jahre und älterFrauen und Männer zusammen 31,53%

Von den 65- bis 69-Jährigen hat gut 1 Prozent eine Demenzdiagnose, bei den 85- bis 89-Jährigen sind es 18 Prozent und ab 95 Jahren knapp ein Drittel.

Quelle: Rommel A, Gaertner B, Neuhauser H et al. Demenzerkrankungen: Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Journal of Health Monitoring 2025;10(1):e13079, Annex Tabelle 1, Spalte Gesamt2

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Häufige Fragen

Ich vergesse häufiger Namen und Termine. Ist das schon eine Demenz?

Nicht unbedingt. Mit dem Alter lässt das Gedächtnis bei den meisten Menschen etwas nach, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Wer orientiert, urteilsfähig und selbstständig bleibt, hat eher eine normale Altersvergesslichkeit4. Nehmen die Probleme zu, fallen sie Angehörigen auf oder gelingen gewohnte Aufgaben schlechter, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Einen Test ganz ohne Beschwerden und ohne Anlass empfiehlt die Leitlinie dagegen nicht1.

Was bedeutet die Diagnose leichte kognitive Störung (MCI)?

Bei einer leichten kognitiven Störung lassen sich Einbußen von Gedächtnis oder Denken in Tests nachweisen, die Alltagskompetenz ist aber erhalten1. Sie ist keine Demenz. Weil sich daraus eine Demenz entwickeln kann, aber nicht muss, ist es wichtig, nach behandelbaren Ursachen zu suchen und den Verlauf im Blick zu behalten. Die Leitlinie schlägt bei MCI Übungen für Gedächtnis und Denken sowie körperliches Training vor. Acetylcholinesterasehemmer werden in diesem Stadium nicht empfohlen1.

Welche Ursachen von Gedächtnisstörungen sind behandelbar?

Hinter Beschwerden, die einer Demenz ähneln, kann auch eine Depression stecken, eine körperliche Erkrankung, zu wenig Flüssigkeit, fehlende Vitamine oder ein Medikament3. Die Leitlinie empfiehlt deshalb in der Basisdiagnostik unter anderem die Bestimmung von TSH und Vitamin B12 im Blut und schlägt vor, Symptome einer Depression standardisiert zu erfassen1. Wird eine solche Ursache gefunden, richtet sich die Behandlung zuerst danach.

Gibt es Medikamente gegen Demenz?

Für die Alzheimer-Demenz empfiehlt die Leitlinie je nach Stadium Acetylcholinesterasehemmer oder einen NMDA-Antagonisten. Sie sollen Denkleistung und Alltagsfähigkeiten stützen1. Die Leitlinie schlägt außerdem vor, Bluthochdruck auch zu behandeln, um das Risiko einer kognitiven Verschlechterung zu senken1. Seit 2026 ordnet sie zudem gegen Beta-Amyloid gerichtete Antikörper ein, deren Zulassung nur wenige Betroffene einschließt6. Was infrage kommt, hängt von Diagnose und Begleiterkrankungen ab.

Ich bin Angehörige oder Angehöriger. Wie kann ich mich einbringen?

Ihre Beobachtungen sind für die Einordnung wichtig. Die Leitlinie empfiehlt, Angehörige mit Zustimmung der betroffenen Person zu deren Alltag zu befragen1. Auch Ihre eigene Belastung gehört ins Gespräch: Für pflegende Angehörige schlägt die Leitlinie Schulung und das Training von Fertigkeiten vor1. Termine sind persönlich in Hamburg und bundesweit per Videosprechstunde möglich. Die Praxis behandelt Privatpatientinnen und Privatpatienten sowie Selbstzahler.


Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). S3-Leitlinie Demenzen (Living Guideline). AWMF-Registernummer 038-013, Version 6.1, Stand 27.04.2026. Zur Quelle
  2. Rommel A, Gaertner B, Neuhauser H, Yessimova D, Schröder H, Brückner G, Schüssel K, Porst M. Demenzerkrankungen: Prävalenz, Trends und regionale Verteilung in Deutschland. Eine Auswertung auf Basis von GKV-Routinedaten. Journal of Health Monitoring (Robert Koch-Institut) 2025;10(1):e13079. DOI 10.25646/13078. Zur Quelle
  3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Alzheimer-Demenz. gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 12.05.2025. Zur Quelle
  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Alzheimer-Demenz: Symptome und Verlauf. gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 12.05.2025. Zur Quelle
  5. Mollenhauer B, Förstl H, Deuschl G, Storch A, Oertel W, Trenkwalder C. Demenz mit Lewy-Körpern und Parkinson-Krankheit mit Demenz. Deutsches Ärzteblatt 2010;107(39):684-691. DOI 10.3238/arztebl.2010.0684. Zur Quelle
  6. Deutsches Ärzteblatt. Leitlinie Demenzen in aktualisierter Fassung erschienen. aerzteblatt.de, Rubrik Ärzteschaft, 10.03.2026. Zur Quelle

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Ärztlich geprüft von Dr. med. Amir Golsari, Ärztliche Leitung. Stand: .